Metal-CD-Review: Terra Atlantica – Age Of Steam (2020)

Alben-Titel: Age Of Steam
Band: Terra Atlantica (mehr)
Veröffentlichung: 14. August 2020
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Pride & Joy Music

Lineup:

Nico Hauschildt – Drums, Vocals (backing)
Tristan Harders – Vocals, Guitars, Bass, Songwriting, Lyrics

Track-Liste:

1. Rebirth 1815 (01:30)
2. Across the Sea of Time (04:30)
3. Mermaids‘ Isle (04:38)
4. Age of Steam (04:56)
5. The Treachery of Mortheon (04:47)
6. Forces of the Oceans, Unite! (05:25)
7. Quest into the Sky (03:53)
8. Believe in the Dawn (05:50)
9. Gates of the Netherrealm (05:47)
10. Rage of the Atlantic War (06:04)
11. Until the Morning Sun Appears (08:06)

Mit Volldampf voraus.

Gute drei Jahre nach ihrem respektablen Debüt-Album A CITY ONCE DIVINE (2017, siehe Review) legen die deutschen Power Metaller von TERRA ATLANTICA bereits nach. Das nunmehr über PRIDE & JOY Records erscheinende Zweitwerk trägt den vielversprechenden Titel AGE OF STEAM, beinhaltet 11 brandneue Tracks – und scheint sich thematisch noch mehr auf das von der Band auserkorene; durchaus erfrischende Sujet irgendwo zwischen Geschichten der rauen Seefahrt, heroisch angehauchten Abenteuern und einer Priese Steampunk zu fokussieren. Tatsächlich fühlt sich diese Herangehensweise auch absolut richtig an, scheint sie doch schier perfekt zur Band zu passen – wobei; und das bleibt nicht lange ein Geheimnis – man im Vergleich mit dem Vorgänger noch einmal einen ordentlichen Schritt nach vorn macht. Der war zwar ebenfalls schon recht inspirierend (und kassierte dementsprechend auch eine Wertung von immerhin 7.5 von 10 Punkten), klang einstweilen aber noch so als wollte man sich in verschiedene Richtungen ausprobieren. Ganz anders nun AGE OF STEAM: bereits die ersten Klänge des Albums (die zugegebenermaßen nicht bombastischer hätten ausfallen können) zeigen auf, dass TERRA ATLANTICA sich und ihren Stil endgültig gefunden haben.

Und daran lassen sie die geneigte Hörerschaft natürlich gern teilhaben – wobei es sich um ein Angebot handelt, das man zweifelsohne annehmen sollte. Es scheint schließlich, als hätten TERRA ATLANTICA (und damit vornehmlich die beiden auf diesem Album hauptsächlich beteiligten Akteure Tristan Harders und Nico Hauschildt) nicht nur ein außerordentliches Talent – sondern stets auch die richtigen Vorbilder gehabt. Eines der offensichtlicheren davon war und ist TIMELESS MIRACLE – eine Band, die bis heute leider ein ein-Album-Wunder (INTO THE ENCHANTED CHAMBER von 2005, siehe Review) geblieben ist, die aber doch ein wenig in den Kompositionen von TERRA ATLANTICA weiterzuleben scheint. Und das auch ohne die Mitwirkung des hiesigen Frontmann Mikael Holst, der auf dem Vorgängeralbum einen markanten Gastauftritt hatte. Doch natürlich dürfte eine Band wie TIMELESS MIRACLE nur einer von vielen Einflüssen sein, aus denen TERRA ATLANTICA letztendlich etwas völlig eigenständiges gemacht haben. AGE OF STEAM ist so gesehen ein typisch europäisches Power Metal-Album, welches eine große Portion Spielfreude an den Tag legt – aber eben auch ein recht spezielles Werk, das mit vielen kreativen und vor allem schier perfekt umgesetzten Ideen auftrumpft.

Davon kann sich nunmehr ein jeder selbst überzeugen – wobei natürlich insbesondere Nummern wie der sagenhaft daher-galoppierende Opener ACROSS THE SEA OF TIME oder das feucht-fröhliche QUEST INTO THE SKY die Herzen all jener höher schlagen lassen werden; die ihren Power Metal gern schnell, melodisch und kraftvoll serviert bekommen möchten – und darüber hinaus auch wuchtigen Inszenierungen seitens des Keyboards und der in diesem Falle wahrlich grandiosen Background-Chöre nicht abgeneigt ist. Wer das Genre kennt weiß, dass derlei rasante Nummern immer auch einen Gegenpart brauchen – der im Falle von AGE OF STEAM eventuell mit dem balladesken BELIEVE IN THE DAWN; noch eher aber mit dem fulminanten Rausschmeißer UNTIL THE MORNING SUN APPEARS zelebriert wird. Das schöne dabei ist, dass es sich eher nicht um eine typische und damit vor Kitsch und Schmalz triefende Liebeserklärung handelt – sondern um ein wunderbar stimmiges, angenehm melancholisch angehauchtes und letztendlich perfekt von Leadsänger Harders vorgetragenes Stück Power Metal-Geschichte. Wobei man spätestens an dessen Ender eine wohlige Gänsehaut entwickeln wird – dem energischen Erzählpart (der im Intro noch vergleichsweise befremdlich wirkte, kurioserweise) und den epischen Chorgesängen sei Dank.

Diese drei glasklaren Highlights zu Beginn, zur Mitte und zum Ende des Albums markieren so gesehen die Grundpfeiler von AGE OF STEAM – doch natürlich gibt es auch dazwischen einiges zu entdecken. Wie etwa den als Videosingle ausgekoppelten Titeltrack, der sich als überaus angenehmer Stampfer mit allerlei quirligen Gitarren-Frickeleien sowie einem hypnotisch-einprägsamen Refrain entpuppt. Höchst interessant, und unter Umständen etwas anspruchsvoller wird es mit nicht ganz so eingängigen Titeln wie MERMAIDS ISLE – in denen es etwas ruhiger (und ausnahmsweise auch mit weiblichem Gastgesang) zugeht, dafür aber eine ordentliche Portion Atmosphäre aufgefahren wird. Ebenfalls stark, und gleich in mehrerlei Hinsicht für einen frischen Wind sorgend ist THE TREACHERY OF MORTHEON – das mit gleich zwei Features in Form von Oleg Rudych (MAGISTARIUM) und Gabriel Tuxen (SEVEN THORNS) daherkommt. Fest steht: auf der Suche nach auffallend schwächeren oder vielleicht nicht ganz so gut aufgehenden Titeln hat man es AGE OF STEAM vergleichsweise schwer. Wie sollte es auch anders sein, wenn sich selbst eine zunächst eher unspektakulär anfühlende Nummer wie FORCES OF THE OCEANS, UNITE spätestens nach drei oder vier Durchläufen zu einer den Nacken dauerbelastenden Hymne mit dem gewissen Etwas entwickelt ? Und was überhaupt ist in einer Nummer wie RAGE OF THE ATLANTIC WAR los… ? Diese Nummer klingt beinahe so, als hätten (die frühen !) RHAPSODY OF FIRE plötzlich ihre Liebe zur Seefahrt entdeckt – ein wahrlich gelungener Einschub, zugegeben.

Schlussendlich: mit ihrem Zweitwerk AGE OF STEAM ist TERRA ATLANTICA ein wahrer Geniestreich gelungen. Und das sicher auch, da das Album einerseits als musikalische Reminiszenz an die enorm blütenreichen 2000er Jahre des europäischen Power Metals fungiert; andererseits aber auch völlig eigenständige Wege geht – und den Hörer einfach kaum mehr loslässt. Und das nicht nur in den ohnehin unvergleichlich packenden, entsprechend temporeichen und melodiösen Momenten – sondern auch während der ruhigeren Passagen. AGE OF STEAM ist eben tatsächlich wie eine Seefahrt. Manchmal ist das Meer eher ruhig, manchmal aber tobt es gewaltig – wobei der grundsätzliche Nervenkitzel, das Gefühl des Abenteuers aber in jedem Moment vorhanden ist.

Anspieltipps: ACROSS THE SEA OF TIME, QUEST INTO THE SKY, UNTIL THE MORNING SUN APPEARS

„Wenn das die Steigerung vom Debütalbum ist, wo soll das noch hinführen ? Age Of Steam rockt, und zwar in jeder Hinsicht.“

Metal-CD-Review: DREAMTALE – Everlasting Flame (2022)

Alben-Titel: Everlasting Flame
Band: Dreamtale (mehr)
Veröffentlichung: 01. April 2022
Land: Finnland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Zsolt Szilágyi – Guitars
Akseli Kaasalainen – Keyboards
Arto Pitkänen – Drums
Mikko Hepo-oja – Bass
Jarno Vitri – Vocals
Nitte Valo – Vocals
Rami Keränen – Guitars, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. King of Kings (04:52)
2. Blood of the Morning Star (05:25)
3. Last Goodbyes (03:21)
4. Ghostride (06:09)
5. Immortal Souls (04:59)
6. No Shadow Goes Too Far (04:33)
7. Summer Rose (03:50)
8. The Glory (03:55)
9. Eye for an Eye (04:44)
10. Lady Dragon (2022) (05:04)
11. Silent Scream (04:06)
12. Tanhupullo (02:32)
13. Sleeping Beauty (2022) (04:49)
14. Pirates‘ Lullaby (02:17)

Von der Flamme, die (hoffentlich) niemals verglüht.

Nein, die eigentliche Überraschung ist sicher nicht; dass DREAMTALE zurück sind. Schließlich wird ein jeder, der die Historie der Band bisher verfolgt hat – und sei es auch nur im Vorbeigehen – das neue Album EVERLASTING FLAME mit einer innig-heißen Vorfreude erwartet haben. Allerdings gab es dabei durchaus eines zu bedenken: das Lineup der finnischen Band hatte sich bekanntlich markant geändert. Genauer gesagt geriet das Jahr 2019 zu einem wahren Erneuerungsjahr für die Band, da gleich 4 neue Mitglieder an die Band-Front rekrutiert wurden. Unter anderem eben auch Jarno Vitri (MAT HATTER’S DEN) UND Nitte Valo (BATTLE BEAST) als Leadsänger, hier immer noch ohne Sternchen – was eine doch recht einschneidende Neuerung im musikalischen Konzept von DREAMTALE markieren sollte. Unter anderem deshalb ist es nur verständlich, dass nicht direkt jeder mit einer ausgeprägten Verzückung auf derlei Neuigkeiten reagierte. Doch wie die Zeit – und nun auch das Album EVERLASTING FLAME – zeigt, bestätigt glücklicherweise nicht jede Power Metal-Band gleich die schlimmsten aller Befürchtungen.

Anders gesagt: das, was die neuen alten DREAMTALE hier bereits im Opener KING OF KINGS (warum muss man hier eigentlich immer direkt an MANOWAR denken); ist eine Wucht – und grob gesagt eine Art musikalisches Material, das eventuell auch auf dem Debütalbum BEYOND REALITY (siehe Review) einen Platz hätte finden können. Sicher, vielleicht ist das noch nichts allzu ungewöhnliches. Doch das sich ausgerechnet eine Band derart treu bleibt, bei der man aufgrund etwaiger neuerer Entwicklungen eher gegenteiliges erwartet hätte; ist dann doch eine sich ganz wunderbar anfühlende Erfahrung. Und eine, deren Eindruck auch im weiteren Verlauf des Albums kaum geschmälert wird – sodass man bereits nach der zweiten und dritten sehr guten Nummer (BLOOD OF THE MORNING STAR und LAST GOODBYES) vor allem eines sagen kann: DREAMTALE haben auch diesen vergleichsweise einschneidenden Besetzungswechsel mit Bravour überstanden. Und: sich so gut wie überhaupt nicht von ihrer ursprünglich angepeilten Spielart und ihrem Stil entfernt. Auch die beiden neuen Sänger haben sich bereits so gut in das für DREAMTALE so typische Power Metal-Soundoutfit eingefügt, dass man meint die beiden müssten schon seit Ewigkeiten zur Band gehören.

EVERLASTING FLAME richtet sich so vor allem auch an alteingesessene und so gesehen eingeschworene DREAMTALE-Fans, die neues Futter zu einer gewohnt hohen Qualität erwarten können. Typisch ist so etwa auch der vergleichsweise exzessive Keyboardeinsatz, der – so sollte man meinen – spätestens auf WORLD CHANGED FOREVER (siehe Review) zu einem Aushängeschild der Band wurde. Eigentlich aber gehörten derlei Spielereien schon immer zum Sound der Band; der analog zum Band-Namen als dezent verträumt, die Fantasie anregend und dank der knackigen Metal-Elemente zumeist auch als äußerst mitreißend bezeichnet werden kann. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass alle die auf ein eher harsches Metal-Brett hoffen; nicht unbedingt glücklich werden sollten im allgemeinen DREAMTALE-Fundus. Aber das macht nichts, gibt es doch genügend Alternativen.

Doch hat EVERLASTING FLAME wirklich in jeder Hinsicht das Zeug dazu, als relativ unantastbares Album in die insgesamt doch überdurchschnittlich glanzvolle Historie an Releases von DREAMTALE einzureihen ? Hier gibt es nur eine klare Antwort: ja – und auch nein. Für das Album sprechen der deutlich ausgelebte Hang und so gesehen die Treue zum Ursprungssound der Band, die zumeist wunderbar gelungenen Intermezzi aus knackigen Gitarrenriffs und melodischen Keyboardelementen, die griffig-hymnischen Refrains sowie die Leistungen aller beteiligten Mitglieder und insbesondere auch der Leadsänger. Dagegen spricht, dass sich die Band teilweise und warum-auch-immer dem Sound gleich zwei anderer finnischer Bands genähert hat, ob absichtlich oder nicht. Zum einen NIGHTWISH – wobei der Begriff der Absichtlichkeit recht nahe liegen sollte, lauscht man nur einmal einer symphonisch angehauchten Nummer wie GHOSTRIDE (hier passt sogar der Titel, sowie auch die gesamte Aufmachung). Und zum anderen AMBERIAN DAWN – die man in Nummern wie IMMORTAL SOULS oder dem ruhigeren NO SHADOW GOES TO FAR relativ gut wiedererkennen kann. Als dezent merkwürdig könnte man sicher auch EYE FOR AN EYE einstufen – eine Nummer, die von einem sich extrem fremd anfühlenden Auftakt eingeleitet wird, und auch im weiteren Verlauf weder Fisch noch Fleisch ist.

Immerhin könnte man einwenden, dass das relativ egal ist; wenn man dafür auch absolut originäre Nummern wie THE GLORY serviert bekommt – ein Titel, der passenderweise auch als Video-Single ausgekoppelt wurde. Überhaupt scheint das Album im späteren Verlauf wieder stärker und stärker zu werden – wobei auch die Neuaufnahmen der beiden alten Songs LADY DRAGON und SLEEPING BEAUTY (das ist vielleicht sogar besser als das Original) in Ordnung gehen, bedienen sie sich einer interessanten neuen Herangehensweise. Mit Nummern wie SILENT SCREAM zeigen DREAMTALE dann aber endgültig und endlich auch vollends überzeugend auf, wie die Band zu einigen frischen Klängen finden kann – auch ganz ohne allzu offensichtlich nach den Kollegen von NIGHTWISH zu klingen. Das nicht ganz ernst gemeinte TANHUPULLO macht einen Heidenspaß, auch ohne die Lyrics erst durch den Übersetzer zu jagen – und der Rausschmeißer PIRATES LULLABY macht schon wieder derart Lust auf mehr (indem er einiges andeutet), dass man gespannt sein darf auf die Zukunft von DREAMTALE.

Insgesamt betrachtet ist EVERLASTING FLAME damit als absolut gelungenes Rückkehr-Album zu bewerten, dass in so gut wie allen Belangen eine außerordentlich gute Figur macht – erst Recht in Anbetracht der fast gänzlich neuen Besetzung. Sieht man über zwei oder drei dezent schwächere Nummern in der Mitte des Albums hinweg, ist sogar von einem mehr als markanten Genre-Volltreffer zu sprechen. EVERLASTING FLAME, oder: ein Album, welches als heißer Kandidat für das beste Power Metal-Album des Jahres 2022 gehandelt werden kann.

Anspieltipps: KING OF KINGS, BLOOD OF THE MORNING STAR, THE GLORY, SILENT SCREAM

„Eine Überraschung der ebenso unerwarteten wie lohnenswerten Sorte.“

Diese Wertung sorgt für eine Festigung von DREAMTALE in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: Tristan Harders‘ Twilight Theatre – Drifting Into Insanity (2022)

Alben-Titel: Drifting Into Insanity
Band: Tristan Harders‘ Twilight Theatre (mehr)
Veröffentlichung: 14. Januar 2022
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Pride & Joy Music

Lineup:

Tristan Harders – Vocals, Guitars, Bass, Keyboards, Drum Programming

Track-Liste:

1. Entrance (00:30)
2. The End (05:09)
3. Open the Gates (04:24)
4. Rise Against the Tyranny (04:15)
5. Halls of Glory (04:44)
6. Interlude in G# Minor (01:19)
7. Quest into the Mountains of Steel (04:46)
8. When Fairytales Are Gone (05:16)
9. In the Realms of Memories (04:19)
10. Back to Avalon (05:17)
11. Save Me from Insanity (05:09)
12. Between the Battles (03:44)

Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich nah beieinander.

Wer die deutsche Power Metal-Szene in den letzten Jahren auch nur halbwegs aufmerksam beobachtet hat, der wird an einer Band kaum vorbeigekommen sein: TERRA ATLANTICA. Nachdem die noch relativ frische Combo ihr mehr als respektables Debütalbum A CITY ONCE DIVINE (auf dem unter anderem auch TIMELESS MIRACLE-Frontmann Mikael Holst vertreten war, siehe Review) vor noch gar nicht allzu langer Zeit an den Start gebracht hatte, schien eines schnell klar: man müsste auch in Zukunft mit TERRA ATLANTICA rechnen. Und tatsächlich: die ab dem ersten Tag von der Band ausgehende, jederzeit spür- und sichtbare Energie ist eben nicht verpufft, sondern hat sich entsprechend in neuen musikalischen Werken manifestiert. Glücklicherweise, sollte man wohl meinen – ist aus TERRA ATLANTICA doch auffallend schnell eine Band geworden, die mehr macht als ihre Liebe zur Musik und speziell zum Genre des Power Metals zu zelebrieren. Anders gesagt: die einst jungen Fans des Genres wurden vergleichsweise rasant zu vollkommen eigenständigen Künstlern, die ihr heiß geliebtes musikalisches Genre nicht nur bedienen – sondern um eine lohnenswerte Facette bereichern.

Und auch wenn der Schritt durchaus etwas überraschend war, im eigentlichen Sinne verwunderlich ist das nunmehr ins Leben gerufene Solo-Projekt des hiesigen Leadsängers Tristan Harders nicht – hat man ihm doch recht schnell angemerkt, dass er einige zusätzliche ihm unter den Nägeln brennende Geschichten in Petto hat. Und auch, dass er einiges von seinem Handwerk versteht – das sich im übrigen schon längst nicht mehr nur auf den Gesangsbereich bezieht. Im Zuge seiner üppig betitelten Band TRISTAN HARDERS‘ TWILIGHT THEATRE hat er schließlich auch alle anderen, bei einem Metal-Album üblicherweise anfallenden Aufgaben übernommen respektive Posten besetzt. Und das ist nicht nur so daher gesagt, denn: selbst für alle produktionsrelevanten Aspekte ist allein Tristan Harders verantwortlich. Vielleicht klingt das etwas mutig und gewagt – zumal es nicht wenige Genre-Alternativen gibt, die mit ganz ähnlichen Ambitionen relativ sang- und klaglos gescheitert sind. Es ist, wie es ist: das Erschaffen und die Produktion eines Albums ist eben kein Pappenstiel. Erst Recht nicht, wenn es am Ende auch noch wirklich gut klingen soll.

Doch wer bereits einige der Youtube-Clips von Tristan Harders gesehen hat weiß, dass man diesbezüglich schnell eine entsprechende Entwarnung aussprechen kann. Glücklicherweise liefert auch DRIFTING INTO INSANITY einen recht schnellen Beweis dafür, dass es dem Album hinsichtlich seiner Inszenierung und des angenehm geballten Sounds an wenig mangelt. Anders gesagt: das an den Tag gelegte Handwerk und die technischen Sound-Aspekte geben nahezu keinen Anlass, Kritik zu üben. Vor allem dann nicht wenn man bedenkt, dass das Multitalent Harders noch nicht allzu lange im Geschäft ist und vielleicht auch nicht die gleichen Möglichkeiten wie andere bereits etablierte Musiker hat – was man dem Album aber nicht wirklich anhört. So ist bereits der Opener THE END ein Power Metal-Freudenfest der Extraklasse – und das sicher auch, da er alle benötigten Zutaten dafür an den Start bringt. Der antreibende Double-Bass, die knackigen Gitarren um Rhythmus- und Soli-Bereich, der energetische Leadgesang sowie der packende Refrain machen Laune – und quasi obendrauf gibt es eine große Portion gar nicht mal uninspirierter Lyrics und allerlei musikalische Spielereien respektive Facetten, die das Projekt von Tristan Harders überraschend eigenständig klingen lassen. Und das trotz der letztendlich doch recht gewöhnlichen Zutaten (man sieht, manchmal braucht es einfach nicht mehr) – das schafft beileibe nicht jeder.

Was das Album im weiteren Verlauf ausmacht, ist dann vornehmlich eines: das Zusammenspiel aus einem weitestgehend beeindruckenden Handwerk, größtenteils aufgehenden Ideen und einer riesengroßen Portion Charme. Denn: wer eine Band wie TERRA ATLANTICA respektive Harders schon einmal in Aktion erlebt hat weiß, wie sehr er das was er macht auch wirklich lebt und liebt. Entsprechend ehrlich und wenn man so will glaubwürdig klingt auch sein offensichtliches Herzensprojekt DRIFTING INTO INSANITY – ein Album, das einfach Spaß und direkt Lust auf mehr macht. Und das selbst, wenn es mal etwas ruhiger zugeht – wie im super-soliden Stampfer HALLS OF GLORY. Aber gibt es wirklich rein gar nichts zu meckern an DRIFTING INTO INSANITY ? Dieses Urteil wird je nach persönlicher Facón anders ausfallen. Vielleicht könnte man noch ein wenig hinsichtlich der Präsentation und Gewichtung einzelner Elemente feilen – schließlich gibt es Momente, in denen der Leadgesang doch ein klein wenig zu laut wirkt und relativ viel Raum einzunehmen scheint – auch, aber eben nicht nur wenn zu hohen Screams angesetzt wird (z.B. in BACK TO AVALON). Ein riesiges Lob muss man dagegen für die wunderbar stimmigen Instrumental-Parts aussprechen, die aus mitreißenden Gitarren-Soli und recht TERRA ATLANTICAesken; dabei aber niemals zu aufdringlichen Keyboard-Elementen bestehen (wie in RISE AGAINST THE TYRANNY).

Insgesamt betrachtet macht DRIFTING INTO INSANITY vor allem eines klar: eventuelle Befürchtungen, dass die Qualität der Musik sowohl von TERRA ATLANTICA als auch diesem Solo-Projekt aufgrund der vermeintlichen „Doppelbelastung“ leiden könnten; sind vollkommen unbegründet. Alles, was jetzt noch fehlen könnte wird sicher mit der Zeit – und mit der Erfahrung – kommen. Man darf demnach äußerst gespannt sein auf das, was die Zukunft von TERRA ATLANTICA und TRISTAN HARDERS‘ TWILIGHT THEATRE bereithalten wird.

Anspieltipps: THE END, RISE AGAINST THE TYRANNY, HALLS OF GLORY, IN THE REALMS OF MEMORIES

„Ein super-solides Debütalbum voller Spielfreude und mit einer handvoll wunderbar-wuchtiger Genre-Hymnen – so darf es gerne weitergehen.“

Metal-CD-Review: KELDIAN – The Bloodwater Rebellion (2022)

Alben-Titel: The Bloodwater Rebellion
Band: Keldian (mehr)
Veröffentlichung: 10. Juni 2022
Land: Norwegen
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Galactic Butterfly Music

Lineup:

Christer Andresen – Bass, Guitars, Vocals
Arild Aardalen – Keyboards, Vocals (additional)

Track-Liste:

1. The Million Dollar Mile (05:10)
2. I Am The Taker (04:17)
3. Tundra (04:08)
4. The Lighthouse Burden (05:24)
5. Voices of the Dead (04:16)
6. A Ghost And A Promise (04:44)
7. We Are Rebellion (06:10)
8. The Legacy Lament (05:34)
9. Thunderstorm Of The Century (06:49)

Von Rebellionen und solchen, auf die man hätte verzichten können.

Ein jeder, der dem glücklicherweise recht breit gefächerten Genre des Power Metals auch nur ansatzweise zugetan ist; wird es neidlos zugestehen müssen: Momente, in denen die Jungs von KELDIAN etwas neues von sich hören lassen; sind generell wunderbare Momente. Nicht von ungefähr gilt die aus Norwegen stammenden 2-Mann-Combo als waschechter Geheimtipp – und das schon seit vielen Jahren. Wobei gerade das auch schon wieder relativ verwunderlich erscheint – müsste die Band doch schon längst über diesen Status hinausgekommen sein; nicht zuletzt in Anbetracht ihrer ureigenen musikalischen Qualitäten. Entsprechend handfeste Belege für das, wozu KELDIAN imstande sind; gibt es schließlich zuhauf: Alben wie HEAVEN’S GATE (Review), JOURNEY OF SOULS (Review) oder OUTBOUND (Review) stellten und stellen sich als wahre Leuchtfeuer in der hauseigenen Diskografie der Norweger heraus. Und das nicht nur, weil es sich im Hinblick auf das Handwerk relativ zweifelsfrei um sehr gute Power Metal-Alben handelt – sondern auch und vornehmlich, da KELDIAN seit jeher ihren ganz eigenen Stil an den Tag gelegt haben. Einen Stil, der mit keiner anderen damals oder derzeit aktiven Band vergleichbar ist – und der mitunter als sphärisch, mindestens aber angenehm abenteuerlich bezeichnet werden kann.

Auch das letztaktuelle Studiowerk DARKNESS AND LIGHT (Review) konnte, obwohl es insgesamt betrachtet dezent hinter den Vorgängern anstehen musste, meist selbst sonst eher kritische Hörer überzeugen – indem es einige für die Band eher frische und ungewohnte, dabei aber stets außerordentlich gut durchdachte und schier perfekt in Szene gesetzte Inhalte anzubieten wusste. Überhaupt erscheint es gerade in Anbetracht eines Albums wie DARKNESS AND LIGHT – und nun auch THE BLOODWATER REBELLION – äußerst schwierig zu sein, KELDIAN ausschließlich im Bereich eines eher klassischen Power Metals verorten zu wollen. Natürlich bedienen sie dieses Genre – und das mitunter so packend, emotional und meisterlich; dass einem die Tränen kommen könnten – doch sind ihre musikalischen Einflüsse weitaus zahlreicher. Seien es diverse Einflüsse aus der Popmusik-Kultur der 80er Jahre, Anleihen aus elektronischen Musik-Genres oder generell ein Handwerk, welches auch Genres wie die des Rocks und Hardrocks ausmacht – zusammen mit den meist etwas höher greifenden thematischen Inhalten haben KELDIAN seit jeher dafür gesorgt, dass ihr musikalischer Output zu etwas ganz besonderem wird.

Das erste relative Problem, welches speziell das neueste Album BLOODWATER REBELLION diesbezüglich offenbart; liegt indes schnell auf der Hand: KELDIAN haben dieses Mal weitestgehend darauf verzichtet, sich unter dem Banner ihres ursprünglich angepeilten Genres auszutoben. Anders gesagt: die Anteile des Power Metals (wie man in per Definition oder aber von der Vergangenheit KELDIANs kennt) wurden stark zurückgefahren, das Album fällt oberflächlich betrachtet deutlich weniger temporeich, unspektakulärer und zusätzlich in Richtung eines melodischen Elektro-Rocks getrimmten Stils aus. Sicher muss dies noch nichts schlechtes bedeuten, da sich eine jede Band im Laufe ihrer Karriere musikalisch weiterentwickelt, vielleicht auch weiterentwickeln sollte – doch gerade in diesem Fall handelt es sich dann doch um eine relativ schmerzvolle Erkenntnis. Denn, und das fällt insbesondere jetzt auf: KELDIAN waren immer dann besonders herausragend, wenn sie die Grenzen des Power Metals für sich ausgelotet haben. Also etwa, indem sie einige grundlegende Basis-Zutaten wie ein schnelles Tempo, prägnante Riffs und mitreißende Refrains mit ihren ganz persönlichen Soundmerkmalen garniert und zu einem ebenso komplexen wie zufriedenstellenden Ganzen verwoben haben.

Diese Ära in der Historie KELDIANs scheint nun allerdings – und leider – vorüber. Wobei die Probleme gar nicht erst mit der neuen stilistischen Ausrichtung beginnen, sondern bereits mit dem schier unsäglichen, sich im Sinne eines Alptraums in die Synapsen brennenden Cover-Artworks (gut, kann man so machen) sowie dem direkt auffallenden inhaltlich-thematischen Konzept. Es scheint offensichtlich, dass KELDIAN die Corona-Krise „genutzt“ haben – und sich aus den augenscheinlichen, mit ihr einhergehenden Problemen eine entsprechend düstere, dystopische Version einer Zukunft erdacht haben. Eine, die eigentlich gar nicht so erschreckend erscheint in Anbetracht der verstörenden Zeiten, in denen wir aktuell leben – was doch einiges an der eventuell beabsichtigten Wirkungskraft verpuffen lässt. Anders gesagt: die angesprochenen Probleme und Song-Ideen erscheinen, auch wenn sie durchaus einen aktuellen Bezug haben (wie es bereits anhand der Single-Auskopplung WE ARE REBELLION zu sehen war), eher merkwürdig gewichtet und mäandrierend, ohne auf einen wirklichen Punkt zu kommen. So kommt vor allem ein Gedanke auf: vielleicht hätten KELDIAN bei ihren bisherigen Themenfelder bleiben sollen; mit klaren Anti-Politik-Nummern wie SNAKES OF THE EARTH (der war auf DARKNESS AND LIGHT) als Ausnahme respektive besondere Beigabe. Themen, die den Zuhörer gefühlt in andere Sphären „entführt“ haben, auf dass man (im besten Fall) einen ganz anderen Blick auf die Welt erhält – anstatt sich nun relativ lehrerhaft und plakativ aufzeigen lassen zu müssen, was der Meinung KELDIANs nach alles schief läuft. Ob nun in unserer oder der Welt von BLOODWATER REBELLION, das spielt nicht wirklich eine Rolle.

Doch selbstverständlich handelt es sich bei derartigen inhaltlichen Interpretationen und Gedanken um höchst subjektive Gedanken, und es wird noch immer einige geben die diese neue Herangehensweise von KELDIAN umso mehr zu schätzen wissen. Ob das allerdings auch für die Musik selbst gelten kann, sei einmal dahingestellt. Denn: BLOODWATER REBELLION klingt schlicht verdammt; nun, heruntergeputzt. Heruntergeputzt oder heruntergeschraubt auf ein Minimum, mit vielen Passagen und Klängen die eher beschaulich vor sich dahinplätschern als wirklich mitzureißen. Schlimmer noch, manchmal gerät der Sound von KELDIAN sogar absolut banal, wie etwa im Opener THE MILLION DOLLAR MILE mit seiner spätestens seit STRATOVARIUS‘ HUNTING AND LOW allseits bekannten Anti-Gier-These und den unsäglichen „Yummy-Yummy“-Einwürfen. Das tut richtig weh, erst Recht in Anbetracht dessen dass KELDIAN noch immer ihr Handwerk verstehen – in Bezug auf die Instrumente und den Leadgesang gibt es (fast) nichts zu mäkeln, wobei der spätere Soli-Part sogar Erinnerungen an alte, glanzvolle Zeiten wach werden lässt. Aber was soll man machen, wenn die Ideen, der zündende Funke und vor allem die Energie fehlen ?

So gesellt sich eine eher schwergängige Nummer an die nächste. Schwergängig deshalb, weil nicht nur das Tempo und der gewohnte Druck fehlen – sondern auch, da KELDIAN weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Und tatsächlich: unspektakulär-säuselnde Postrock-Nummern wie I AM THE TAKER oder TUNDRA hätten es früher vielleicht auf irgendeine B-Seite geschafft, als Ergänzung – nun aber sollen sie ein ganzes Album stemmen, was einfach nicht funktioniert. Wo ist das Feuer, wo die Inspiration ? Einzig einige Instrumental-Strecken wissen zu überzeugen – aber auch gilt: früher hätte man daraus ein stimmiges Interlude, und keine(n) vollwertigen Titel gemacht. Wer meint, dass es nicht viel schlimmer geht; sollte sich allerdings erst Nummern wie A GHOST AND A PROMISE widmen. Hier werden ganz, ganz böse Parallelen zu den Kollegen von SONATA ARCTICA ersichtlich, die sich auf ihren neueren Alben ebenfalls in so manche Richtung ausprobiert haben. Ja, selbst eine Nummer wie THE LEGACY LAMENT klingt trotz des eigentlich von der Band bekannten sphärischen Anstrichs merkwürdig aufgesetzt. Zumal der (hörbar angestrengte) Leadgesang von Christer Andresen hier wahrlich nicht glänzt. Selbst die spätere Instrumentalpassage wird durch einen viel zu lauten Synthesizer zerstört – solche Abmischungs-Probleme sind bei KELDIAN bisher noch nicht vorgekommen.

Lediglich Nummern wie THE LIGHTHOUSE BURDEN, VOICES OF THE DEATH und eventuell WE ARE REBELLION lassen ein wenig des guten alten KELDIAN-Flairs durchklingen – allerdings noch immer auf einem deutlich mittelprächtigeren Niveau als zuvor. Insgesamt betrachtet handelt es sich hier also – und leider Gottes – um einen doppelten Reinfall. THE BLOODWATER REBELLION ist einerseits enttäuschend, da sich KELDIAN so weit weg von ihren musikalischen Wurzeln bewegen dass es schmerzt, auch wenn man durchaus Toleranz gegenüber Neuentwicklungen mitbringt – und andererseits, da es als Konzeptalbum nur wenig Aufsehen erregen kann. Viel zu flach und minimalistisch ist die Herangehensweise, viel zu uninspiriert und unemotional der Gesamteindruck. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Album eine Ausnahme ist und bleibt – und KELDIAN wieder zu alten Stärken zurückfinden. Ansonsten könnte es das nämlich gewesen sein mit dem „Geheimtipp“ aus Norwegen – wenngleich die älteren Alben natürlich niemals vergessen werden sollten.

Anspieltipps: THE LIGHTHOUSE BURDEN

„Mit etwas Glück nur ein Ausrutscher, mit etwas Pech der Niedergang einer Legende.“

Diese Wertung sorgt für einen Abstieg von KELDIAN in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: FALCONER – From A Dying Ember (2020)

Alben-Titel: From A Dying Ember
Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichung: 26. Juni 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Metal Blade Records

Lineup:

Stefan Weinerhall – Guitars
Karsten Larsson – Drums
Mathias Blad – Vocals
Magnus Linhardt – Bass
Jimmy Hedlund – Guitars

Track-Liste:

1. Kings and Queens (04:40)
2. Desert Dreams (03:58)
3. Redeem and Repent (04:21)
4. Bland sump och dy (03:13)
5. Fool’s Crusade (05:25)
6. Garnets and a Gilded Rose (02:32)
7. In Regal Attire (03:53)
8. Rejoice the Adorned (03:41)
9. Testify (04:18)
10. Thrust the Dagger Deep (03:39)
11. Rapture (06:37)

Von einer Glut, die niemals vollständig verglimmt.

Fans der bekannten schwedischen Power Metal-Formation FALCONER werden es bereits gehört haben, für alle anderen sei es an dieser Stelle noch einmal erwähnt: ja, es ist leider wahr. FALCONER werden nach nunmehr 21 Jahren ihre musikalische Laufbahn respektive Karriere beenden – und mit dem heute zu Rezensionszwecken vorliegenden neunten Studioalbum FROM A DYING EMBER ihr letztes Studiowerk vorlegen. Zweifelsohne kommt diese Mitteilung ebenso unerwartet wie schockierend – und sollte die meisten Kenner der Band mit einem weinenden, aber eben auch einem lachenden Auge zurücklassen. Weinend deshalb, da FALCONER einen alles andere als unerheblichen Beitrag zum Power Metal-Genre geleistet haben – und man fortan auf weitere wahrhaft exzellente Werke wie das Debütalbum FALCONER (2001, siehe Review), CHAPTERS FROM A VALE FORLORN (2002, Review) oder NORTHWIND (2006, Review) verzichten muss. Lachend zurückgelassen wird man dagegen deshalb, da die Schweden eben nicht sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden wie so viele andere – und gegenüber ihren Fans eine klare Linie fahren. Und vielleicht ja auch, da sie im berühmt-berüchtigten schönsten Moment aufhören ? Dafür müsste FROM A DYING EMBER allerdings nochmal richtig einen raushauen – zumindest mehr, als das zuletzt erschienene BLACK MOON RISING (2014, Review) oder der komplett in der Landessprache der Schweden eingesungene Vorgänger ARMOD (2011, Review).

Die Chancen dafür sollten grundsätzlich gut stehen – denn wo sonst findet man schon eine derart erfahrene Band wie FALCONER, die selbst eine ihrer wohl größten Bewährungsproben (das war der Moment, in dem Leadsänger Mathias Blad die Band kurzzeitig respektive für immerhin 2 Alben verließ) doch noch mit Bravour bestand ? Fraglich ist demnach wohl nur, ob und wie sich das Wissen um den Status von FROM A DYING EMBER als letztes FALCONER-Album auf den Schöpfungsprozess ausgewirkt hat. Oder anders gefragt: haben FALCONER wirklich noch einmal alles gegeben, und ihrer Hörerschaft ein allerletztes Meisterwerk kredenzt ? Oder haben sie sich doch eher auf vergangene Erfolge besonnen, und es eher ruhig angehen lassen ? Um diese Frage möglichst treffend zu beantworten, könnte es ausnahmsweise einmal hilfreich sein sie eben nicht allzu angestrengt zu forcieren – sondern FROM A DYING EMBER stattdessen möglichst vorurteilsfrei und so gesehen auch als weiteres handelsübliches FALCONER-Album zu betrachten.

Das Album wird von KINGS AND QUEENS eröffnet – einer nicht besonders schnellen, aber gewissermaßen typischen FALCONER-Nummer mit prägnanten Riffs, interessanten Breaks und selbstverständlich auch dem – man kann es ruhig sagen – traumhaften Leadgesang von Mathias Blad. Entsprechend schnell ist man auch drin im Kosmos von FROM A DYING EMBER, das eindeutig als FALCONER-Album – und damit jener Band, die viele im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kennen und lieben gelernt haben – zu identifizieren ist. Streiten könnte man sich wohl nur darüber, ob es sich bei dieser Nummer wirklich um einen treffenden Opener handelt – und ob nicht das folgende DESERT DREAMS besser geeignet gewesen wäre. Hier ziehen FALCONER schließlich noch einmal deutlich an, nicht nur was das Tempo betrifft – auch der geniale Refrain lässt Erinnerungen an die ganz großen Band-Momente wach werden. Hier ist eben überall ein wenig mehr drin, auch in den Strophen und dem Soli-Part – es handelt sich klar um das erste waschechte Highlight des Albums. Doch es geht weiter – auch mit REDEEM AND REPENT gibt man sich nicht die Blöße, und serviert dem Hörer viele der typischen (und eben auch: typisch-genialen) FALCONER-Trademarks. Denn seien es das hervorragende Songwriting, die Vielfalt und Wandelbarkeit innerhalb einzelner Titel, der allgemeine lyrische Tiefgang oder die perfekte Symbiose aus schön knackig klingenden Gitarren und dem weichen Leadgesang von Mathias Blad – so, und nicht anders macht ein FALCONER-Album wirklich Spaß.

Kleinere Abzüge in der B-Note gibt es auch, doch die sind je nach persönlicher Facón zu verschmerzen. So ist festzustellen – und wenn auch nur in einem höchst dezenten Maße – dass Mathias Blad möglicherweise nicht die beste Leistung seiner Karriere abruft. Sicher, grundsätzlich klingt er so markant und einzigartig wie eh und je, und damit auch gewissermaßen erhaben – doch ein kleiner Randeindruck, dass er auf früheren Alben für einen möglicherweise noch runderen Gesamteindruck gesorgt hat, lässt sich nicht gänzlich verdrängen. Ein Beispiel dafür findet sich etwa in FOOL’S CRUSADE – einer Nummer, bei der man das Gefühl bekommen könnte dass Blad der (wirklich starken) Instrumental-Front weniger entgegenzusetzen hat als zuvor. Das gilt natürlich nicht für die (gut platzierten) Momente, bei der sich die Instrumente auch mal etwas weiter zurückziehen – und Blad zu größeren gesanglichen Rundumschlägen ausholen kann – davon hätten es gerne noch etwas mehr sein dürfen. Ebenfalls fraglich respektive eine Geschmacksfrage ist, ob ein erneut auf schwedisch eingesungener Titel wie BLAND SUMP OCH DY etwas in der relativen Mitte des Albums zu suchen hat – und nicht besser am Ende oder als Bonustrack aufgehoben gewesen wäre.

Dann wird das Album aber noch einmal richtig stark: das mittelalterlich anmutende, später von satten Riffs durchzogene Instrumental GARNETS AND A GILDED ROSE bietet eine nette Abwechslung, und bietet den wohl perfekten Auftakt für das folgende IN REGAL ATTIRE. Selbige Nummer hat die wohl am stärksten voranpreschenden Strophen des Albums – schade nur, dass der eher entschleunigende Refrain diesbezüglich kaum mithalten kann und größeres verhindert. REJOICE THE ADORNED dagegen zeigt noch einmal auf, was Mathias Blad wirklich kann – und wirkt damit weniger wie eine typische Power Metal-Ballade, sondern vielmehr wie ein kleines Kunstwerk. Gänsehaut gibt es spätestens beim großen Finale, in dem auch noch ein kleiner Chor einsetzt – der Wahnsinn. Analog dazu ist es nur gut, dass FALCONER eines definitiv nicht können: kitschig klingen. TESTIFY wiederum passt inhaltlich perfekt zum Dasein des Albums als Abschluss-Werk – während TRUST THE DAGGER DEEP mit einigen Sound-Elementen aufwartet, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Auch hier gilt: es handelt sich um eine Geschmacksfrage. Aber: warum setzt man das Ganze nicht einfach an das Ende des Albums ? Immerhin, mit dem eigentlichen Rausschmeißer RAPTURE wartet noch einmal ein kleiner Hochkaräter auf den Hörer, der – gewissermaßen passend zu etwaigen Gedankenspielen über das Ende von FALCONER – ein kleines Gefühlschaos auszulösen vermag. Die Instrumentalstrecken und heftigen Tempoausbrüche gegen Ende, mit der FALCONER genialerweise sogar den Kreis zu ihrer Vergangenheit als MITHOTYN (das war lange her) schließen; sind jedenfalls höchst interessant.

Schlussendlich: FROM A DYING EMBER ist ein sehr gutes FALCONER-Album geworden. Vermutlich nicht ihr bestes – aber das war in Anbetracht der ruhmreichen Historie der Band auch nicht unbedingt zu erwarten. Fest steht nur, dass es ihr letztes ist – und in Anbetracht dessen ist den Schweden der Abschluss doch mehr als zufriedenstellend gelungen. Fans sollten ihre Sammlung also dringend vervollständigen – und fortan in (hoffentlich schönen) Erinnerungen über eine der besten Power Metal-Bands aller Zeiten schwelgen. Danke, FALCONER.

Anspieltipps: DESERT DREAMS, REDEEM AND REPENT, IN REGAL ATTIRE, REJOICE THE ADORNED, TESTIFY


„Ein würdiger Abschied einer großartigen Band.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von FALCONER in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: ALESTORM – Curse Of The Crystal Coconut (2020)

Alben-Titel: Curse Of The Crystal Coconut
Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichung: 29. Mai 2020
Land: Schottland / USA
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Christopher Bowes – Keyboards, Vocals
Gareth Murdock – Bass
Peter Alcorn – Drums
Elliot Vernon – Keyboards, Vocals
Máté Bodor – Guitars

Track-Liste:

1. Treasure Chest Party Quest (04:16)
2. Fannybaws (04:14)
3. Chomp Chomp (03:32)
4. Tortuga (03:22)
5. Zombies Ate My Pirate Ship (05:04)
6. Call of the Waves (05:05)
7. Pirate’s Scorn (Donkey Kong Country cover) (02:47)
8. Shit Boat (No Fans) (01:14)
9. Pirate Metal Drinking Crew (03:45)
10. Wooden Leg Part 2 (The Woodening) (08:06)
11. Henry Martin (02:29)

Irgendwer hat mir da doch schon wieder was ins Getränk gemischt.

Ja, es ist mal wieder so weit – ALESTORM sind zurück. Im Gepäck haben die Schotten (die sich mittlerweile gerne in den USA aufhalten und sicher auch den ein oder anderen Trip gen Mexiko wagen) ihr sechstes offizielles Studioalbum mit dem prächtigen Titel CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT. Der Silberling erscheint wie schon die Vorgänger über Napalm Records, beinhaltet 11 brandneue Tracks und wird – das kann man ruhig schon einmal im voraus festhalten – den typischen Spaßfaktor der Marke ALESTORM auch dieses Mal nicht zu kurz kommen lassen. Einen raubeinigen Spaßfaktor der – und das muss man der eigentlich schon seit 2004 aktiven Band in jedem Fall zugute halten – sich seit jeher auf ein höchst solides Handwerks-Fundament stützt. Die alles entscheidende Frage ist also – und das heute wie damals – in wie weit man generell geneigt ist, sich den illustren Seeräuber-Abenteuern rund um Kapitän Christopher Bowes hinzugeben. Denn eines steht mit Sicherheit fest: die Musik von ALESTORM, oder eher ihre ebenso eigentümliche wie spaßige Interpretation des Genres wird beileibe nicht jedermann gefallen. Aber vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

In Richtung der langjährigen Fans kann man zumindest – und nach dem ersten tieferen Einstieg in die Welt von CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT – Entwarnung geben. Schließlich sind ALESTORM weder gealtert noch haben sie großartig an ihrer angepeilten Spielart geschraubt – womit sie ab den ersten Klängen des Openers TREASURE CHEST PARTY QUEST direkt als jene einzigartigen Schotten erkannt werden können, die sie nun einmal sind. Nur eine Sache könnte unter Umständen als dezent problematisch angesehen werden, auch wenn man die Musik von ALESTORM noch nie als anspruchsvoll bezeichnen konnte: im Vergleich mit den Vorgängern scheint CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT in Sachen Eingängigkeit, genereller Oberflächlichkeit und vor allem lyrischer Einfachheit noch einmal ein Portiönchen draufzusetzen. Das kann man mögen, wobei es in erster Linie dem raubeinig-authentischen Leadgesang von Christopher Bowes zu verdanken ist, dass das Konzept dennoch gut aufgeht – man muss es aber nicht. Anders gesagt: wem eine Nummer wie MEXIKO vom Vorgänger NO GRAVE BUT THE SEA (siehe Review) zwar spaßig, aber schlicht und ergreifend einfach deutlich zu platt daherkam; der wird vermutlich auch an CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT verzweifeln.

Immerhin, ALESTORM sind immer wieder bemüht für neue Eindrücke oder zumindest etwas Abwechslung zu sorgen – wobei man darüber streiten kann, ob ihnen das wirklich gelingt. Klar, an der Instrumental-Front gibt es wieder mal einiges zu entdecken – von der gelungenen Keyboard-Arbeit inklusive vieler kleiner Sound-Überraschungen über die recht stark im Fokus stehenden Folk-Elemente inklusive der von Ally Storch (SUBWAY TO SALLY) gespielten Violine bis hin zu den weit mehr als standardisierten Gitarren-Frickeleien gibt es diesbezüglich erst gar keine Verschnaufpause. Die neuen, hie und da eingeworfenen harschen Gesangspassagen dagegen sind Geschmackssache – wie sicher auch das insgesamt merkwürdige, passenderweise als Video-Single ausgekoppelte TORTUGA mit seinem quasi-Rap-Part von Kollege Luke Philp aka Captain Yarrface (RUMAHOY). Wirkliche Aha-Momente, die tatsächlich auch das Zeug dazu haben nachhaltig zu fesseln sucht man dagegen – und leider – vergebens.

Wobei, eine Ausnahme gibt es dann doch – und die heißt WOODEN LEG PART 2. Selbige Nummer ist nicht nur merklich anders als alle anderen Titel des Albums, sie weiß auch in vielerlei Hinsicht zu gefallen – etwa durch die insgesamt etwas epischer angelegte Herangehensweise. Hier fahren ALESTORM dann auch wirklich alles auf, was geht – wobei das verheißungsvolle Intro und der an diverse Folk Metal-Bands erinnernde Aufakt erst der Anfang sind. Ja, selbst die elektronischen Spielereien fügen sich nahtlos ein – und lyrisch geht es endlich mal etwas packender zu.  Davon abgesehen handelt es sich bei CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT aber eher um eine Aneinanderreihung weder besonders schlechter noch besonders herausragender; also schlicht solider ALESTORM-Nummern – die hinsichtlich ihres Tempos und Spaßfaktors mal mehr (FANNYBAWS, CALL OF THE WAVES, PIRATE’S SCORN), mal weniger (ZOMBIES ATE MY PIRATE SHIP, SHIT BOAT NO FANS) anziehen.

Eines gilt es aber in jedem Fall festzuhalten: wer die Band, und selbstverständlich auch ihre ebenso raubeinige wie ureigene Interpretation eines europäischen Power Metals noch nicht kennt; der sollte dringend mal einen Blick riskieren – ob nun in Bezug auf das vorliegende neueste Album, oder aber einen früheren Zeitpunkt innerhalb der Diskografie. Schließlich steht so gut wie fest dass man etwas verpasst hat, wenn man ALESTORM nicht kennt. Ob diese Festellung aber auch immer mehr neue Alben rechtfertigt, vor allem im Blick auf die nächsten Jahre; ist eine ganz andere Frage – denn wenn sich eine Band zum vorschnellen satthören eignet, ist das ALESTORM. 

Anspieltipps: FANNYBAWS, CALL OF THE WAVES, WOODEN LEG PART 2


„Insgesamt hält sich der Spaß in Grenzen, für zwischendurch ist das Ganze aber allemal empfehlenswert – und eine Über-Nummer gibt es gratis dazu.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von ALESTORM in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Space Ninjas From Hell (2020)

Alben-Titel: Space Ninjas From Hell
Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichung: 17. Januar 2020
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Frank Koppe – Drums
Florian Zack – Guitars
Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals

Track-Liste:

1. Tale of the Sunbladers (04:18)
2. Ninjas Unite (04:35)
3. Super Sonic Samurai (04:02)
4. Evil Wizard WuShu Master (03:51)
5. Nippon Knights (03:28)
6. Shuriken Showdown (03:34)
7. Wasabi Warmachine (04:34)
8. Wrath of the Dragongod (03:32)
9. Astral Assassin Shark Attack (03:46)
10. Space Ninjas from Hell (03:15)
11. Cosmic Space Commando Base (04:19)
12. Shinobi Strike 3000 (02:23)

Wenn man zum lachen wirklich in den Keller gehen muss – oder sollte.

Mittlerweile gibt es sie immer zahlreicher: Power Metal-Bands, die nicht einfach nur Musik machen – sondern dabei auch auf ein ganz bestimmtes Image setzen. Und damit im besten Fall auch auf einen besonderen Wiedererkennungswert, der damit längst nicht mehr nur aus dem letztendlich an den Tag gelegten Handwerk resultiert. Oftmals mit im Gepäck dieser Band ist auch ein gewisser Spaßfaktor – der ebenfalls nicht allein aus der Musik resultiert, sondern mitunter abenteuerliche Ausmaße annehmen kann. Seien es also die Jungs von GLORYHAMMER mit ihrem gleich mehrere Jahrhunderte abdeckenden (und sich bis in kosmische Gefilde erstreckenden) Helden-Epos, die Recken von ALESTORM mit ihrem unwiderstehlichen Piraten-Flair oder die tollkühnen BROTHERS OF METAL mit ihren Gesangsgeschichten über den kriegerischen Odin und den Konsum von reichlich Met – von einer direkt wiederzuerkennenden Spielart über herrlich abstruse Musikvideos und Kostüme bis hin zu fulminanten Live-Auftritten haben sich diese Bands jeweils einiges aufgebaut, geht es um ihre (ur-)eigenen Identitäten. Wie VICTORIUS nun diesbezüglich ins Bild passen, ist noch nicht vollends geklärt – fest steht nur, dass die 2004 gegründete und von Leadsänger David Baßin geführte Band sich mittlerweile ebenfalls einer eher spaßigen Auslegung des übergeordneten Power Metal-Genres verschrieben hat. Die 2008 erschienene, dezent an den Stil des Indie-Kurzstreifens KUNG FURY erinnernde EP DINOSAUR WARFARE (siehe Review) jedenfalls sprach entsprechende Bände – und auch mit dem vorliegenden SPACE NINJAS FROM HELL schreitet man in eine ganz ähnliche Richtung.

Das bedeutet vornehmlich eines: dass die insgesamt 12 Titel des Albums mit einem immensen Spaßfaktor einhergehen. Zumindest in der Theorie, und wenn man so will – schließlich gibt es auch einige Anhaltspunkte, die eher gegen den neuerlichen Werdegang von VICTORIUS sprechen. Da wäre zum einen die Tatsache, dass SPACE NINJAS FROM HELL vieles ist – nur kein anspruchsvolles Album. Und das fällt selbst dann auf, wenn man sich im voraus auf ein eher seichtes und Spaß-orientiertes Album eingestellt hat – sowie hie und da ein gewisses, hier unbedingt nötiges Augenzwinkern walten lässt. Eines, dass bei den meisten anderen Bands einer ähnlichen Spielart kleinere Schwächen oder einfach zu kitschige Elemente und Momente verzeihen lässt – nicht aber bei VICTORIUS, die es im Hinblick auf ihr neues Album vielleicht doch etwas übertrieben haben. Denn: derart einfach gestrickt ging es schon lange nicht mehr auf einem Power Metal-Album zu – ganz unabhängig davon, wie groß der Spaßfaktor auch war. Das betrifft vor allem die Struktur des Albums und der einzelnen Titel – die letztendlich so leicht und eingängig daherkommen, dass man sie gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Von den besungenen Inhalten, der Gestaltung der einzelnen Textzeilen sowie der entsprechend unbekümmerten Herangehensweise von Leadsänger David Baßin gar nicht erst zu sprechen. Es mag kurios erscheinen, aber: das hier gebotene ist selbst für ein wie auch immer geartetes Spaßalbum zu viel, oder eben zu wenig. Und das in einem solchen Maße, dass einem das Lachen – im schlimmsten Fall – im Halse stecken bleiben könnte.

Sicher, grundsätzlich verstehen VICTORIUS ihr Handwerk. Das haben sie bereits mit ihren früheren Alben bewiesen, und auch SPACE NINJAS FROM HELL hat – speziell bezüglich der Instrumenten-Front – einiges anzubieten. Theoretisch könnte die Band damit also durchaus mit ihren potentiellen Konkurrenten a’la GLORYHAMMER oder vielleicht auch DRAGONY mithalten. Theoretisch – doch wenn sich eine Band tatsächlich dafür entscheidet einen Titel wie das zwar gut gemeinte, letztendlich aber nur noch zum Fremdschämen einladende NIPPON KNIGHTS zu produzieren; hört es ganz schnell wieder auf. Und das gilt – leider – für einen Großteil der auf dem Album enthaltenen Titel, die meist genau das bieten was die kruden Bezeichnungen (noch nie eine ASTRAL ASSASSSIN SHARK ATTACK gehört ?) versprechen. Und das geht schlicht auf keine Kuhhaut – zumindest keine nüchterne. Während die letzte EP – die unter anderem mit Laser-schießenden Dinosauriern aufwartete – also noch als nette Abwechslung oder Gimmick verstanden werden konnte, sieht es in Bezug auf SPACE NINJAS FROM HELL (und damit gleich ein komplettes Album im peinlich-einfachen Spaßgewand) schon deutlich anders aus. Es ist schade – doch in dieser Form sollten VICTORIUS keinen Erfolg haben. Zumindest keinen, auf den man auch im hohen Alter noch stolz sein kann…

Anspieltipps: TALE OF THE SUNBLADERS


„Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher.“

Diese Wertung sorgt für einen Abstieg von VICTORIUS in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: HALÉN – Idleness (2020)

Alben-Titel: Idleness
Band: Halén (mehr)
Veröffentlichung: 03. April 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Ola Halén – Gesang, Alle Instrumente

Track-Liste:

1. There’s no Use (04:48)
2. Daydream (03:39)
3. Tears (04:49)
4. Empire (05:19)
5. Labyrinth (05:02)
6. Dreams (04:44)
7. AnyMore (02:47)
8. Wonders (04:19)
9. Blown Away (04:28)

Da war aber jemand ganz und gar nicht faul.

Nein, das Bandprojekt HALÉN hat noch keine allzu weitreichende Geschichte – und man muss es vielleicht auch nicht unbedingt kennen. Dem geneigten Power Metal-Fan sollte ein Name wie Ola Halén – seines Zeichens das einzige offizielle Mitglied der Band – aber dennoch ein Begriff sein. Speziell natürlich in Bezug auf die ebenfalls aus Schweden stammende (und schon seit längerem vermisste) Genre-Combo INSANIA, die um die Jahrtausendwende herum mit einigen hochkarätigen Alben durchstartete. Zwar tat sie dies zunächst noch ohne Ola Halén – doch, ob Zufall oder nicht; liefen sie erst mit der Verpflichtung des markanten Gesangstalents zu ihrer absoluten Höchstform auf. Das erste Ergebnis der fruchtbaren Zusammenarbeit (FANTASY – A NEW DIMENSION, siehe Review) kann auch heute noch als eines der besten Power Metal-Alben überhaupt bezeichnet werden, je nach Perspektive – und auch danach sah es eigentlich rundum gut aus für die Band, trotz des bereits wesentlich schwächeren AGONY – GIFT OF LIFE (Review). Was daraufhin – und nach dem Jahr 2007 – passierte, weiß indes niemand so genau – schließlich zogen sich nicht nur INSANIA, sondern auch deren Frontmann Ola Halén zurück. Immerhin, mit seinem Nebenprojekt SHADOWS PAST konnte er 2013 wieder einen Erfolg feiern (PERFECT CHAPTER, siehe Review) – doch wirklich angekommen schien er nicht.

Ob er dies heute ist, darüber kann man ebenfalls nur munkeln – fest steht nur, dass er mit HALÈN ein weiteres Soloprojekt an den Start gebracht hat, und nach dem eher kruden NACKSKOTT (Review) nun IDLENESS vorlegt, das zweite offizielle Album der Ein-Mann-Band. Interessant, und sicher nicht jedem bekannt ist dabei; dass das auf IDLENESS enthaltene Material aber nicht grundsätzlich neu ist – sondern teilweise schon auf den frühen SHADOWS PAST-Demos enthalten war. Sei es drum – offenbar befand der Schwede das Material für so gut, dass es an der Zeit wäre für eine Aufarbeitung. Wobei, und das ist durchaus bemerkenswert; er wirklich alle anfallenden Arbeiten am Alben selbst übernahm. Gut, bis auf das Mastering – von einem wahren Multitalent (das nicht nur singen, sondern auch alle entsprechenden Instrumente handhaben kann) ist aber in jedem Fall zu sprechen. In wie weit das Album dabei wirklich punkten kann, ist natürlich eine andere Frage. Immerhin hatte HALÉN bereits mit und auf NACKSKOTT gezeigt, dass er durchaus ein Faible für etwas; man nenne sie ungewöhnlichere Töne zu haben scheint – zumindest im Sinne der eigentlichen Stil-Verortung im Bereich des Power Metals.

Immerhin, mit dem vorliegenden IDLENESS kann diesbezüglich schon einmal Entwarnung gegeben werden. Das 9 Titel enthaltene Werk ist weit davon entfernt, wie ein krudes musikalisches Experiment oder ein zusammengewürfeltes Sammelsurium an ausrangierten Nummern zu klingen, oder anders gesagt: IDLENESS klingt eindeutig nach dem Ola Halén, der man kennt und liebt. Mit einer Nummer wie BLOWN AWAY liefert er sogar ganz explizit ein Fest für all jene, die die früheren INSANIA feierten – was nur gut und richtig ist, und einstweilen tatsächlich Erinnerungen an das großartige FANTASY – A NEW DIMENSION wach werden lässt. Aber auch davon abgesehen sieht es gut aus für IDLENESS – das mit Titeln wie THERE’S NO USE, EMPIRE oder DREAMS einige waschechte Power Metal-Kracher an den Start bringt. Kracher, die all das haben was INSANIA ausgezeichnet hatte – und womöglich noch mehr. Schließlich muss man bedenken, dass hier tatsächlich nur ein einziger Mann am Werk ist. Das wiederum fällt nicht auf, was allemal positiv zu verstehen ist: seien es die schmackigen Gitarren inklusive vieler genialer Riff- und Solistrecken, der prägnante und gut hörbare Bass, das variable Drumming oder die unterstützende Keyboard-Elemente – hier gibt es wahrlich einiges höchst interessantes, und vor allem perfekt vorgetragenes auf die Lauscher. Gut, die Ballade ANYMORE und vielleicht auch das allgemein eher zurückhaltende WONDERS gehören nicht zu den besten Momenten des Albums – doch das ist insgesamt eher zu verschmerzen.

IDLENESS avanciert so zu einem kleinen Geheimtipp für alle Power Metal-Enthusiasten, die gerne auch mal hinter die Kulissen schauen – und nichts gegen eine Priese Eigenwilligkeit und dem für HALÉN typischen Mäandern zwischen verschiedenen Stimmungen einzuwenden haben. Und überhaupt: wenn selbst eine sonst obligatorische Ballade wie TEARS zündet – und das vor allem in Bezug auf den ebenso glaubwürdigen wie schlicht packenden Leadgesang – will das schon etwas heißen. Im handwerklichen Sinne ist HALÉN jedenfalls nichts vorzuwerfen, selbst der allgemeine Soundeindruck ist in Anbetracht einer Independent-Produktion höchst solide. Man kann damit eigentlich nur hoffen, dass Ola Halén in Zukunft auch wieder ein paar größere Releases an den Start bringen wird oder sonst irgendwie Aufmerksamkeit erlangt – denn verdient hätte er es allemal.

Anspieltipps: THERE’S NO USE, EMPIRE, DREAMS, BLOWN AWAY


„Gut, und vor allem: einzigartig.“

Metal-CD-Review: BROTHERS OF METAL – Emblas Saga (2020)

Alben-Titel: Emblas Saga
Band: Brothers Of Metal (mehr)
Veröffentlichung: 10. Januar 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: AFM Records

Lineup:

Emil Wärmedal – Bass
Dawid Grahn – Guitars
Pähr Nilsson – Guitars
Mikael Fehrm – Guitars
Ylva Eriksson – Vocals
Joakim Lindbäck Eriksson – Vocals
Johan Johansson – Drums
Mats Nilsson – Vocals

Track-Liste:

1. Brood of the Trickster (01:56)
2. Powersnake (03:43)
3. Hel (04:40)
4. Chain Breaker (03:53)
5. Kaunaz Dagaz (04:13)
6. Theft of the Hammer (04:10)
7. Weaver of Fate (04:45)
8. Njord (03:50)
9. Emblas Saga (07:14)
10. Brothers Unite (04:06)
11. One (04:17)
12. Ride of the Valkyries (03:26)
13. To the Skies and Beyond (04:53)

Und los geht die wilde Fahrt.

Nachdem sie mit ihrem 2017 erschienenen Studioalbum PROPHECY OF RAGNARÖK (siehe Review) erstmals erfolgreich in Erscheinung getreten sind, gehen die sagenumwobenen Geschichten der aus Schweden stammenden Power Metaller rund um die BROTHERS OF METAL weiter. Und das offenbar recht munter: nach einigen Singles und einer handvoll feucht-fröhlicher Musikvideos (siehe hier) veröffentlichen die Recken mit dem vorliegenden EMBLAS SAGA ihr vielversprechendes zweites Studioalbum. Und das selbstverständlich nicht mehr als Independent-Release – sondern mit der vollen Unterstützung und Reichweite von AFM Records als glückliches Label, welches die Schweden gewissermaßen entdeckt respektive direkt nach ihrem Debüt aufgenommen hat. Zu Recht, muss man wohl sagen – zumindest in Anbetracht des rundum gelungenen Debütalbums, das neben seinen mehr als respektablen handwerklichen Aspekten vor allem eines hochgehalten hat: einen immensen Spaßfaktor. Wie sich der Nachfolger schlägt, wird sich zeigen – doch grundsätzlich sollten die Chancen gut stehen für die Schwertbrüder und -Schwestern.

Bevor es so richtig losgeht, sollte man eines aber in jedem Fall wissen; womit sich der Kreis zum erwähnten Spaßfaktor schließt: auch in Anbetracht des schier epischen Auftretens der Band (oder eben: gerade deswegen) sollte man sich dem Schaffen der BROTHERS OF METAL besser nicht bierernst, sondern stattdessen mit dem ein oder anderen Augenzwinkern nähern. Schließlich, und auch wenn die jeweils angepeilten Spielarten nicht wirklich miteinander zu vergleichen sind; springen die Brüder und Schwestern des (Power) Metals in eine ganz ähnliche Nische wie etwa die Kollegen von ALESTORM, GLORYHAMMER oder TWILIGHT FORCE. Und damit zweifelsohne Bands, bei denen weniger mehr manchmal einfach mehr ist. Anders gesagt: wer auf eine wie auch immer geartete Originalität verzichten kann und nichts gegen die ein oder andere – auch mal parodistische – Überspitzung im Sinne diverser Genre-Klischees einzuwenden hat, sollte mit einer Band wie den BROTHERS OF METAL bestens beraten sein.

Denn, und daran besteht kein Zweifel: rein handwerklich und soundtechnisch macht den BROTHERS OF METAL keiner so schnell etwas vor. Gerade damit haben die Schweden eine der vielleicht wichtigsten Hürden in Bezug auf, man nenne sie einmal Spaßprojekte wie diese (ohne, das damit eine Abwertung vorgenommen werden soll) relativ problemlos genommen. EMBLAS SAGA klingt rundum satt, ist schier perfekt produziert und abgemischt – und wartet mit einigen höchst interessanten Darbietungen der einzelnen Mitglieder auf. Mitgliedern wie etwa Ylva Eriksson – die gemeinsam mit ihrem Gesangspartner Joakim Lindbäck Eriksson für das mitunter prägnantestes Alleinstellungsmerkmal der Band sorgt, den zweistimmigen Leadgesang. Nicht nur, dass es im Bereich des Power Metals an sich schon selten ist zwei Frontmänner respektive -Frauen an den Start zu bringen – im Falle der BROTHERS OF METAL ist es klar das markante Wechselspiel aus den offensichtlichen Gegensätzen der beiden, die das Ganze so interessant macht.

So kann man sich eigentlich nur noch darüber streiten, in wie weit man die diversen Kuriositäten der Band nun gutheißen kann oder nicht. Warum die Band etwa über gleich drei Gitarristen verfügt, steht (in anbetracht dessen, dass es einfach kaum nötig erscheint) in den Sternen. Eben so, wie ihre Vorliebe für die nordische Mythologie gnadenlos ist – sodass es nicht weiter verwunderlich sein sollte, wenn der anberaumte Bombast dem ein oder anderen doch vorschnell auf den Nerv gehen könnte. Das gilt im übrigen auch – und sei es nur dezent – für die Darbietung von Joakim Lindbäck Eriksson, von dem man sich langsam auch mal ein paar andere (Gesangs-)Töne wünscht. Doch es hilft alles nichts – erklingen Titel KAUNAZ DAGAZ oder THEFT OF THE HAMMER, hält einen einfach nichts mehr auf den Sitzen. Das durchaus geniale Riffing, der wuchtige Bass und der ebenso voranpreschende wie im Sinne eines symphonischen Power Metals sehnsüchtig-verträumte Eindruck lassen hier jedenfalls keine Wünsche offen.

Schlussendlich: EMBLAS SAGA ist vielleicht kein Anwärter auf den Genre-Thron des Jahres 2020 – aber doch ein extrem aufheiterndes Genre-Intermezzo für so manch triste Stunde. Vor allem natürlich, da die BROTHERS OF METAL das was sie hier zum Besten geben wirklich zu leben scheinen – Augenzwinkern hin oder her.

Anspieltipps: KAUNAZ DAGAZ, THEFT OF THE HAMMER, RIDE OF THE VALKYRIES


„Hier wird einiges groß geschrieben – vor allem der Spaßfaktor.“

Metal-CD-Review: WATERLAND – Darklight In Riverwood (2019)

 

Alben-Titel: Darklight In Riverwood
Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichung: 20. September 2019
Land: Portugal
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Tiago Moreira – Drums
Ivan Batista – Bass
Patricia Loureiro – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny V (04:21)
2. Darklight (04:47)
3. Follow Me (04:02)
4. For All Eternity (04:10)
5. Iceland (04:34)
6. Winter Days (03:59)
7. The Rules We Made (05:20)
8. The Union of Freedom (05:02)
9. The Path for the Hidden Valley (06:08)
10. The Golden Mountain (05:55)
11. This Night (04:06)
12. We Are the One Master (05:38)

Gut, dass einer das Licht angelassen hat.

Und sie geht weiter – die Geschichte der 2007 gegründeten, quasi aus dem Vermächtnis von ORATORY hervorgetretenen Power Metal-Combo WATERLAND. Zugegeben, auf diesem Blog wurde die Band bisher nicht gerade mit Lobeshymnen überschüttet – wie man es jederzeit in den Reviews zu WATERLAND, VIRTUAL TIME, OUR NATION oder SIGNS OF FREEDOM nachlesen kann. Immerhin, ganz grundlos war und ist die Kritik am Schaffen der Band nicht – doch natürlich gibt es mit jedem neuen Album auch eine neue Chance. Ins diesbezügliche Rennen geht nun also DARKLIGHT IN RIVERWOOD, das mittlerweile fünfte Studioalbum von WATERLAND – die es offenbar endlich geschafft haben, ein halbwegs festes Lineup zu etablieren. Das relative Chaos vor allem in Bezug auf den Leadgesangsposten scheint mit dem erneuten Auftreten von Front-Frau Patricia Loureiro nunmehr vorüber – was gut ist, und der Band hoffentlich eine gewisse Stabilität verleiht. In wie weit sich das Ganze auf die musikalischen Bestrebungen der Band auswirkt, wird sich dagegen erst im folgenden zeigen.

DARKLIGHT IN RIVERWOOD geht mit einer geballten Ladung von immerhin 12 vollwertigen Titeln an den Start. Titel, denen man eines direkt anhört: die einstigen Schwächen der Band sind noch immer hörbar und vorhanden. Speziell natürlich in Bezug auf einige Faktoren hinsichtlich der Produktion und Abmischung, die in ihrer Gesamtheit noch immer nicht vollends professionell wirken respektive klingen – und den potentiellen Hörgenuss des Albums deutlich schmälern können. Aber auch davon abgesehen sollte jedem, der auf der Suche nach etwas neuem oder einer wie auch immer gearteten musikalischen Offenbarung im Bereich des Power Metals ist; von einem Album wie DARKLIGHT IN RIVERWOOD eher abgeraten werden, denn: WATERLAND klingen schlicht alles andere als originell. Einstweilen mag das kein Problem sein, erst Recht nicht für solche die sich erst gar keine allzu wilden Experimente oder Neuerungen in ihrem Power Metal-Alltag wünschen. Problematisch ist dabei nur, dass es so viele andere Bands einfach besser machen als die Kollegen von WATERLAND.

Schließlich könnte auch das mitunter einzige wirkliche Alleinstellungsmerkmal der Band zu einem Problem avancieren. Gemeint sind die eher säuselnden denn schmetternden Chöre, die schon immer aus den Kompositionen der Portugiesen hervor stachen – aber nicht unbedingt in einem positiven Sinne. Sicher, man kann die Band schier perfekt daran erkennen – doch warum man hier nicht mal etwas neues versucht, bleibt ein Rätsel. Analog dazu muss sich DARKLIGHT IN RIVERWOOD natürlich auch den Vorwurf gefallen lassen, deutlich zu weichgespült zu klingen – wobei die erwähnten Chöre nur das berühmte i-Tüpfelchen markieren. Der vergleichsweise zarte Leadgesang von Patricia Loureiro, die nicht gerade kräftig klingenden Gitarren und der ständige und überbordende Einsatz des Keyboards inklusive reichlich Klimm-Bimm sorgen jedenfalls nicht dafür, dass sich ein allzu satter Gesamteindruck einstellt.

Zum anderen aber, und das ist durchaus als Adelung zu verstehen; muss man in Bezug auf DARKLIGHT IN RIVERWOOD auch etwas ganz anderes feststellen. Nämlich, dass sich durchaus auch einiges positives getan hat an der Sound-Front der Marke WATERLAND. Das Drumming von Tiago Moreira etwa klingt nunmehr wesentlich organischer und variabler als zuvor, die hiesige Frontfrau Patricia Loureiro tönt so stilsicher wie nie zuvor, und einige Titel können mit einem gewissen ORATORY-Nostalgiebonus gar zu kleinen Highlights avancieren (FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY). Auch, da die Soli-Parts meist gut getroffen sind und es mit ihrem variablen Bezug auf die Gitarren und das Keyboard sogar vermögen, einen echten Spaßfaktor entstehen lassen.

Fassen wir also zusammen: die letzten Alben der Band wurden teils auffällig schlecht bewertet, auch oder gerade weil kein wirklicher Lerneffekt seitens der Mitglieder von WATERLAND spürbar war. Das ändert sich nun und mit DARKLIGHT IN RIVERWOOD – das nicht perfekt, aber immerhin als Schritt in die richtige Richtung zu werten ist. Wenn sich nun noch etwas in Richtung der Chöre und der allgemeinen Soundqualität ergibt, darf man wohl gespannt sein auf das, was die Portugiesen für die Zukunft planen.

Anspieltipps: FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY


„Ohne Frage: dies ist das bis heute beste WATERLAND-Album.“