TV-Kritik / Serien-Review: STRANGER THINGS Staffel 3 (2019)

Originaltitel: Stranger Things
Typ: VOD-Serie
Umfang / Laufzeit: 8 Folgen (Länge je ca. 41-54 Minuten)
Land: USA
Idee: Matt Duffer, Ross Duffer
Genre: Science Fiction / Drama / Abenteuer
Tags: 80er Jahre | USA | Retro | Mystery | Übernatürliches

You’re always on my mind.

Inhalt: Nachdem der Spalt in die ominöse Spiegel-Dimension, das sogenannte Upside Down gerade noch von Eleven geschlossen werden konnte, scheint wieder etwas Ruhe in die beschauliche US-Kleinstadt Hawkins gekehrt zu sein. Im Verborgenen jedoch – und trotz allem – haben einige Wissenschaftler wieder damit begonnen, ein Portal in die andere Dimension zu öffnen. Und auch wenn dieses Mal eine andere Maschine dafür genutzt wird und ausnahmsweise mal das russische Militär eine entscheidende Rolle spielt, hat sich an den potentiellen Gefahren wenig geändert: der Gedankenschinder, den Eleven zuletzt gerade noch hatte verbannen können; lebt noch immer – und hat offensichtlich Wege und Möglichkeiten gefunden, seine Präsenz erneut auf die andere Seite des Portals auszudehnen.

Die in dieser Rezension verwendeten Bilder sind © Netflix

Kritik: Achtung, Spoiler ! Knapp 3 Jahre, nachdem die Brüder Matt und Ross Duffer erstmals von ihrer damals schnell zu einem absoluten Publikums-Liebling avancierten Netflix-Serie STRANGER THINGS hören ließen (siehe Review zu Staffel 1), erschien kürzlich die mittlerweile dritte Staffel des erfolgreichen Franchise. Ein Franchise, welches man – und das dürfte unter anderem auch den relativen Hype um die Serie erklären – einfach nicht in eine einzelne Schublade stecken kann oder sollte. Insbesondere diejenigen, die bereits bei Staffel 1 eingestiegen waren und daraufhin natürlich auch die (insgesamt nur etwas schwächere) zweite Staffel folgen ließen, wissen auch warum.

Denn auch wenn man zunächst durchaus hätte erwarten können, dass STRANGER THINGS allein von seiner übergeordneten Mystery-Atmosphäre und den (durchaus starken) Kreatur-bezogenen Horrorelementen lebt; gilt es in diesem Fall glücklicherweise noch einiges hinzuzufügen. Angefangen bei den doch recht prägnant ausfallenden Charakter-Porträts sowie den damit einhergehenden Coming-Of-Age Aspekten (immerhin sind die eigentlichen Hauptcharaktere Heranwachsende) über die ebenso unbekümmert-lockere wie atemberaubend-spannende Erzählart bis hin zu einem bemerkenswerten, größtenteils vom 80er-Jahre-Setting ausgehenden Retro-Charme inklusive zahlreicher Easter-Eggs – STRANGER THINGS hatte wahrlich einiges zu bieten. Und ja, im Grunde ist das noch immer der Fall – wenngleich der Ideenreichtum, die Frische oder schlicht und ergreifend auch die allgemeine Faszinationskraft der Serie insgesamt betrachtet eher abgenommen haben.

Der Gründe dafür gibt es durchaus einige – wobei man (je nach persönlicher Facón versteht sich) gar nicht erst allzu tief in die Pro’s und Contra’s der dritten Staffel einsteigen muss. Denn wie mittlerweile fast schon überall anders auch offenbaren grundsätzlich gute bis ganz und gar herausragende Serien oftmals ein Problem, ganz unabhängig vom angepeilten Genre: sie sind oft nur so lange wirklich gut, so lange sie nicht allzu (kommerziell) erfolgreich sind. Anders gesagt: wie oft schon gab es Serien, die nach einer guten ersten Staffel mehr oder weniger urplötzlich erheblichen Qualitätseinbußen ausgesetzt waren – und das, obwohl die Ideengeber, also die eigentlichen Macher und Verantwortlichen dieselben geblieben waren. Immerhin, STRANGER THINGS ist nun nicht gerade ein Paradebeispiel dafür; eher im Gegenteil (siehe Review zur zweiten Staffel) – doch spätestens mit der vorliegenden dritten Staffel könnten, nein werden sich dezente Ermüdungserscheinungen einstellen. Und das in vielerlei Richtungen.

Eingefleischten STRANGER THINGS-Fans sollte so schon zum Staffel-Start auffallen, dass sich Matt und Ross Duffer erneut für einen besonders ruhigen Auftakt entschieden haben – einen, der sich eben nicht wie ein nahtloser Anschluss an die Ereignisse der zweiten Staffel anfühlt, sondern vielmehr wie ein möglichst allen Zuschauern (und damit auch Neueinsteigern) gerecht werdender Prolog. Sicher erscheint es verständlich, dass die beiden nicht gleich aus allen Rohren feuern wollten, vor allem nicht den inhaltlichen und emotionalen – doch ein wenig mehr einer, man nenne es direkten Rückbesinnung hätte dem Auftakt der dritten Staffel sicherlich nicht geschadet. So wissen einige der wichtigsten Charaktere scheinbar gar nicht mehr, was bereits alles geschehen ist – was sich wohl kaum mit dem Faktor der Verdrängung allein erklären lässt, und eher als Gefallen für diejenigen zu verstehen ist, die über keinerlei STRANGER THINGS-Vorwissen verfügen. Das kann man mögen, muss es aber nicht.

Glücklicherweise aber gelingt es den Brüdern bereits nach kurzer Zeit (das heißt: nach recht genau zwei Episoden) wieder, den Anschluss zu finden – und die von Staffel 1 bekannte, unverwechselbare STRANGER THINGS-Atmosphäre inklusive aller bereits genannten Vorteile zu etablieren. Diesbezüglich kommt es dann auch kaum zu etwaigen Abstrichen, zumal es die Serie noch immer problemlos schafft, den Zuschauer intensiv in ihren ureigenen Bann zu ziehen – und man über kleinere Logik-Probleme meist hinwegsehen kann. Einzig wenn es zum großen Finale übergeht – und man es beispielsweise gleich 2 Mal hintereinander schafft eine geheime russische Militärbasis zu infiltrieren oder mehrfach den eigentlich tödlichen Fängen einer nicht gerade freundlich gesinnten Kreatur zu entkommen – schlägt STRANGER THINGS doch noch markant über die Stränge, und sorgt für ein leichtes Stutzen im sich sonst eigentlich stimmig anfühlenden Handlungs-Universum.

Ein Universum, in dem durchaus auch Portale (oder eher Risse) in eine andere Welt geöffnet werden können, Telekinese möglich ist oder man sich dank der Zuführung von Düngemitteln auf eine so nicht bekannte Art und weise weiterentwickeln kann – was alles noch in Ordnung geht respektive sich nicht so abgedroschen anfühlt, dass es sich nachteilig hätte auswirken können. Speziell mit der Unterbringung einer neuen Fraktion (die Russen) aber müssen die Duffer-Brüder aufpassen, dass sie STRANGER THINGS – oder eher das Erbe der großartigen ersten Staffel des Franchise – auch in Zukunft nicht verramschen. Schließlich konnte man bereits erfahren, dass eine vierte Staffel höchst wahrscheinlich ist – und auch von einer möglichen fünften scheint bereits die Rede. Man darf also durchaus gespannt sein, wie es weitergeht – und hoffen, dass Matt und Ross Duffer der Serie einen würdigen (und nicht allzu weit in der Zukunft liegenden) Abschluss verpassen.

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„Eine Serie, die ihren Ursprüngen weitestgehend treu bleibt. Zumindest noch.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 9)

Originaltitel: The Walking Dead Season 9
Relation: Fortsetzung der achten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 9 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

9×01 – A New Beginning | Ein neuer Anfang
9×02 – The Bridge | Die Brücke
9×03 – Warning Signs | Keine Ausnahmen
9×04 – The Obliged | Hungerstreik
9×05 – What Comes After | Wach auf
9×06 – Who Are You Now? | Die Welt dreht sich weiter
9×07 – Stradivarius | Stradivarius
9×08 – Evolution | Geflüster
9×09 – Adaptation | Home Sweet Home
9×10 – Omega | Lydia
9×11 – Bounty | Damit leben
9×12 – Guardians | Anführer
9×13 – Chokepoint | Engpass
9×14 – Scars | Narben
9×15 – The Calm Before | Die Ruhe davor
9×16 – The Storm | Der Sturm

Just your typical nerverending story.

Inhalt: Nachdem die Truppe um Ex-Scheriff Rick Grimes das schier unmögliche geschafft und ihren Erzfeind Negan endlich ein für allemal in eine dunkle Zelle geworfen hat, scheint langsam aber sicher das von vielen so sehnlichst herbei gewünschte Alltagsleben in den neu aufgebauten Gemeinden einzukehren. Zwar gibt es noch immer Spannungen und Konfliktpotential, vor allem unter den Einwohnern und den ebenfalls gefangengenommenen Anhängern Negan’s – doch im großen und ganzen widmen sich alle dem weiteren Fortschritt. So sollen Infrastrukturen weiter ausgebaut, Technologien wieder entdeckt und neue Bündnisse geschlossen werden – wovon natürlich auch das Familienleben der Einwohner profitiert. Auch dieses Mal finden wieder einige Charakter näher zueinander, wohingegen sich andere urplötzlich distanzieren – was spätestens mit einem großen Fest im Königreich beendet werden soll. Hier sollen wirklich alle Überlebenden zusammenkommen, gemeinsam feiern und über ihre Zukunft sinnieren – wenn, ja wenn es da nicht doch ein Problem gäbe. Selbiges kommt dabei in einer eher ungewöhnlichen Form daher: es scheint, als hätte sich eine andere große Gruppe von Überlebenden zusammengetan. Im Gegensatz zu Rick & Co aber haben die Flüsterer eine etwas andere Überlebensstrategie gewählt: sie tarnen sich als Untote, und wandeln gemeinsam mit den großen Herden umher. So genießen sie einen gewissen Schutz – doch auf ein zivilisiertes Leben müssen sie weitestgehend verzichten. Der Ärger ist gewissermaßen vorprogrammiert, als Rick & Co ein Mitglied der Flüsterer gefangennehmen, welches sich als Tochter der hiesigen Anführerin herausstellt…

Kritik: Alle Jahre wieder, da ist es soweit – und eine weitere THE WALKING DEAD-Staffel erblickt das Licht der Welt. Ein Licht, in dem die Serie vielleicht gar nicht mehr stehen sollte – und das nicht nur in Bezug auf die sinkenden Einschaltquoten. Nein – denn was den geneigten Serien-Zuschauer viel mehr ärgern sollte ist die Tatsache, dass das Franchise seit der Ausstrahlung der allerersten Staffel (das war wohlgemerkt 2010) tatsächlich enorme qualitativen Einbußen zu verzeichnen hatte – trotz der stets vorhandenen, von nicht wenigen als besser oder zumindest effektiver gehandelten Comicbuch-Vorlagen. So wird THE WALKING DEAD zweifelsohne nicht den Weg einschlagen, den die Verantwortlichen jüngst mit dem Ende von GAME OF THRONES begingen. Zwar nicht, indem sie eine grandiose Final-Staffel inszenierten (eigentlich ist sogar genau das Gegenteil der Fall, siehe hier) – aber doch, indem sie eine erfolgreiche und sich in aller Munde befindende Serie exakt zum richtigen Zeitpunkt beendeten. Bei THE WALKING DEAD hingegen kann man sich kaum des Gefühls erwehren, dass die an sich – und wohl schon mit dem Beginn der zweiten Staffel – weniger spannende Serie schlicht und ergreifend niemals enden wird. Beziehungsweise niemals enden soll – weil niemand so genau weiß, wohin die Reise eigentlich geht.

Und das ist – die tatsächlichen qualitativen Aspekte der Serie oder hier eher der mittlerweile neunten Staffel einmal außen vor – nicht weniger als ein waschechtes Problem. Schließlich kann – oder sollte – keine Serie endlos laufen. Zumindest keine mit einem gewissen Qualitätsanspruch, und wenn es nicht gerade um eine – hier steckt es dann schon im Namen – Daily Soap handelt. Zu einer Abwandlung einer eben solchen ist THE WALKING DEAD aber bekanntlich schon seit geraumer Zeit avanciert, und dafür braucht es sicher nicht erst eine tiefere Analyse. So gibt es schon jetzt, und mit Stand von mittlerweile unglaublichen 131 Episoden schlicht viel zu viele gefühlte Filler-Momente (oder wahlweise auch ganze, sich dezent überflüssig anfühlende Episoden) – beispielsweise in Form von Rückblenden, uninteressanten Nebengeschichten oder ganz allgemein inhaltlichen Leerläufen. Vielleicht, aber auch nur vielleicht wäre das noch gar nicht so schlimm – wenn es zumindest immer wieder deutlich spektakulärere Momente gäbe, die den Zuschauer gewissermaßen für ihr Durchhaltevermögen belohnen – doch wie es schon in den Rezensionen zu den bisherigen THE WALKING DEAD-Staffeln angedeutet wurde, sieht es auch diesbezüglich schon länger nicht mehr allzu rosig aus.

Dabei ist nach wie vor nur selten das Problem was passiert (auch wenn man hier ebenfalls einen nicht unerheblichen Verbesserungsbedarf anmelden könnte) – sondern vor allem wie es passiert. Anders und mit einer Vergleichsmöglichkeit gesagt: die Probleme, die die Macher von GAME OF THRONES in der letzten Staffel verbockt haben; sind bei THE WALKING DEAD schon lange bekannt. Und das nicht zu knapp: seien es diverse Logik-Probleme, höchst unglaubwürdige Charakter-Anwandlungen, schier hanebüchen-konstruierte Situationen oder schlicht und ergreifend eine fehlende Nachvollziehbarkeit unzähliger einzelner Momente – der potentielle „Genuss“ von THE WALKING DEAD kommt aufgrund solcher (wohlgemerkt: eigentlich komplett vermeidbarer) Fehler oder vielleicht auch Schludrigkeiten immer wieder markant ins Stocken. Vor allem natürlich, da man in wirklich jeder einzelnen Episode auf derlei Momente stößt – und die Szenen, in denen seltenerweise doch mal alles rund läuft einfach nicht mehr ausreichen um eine nennenswert intensive Atmosphäre zu generieren. Denn, und noch einmal: gerade eine Serie wie THE WALKING DEAD sollte eigentlich explizit von dem Gedanken leben, wie sich der Zuschauer in einer Situation wie der hier dargestellten (das heißt einer post-apokalyptischen Welt) verhalten würde. Trotz der zahlreichen vorhandenen Charaktere und deren verschiedener Entwicklungsstadien wird dem Zuschauer allerdings schon lange nicht mehr die Möglichkeit gegeben, sich wirklich mit einer der Figuren zu identifizieren. Im schlimmsten, aber sicher nicht unwahrscheinlichen Fall bleibt mittlerweile sogar eine jegliche Form der Empathie auf der Strecke – und das bei einer Serie, die nach wie vor einen enorm starken Charakter-Fokus hat.

Eigentlich, und wenn man es herunterbricht; bleiben von der neunten Staffel somit nur drei Dinge wirklich hängen. Zum einen der schier unsägliche Abschied von Rick, der schon vor seinem ominösen (man will nicht sagen: halbherzigen, schließlich will man Darsteller Andrew Lincoln in der Hinterhand behalten) Verschwinden die ein oder andere Szene hatte, die schlicht auf keine Kuhhaut geht – wie etwa die, in der er auf einem Pferd sitzend von Untoten „eingekreist“ wird und daraufhin ärgerlich (für ihn, aber sicher auch für den Zuschauer) verletzt. Zum anderen wären da die sogenannten Flüsterer, die neuen Hauptfeinde der Gemeinden – die eine eher unglaubwürdige Strategie an den Tag legen, eine etwas zu unbesiegbare Anführerin (und einen noch unbesiegbareren zweiten Anführer) haben, und – diese Befürchtung wird sich wohl oder übel bewahrheiten – fortan eine zu große Rolle spielen werden. Als letzten, für die neunte Staffel gewissermaßen symptomatischen Punkt wäre nur noch das Staffelfinale anzuführen – in welchem die Macher doch tatsächlich versuchen, einen (Schnee-)Sturm als waschechtes THE WALKING DEAD-Novum einzuführen. Anders gesagt: wenn nach satten 9 Staffeln schon ein simpler Wetterumschwung für ein inhaltliches Vorankommen sorgen muss, sieht es um die verbleibenden Ideen wohl eher schlecht bestellt aus.

Fazit: Nein, es hat sich nicht viel geändert im und am THE WALKING DEAD-Universum – mit Ausnahme dessen, dass er nach der gefühlt etwas satteren achten Staffel eher wieder bergab geht. Sicher, einige grundsätzliche Qualitätsmerkmale der Serie sind nach wie vor vorhanden – wie etwa der insgesamt zufriedenstellende visuelle Part inklusive der guten Kostümarbeiten und der ordentlichen Kameraführung, oder aber die respektablen Leistungen der Darsteller. Doch insgesamt – und im Hinblick auf die schiere Anzahl der bereits ausgestrahlten sowie die der sicher noch folgenden Episoden – bleibt es einfach nicht aus, dass die Faszination THE WALKING DEAD mehr und mehr verpufft.

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„Derjenige, der immer noch zuschaut beweist wahrlich Durchhaltevermögen.“

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TV-Kritik / Serien-Review: GAME OF THRONES (Staffel 8 – Finale)

Originaltitel: Game Of Thrones
Typ: TV-Serie
Basierend Auf: A Song Of Ice And Fire
Umfang / Laufzeit: 6 Folgen (je ca. 54-80 Minuten)
Land: USA
Idee: David Benioff, D. B. Weiss
Genre: Abenteuer / Fantasy / Drama
Tags: GoT | Staffel 8 | Achte Staffel | Finale | HBO | George R. R. Martin

Die Liste der 6 Episoden (deutsche und englische Titel):

01 Winterfell Winterfell
02 A Knight Of The Seven Kingdoms Ein Ritter Der Sieben Königslande
03 The Long Night Die Lange Nacht
04 The Last Of The Starks Die Letzten Der Starks
05 The Bells Die Glocken
06 The Iron Throne Der Eiserne Thron

Mach’s mir noch einmal, George R.R. Martin.

Kurzinhalt: Langsam aber sicher scheint sich die letzte, alles entscheidende Schlacht in den 7 Königslanden von Westeros abzuzeichnen. Der mächtige Nachtkönig steht mitsamt seiner Armee aus Untoten bereits direkt vor den Toren Winterfells – und droht, alles sich ihm in den Weg stellende gnadenlos niederzumähen. Das Problem: so sehr sich die Truppen auf den Seiten der Lebenden auch anstrengen, die Untoten bekommen immer wieder Nachschub. Denn wenn es schon nicht neue Opfer sind, die nach ihrem Tod plötzlich auf Seiten des Nachtkönigs kämpfen, stehen die nur vermeintlich besiegten Kreaturen einfach wieder auf – zumindest nach einer gewissen Zeit, und wenn man ihnen nicht gerade den Kopf abgeschlagen hat. Problematisch ist auch, dass sich die noch immer in Königsmund verharrende Königin Cersei eigentlich bereiterklärt hat, den Menschen im Norden zur Hilfe zu eilen – doch offenbar handelte sich dabei nur um ein weiteres leeres Versprechen. So versammelt sie in aller Ruhe ihre eigenen Truppen, um gegen den aus der Schlacht hervorgehenden Sieger anzutreten – und ein für allemal zu klären, wer das Anrecht auf den heiß begehrten Platz auf dem Eisernen Thron hat.

Kritik: In der Tat – und ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen – ist der Inhalt zur mittlerweile achten (und letzten) Staffel des sich in aller Munde befindenden Fantasy-Serien-Spektakels GAME OF THRONES schnell erzählt. Wobei das nur gut und richtig ist, schließlich haben Fans des Franchise schon lange genug auf ein bestenfalls grandioses Finale gewartet – und natürlich auch auf eine möglichst zufriedenstellende Zusammenführung respektive eine Auflösung zumindest einiger der vielen zuvor angeschnittenen Erzählstränge. Anders gesagt: dass die ab 2011 ausgestrahlte Serie langsam aber sicher zu einem Abschluss kommt, war von vielen auch genau so gewünscht – wobei das diesbezüglich doch recht konsequente Vorgehen der Verantwortlichen allemal eine positive Überraschung ist. Schließlich hätte man das Ganze durchaus auch – und das ohne allzu sehr in Richtung von regelrechten endlos-Szenarien a’la THE WALKING DEAD (siehe unter anderem hier) zu schielen – noch viel weiter ausschlachten können. Trotz der immensen Produktionskosten, versteht sich – die dank des noch immenseren Erfolges der Serie aber sicher problemlos wieder eingespielt werden konnten. Und überhaupt: wie es scheint können sich so gut wie alle, die auch nur ansatzweise in der Besetzungsliste von GAME OF THRONES auftauchen; mittlerweile recht unaufgeregt aussuchen welche Jobs sie in Zukunft annehmen werden. Und das eventuell auch zu Recht, denn – und das auch ohne die achte Staffel explizit in dieses Urteil mit einzubeziehen – das, was mit GAME OF THRONES erreicht wurde, ist in so gut wie jeder Hinsicht kultverdächtig.

Und dennoch: gerade, da GAME OF THRONES nun komplett ausgestrahlt wurde – und das dieses Mal übrigens in einem überschaubaren Rahmen von gerade einmal 6 Episoden – sollte es erlaubt sein, auf die potentiellen Schwächen der Serie hinzuweisen. Schwächen, die im Laufe der bisherigen Historie der Serie und auch Rezensionen dieses Blogs (siehe unter anderem hier) eher marginal ausfielen – und sich bestenfalls dadurch äußerten, dass man sich so manches Mal etwas zu weit zurück lehnte (wie etwa in der insgesamt schwächeren zweiten Staffel), kleinere Durststrecken einbaute oder Probleme hinsichtlich einer allgemeinen Logik und Nachvollziehbarkeit offenbarte. Den allgemeinen Spaß- und sicherlich auch Suchtfaktor der Serie vermochten sie jedenfalls kaum zu trüben – zumal GAME OF THRONES immer wieder mit Stärken aufwartete, die man so in keiner anderen Serie vorfindet. Natürlich ist dies auch dem hohen Budget und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten geschuldet – doch auch davon unabhängig haben die Verantwortlichen immer wieder bewiesen, dass sie ein außerordentliches Fingerspitzengefühl für so gut wie alle Aspekte der Serie besitzen. Sei es das bis zur aktuellen Staffel hervorragende, hinter allem stehende Handwerk (inklusive der mancherlei Kinoproduktion überlegenen Inszenierung, des grandiosen Soundtracks, der tadellosen Leistungen der Darsteller und noch so viel mehr), die Erzählweise der Geschichte (inklusive der zahlreichen vermeintlich nebensächlichen Ereignisse sowie der teils genialen Dialoge) oder die insgesamt äußerst stimmige, wenn man so will unvergleichliche und unvergleichlich fesselnde Atmosphäre – man musste einfach mit GAME OF THRONES rechnen.

Zumindest war das angeraten. Verständlicherweise gilt das nun nicht mehr, aber – und das ist die eigentliche Überraschung – nicht nur, da die Serie mit der achten Staffel ihr Ende findet respektive zelebriert. Nein, es ist noch etwas anderes geschehen – etwas, mit dem so sicherlich niemand gerechnet hätte. Sicher, Geschmäcker sind verschieden – und die Verantwortlichen hätten nie und nimmer einen Weg finden können, alle Zuschauer zufriedenstellen zu können. Was sie sich innerhalb der 6 Episoden der finalen Staffel aber gedacht, erlaubt oder vielleicht auch erdreistet haben zu tun; mag man eigentlich kaum glauben. Wobei, und das muss man dazu sagen; es sich dabei weniger um eine einzelne Fehlentscheidung, als vielmehr viele kleinere Kieselsteine auf dem Weg zu einem einen Großteil der Fans überrollenden Erdrutsch handelt.

Ein Erdrutsch oder auch eine Katastrophe, die sich spätestens ab dem Beginn der dritten Folge der Staffel (DIE LANGE NACHT) abzeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Episode, die im Gegensatz zu den beiden (durchaus guten) vorherigen insofern besonders war, als dass sie schon von den Verantwortlichen selbst als eine der potentiell besten und besondersten gekennzeichnet wurde – was sich leider nur allzu selten bewahrheitet. Und so auch nicht in diesem Fall. Sicher, man konnte der Folge ansehen, dass einiges an Arbeit und vor allem auch Herzblut in sie geflossen ist. Doch – und das wirklich erstmals in der gesamten Geschichte des Daseins von GAME OF THRONES als TV-Serie – konnte man sich nicht des Gefühls erwehren, dass ein der Serie grundsätzlich kaum zuträglicher Schwerpunkt gesetzt wurde.

Anders gesagt: warum auch immer man sich dazu hat hinreißen lassen, besteht der Werdegang von GAME OF THRONES ab der dritten Folge der achten Staffel klar aus Maßnahmen, die man sonst eigentlich nur aus diversen Hollywood-Hochglanzproduktionen kennt. Wenn man so will und es vereinfacht ausdrücken möchte, könnte man diese unter dem Begriff Stil über Substanz zusammenfassen – was bedeutet, dass die Macher ihr Augenmerk eindeutig mehr in Richtung einer möglichst bildgewaltigen Szenerie inklusive vielen durchaus im Gedächtnis bleibenden visuellen Highlights gerichtet haben, als sich tatsächlich noch nennenswert um etwaige Inhalte zu kümmern. Gerade das kann und darf einfach nicht sein, zumal es sich hier immerhin um GAME OF THRONES handelt – und damit eine Serie, die bis dato noch nie mit derlei Problemen zu kämpfen hatte. Sicher, Momente wie einige der in der LANGEN NACHT anberaumten sehen nett aus – doch Sinn ergeben sie nur selten, erst Recht wenn man bestimmte Aspekte (Stichwort Taktik, oder beispielsweise auch die Charakterentwicklung oder zeitliche Abfolgen) beginnt zu hinterfragen. Und noch einmal: bisher gelangen Dinge wie diese relativ problemlos. Stets konnte man GAME OF THRONES nicht nur in visueller (und natürlich auch akustischer) Hinsicht genießen, sondern auch tief in die Welt von Westeros mitsamt all ihrer Geschichten und Charaktere einsteigen. Mehr noch: man konnte sie hinterfragen, über sie diskutieren; oder manchmal auch einfach nur über sie staunen.

Umso überraschender ist es, dass dieses gelungene Konzept mit der Episode der LANGEN NACHT scheinbar komplett über den Haufen geworfen wird. Schon die Tatsache, dass über die gesamte Episode eine so nicht dagewesene Dunkelheit herrschte – eine, bei der es zu einfach wäre sie metaphorisch, das heißt im Sinne der herannahenden Nacht zu werten – lässt nun plötzlich doch einen etwas anderen handwerklichen Eindruck der Serie entstehen. In jedem Fall führt es dazu, dass ein Großteil der Arbeiten an den Kostümen, Requisiten und auch den Kampfszenen regelrecht verpufft – und man sich als Zuschauer fragt warum überhaupt ein so großer Aufwand für die Dreharbeiten betrieben werden musste, wenn im Endeffekt ohnehin alles in einen ominösen Schleier gehüllt wird. Dabei ist es nicht nur die hier gemeinte offensichtliche Dunkelheit, die einem Sorge bereiten könnte oder sollte – sondern auch der regelrechte Rückschritt in Bezug auf die Entwicklungen der Story und Charaktere. Auch hier gilt: natürlich handelt es sich um eine Ausnahmesituation, in der vieles über den Haufen geworfen wird – aber eben nicht alles. Zumal es sich so anfühlt, als würden manche der hoffnungsvoll aufgebauten Charaktere regelrecht zerstört.

Tatsächlich ist diese die gesamte Episode durchziehende Entwicklung dann auch der Anfang vom Ende von GAME OF THRONES. Immerhin sollten die eigentlichen Schläge vor den Kopf erst noch folgen – wie etwa das Ableben des Nachtkönigs, welches nicht weniger als das wohl unwürdigste aller vorstellbaren Enden für die Untoten-Story von GAME OF THRONES beschreibt. Und das, obwohl die Serie (übrigens im Gegensatz zu den Büchern) schon ab Episode 1 der ersten Staffel die Untoten als eigentliche Widersacher beschrieb. Einen Widersacher, der die Machtkämpfe der Menschen wie kleinere Geplänkel aussehen ließ, und der nur in einem schier wahnwitzigen Finale hätte besiegt werden können. Dass man diese beinahe 8 Jahre (!) aufgebaute Erzählung nunmehr mit einem einzigen Dolchstoß beendet, ist – ganz unabhängig von etwaigen Geschmacksfragen – ein Affront gegenüber allen der Serie seit jeher die treue haltenden Fans ist.

Ein Affront, der wohl nur noch von dem übertroffen werden kann, was in den verbleibenden 3 Episoden der Staffel folgt. Schließlich reiht sich hier eine plumpe Idee und Ausführung an die Nächste – zusammen mit dem Eindruck, dass vieles nach dem Motto eines allzu schamlosen Schnellschussverfahrens inszeniert wurde. Angefangen bei den teils überdeutlichen (dabei aber äußerst schnlecht abschneidenden) HERR DER RINGE-Parallelen über die hanebüchen dargestellte Schlachführung, die merkwürdigen Zeitsprünge oder die immer unsympathischeren und einfach nicht mehr glaubwürdigen Charaktentwicklungen bis hin zu schier unsäglichen Einzel-Momenten (beispielsweise ein Drache, der den Eisernen Thron verbrennt) und Protagonisten, die plötzlich in aberwitzigen Positionen auftauchen (Daenerys, Bran, Tyrion) – es wird einfach nichts mehr inhaltlich unterfüttert, sondern einfach nur dargestellt. Und das in einer derart tumben Manier, dass es schmerzt.

Noch einmal: sicher gäbe es ebenso viele vorstellbare Enden für GAME OF THRONES wie es Zuschauer gibt. Doch wenn man sich als Verantwortlicher schon für eines entscheidet, dann doch bitte ein nachvollziehbares. Eines, für das man sich emotional erwärmen kann. Eines, über das man noch lange nachdenkt und redet. Eines, welches eben nicht den Konsum der gesamten vorherigen Staffeln zumindest gefühlt obsolet macht – und dafür sorgt, dass sich die Fangemeinde in zwei große Lager spaltet. In eines, dass die Ereignisse so hinnimmt – und in eines, welches so unzufrieden ist dass es schier unmögliche Dinge wie eine komplette Neuverfilmung der achten Staffel verlangt. Allein diese Tatsache sollte einen jeden schnell zu einer Feststellung kommen lassen: dass das große Finale von GAME OF THRONES ein der Serie unwürdiges ist.

Was genau man nun mit GAME OF THRONES anfangen soll, gerade wenn es darum geht die Serie einer späteren Generation von Fantasy-begeisterten zu empfehlen; steht dank des Unvermögens der Verantwortlichen in den Sternen. So erscheint es einerseits fragwürdig, die komplette Serie aufgrund derart später Fehler in irgendeiner Schublade verschwinden zu lassen – und andererseits mindestens ebenso gewagt, sie interessierten vorbehaltlos an die Hand zu geben. Denn, und das sollte man bedenken: mit einem Ende wie dem hier präsentierten kann eigentlich niemand wirklich zufrieden sein. Was bleibt, ist die Erinnerung – an zahlreiche wirkliche schöne GAME OF THRONES-Momente und eine doch recht lange gemeinsame Zeit.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © HBO

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„Die achte Staffel von GAME OF THRONES markiert einen der wohl erstaunlichsten Wendepunkte einer TV-Serie. Einen ebenso erstaunlichen wie zutiefst ärgerlichen – was eine Gesamtbeurteilung entsprechend erschwert. Fest steht somit nur eines: die finale Staffel des Franchise kann hinsichtlich der Wertung nicht einmal ansatzweise mit den vorherigen mithalten. Wie schwer sich das auswirkt, muss ein jeder für sich selbst entscheiden.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 8)

Originaltitel: The Walking Dead Season 8
Relation: Fortsetzung der siebten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 8 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

8×01 – Erster Kampf (Mercy)
8×02 – Die Verdammten (The Damned)
8×03 – Wir oder die (Monsters)
8×04 – Nur irgendwer (Some Guy)
8×05 – Die Beichte (The Big Scary U)
8×06 – Der König, die Witwe und Rick (The King, the Widow, and Rick)
8×07 – Für danach (Time for After)
8×08 – Kampf um die Zukunft (How It’s Gotta Be)
8×09 – Ehre (Honor)
8×10 – Botschaften (The Lost and the Plunderers)
8×11 – Flucht nach Hilltop (Dead or Alive Or)
8×12 – Der Schlüssel zur Zukunft (The Key)
8×13 – Der Weg der Toten (Do Not Send Us Astray)
8×14 – Ich sterbe nicht (Still Gotta Mean Something)
8×15 – Die rechte Hand (Worth)
8×16 – Zorn (Wrath)

Das alles kommt mir nicht bekannt vor.

Inhalt: Nachdem die Gemeinschaft um den ehemaligen Sheriff Rick Grimes bereits Bekanntschaft mit einer neuen, von einem skrupellosen Anführer namens Negan geleiteten Gruppe von Überlebenden gemacht hatte; droht die Auseinandersetzung zwischen den korrespondierenden Gemeinden Alexandria, Hilltop, dem Königreich und dem von den Saviors geführten Sanctuary endgültig zu eskalieren. Dabei ist nicht nur Negan selbst das Problem, der sich immer mehr auf seinen Zwist mit Rick versteift und nach wie vor versucht ihn zu brechen – auch innerhalb der verschiedenen Gemeinschaften ergeben sich teils unerwartete Entscheidungen, Intrigen und brutale Machtkämpfe. Immer mehr scheint es, als könnte es nur einen Sieger geben – einen, der die gegebenenfalls unterlegene Gruppe auch nicht mehr tolerieren und im schlimmsten Fall komplett auslöschen würde. Dass dabei das Leben jedes einzeln auf dem Spiel steht, ist beiden Seiten bewusst…

Kritik: Auch wenn es in Bezug auf die Einschaltquoten zur Schadenfreude mancher immer mauer aussieht, werden es die meisten Pay-TV-Zuschauer und Serienfans höchstwahrscheinlich mitbekommen haben: das ebenso berühmte wie berüchtigte THE WALKING DEAD-Franchise ist um eine weitere komplett ausgestrahlte Staffel reicher. Genauer gesagt handelt es sich um die mittlerweile achte – die im Grunde genommen direkt an die Ereignisse der vorangegangen siebten Staffel (siehe Review) anschließt und den Kampf zwischen den beiden TWD-Galionsfiguren Rick und Negan weiter intensiviert. Im Grunde genommen wurde in den bisherigen, zumeist ausführlichen Besprechungen der einzelnen Staffeln (siehe THE WALKING DEAD-TAG) bereits alles oder zumindest vieles über die Serie gesagt – sodass es an dieser Stelle nur eine kurze Übersicht über die Vor- und Nachteile der achten Staffel geben wird. Es sei allerdings angemerkt, dass selbst diese einige größere Spoiler enthalten können – weshalb man bei einem Vorhaben die Staffel noch zu verköstigen entsprechend vorsichtig sein sollte.

Die guten Seiten der achten THE WALKING DEAD-Staffel:

Neben den nach wie vor überdurchschnittlichen handwerklichen Aspekten der Serie – die sich beispielsweise in einem ansprechenden Setdesign, stimmigen Kostümen, einem aufwendigen Make-Up oder einer vergleichsweise ruhigen und nicht vom wesentlichen ablenkenden Kameraführung äußern – muss man speziell der achten Staffel des Franchise zugute halten, dass es bezüglich der zuvor nicht selten vernachlässigten (und damit umso mehr erwarteten) Action-Aspekte wieder etwas mehr zur Sache geht. Action bedeutet in diesem Fall gleich zweierlei: zum einen, dass die Szenenabfolgen selbst etwas rasanter inszeniert werden – und zum anderen, dass auch tatsächlich mehr innerhalb der einzelnen Folgen passiert; wobei die Interaktion zwischen den verschiedenen Charakteren, die Ereignisse auf dem Weg zum Endkampf zwischen Rick und Negan oder der Bildschirmtod von wichtigen Serien-Charakteren eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die teils merklich angezogene Spannung – die vor allem auch daraus resultiert, dass man den offensichtlich kaum noch zu vermeidende Endkampf immer wieder hinauszögert und sich dem Finale eher schrittweise (und das letztendlich sogar recht effektiv) nähert. Auch die Tatsache, dass man sich mittlerweile – und das gilt insbesondere oder auch zwangsläufig für Kenner der bisherigen Staffeln – recht intensiv mit den Kosmos von THE WALKING DEAD auseinandergesetzt hat (also beispielsweise die Charaktere, aber auch die eigentlichen Serien-Merkmale mit all ihren Vorzügen und Macken kennt), sollte sich in Bezug auf jede weitere Staffel eher positiv als negativ auswirken. Zumindest, und das ist die unweigerliche Voraussetzung; wenn man es überhaupt bis hierhin durchgehalten hat. Anders gesagt: auch wenn man bis dato einiges an der Serie auszusetzen hatte, ist es einem wahrscheinlich dennoch nicht gänzlich egal was passiert – auch oder gerade wenn die potentiellen Erwartungen wieder einmal enttäuscht werden.

Die schlechten Seiten der achten THE WALKING DEAD-Staffel:

Bei aller Liebe zu THE WALKING DEAD und der wieder etwas besseren achten Staffel sollte man eines in keinem Fall außer acht lassen: das Franchise (oder eher die hier behandelte Umsetzung der Comicbuchvorlage) war und ist längst nicht perfekt. Wenn man so will strotzt sie sogar vor Schwächen – die sich natürlich auch in der achten Staffel bemerkbar machen. In Sachen Timing, einer schier unsäglichen zeitlichen Streckung von einzelnen Ereignissen respektive ganzen Story-Arcs (man erinnere sich an das Gefängnis – und nun auch Negan) oder einem gefühlt eher fehlgeleiteten Fokus auf weniger interessante Inhalte etwa hinkt THE WALKING DEAD so manch anderer TV-Serie hinterher – wofür es hinreichend Beispiele gibt. Hinsichtlich der achten Staffel soll allerdings nur – und stellvertretend – auf einen einzelnen Moment voller potentieller Fehlentscheidungen hingewiesen werden. Gemeint ist das Ableben von Carl, das als Cliffhanger zwischen der 8 und 9 Episode (zwischen der die bekannte Winterpause lag) schlichtweg nicht funktionierte; oder eher gar nicht erst dafür vorgesehen war. Schließlich wusste man vor der Winterpause schon recht genau, was passieren würde – wobei es nicht unbedingt ärgerlich ist, dass man die entsprechend erwarteten Szenen in Episode 9 auch tatsächlich zu sehen bekommt.

Mit dem so noch nicht bei einem Infizierten vorgekommenen langen Todeskampf – inklusive eines schier unerträglichen Trauerspiels sowohl von Seiten der Darsteller als auch der allzu forciert auf die Tränendrüse drückenden Drehbuchautoren – hat man es dagegen eindeutig übertrieben. Von den Zombies oder Untoten, die eigentlich noch immer eine entsprechende Rolle spielen sollten; gar nicht erst zu sprechen – doch das war in Anbetracht des nunmehr fast ausschließlich zwischenmenschlichen Kampfes innerhalb von TWD gewissermaßen abzusehen. Folglich fehlen – und das nach wie vor – auch viele weitere Aspekte, die man von einer apokalyptisch angehauchten Zombie- respektive Survival-Serie erwarten würde. Und wenn doch mal etwas dahingehendes gezeigt wird (wie in Bezug auf sich ergebende Machtstrukturen, die Essensbeschaffung oder die Errichtung neuer Gemeinden / Schutzbereiche) scheint man doch schnell wieder beim nächsten Thema zu sein – vornehmlich einem solchen, von dem man nur selten das Gefühl hat als würde es tatsächlich eine größere Rolle spielen.

Fazit: Auch wenn die mittlerweile achte Staffel von THE WALKING DEAD das Tempo teils merklich anzieht, einige intensive Action-Elemente bereithält, wichtige Charakter-Entscheidungen forciert und ein überraschend abgeschlossen wirkendes Finale bereithält; bleibt das TV-Franchise ein enorm zweischneidiges Schwert. Wirklich retten kann demnach auch die achte Staffel nichts, oder bestenfalls wenig – wobei es die Tatsache, dass höchstwahrscheinlich noch einige weitere Staffeln folgen sollen nicht unbedingt besser macht. Anders gesagt: es hätte einfach vieles anders laufen sollen (oder eher: müssen) im THE WALKING DEAD-Universum, damit man von einer rundum gelungenen TV-Portierung hätte sprechen können. So aber bleibt es bei einer vergleichsweise zähen und schleppenden Angelegenheit, deren wenige Highlights und Lichtblicke im Wust der mittlerweile unzähligen Episoden verpuffen. Da die achte Staffel insgesamt betrachtet aber weniger Schwächen hat als die vorangegangenen, gibt es eine leichte Wertungserhöhung – wobei man es sich nach wie vor und in jedem Fall überlegen sollte, überhaupt mit der Serie anzufangen. Ist es erst einmal soweit, fällt ein Aufhören bekanntlich schwer – selbst wenn man nur mäßig von einer Serie wie TWD angetan ist…

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„Die achte Staffel von THE WALKING DEAD bleibt sich im Kern (und damit auch in Bezug auf so gut wie alle bisherigen Stärken und Schwächen) treu – und wirkt entsprechend altbekannt. Das angezogene Tempo und der potentiell schon jetzt endgültige Abschluss der Negan-Arc aber führen zu einer dezenten Wertungserhöhung im Vergleich mit den Vorgängerstaffeln.“

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TV-Kritik / Serien-Review: STRANGER THINGS Staffel 2 (2017)

Originaltitel: Stranger Things
Typ: VOD-Serie
Umfang / Laufzeit: 9 Folgen (Länge je ca. 41-54 Minuten)
Land: USA
Idee: Matt Duffer, Ross Duffer
Genre: Science Fiction / Drama / Abenteuer
Tags: 80er Jahre | USA | Retro | Mystery | Übernatürlich

Es geht immer noch ein bisschen STRANGER.

Inhalt: Nach den teils verstörenden Ereignissen der ersten Staffel von STRANGER THINGS ist mittlerweile ein Jahr in der fiktiven US-Amerikanischen Kleinstadt Hawkins vergangen. Die meisten Bewohner sind wieder zur Ruhe gekommen und gehen ihrem Alltagsgeschäft nach – wie auch die Kinder, die seit ihrer Rettung durch die mysteriöse Eleven nichts mehr von ihrer neuen Freundin gehört haben. Besonders Mike macht das schwer zu schaffen – wobei er die Hoffnung Eleven irgendwann doch noch einmal wiederzusehen, zu keinem Zeitpunkt aufgibt. Derweil macht sich aber ein ganz anderes Problem bemerkbar, denn: der zuvor aus einer Art dunkler Parallelwelt gerettete Will scheint doch mehr mit seinem Erlebnis zu kämpfen zu haben als erwartet. Und auch das Labor, welches für die meisten der ungewollten Geschehnisse verantwortlich zeichnet; steht noch immer – wenn auch unter einer anderen Führung. Trotz der erheblichen Warnsignale scheinen sie nichts gegen eine Fortführung diverser Forschungen und Experimente einzuwenden zu haben – wobei sich insbesondere ein zuvor geöffnetes Dimensions-Tor als äußerst problematisch erweisen könnte… schließlich scheint es noch zu wachsen.

Kritik: Achtung, Spoiler ! Vielen ist sie sicher noch in guter Erinnerung – die erste Staffel von STRANGER THINGS, einer eigens für den VOD-Anbieter Netflix produzierten Mystery-Serie um allerlei seltsame Geschehnisse in einer US-Amerikanischen Kleinstadt. Zumindest sollte sie das – denn immerhin haben es die eigentlichen Ideengeber in Gestalt der Zwillingsbrüder Matt und Ross Duffer tatsächlich geschafft, ein ebenso erfrischendes wie gleichzeitig auch traditionelles und mit vielen Querverweisen ausgestattetes  Serien-Highlight auf die Beine zu stellen (siehe Rezension). Eines, mit dem so niemand wirklich gerechnet hätte – und eines, dessen Beliebtheit und Erfolg vergleichsweise rasant in die Höhe schnellten. So gesehen wäre es zumindest aus kommerzieller Sicht ein riesengroßer Fehler gewesen, hätte man die Serie schon nach der ersten Staffel beendet. Sicher, ganz grundsätzlich wäre auch das denkbar gewesen – womit STRANGER THINGS noch immer eine enorm qualitative Ausnahme-Serie geblieben wäre. Eine, die den Zuschauer dann zwar mit einigen offen Fragen zurückgelassen hätte – doch die immerhin nicht der Gefahr ausgesetzt gewesen wäre, im weiteren Staffelverlauf ihre geradezu magische Ausstrahlung zu verlieren oder sich anderweitig zu verhaspeln.

Doch wie man schon seit Ende August 2016 weiß, sollte alles ganz anders kommen. Und das klar zugunsten der Duffer-Brüder, die für beide Fälle gewappnet waren und nach der erneuten Bestellung von Netflix direkt wieder mit der Arbeit beginnen konnten. Und so macht STRANGER THINGS 2 (fast) genau da weiter, wo die erste Staffel aufgehört hatte. Fast deshalb, da im Handlungsuniversum der Serie zwischenzeitlich ein ganzes Jahr vergangen ist – und das große Staffelfinale bereits einige Zeit zurückliegt. Entsprechend ruhig lässt es STRANGER THINGS 2 auch in seiner Auftaktphase angehen: die Verhältnisse erscheinen mittlerweile wieder geordnet, man ist zur Ruhe gekommen – und eine neue Bedrohung scheint vorerst nicht in Sicht. Im weiteren Verlauf aber zeigt sich, dass das ein großer Irrtum ist – womit es alsbald auch wieder aufkommt, das gute alte STRANGER THINGS-Gefühl. Die Duffer-Brüder schaffen es folglich auch dieses Mal, mit ihrer ungewöhnlichen Mixtur aus einer rückblickenden Erzählung inklusive zahlreicher Gimmicks für Kinder der 80er Jahre, einer tief in der Sci-Fi-Kiste grabenden Grundidee um Paralleldimensionen und Menschen mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten sowie dem Charme einer Vorstadt-Serie mit recht familiär agierenden Charakteren zu punkten – und dabei sowohl ein mehr als nur ordentliches Maß an Spannung als auch eine beachtliche Emotionalität an den Tag zu legen.

Das gilt insbesondere für das Ende der zweiten Staffel, also recht genau die Episoden 8 und 9 – in denen die Serie noch einmal einiges an Fahrt zulegt und an Intensität gewinnt. Gleichzeitig, und das war schon eine der Besonderheiten an Staffel 1; wurde die Serie erneut mit einem einerseits abgeschlossenen, andererseits dann aber irgendwie doch reichlich offenen Ende versehen. Ein Ende, welches die Serie schon wieder endgültig abschließen könnte – was zwar nicht so kommen wird, sich aber dennoch angenehm anfühlt. Erst recht natürlich im Vergleich zu diversen anderen Serien, die sich mit dem ein oder anderen fiesen Cliffhanger von Staffel zu Staffel hangeln – der dann im schlimmsten Fall auch noch unglücklich aufgelöst wird. Bei STRANGER THINGS jedoch hat man das Gefühl von jeweils in sich abgeschlossenen Staffeln, die einem so gesehen auch die Möglichkeit eines zwischenzeitlichen Ausstiegs geben. Zwar wird die kaum jemand wahrnahmen – doch es ist lobenswert dass einem die Freiheit dazu gelassen wird – im übertragenen Sinne versteht sich. Ebenfalls hochzuhalten sind natürlich auch die vielen aus der ersten Staffel übernommen respektive konsequent fortgeführten Vorzüge der Serie – von denen es mehr als eine handvoll gibt.

So macht allein das grandiose Setdesign inklusive der authentischen wirkenden Schauplätze, der Kleidung und natürlich auch einer zeitgemäßer Gadgets einen Heidenspaß. Das kuriose dabei ist, dass es STRANGER THINGS gar nicht mal darauf anlegt möglichst authentisch rüberzukommen, zumindest nicht gefühlt – und es den Machern offenbar recht leicht fällt, sich mit einer gewissen Lockerheit in eben jene Zeit zurückzuversetzen. Dementsprechend hat man auch nicht das Gefühl, man würde hier ein allzu aufgesetztes Setting vor die Nase gesetzt bekommen – man befindet sich schnell und wirklich in STRANGER THINGS, und damit auch der fiktiven Kleinstadt Hawkins mitsamt all ihrer Bewohner. Das großartige Schauspiel aller beteiligten Darsteller, allen voran natürlich den zahlreichen Kinderdarstellern wie Finn Wolfhard oder Millie Bobby Brown; die angenehme Mischung aus atmosphärischen Elementen der Science Fiction und einer gewissen Alltagslockerheit, der charmante Witz, die für eine Serienproduktion höchst gelungenen Special Effects oder der geniale Soundtrack – auch STRANGER THINGS 2 macht eine verdammt gute Figur, erst Recht im Vergleich mit anderen Sci-Fi oder Mysteryserien der Neuzeit.

Und doch gibt es da etwas, was den Genuss der zweiten Staffel dezent zu schmälern weiß. Zumindest theoretisch, und wenn man sich dann doch noch die ein oder andere kritische Frage in Bezug auf eine möglichst weitreichende Form der kommerziellen wie inhaltlichen Ausschlachtung stellt. Sicher ist das eher negativ ausgedrückt, und der Einwurf dass STARNGER THINGS spätestens nach der 4. Staffel enden wird gibt einen zusätzlich entwarnenden Anhaltspunkt – doch gänzlich konnten es die Verantwortlichen nicht vermeiden, dass doch noch die ein oder andere Durststrecke auftritt. Das gilt vornehmlich und so gesehen exklusiv in Bezug auf den Staffel-Auftakt, der es nicht nur dezent verpasst die zuvor eingeführten Charaktere sinngemäß abzuholen (und das trotz oder gerade wegen des vergangenen Jahres) – sondern auch den Zuschauer, der von Staffel 1 eine ganz andere Gangart gewohnt war. Im schlimmsten Fall könnten sich die ersten 2 oder 3 Episoden der zweiten Staffel also leicht befremdlich anfühlen, zumal sie einige der so heiß erwarteten Auserzählungen diverser Umstände markant hinauszögern. Auch zu bemerken ist, dass sich im Gegensatz zu Staffel 1 nicht mehr wirklich alle einzelnen Szenen stimmig anfühlen – was hier insbesondere für die Ereignisse rund um Will gilt, die mit einer recht makaberen Verhör-Szene und einer recht gewöhnungsbedürftigen Darstellung eines Heilungsprozesses etwas unrund wirken.

Etwas unrund, oder aber dezent aus dem Rahmen fallend erscheint in diesem Zusammenhang wohl auch die siebte Episode der Staffel – die ausnahmsweise mal an einem ganz anderen Ort und mit ganz anderen Charakteren stattfindet, wobei sich offenbar auch die Kameraführung und der Soundtrack entsprechend angepasst haben. Ob es sich hierbei um ein ebenso rebellisches wie gelungenes Experiment handelt, oder doch nur um einen fehlgeleiteten Versuch für etwas Abwechslung zu sorgen (und einen der vermutlich weniger interessanten Handlungsstränge zu behandeln) – dass muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Gleiches gilt wohl auch für einige der neuen Charaktere – wie etwa Max, ihren Bruder Billy oder den Technik-Freak Bob. Sicher, grundsätzlich ist es spannend einige neue Charaktere auftreten zu sehen – doch sollte man dabei niemals den eigentlichen Fokus aus den Augen verlieren. Schließlich steht fest, dass STRANGER THINGS vor allem dann einen enormen Reiz entwickelt wenn die eher klassischen Figurenkonstellationen präsentiert werden – also vornehmlich die Interaktionen innerhalb der Truppe um Mike und Eleven. Und auf die musste man gerade bei Staffel 2 dann doch etwas warten.

Aber sei es drum – die zweite Staffel von STRANGER THINGS kann und wird nicht dazu führen, dass die Begeisterung an und für die Serie abebbt. Wobei, und dessen waren sich sicher auch die Macher bewusst; es gar nicht erst allzu viele neue Ideen gebraucht hatte – immerhin servierte schon die erste Staffel einige Steilvorlagen, die im Verlauf der zweiten Staffel einfach nur weiterbehandelt oder auserzählt werden müssten. Und spannend ist das allemal. Wirklich, ja wenn nicht gar unendlich spannend wird es aber wohl erst im Hinblick auf die weitere Zukunft des Franchise. Immerhin haben die Duffer-Brüder schon angekündigt, dass eine dritte Staffel folgen soll – und auch eine vierte, wobei diese dann aber die letzte sein soll. Wie genau sich das Ganze entwickeln wird – auch in Anbetracht der alternden (Kinder-)Darsteller – das gilt es nun abzuwarten.

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„Insgesamt etwas schwächer als die erste Staffel – aber noch immer ein höchst atmosphärischer Hingucker.“

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TV-Kritik / Anime-Review: ONE PUNCH MAN

Originaltitel: ワンパンマン
Typ: Anime-TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 12 Folgen (je ca. 25 Minuten)
Land: Japan
Regie: Shingo Natsume
Studio: Madhouse
Genre: Action / Sci-Fi / Fantasy
Tags: Schlag | Kraft | Verantwortung | Helden | Außerirdische | Mutanten

Die Liste der 12 Episoden (deutsche Titel):

01 Der Stärkste
02 – Ein entrückter Cyborg
03 – Beharrlicher Wissenschaftler
04 – Ninja von heute
05 – Ultimativer Lehrer
06 – Furchterregendste Stadt
07 – Überlegender Schüler
08 – König der Tiefsee
09 – Unbeugsame Gerechtigkeit
10 – Nie da gewesene Krise
11 – Gebieter über das All
12 – Der stärkste Held

Vorsicht vor dem einen, wirklich ernsthaften Schlag.

Inhalt: Wenn man seinen eigenen Worten glaubt, dann führt der in der Z-Stadt lebende Kämpfer und Hobbyheld Saitama ein recht langweiliges Leben. Als Außenstehender jedoch kann man kaum anders, als nachhaltig beeindruckt zu sein – immerhin erledigt der durch sein hartes Training glatzköpfig gewordene Supermarkt-Schnäppchenfan jeden nur erdenklichen Gegner, und das mit nur einem Schlag. Eben das scheint ihm auch eine gewisse Routine beschert zu haben, sodass er selbst bei Angriffen der größten und furchteinflössendsten Kreaturen kaum eine Miene verzieht. Der junge Cyborg-Kämpfer Genos indes weiß um die unglaubliche Stärke des äußerlich unscheinbaren Naturtalents – und versucht trotz seiner ebenfalls nicht zu verachtenden Kampfkraft alles, um Saitamas neuer Schüler zu werden. Und auch wenn der sich zunächst merklich sträubt, entwickeln die beiden tatsächlich eine besondere Form des Zusammenhalts – die immer wieder gespickt ist von allerlei freundschaftlichen Rivalitäten und Wettkämpfen. So kommt es den beiden auch recht gelegen, dass sie als neue Mitglieder in der sogenannten Heldenvereinigung aufgenommen werden – in die nur die stärksten Helden kommen, und bald darauf nach speziellen Fähigkeits- und Beliebtheitsrankings aufgeteilt werden. Die alles entscheide Frage aber ist, ob Saitama und seine neuen Kollegen wirklich jeder Bedrohung entgegentreten können – im besten Fall ohne dabei doch noch draufzugehen…

Vorwort & Ersteindruck: ONE PUNCH MAN ist eine 2015 erstmals in Japan ausgestrahlte Anime-Serie, die ihren Ursprung in einer erfolgreichen Webcomic-Serie und einem darauf folgenden Manga hat. Dieses Jahr erschien die insgesamt 12 Episoden und einige Specials umfassende Serie endlich auch auf dem Heimkinomarkt in Deutschland – und das sogar mit einer zur Abwechslung mal wieder vortrefflich gelungenen Synchronisation. Der Chance, dass das in Japan längst enorm populäre Franchise auch hierzulande weiter an Bekanntheit gewinnen wird; steht somit kaum etwas im Weg. Und das sollte es auch nicht. Schließlich sind die Geschichten um den makaberen Anti-Helden Saitama nicht nur bei eingefleischten Manga- und Animefans beliebt, oder anders gesagt: wann wenn nicht jetzt besteht die Chance, seine sonst gegenüber Animes eher verhalten reagierenden Freunde mit einer unterhaltsamen und gut gemachten Serie wie ONE PUNCH MAN ganz im Sinne der fälschlicherweise gerne mal belächelten japanischen Kunstform zu bekehren ? Eines muss man dabei allerdings festhalten, und das geht eher gegen den typischerweise üblichen Anime-Kodex einer zumeist tiefgründigen und vielschichtigen inhaltlichen Komponente: ONE PUNCH MAN hat alles, nur keine ausgefeilte Story. Zumindest noch nicht, das heißt mit dem aktuellen Status Quo einer einzigen Staffel mit nur 12 recht knappen Episoden.

Story / Inhalt

In Bezug auf seine Story sowie etwaige potentielle Hintergrundgeschichten lässt es ONE PUNCH MAN zumeist extrem vereinfachend bis gekonnt umschiffend angehen. Abgesehen von den immer neuen und immer größeren Bedrohungen die es für Saitama und die anderen Helden zu bekämpfen gilt, machen eigentlich nur die Charaktere selbst gewisse Sprünge respektive Entwicklungen durch. Eine detaillierte oder weitestgehend nachvollziehbare Erläuterung möglichst aller Umstände innerhalb der hier gezeichneten Welt ist demnach zu keinem Zeitpunkt vorgesehen.

Allerdings, und das muss man dem Anime zugute halten; wirkt sich das im Falle von ONE PUNCH MAN kaum negativ aus. Dass man viele – oder eher alle – der kunterbunt-schrillen Besonderheiten schon ab der ersten Episode einfach so hinnehmen muss, gehört schlicht zum abgedrehten Gesamteindruck der Serie. ONE PUNCH MAN will keine großartige oder gar innovative Geschichte erzählen – sondern den Zuschauer stattdessen mit dem Auftreten immer neuer Helden und analog dazu auch immer verrückteren Kampf- und Actionszenen bei Laune halten. Und das ist etwas, was die Serie auch problemlos schafft – die 12 Episoden wirken kurz und knackig, und vergehen dabei wie im Flug.

Einen negativen Aspekt, der nicht immer ganz vom enormen Unterhaltungsfaktor der Serie überdeckt werden kann; gibt es dann aber doch. Begründet liegt er in der Tatsache, dass Saitama seinem Namen wahrlich alle Ehre macht – und jeden Gegner mit nur einem Schlag besiegt. Gut, im Endkampf waren es dann doch einige mehr – aber im Großen und Ganzen gerät das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Serie auch leicht zu ihrem Nachteil. Sonderlich spannend sind die Kämpfe so schließlich nicht, es sei dann natürlich etwaige andere Helden springen ein und demonstrieren was sie können – oder aber die jeweiligen Gegner sind so von sich überzeugt, dass ihre quasi-Monologe fast schon mehr Spaß machen als die Kämpfe selbst. Fest steht aber: sollte es eine zweite Staffel geben, wären hier sicher noch einige weitere Variationen von Nöten – denn sonst könnte sich vielleicht doch noch eine gewisse Form der Eintönigkeit breit machen.

Charaktere

Sicher, in Bezug auf die Story und die grundsätzlich auch nicht unbedingt als innovativ zu bezeichnenden Inhalte kann ONE PUNCH MAN nicht wirklich punkten. Bei seiner ebenso starken wie abwechslungsreichen Charakter-Riege aber fährt die Serie dann doch noch alle Geschütze auf – und präsentiert dem Zuschauer ein ebenso kunterbuntes wie zutiefst unterhaltsames Ensemble. Vielleicht sogar eines der unterhaltsamsten, die es je in einer Anime-Serie gegeben hat – wobei sich ONE PUNCH MAN gar nicht mit sonst gerne bedienten Niedlichkeits-Klischees oder sexuellen Anspielungen aufhält, was man als zusätzlichen Pluspunkt betrachten könnte. Das einzige, was ansatzweise in diese Kategorie fallen könnte; wäre wohl der Auftritt des Puri Puri Prisoners – doch auch hier geht ONE PUNCH MAN derart überdreht und schlicht sympathisch vor, dass man sich erst gar keine weiterführenden Gedanken machen muss.

Ja, ONE PUNCH MAN macht einen Heidenspaß – was auch für das Porträt des Hauptcharakters Saitama gilt, dem sein Helden-Dasein eher langweilig vorkommt. Doch gerade dass er damit genau das verkörpert, was man von einem gestandenen Superhelden eher nicht erwarten würdesorgt für einen reichlich frischen Wind – und spendiert den oft unerbittlichen Kämpfen eine so noch nicht dagewesen komödiantische Facette. Analog zu einer auch sonst immer wieder anberaumten Alltags- und Situationskomik im Zusammenspiel mit anderen Charakteren, versteht sich – wobei dem Zuschauer kaum Zeit gelassen wird, sich zu erholen. Etwas zu entdecken gibt es schließlich immer – und das hohe Erzähltempo und die gerne mal direkt aneinandergereihten verrückten Ideen lassen schlicht keine Langeweile aufkommen.

Neben Saitama ist es so auch sein Sidekick Genos, der einige Sympathiepunkte einheimsen kann. Vornehmlich, da er das absolute Gegenteil von Saitama darstellt – und sein Handeln von einer eher ernst- und gewissenhaften Natur ist. Sicher, wirklich große Veränderungen machen beide nicht durch – doch ist es interessant zu sehen, wie genau sich ihr Zusammenspiel im Verlauf der Serie entwickelt.

Dann gibt es da noch die zahlreichen anderen Helden aus der Heldenvereinigung, die entsprechend kurios in Szene gesetzt werden (und teilweise sogar recht spannend, was dem anberaumten Rängesystem zu verdanken ist) und so für weitere Steigerungen des Unterhaltungswertes sorgen. Der Wunsch nach mehr Screentime des ein oder anderen besonders befähigten könnte dabei durchaus aufkommen – denn wirklich uninteressant erscheint hier niemand. Anders gesagt: wenn es nicht die Fähigkeiten der Helden sind die für Aufsehen sorgen, dann doch die jeweilige Persönlichkeit oder aber entsprechende Persönlichkeits-Macken.

Zuletzt spendiert ONE PUNCH MAN seinen Helden natürlich auch entsprechende Widersacher – wobei sich die Macher abermals ordentlich ausgelassen haben.  Entweder punkten die Monster mit besonders schrillen Designs und Animationen, oder aber mit besonders spektakulär in Szene gesetzten Auftritten. In denen wird beispielsweise nicht selten ein herrlich-überzogenes Weltübernahme-Gefasel an den Tag gelegt – was man so auch aus anderen Anime-Serien kennt. Der Zusammenhang in ONE PUNCH MAN indes ist ein ganz anderer, sodass man selbst die Monster (die sich hie und da nochmal zum Abschluss einer Episode melden) liebgewinnen und nach deren Vernichtung irgendwie auch vermissen wird.

Optische Aspekte

ONE PUNCH MAN bietet zwar keine optischen Innovationen – überzeugt dafür aber mit einem äußerst soliden Handwerk. Seien es die ganz und gar prächtige Farbenvielfalt, das geniale Charakter- und Monsterdesign, die ebenso flotten wie geschmeidigen Kampf- und Actionszenen oder die generelle optische Vielfalt – die Serie ist nicht weniger als Zucker für die Augen. Und das ohne, dass man eine übertriebene Hektik oder eine zu schnelle Bildfolge befürchten müsste. Lediglich eine gewisse Vorliebe für allerlei zeichnerische Übertreibungen sowie den ein oder anderen (absichtlich) simpel animierten Abschnitt sollte man schon mitbringen – schließlich hält der allgemeine Slapstick auch im Bereich des handwerklichen Einzug, glücklicherweise aber pointiert und relativ stilvoll.

Akustische Aspekte

Schon der mitreißende Opener von ONE PUNCH MAN macht klar: es darf gerne mal etwas ausgelassener und energetischer zugehen. Abgesehen vom Outro, welches im Gegensatz dazu einen krassen Gegenpol bildet; punktet die Serie so auch in den Kampfszenen mit allerlei antreibenden bis hymnischen Tönen. Letztendlich spielt der Soundtrack aber keine allzu große Rolle – zumal er in der allgemein abgedrehten Szenerie auch so manches Mal unterzugehen droht. Nicht zuletzt die Soundeffekte und das Engagement der Sprecher machen aus ONE PUNCH MAN aber auch ein akustischen Vergnügen.

Fazit: Hinsichtlich seines potentiellen Publikumserfolges stellt ONE PUNCH MAN eigentlich nur eine Frage: kann man als Zuschauer einmal mehr (im japanischen Anime-Bezug wohl eher: ausnahmsweise) auf einen ausgefeilten Storyschwerpunkt verzichten, und sich stattdessen nur an einer kunterbunt-verrückten Welt inklusive vieler schmackiger Actionszenen und zahlreicher schriller Charaktere erfreuen ? Wenngleich die Frage besser nicht generell mit einem lauthalsen ja beantwortet werden sollte – und das schon gar nicht in Richtung der westlichen Unterhaltungsindustrie, die Ambitionen wie diese nur allzu gut kennt – so kann, sollte oder muss man für ONE PUNCH MAN einfach mal eine Ausnahme machen. Anders gesagt: so durchtrieben und unterhaltsam, dabei aber stets handwerklich ansprechend und mit einem angenehmen Humor versehen war schon lange keine Anime-Serie mehr.

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„Eine Serie (fast) so stark wie ein Schlag von Saitama selbst. Ausnahmsweise gilt: eine zweite Staffel darf gerne folgen.“

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TV-Kritik / Serien-Review: GAME OF THRONES (Staffel 7)

Originaltitel: Game Of Thrones
Typ: TV-Serie
Basierend Auf: A Song Of Ice And Fire
Umfang / Laufzeit: 7 Folgen (je ca. 53-77 Minuten)
Land: USA
Idee: David Benioff, D. B. Weiss
Genre: Abenteuer / Fantasy / Drama
Tags: GoT | Staffel 7 | Siebte Staffel | Fortsetzung | HBO | George R. R. Martin

Die Liste der 7 Episoden (deutsche und englische Titel):

01 Drachenstein Dragonstone
02 Sturmtochter Stormborn
03 Die Gerechtigkeit der Königin The Queen’s Justice
04 Kriegsbeute The Spoils of War
05 Ostwacht Eastwatch
06 Jenseits der Mauer Beyond the Wall
07 Der Drache und der Wolf The Dragon and the Wolf

Irgendwann geht es eben doch in die heiße Phase.

Kurzinhalt: Nachdem Daenerys Targaryen und ihre Truppen endlich in Westeros angekommen sind, stehen sie kurz vor ihrem geplanten Feldzug gen Königsmund – und damit auch gegen die hiesige Herrscherfamilie der Lannisters. Doch während noch auf allen Seiten Machtverhältnisse neu ausgelotet und Kräfte gebündelt werden, rücken die Armeen des Nachtkönigs weiter in Richtung Süden vor. Dabei sind sich zunächst nur Jon Snow und seine Anhänger der immensen Gefahr einer potentiellen Invasion der Untoten bewusst. So versuchen sie möglichst jeder auf dem Kontinent lebenden Fraktion klarzumachen, dass sich der wahre Feind erst noch zeigen wird – und man in Anbetracht der bevorstehenden Katastrophe kaum eine andere Wahl hat, sich zumindest für den Zeitraum des kommenden Winters zu verbünden. Immerhin: mit ihren drei Drachen hat Daenery Targaryen noch einen Trumpf im Ärmel, der sich auch im Kampf gegen die Untoten als äußerst nützlich erweisen könnte. Es bleibt zu hoffen, dass der Nachtkönig eben doch nicht mehr im Gepäck hat als eine Horde wilder Untoter – und durch das Zusammenspiel von Drachenfeuer und Waffen aus Drachenglas geschlagen werden kann.

Kritik: Mit erstmals nur 7 vorgesehenen Episoden wurde auch sie nun komplett ausgestrahlt – die mittlerweile siebte Staffel des beliebten Fantasy-TV-Epos GAME OF THRONES. Wie es sich bereits in der vorangegangenen sechsten Staffel angedeutet hat, geht es dabei langsam aber sicher in die heiße Phase – wenn die Verantwortlichen an ihrem Plan festhalten, wird es nur noch eine weitere Staffel mit lediglich sechs Folgen geben. Das ist der vorliegenden siebten Staffel auch zweifelsohne anzumerken – und das nicht nur in Bezug auf den unmittelbar bevorstehenden, schlussendlich schon der finalen siebten Folge beginnenden Kampf zwischen den Menschen und den Untoten. Auch einige der nunmehr über Jahre gepflegten Nebengeschichten werden weiter oder zu Ende erzählt, wichtige Charaktere sterben, neue kommen nicht mehr hinzu. Das besondere dabei ist: auch oder gerade weil das Gefühl, dass die Serie bald abgeschlossen sein wird omnipräsent ist; hat die Serie keine nennenswerten Qualitätseinbußen zu verzeichnen. Stattdessen übernimmt sie so gut wie alle bisherigen Stärken und Schwächen der vorherigen Staffeln – was gut ist und zeigt, dass die Macher nicht wirklich von ihrem bisher eingeschlagenen Marschrichtung abweichen und sich so gesehen treu bleiben.

Eine handvoll neuerlicher Probleme gibt es dann aber doch. Vornehmlich solche; die im gleichen Atemzug mit dem noch einmal ordentlich angezogenen Spannungsbogen, den wie schon zuvor beeindruckenden handwerklichen Aspekten und dem allgemeinen Spaßfaktor der Serie zu nennen sind – und so gewissermaßen wieder ausgeglichen werden können. Beispielsweise erscheint es fast schon aberwitzig, welches Gefühl dem Zuschauer in Bezug auf etwaige zurückgelegte Entfernungen einiger Charaktere oder aber bestimmte zeitliche Faktoren vermittelt wird. Wirklich sinnig wirken die allgemeinen Truppenbewegungen, und insbesondere die der Untoten jedenfalls nicht. Auffälliger als jemals zuvor ist auch die Tatsache, dass bestimmte Charaktere (noch) nicht das zeitliche segnen soll; und sie deshalb selbst aus den ausweglosesten Situationen gerettet werden können – analog zu einigen sich durchaus anbietenden Gelegenheiten, bestimmte Konflikte zu verhindern oder zumindest deutlich zu entschärfen. Hier hat man dann eben doch das Gefühl, als hätte das Drehbuch obsiegt – und nicht die Vernunft, respektive die durch die Serie vermittelte Logik des GAME OF THRONES-Universums. Sei es drum – auch die siebte Staffel der Serie wurde insgesamt hervorragend umgesetzt und macht schlicht einen Heidenspaß. So kann es gerne weitergehen, aber bitte wirklich nur noch in oder mit einer einzigen Staffel – und nicht auch noch in zahlreichen Spin-Offs.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © HBO

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„Auch die siebte Staffel hält das bisherige Qualitätsniveau – und ist daher kaum in der Lage, die allgemeine Faszination für das GAME OF THRONES-Universum zu brechen. Überhaupt: in Anbetracht des baldigen und im besten Falle entsprechend eindringlichen Serien-Finales kann man relativ problemlos über die meisten der kleineren Schwächen der Serie hinwegzusehen.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 7)

Originaltitel: The Walking Dead Season 7
Relation: Fortsetzung der sechsten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 7 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

7×01 – Der Tag wird kommen | The Day Will Come When You Won’t Be
7×02 – Der Brunnen | The Well
7×03 – Die Zelle | The Cell
7×04 – Fron | Service
7×05 – Draufgänger | Go Getters
7×06 – Der Schwur | Swear
7×07 – Sing mir ein Lied | Sing Me a Song
7×08 – Unsere Herzen schlagen noch | Hearts Still Beating
7×09 – Der Stein in der Strasse | Rock in the Road
7×10 – Neue beste Freunde | New Best Friends
7×11 – Wir sind Negan | Hostiles and Calamities
7×12 – Sag Ja | Say Yes
7×13 – Begrabt mich hier | Bury Me Here
7×14 – Auf die andere Seite | The Other Side
7×15 – Was wir brauchen | Something They Need
7×16 – Heute beginnt der Rest des Lebens | The First Day of the Rest of Your Life

Altbekanntes mit neuem Hauptdarsteller.

Inhalt: Nachdem die Gruppe von Rick Grimes erstmals in die Hände des skrupellosen Negan gefallen ist scheint die Hoffnung für alle, die sich noch als halbwegs freie Menschen in der post-apokalyptischen Gesellschaft bezeichnen; endgültig dahin. Schließlich forcieren Negan und seine zahlreichen Anhänger mit einem des öfteren verstörenden Nachdruck, dass ihnen alle noch existierenden Gemeinschaften auf die ein oder andere Art und Weise dienen sollen. Wer sich weigert oder aber etwaige Vereinbarungen mit teils erheblichen Forderungen nicht einhält, stirbt – auch wenn sich die Beschaffung von Wasser, Nahrungsmitteln oder Gebrauchsgegenständen ohnehin schon als schwierig genug erweist. Doch noch scheint die Strategie von Negan erfolgreich zu sein – so gut wie alle Menschen in der Umgebung folgen ihm, oder geben zumindest vor genau das zu tun. Selbst der kampferprobte Rick scheint zu akzeptieren, dass er und seine Gefolgschaft nun einem neuem Anführer dienen. Immerhin war der Preis, den er bereits zahlen musste; ausgesprochen hoch – wobei das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Ein Einzelgänger ist Rick jedoch schon lange nicht mehr – sodass Konflikte mit Negan vorprogrammiert sind. Mit der ständigen Angst um seine Kinder Carl und Judith, sowie der generellen Sorge um die Gemeinschaft Alexandria geht es in der siebten Staffel weniger um die wandelnden Toten – sondern vielmehr um meist blutige zwischenmenschliche Auseinandersetzungen.

„Die Serie THE WALKING DEAD ist eine globale Erfolgsstory: Millionen von Zuschauern weltweit zieht die zahlreich ausgezeichnete Endzeit-Odyssee in den Bann.“ (Quelle: foxchannel.de)

Kritik: Und schon wieder ist ein Jahr vorüber – und eine weitere komplette Staffel von THE WALKING DEAD vollständig ausgestrahlt. Eines kann man den Verantwortlichen, sowie sicher auch den zahlreichen Zuschauern des berühmt-berüchtigten Zombie-Franchise damit schon einmal attestieren: ein enormes Durchhaltevermögen. Denn auch wenn die entsprechende Comicbuchvorlage von Robert Kirkman und Tony Moore schon immer erfolgreich war und sich nach wie vor einer großen Beliebtheit erfreut, zieht sich das Konzept der TV-Serie nun schon seit einigen Staffeln dezent in die Länge. Gründe dafür gab und gibt es mehrere – und beileibe nicht nur solche, die sich auf die ohnehin schwierige Portierung von der Comicvorlage hin zu einem abendfüllenden und jahrelang ausgestrahlten Serienformat beziehen. Fest steht: man hätte den Machern vieles nur allzu gern verziehen. Doch spätestens seit der Einführung der sogenannten Gefängnis-Arc – bei der sich die Geschichte ganz offensichtlich viel zu lange auf einer Stelle bewegte – sieht es nicht mehr wirklich gut aus für das TV-Format. Denn, und auch das ist quasi eine waschechte THE WALING DEAD-Spezialität: eine ausgedehnte Straffung etwaiger Inhalte auf mehrere Folgen oder gar Staffeln hat nicht automatisch zur Folge, dass man als Zuschauer ein dichteres Erzählniveau erhält oder gar eine intensivere Serienerfahrung macht.

Genau das ist schließlich auch das Stichwort, wenn es um die mittlerweile siebte Staffel des Franchise geht. Nach wie vor können die Verantwortlichen einfach nicht darauf verzichten, die Serie mit endlos-überflüssigen Füll-Momenten und ärgerlichen Vertröstungen zu spicken. Wohlgemerkt, und das ist der eigentliche Knackpunkt – immer in Anbetracht dessen, dass die wenigen guten Ideen ohnehin nicht ausreichen einzelne Folgen oder gar eine ganze Staffel zu tragen. Im direkten Bezug auf die siebte Staffel bedeutet dies etwa, dass man den gleichermaßen furchteinflößenden wie seltsam charmanten Negan als neuen Hauptcharakter oder eher Haupt-Antagonisten postuliert. Das ist an sich eine gute und funktionierende Idee, die eine spürbare Spannung und Frische in den Serienkontext bringt – zumal Jeffrey Dean Morgan seine Sache wirklich gut macht, und sich die mittlerweile enorm hoch gehaltenen zwischenmenschlichen Aspekte der Serie nicht mehr nur mit gefühlten Belanglosigkeiten beschäftigen. Andererseits aber kommt im Verlauf der immerhin 16 Staffelfolgen nicht mehr viel neues hinzu, sodass nicht nur Fans der eigentlichen Serieninhalte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden. Wobei es fast schon ironisch ist, dass die Situation in der finalen Folge in etwa die selbe ist, in der Rick und Co. auch in Folge 1 steckten. Doch natürlich nimmt sich die Serie viel zu ernst, um diese und andere offensichtliche Missstände in unerwartete Vorteile verwandeln zu können.

Gut, dass THE WALKING DEAD schon längst keine Survival-Serie im herkömmlichen oder erwarteten Sinne ist; sollte mittlerweile jedem klar sein. Der Zombie-Virus an sich, die wandelnden Toten (sowie deren in den früheren Staffel oftmals spektakulär inszeniertes Ableben), das Überleben in der Wildnis, die Beschaffung von Wasser und Nahrung, alltägliche Konflikte zwischen Überlebenden – all das spielt schließlich keine Rolle mehr, oder nur noch eine markant untergeordnete. Sicher, die gesamte nun präsentierte Negan-Arc hätte die Serie in ihrem Kern auch nicht mehr retten können – doch für einen kleinen Aufschwung wäre sie sicher gut gewesen. Vielleicht ist sie das auch, aber eben nur teilweise – die teils desolate Atmosphäre, sowie die gerne mal etwas überakzentuierten und somit erst Recht an die Comics erinnernden Machtspielchen können noch am ehesten als diesbezügliche Vorteile gewertet werden. Unglücklicherweise übernimmt Staffel 7 aber auch alle Schwächen der Vorgängerstaffeln, die sich wie erwartet besonders stark auf Negan und seine Interaktion mit den anderen Überlebenden auswirken. Von einer wie auch immer gearteten Glaubwürdigkeit zu sprechen, fällt jedenfalls immer schwerer – auch wenn die beteiligten Darsteller des öfteren mit Herzblut bei der Sache zu sein scheinen.

Besonders markant ist in diesem Zusammenhang sicher die finale Folge – die in Anbetracht ihrer längeren Spieldauer, den gleichzeitig aber umso nichtssagenderen oder bereits allseits bekannten Inhalten ohnehin weniger zu bieten hat als eventuell erhofft. Immer wieder offenbart sich das Gefühl, als könnte die Serie oder zumindest der aktuell vorrangige Handlungsabschnitt mit nur einem Handstreich beendet werden. Wobei es sicher nicht allein die gerne mal mit vergleichsweise beschränkten geistigen Fähigkeiten ausgestatteten Charaktere sind die dies verhindern, sondern viel eher die Macher. Die möchten die Serie schließlich möglichst lange am Leben erhalten – und kümmern sich offenbar weniger um möglichst glaubhafte Zusammenhänge. Ein interessantes Gedankenexperiment wäre beispielsweise, wie die siebte Staffel mit der Hälfte der anberaumten Episodenzahl von 16 funktioniert hätte. Wobei, wirklich interessant ist dieser Gedankengang nicht – denn die Antwort liegt auf der Hand. Sicher, man macht keine großartige Staffel aus einer bestenfalls mittelprächtigen; indem man sie um die Hälfte kürzt – doch die Marschrichtung wäre schon einmal eine wesentlich angenehmere. Hätte man dann auch noch zusätzlich eine schnelle Beendigung des Negan-Konflikts vorgesehen, so hätte THE WALKING DEAD womöglich tatsächlich  wieder zum Status einer unaufhaltsam vorwärts preschenden, spannenden und abenteuerlichen Zombie-Serie zurückgefunden. Im Blick auf den aktuellen Status Quo heißt es jedoch: es darf weiterhin (und schamlos) auf einer Stelle getreten werden.

Fazit: Ob der Konflikt mit Negan nun in der nächsten Staffel gelöst werden wird oder auch nicht – mittlerweile scheint es relativ egal, was genau im THE WALKING DEAD-Universum geschieht. Im Laufe der Jahre und Staffeln hat es schlicht viel zu viel von seiner ursprünglichen Faszinationskraft eingebüßt. Aber nicht etwa, und das ist das schlimme; weil sich das Format abgenutzt hätte – sondern ausschließlich, da sich die Macher verzettelt haben. Ihr Setzen auf falsche Schwerpunkte, ihre an einer Hand abzuzählenden hervorragenden Ideen, unnötige Gefühlsduseleien, endlose Durststrecken und freche Cliffhanger machen jedenfalls keinen Spaß. Die wenigen Vorteile, die die Serie noch oder nach wie vor hat; reichen dagegen einfach nicht mehr aus um sie zu tragen. Anders gesagt: die gute Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner, die atmosphärische optische Gstaltungsarbeit im gesamten; sowie die weitestgehend soliden Leistungen der Darsteller verpuffen im Nirwana.

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„THE WALKING DEAD steht wie ein Fels in der TV-Landschaft – aber eher als Klotz denn als qualitatives Denkmal, leider.“

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TV-Kritik / Serien-Review: STRANGER THINGS (2016)

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Originaltitel: Stranger Things
Typ: VOD-Serie
Umfang / Laufzeit: 8 Folgen (Länge je ca. 41-54 Minuten)
Land: USA
Idee: Matt Duffer, Ross Duffer
Genre: Science Fiction / Drama / Abenteuer
Tags: 80er Jahre | USA | Retro | Mystery | Übernatürlich

Geschichten aus dem Düsterwald – und noch dunkleren Ecken.

Inhalt: Als ein kleiner Junge in der US-Amerikanischen Kleinstadt Hawkins verschwindet, ist die Panik groß. Während sich die Mutter des Jungen an die örtliche Polizei wendet, machen sich seine drei besten Freunde kurzerhand allein auf die Suche – und finden dabei nicht ihn, sondern ein verstört wirkendes Mädchen mit auffällig kurzgeschorenen Haaren. Dieses stellt sich den verdutzten Freunden als Eleven vor, verfügt allem Anschein nach über außergewöhnliche Fähigkeiten – und scheint überdies zu wissen, wo sich der verschwundene Will befindet. Zunächst jedoch halten die Kinder ihre neue Freundin versteckt – sie glauben nicht daran, dass ihnen irgendjemand glauben würde. Doch es scheint, als würde tatsächlich ein größeres Mysterium hinter Eleven und damit auch Will stecken. So ist Eleven aus einer Forschungseinrichtung geflohen, wo an und mit ihr experimentiert wurde – was ihre paranormalen Fähigkeiten zumindest teilweise erklärt. Im Zuge eines dieser Experimente aber geschah etwas unerwartetes. Eleven traf auf eine offenbar feindselige Kreatur aus einer anderen Dimension,  lockte diese unbeabsichtigt in die tatsächliche Welt – woraufhin sich das Monster den jungen Will schnappte und ihn wiederum in seine Dimension entführte. Mit welchem Ziel bleibt zunächst ungeklärt – aber es scheint auf der Hand zu liegen, dass all das nichts gutes bedeuten würde…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! STRANGER THINGS ist eine exklusiv für den Video-On-Demand-Anbieter Netflix gedrehte Serienproduktion der US-Amerikanischen Brüder Matt und Ross Duffer – und gleichzeitig eine, die man problemlos zu den überraschenderen Serien-Events der letzten Jahre zählen kann. Das besondere ist, dass es zunächst überhaupt nicht danach aussah: die Inhaltsbeschreibung allein vermag es bestenfalls, ein übergeordnetes Interesse zu wecken – und auch der eher unspektakuläre Veröffentlichungsrahmen über die Netflix-Plattform ließ nicht gerade ein potentielles Serien-Highlight des Jahres 2016 erahnen. Fest steht aber, dass STRANGER THINGS außerordentlich schnell eine ansehnliche Fangemeinde um sich scharen konnte, auch aktuell immer wieder mit positiven Kritiken geadelt wird – und möglicherweise gar nicht erst zu Unrecht in aller Munde ist.

Und tatsächlich: schon die erste Episode von STRANGER THINGS scheint diese absichtlich noch vorsichtig formulierte Feststellung mit einer überraschenden Vehemenz zu untermauern. So könnte man gar geneigt sein, von einem der besten Serien-Auftakte der letzten Jahre zu sprechen – was noch nichts über die Qualität der Serie im gesamten aussagt, aber zumindest  schon einmal einen entsprechenden Ausschlag gibt. Grundsätzlich angesiedelt in einer US-Amerikanischen Kleinstadt der 80er Jahre, wird zunächst ein weitestgehend idyllisches Lebensbild gezeichnet – welches den Alltag der Protagonisten zeigt und mit vielen retrospektiven Seitenhieben auf die damalige Popkultur aufwartet. Die eigentliche, weitaus düsterere Eröffnungsszene aber ließ bereits vermuten; dass STRANGER THINGS im weiteren Verlauf von einer gewissen Ambivalenz der Gefühle gekennzeichnet sein würde – was schnell einen enormen Reiz verursacht und den Kern der Serie bereits recht gut beschreibt.

Anders gesagt: die Stimmung innerhalb der Serie schlägt des öfteren komplett um, und sobald die Macher ihre dunklen und mysteriösen Handlungs-Aspekte erstmals expliziter offenbaren; ist eine wohlige Gänsehaut eigentlich so gut wie vorprogrammiert. Dabei ist der Kalte Krieg nur einer der (späteren, aber durchaus wichtigen) Begriffe, die den Zuschauer aufhorchen lassen. Die seltsamen Experimente innerhalb eines Militärkomplexes, das Verschwinden von einzelnen Kindern, das tatsächliche Auftauchen von offenbar bitterbösen Kreaturen; sowie das Bestreben einzelner Bürger sich endlich einen Reim auf all das zu machen sind weitere essentielle Handlungs-Elemente – die in einem überraschend stimmigen, durchdachten und vor allem spannenden Erzählrahmen zusammengeführt werden.

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Und so schafft STRANGER THINGS erneut das eher unerwartete: auch wenn die Story aus vielen kleineren Versatzstücken zu bestehen scheint – die für sich betrachtet gar nicht erst als sonderlich innovativ bezeichnet werden können – bewiesen die Macher schlicht ein hervorragendes Gespür für die finale Umsetzung. Vielleicht auch, da sie die teils offensichtlichen Parallelen zu anderen Filmen, Serien oder Unterhaltungsmedien gar nicht erst verhehlen – im Gegenteil, sie scheinen genau so gewollt. Und so gibt es mal mehr, mal weniger Wissen voraussetzende Seitenhiebe und Querverweise für Filmfans und Kinder der 80er Jahre, wobei es reichlich Spaß macht eben diese zu entdecken. STRANGER THINGS fungiert damit als nette Hommage an eine vergangene Epoche, greift den tatsächlichen Lifestyle sowie viele Medien jener Zeit auf – erzählt aber auch eine eigene Geschichte. Oder zumindest eine, die trotz vieler bereits bekannter Elemente einen ganz eigenständigen Reiz; und folglich auch eine ureigene Atmosphäre entwickelt. Dass immer wieder Parallelen entstehen, gerät der Serie also nicht zum Nachteil; eher im Gegenteil.

Stichwort Parallelen: gerade in Bezug auf das mysteriöse, kurzhaarige Mädchen Eleven sowie die ersten Eindrücke der Forschungsanstalt gilt es, etwas festzuhalten. Ob beabsichtigt respektive wissentlich oder nicht, erinnert STRANGER THINGS einstweilen frappierend an die eindeutig an erwachsene Zuschauer gerichtete Anime-Serie ELFENLIED (Review). Natürlich nur, wenn es um den allgemeinen Erzählaufbau (auch ELFENLIED ist immer wieder von einer enormen Ambivalenz der Emotionen gekennzeichnet) sowie das große Mysterium hinter einem oder mehreren offenbar mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Kindern geht – die letztendliche Marschrichtung der Serien sind dann doch eher verschieden. Auch, wenn grundsätzlich beide Serien aus dem übernatürlichen oder auch metaphysischen Vollen schöpfen, gerade in Bezug auf die Fähigkeit der Telekinese. Im Falle von STRANGER THINGS werden allerdings auch Begriffe wie Paralleluniversen sowie die Existenz von kaum zu beschreibenden Zuständen und Lebewesen eine Rolle spielen – wobei man natürlich geneigt ist, all diese Mystery-Elemente dezent zu hinterfragen.

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Und auch diesen Reiz bedient STRANGER THINGS über weite Strecken optimal – zumal viele der sich aufdrängenden Fragen bereits direkt in der Serie beantwortet oder zumindest weiterhin behandelt werden. Ganz so ratlos wie eventuell anderswo wird man am Ende der 8 Episoden also nicht dastehen. Andererseits bleiben aber noch immer genügend Dinge ungeklärt oder noch nicht erzählerisch ausgereizt, sodass man sich eine Fortsetzung durchaus vorstellen könnte. Und das nicht nur in Bezug auf die spannenden Mystery-Elemente der Serie, sondern auch auf etwas eher bodenständiges wie die Figuren- und Charakterporträts. Denn auch diese sind im Falle von STRANGER THINGS gut durchdacht und perfekt inszeniert. Neben einer grundsätzlich aufkommenden Sympathie und Empathie ist vor allem die allgemeine Glaubwürdigkeit hervorzuheben: endlich einmal wieder gibt es mit STRANGER THINGS eine Serie, in der die Charaktere nicht völlig kopflos oder ärgerlich-klischeehaft agieren – selbst, wenn es um Gefahrensituationen oder zwischenmenschlich-emotionale Momente geht. Und das ist eine in jedem Fall hervorzuhebende, vergleichsweise seltene Leistung – die man sowohl auf das gute Drehbuch, als auch die hervorragenden Darsteller zurückführen kann.

Überhaupt machen gerade die einen sehr guten Job. Allen voran natürlich die junge Millie Bobby Brown als Eleven – die die Unschuld, Unerfahrenheit, Unsicherheit; aber eben auch Entschlossenheit ihres Charakters perfekt transportiert. Die Kinder-Clique um die vier Freunde Mike (Finn Wolfhard), Dustin (Gaten Matarazzo), Lucas (Caleb McLaughlin) sowie Will (Noah Schnapp) ist höchst sympathisch und nicht zuletzt wegweisend für die Story – wobei die sich aus der kindlichen Erzähl-Perspektive ergebenden Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. David Harbour begeistert als einerseits verloren wirkender, andererseits hart durchgreifender Kleinstadt-Cop mit einer persönlichen Mission; Winona Ryder als aufgrund des Verschwindens ihres Sohnes völlig verstörte, im späteren Verlauf wieder Hoffnung schöpfende Mutter. Neben weiteren soliden und überraschend unverkrampft wirkenden Leistungen wie der von Natalia Dyer als Nancy scheint gerade Charlie Heaton als Jonathan Byers (und damit der Bruder des Verschwundenen) eine echte Entdeckung zu sein. Sein Ausdruck ist jedenfalls bemerkenswert – und lässt sich irgendwo zwischen zwei jeweils jüngeren Versionen von Leonardo DiCaprio und Norman Reedus (THE WALKING DEAD) verorten. Etwas schade, aber nicht unbedingt ein Negativkriterium ist; dass die Mitarbeiter der Forschungseinrichtung etwas zu kurz kommen – und ihre sporadischen Auftritte so nicht immer die Wirkung erzielen, die eventuell geplant war. Hier greift STRANGER THINGS dann eben doch noch einmal tief in die Klischee-Kiste – was schade ist, da gerade das angedeutete Figurenpotential von Dr. Martin Brenner (Matthew Modine) enorm war.

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Eine weitere, und vorerst die letzte hier behandelte Stärke von STRANGER THINGS ist in der technischen und handwerklichen Umsetzung zu finden. Die Serie sieht schlicht umwerfend aus, und das nicht unbedingt da sie in 4K gedreht wurde – sondern weil es tatsächlich einiges zu sehen gibt und die meisten Momentaufnahmen großartig eingefangen wurden. Eine hervorragende, niemals zu hektische Kamera-Arbeit und optimale Schnitte gewährleisten; dass die Serie sowohl in ihren ruhigen als auch spannungsgeladenen Momenten bestens funktioniert. Selbst die Darstellung der Kreatur erscheint größtenteils gelungen, auch wenn sie in einigen Momenten doch etwas zu künstlich wirkt. Dafür überzeugt die Darstellung der (leider nur selten eingesetzten) übernatürlichen Fähigkeiten umso mehr: wenn Eleven in den ebenfalls seltenen brutalen Momenten der Serie einen Wärter an die Wand schleudert, Knochen bricht oder den Schädel-Innendruck diverser Antagonisten erhöht, ist das zwar gewissermaßen grausam – doch im handwerklichen Sinne perfekt umgesetzt. Das gleiche gilt für die Momente, in denen sie ein Fahrzeug abheben oder aber ihren neuen Freund Mike im wahrsten Sinne des Wortes fliegen lässt. Ein abwechslungsreicher, gerade in den elektronischen Momenten mit einem markanten Retro-Charme ausstaffierter Soundtrack rundet die Sache positiv ab.

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Und doch hat selbst eine Serie wie STRANGER THINGS eine nicht ganz so schöne Kehrseite. Eine, die zwar allgemein weniger ins Gewicht fällt – aber dennoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass man manche Entscheidungen vielleicht anders hätte treffen sollen. Damit soll vor allem Bezug auf den durchaus grandiosen Auftakt der Serie genommen werden – dessen Wucht und Wirkungskraft man leider nicht ganz über die restlichen 7 Episoden retten konnte. So könnte durchaus das Gefühl aufkommen, als ließe die Serie im Gegensatz zu anderen umso mehr nach je weiter sie fortschreitet. Dieses Gefühl wird letztendlich auch von einem nicht wirklichen zufriedenstellenden Finale unterstrichen. Vor allem die letzte diesbezügliche Szene von Eleven wirkt etwas inkonsequent: während ihre finale Amtshandlung noch nachvollziehbar erscheint, ist es das Ergebnis eben dieser Tat eher nicht. Die Hoffnung auf eine Rückkehr des vielleicht wichtigsten Protagonisten zu wahren ist das eine – die hier an den Tag gelegte perfide Art und Weise eben dieser Maßnahme das andere. Überhaupt bleibt abzuwarten, wie sich STRANGER THINGS in Bezug auf seine Zukunft entwickeln wird. Im besten Fall machen die Verantwortlichen keine endlos-Serie daraus – und beenden die Serie trotz möglicher Erfolge und Gewinne rechtzeitig mit einem runden Finale.

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Fazit: STRANGER THINGS macht vieles richtig – wobei es nicht nur die klar erkennbaren Stärken der Serie sind, die begeistern. Denn selbst jene Elemente, die man grundsätzlich eher geneigt ist negativ zu beurteilen verkehren die Schöpfer Matt und Ross Duffer gekonnt ins positive – was vor allem auf die fehlende Innovation, den dafür aber umso größeren Retro-Charme zu beziehen ist. Weiterhin überzeugen die 8 Episoden durch ein hervorragendes Handwerk, grandiose darstellerische Leistungen sowie einem enormen Spannungsfaktor – und das auch ohne, dass sich die Serie selbst allzu ernst nehmen würde. Somit erscheint gerade die ausgewogen wirkende Balance zwischen den vielen höchst unterhaltsamen, geradezu locker gezeichneten Alltags-Momenten und den teils angenehm gruseligen Mystery-Aspekten gelungen. STRANGER THINGS ist somit in jedem Fall einen Blick wert – auch wenn momentan noch unklar ist, ob dies auch in Zukunft so bleiben wird. Ein dezent skeptischen Blick auf die bereits angekündigte zweite Staffel erscheint jedenfalls berechtigt: die Chance, die sehr gute erste Staffel noch zu übertreffen ist ebenso da wie die, das absolute Gegenteil zu erreichen. Doch es gilt abzuwarten – und die positive Gesamtwirkung der Serie noch einmal vollständig in sich aufzusaugen.

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„Trotz kleinerer Schwächen die vermutlich beste und lohnenswerteste Serien-Neuentdeckung der letzten Jahre.“

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TV-Kritik / Serien-Review: GAME OF THRONES (Staffel 6)

Game Of Thrones, GoT, HBO, TV, Sequel, Franchise, Poster, Screening, Exklusive

Originaltitel: Game Of Thrones
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 10 Folgen (je ca. 53-67 Minuten)
Land: USA
Idee: David Benioff, D. B. Weiss
Genre: Abenteuer / Fantasy / Drama
Tags: GoT | Staffel 6 | Sechste Staffel | Fortsetzung | HBO | George R. R. Martin

Die Liste der 10 Episoden (deutsche und englische Titel):

01 Die Rote Frau The Red Woman
02 Zuhause Home
03 Eidbrecher Oathbreaker
04 Das Buch Des Fremden Book Of The Stranger
05 Das Tor The Door
06 Blut Von Meinem Blut Blood Of My Blood
07 Der Gebrochene The Broken Man
08 Niemand No One
09 Die Schlacht Der Bastarde The Battle Of The Bastards
10 Die Winde Des Winters The Winds Of Winter

Am Ende sind sie alle gleich, die großen und die kleinen Schlachten.

Inhalt: Achtung, Spoiler ! Die Schlacht der Könige und solcher, die es gerne werden wollen; geht weiter. Doch was sind schon zwischenmenschliche Konflikte, wenn die sogenannten Weißen Wanderer mit ihrer Armee von Wiedergängern bereits nahe vor den Toren der großen Mauer im Norden stehen ? Trotzdem gibt es weiterhin mannigfaltige Machtkämpfe in Westeros – die im schlimmsten Fall erst dann enden, wenn es bereits zu spät ist. Nicht nur Stannis Baratheon steht mit seiner Armee dem Clan der Boltons gegenüber, sondern später auch der überraschenderweise von der Feuerfrau gerettete John Snow – gemeinsam mit den wenigen verbündeten Häusern des Nordens und den letzten Mitgliedern seiner Familie. In Königsmund regiert derweil der junge und unerfahrene Tommen Baratheon, allerdings nur mit Hilfe seiner Mutter Cersei Lannister – die Gefahr im neuerdings aufkeimenden Glauben und seinen Vertretern sieht, und bald darauf tatsächlich einen erniedrigen Bußgang absolvieren muss. Doch sinnt sie bald auf Rache, zumal sie noch immer die Geschicke der Stadt zu lenken scheint – gemeinsam mit ihrem geliebten Bruder Jamie. Selbst der Bruch mit Dorne und dem Haus der Tyrells scheint sie so vorerst nicht weiter zu kümmern, doch drohen noch andere Gefahren.

Die bisher größte Streitmacht des umkämpften Herrschaftsgebietes erhebt sich schließlich in Meereen, der einstigen Sklavenstadt im Wüstensand – die von Daenerys Targaryen befreit wurde und langsam aber sicher unter Kontrolle gebracht werden kann. Auch durch die Hilfe von Tyrion Lannister, der seiner Familie endgültig den Rücken kehrte und fortan für eine neue Machtverteilung kämpft. Nachdem sich eine Entführung der Mutter der Drachen geradezu schicksalhaft zu ihren Gunsten wendet und auch noch eine von Theon und Asha angeführte Splittergruppe der Graufreuds von den Eiseninseln zu ihr stößt; verfügt sie über das wohl größte kampfähige Heer – sowie ihre drei ihr gehorsamen, sichtlich gewachsenen Drachen. Doch auch die überlebenden Sprösslinge der einst mächtigen Stark-Familie könnten noch eine große Rolle in den folgenden Kämpfen spielen. Der junge Bran trifft endlich den mysteriösen dreiäugigen Raben und geht bei ihm in die Lehre, Arya wird in Braavos von den Gesichstslosen ausgebildet; und Sansa erweist sich als waschechte Überlebenskünstlerin und starke Verhandlungspartnerin. Eines scheint unausweichlich: bis Westeros der wohl schlimmsten Gefahr aus dem eisigen Norden die Stirn bieten kann, wird es noch die ein oder andere menschliche Schlacht geben…

Game Of Thrones, Promo, HBO, Sansa, Theon, Graufreud, Stark, Pakt, Bündnis
Die Grausamkeiten eines Mannes hätten diese beiden beinahe gebrochen. Beinahe…

Kritik: Auch wenn sie nun schon seit einigen Jahren ausgestrahlt wird und so gesehen zu einem festen Bestandteil der Medienlandschaft geworden ist, geht es für Fans der renommierten TV-Serie GAME OF THRONES plötzlich ganz schnell. Nicht nur, dass die kürzlich komplett ausgestrahlte sechste Staffel der beliebten Fantasy-Mär durch das vorgelegte Erzähltempo erstmals einen deutlicheren Abstand von den Buchvorlagen nimmt und zu etwas ganz und gar eigenständigen geworden ist – auch ein Ende des beliebten Franchise ist möglicherweise schon in Sicht. Genauer gesagt sollen nur noch zwei Staffeln folgen, und das auch noch mit jeweils weniger Episoden als den bisherigen 10 – eine potentiell endlose oder zumindest unbestimmte Fortsetzung der Serie bleibt somit aus. Das mag gerade in Anbetracht der immensen, sogar stetig weiter steigenden Zuschauerzahlen und der ungebremsten Popularität der Serie eine kleine Überraschung sein; und nicht zuletzt viele Fans der Serie etwas wehmütig stimmen.

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Ein dreiäugiger Rabe kann vor allem eines: gut sehen. Alles andere wird sich zeigen…

Jedoch scheint sich gerade hier eine jener guten alten Lebensweisheiten zu bestätigen, die man sonst eher geneigt ist zu belächeln: man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Und da ist in Bezug auf das TV-Serien-Franchise von GAME OF THRONES durchaus etwas dran, trotz des hochkarätigen und zeitlosen Erzähl-Materials. Denn so gut es auch ist oder sein mag – es lässt sich nicht endlos strecken, zumindest nicht ohne den ein oder anderen verärgerten Zuschauer. Gerade mit einem absehbaren Ende könnte die Serie ihr hohes Qualitätsniveau noch bis zum großen Finale beibehalten und mit Würde abgeschlossen werden – was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, wie man weiß aber leider keine ist. Unzählige einst erfolgreiche Serien werden plötzlich abgesetzt, verändern sich im Laufe der Jahre markant oder drohen immer uninteressanter zu werden. So gesehen würden die Verantwortlichen alles richtig machen, sollten sie sich bereits auf das Ende der Serie konzentrieren und noch einmal alle verfügbaren Mittel, Energien und Ideen in die verbleibenden Episoden stecken.

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Die Rolle von Arya Stark war schon immer eine besondere, aber bisher eher zweitrangige. Bisher…

Bis dahin gilt es jedoch, sich mit den unmittelbaren Ereignissen zu beschäftigen – wie nun auch der abgeschlossenen sechsten Staffel der Serie. Diese markiert insofern eine Besonderheit, als dass sie die gefühlte Essenz von GAME OF THRONES abermals angenehm kompromisslos vermittelt, aber möglicherweise noch weniger Anreiz zu Kritik gibt als die vorherigen Staffeln – und sich vor allem in den letzten beiden Folgen in bisher unerreichte qualitative Gefilde steigert. Das, was die Verantwortlichen allein in der Folge Die Schlacht Der Bastarde auf die Beine gestellt haben; ist schließlich tatsächlich mit dem Eindruck eines fulminanten Fantasy-Blockbusters wie DER HERR DER RINGE zu vergleichen – und das eben nicht nur in rein visueller, sondern auch handwerklicher und erzählerischer Hinsicht. Anders gesagt: im Vergleich mit den anderen Episoden scheint man hier schlicht noch einmal eine ordentliche Portion Qualität auf jeden einzelnen Teilbereich der Serie gepackt zu haben. Die Kameraführung vermittelt eine ungeahnte Ästhetik, die Schnitte und das Sounddesign sind grandios, die Szenengestaltungen aufwendig, die Leistungen der Darsteller auf höchsten Niveau – und die eigentliche Geschichte in Anbetracht der unweigerlichen Zuspitzung diverser Plots spannend und unterhaltsam wie nie.

Game Of Thrones, Bastard, Bolton, Ramsay, Winter, Snow, Cruel
Kommt Zeit, kommt Rat. Und das Ende einer grausamen Herrschaft. Hoffentlich…

Geradezu perfekt scheint dann auch das Serienfinale mit Die Winde Des Winters ausgefallen zu sein, auch wenn die Weißen Wanderer vorerst keine größere Bühne erhalten haben. Analog zum verkündeten absehbaren Serien-Ende hat man hier tatsächlich das Gefühl, als würde eine große Aufbruchstimmung vorherrschen – und das nicht nur in Bezug auf die Mutter der Drachen, die nun auf einen Konfrontationskurs ohne die Möglichkeit eines Rückziehers gehen wird. Auch die gesamte Auslegung der anderen Ereignisse lässt darauf schließen, dass man sich auf ein großes Finale vorbereitet. Viele interessante Subplots wurden bereits abgeschlossen oder zusammengeführt, es geschieht nicht mehr viel im kleinen – GAME OF THRONES wird endgültig zu einer Bühne für eine auf der regulären TV-Ebene so noch nie dagewesene, episch angelegte Auseinandersetzung verschiedener Fraktionen. Eine Auseinandersetzung, die den Action-Anteil der Serie (und damit auch den der Spezialeffekte) noch einmal deutlich steigen lassen wird – was sich indes nicht negativ auf die Atmosphäre auswirken sollte. Schließlich hat man sich mit teils intensiver Charakterzeichnung und eingeworfenen Ruhephasen ausführlich vorbereitet. Der Vorteil: ein jeder Zuschauer sollte spätestens jetzt seine ganz persönlichen Favoriten und Hassfiguren haben, auf dass er sich in Bezug auf das Finale auf die eine oder andere Seite schlagen an. Aber eben nicht bloß aus einem Gefühl heraus – sondern durch das Wissen und den Eindrücken der vorangegangen Staffeln.

Game Of Thrones, White Walkers, Wiedergänger, Zombies, Untote, Armee, Norden, Eis
Was sind schon menschliche Auseinandersetzungen, wenn da jemand oder etwas noch ein Wörtchen mitzureden hat ?

Bemerkenswert ist, dass es GAME OF THRONES trotz der nunmehr entscheidenden Plot-Zusammenführungen und der gesteigerten Action nicht verpasst, noch immer ein besonderes Augenmerk auf die einzelnen Charaktere sowie ihre Gefühlswelten und Ambitionen zu legen. Und das mit einem mal mehr und mal weniger zufriedenstellenden Ergebnis – wobei zweiteres glücklicherweise häufiger vorkommen sollte. Schließlich hat man nur selten das Gefühl, als würden potentiell wichtige Details ausgelassen. In Bezug auf die verständlicherweise eher unbeliebten Clan der Boltons, die grundsätzlich sympathischen Starks und die wie immer zwielichtigen Lannisters stehen so alle Zeichen auf grün, während sich der Kreis auch langsam bei den vermeintlich kleineren Fraktionen wie den Eisenmännern, den Bewohnern des grünen Tals und speziell auch Peter Balish zu schließen beginnt. Ein besondere Erwähnung sollte wohl auch die Geschichte von und um Arya Stark erhalten, die in der sechsten Staffel noch einmal maßgeblich intensiviert wurde – mit Erfolg.

Einzig im Bereich anderer königlicher Sprösslinge scheint man sich eher zurückgehalten zu haben – ob mit Absicht oder nicht. Vom neuen König Tommen beispielsweise erhält man kein sonderlich erwähnenswertes Bild, da er ein reiner Spielball der Interessen anderer bleibt und so gesehen wenig Eigenleben durchscheinen lässt. Das war beim charakterlich sicher nicht vergleichbaren Joffrey noch anders, hier hatte man das Gefühl etwas tiefer blicken zu können – sicher nicht zuletzt aufgrund der höheren Screentime. Doch auch wenn Tommen ein völlig anderer Charakter ist und hier möglicherweise weniger spektakuläres hätte gezeigt werden können, bleibt das Gefühl einer gewissen Lückenhaftigkeit des Porträts bestehen. Das gilt zwar nicht unbedingt für Bran Stark – doch gesellen sich hier andere Probleme hinzu. Nicht nur, dass die gesamte Geschichte um den dreiäugigen Raben recht zäh daherkommt und sich gefühlt zu sehr streckt – es werden auch einige eher gewöhnungsbedürftige Elemente eingeführt, wie etwa Bran’s teils krude Visionen zwischen Fiktion und Realität inklusive des Hodor-Paradoxons. Hier hat man sich wahrlich viel Zeit gelassen, was in Anbetracht des deutlich sichtbaren Alterungsprozesses des Darstellers Isaac Hempstedt Wright zusätzlich unfreiwillig komisch wirkt.

WEITERHIN POSITIVE Aspekte der Serie in der sechsten Staffel:
  • Stimmig-atmosphärische Gesamtoptik
  • Aufwendige Szenenaufbauten und Kostüme
  • Guter Soundtrack
  • Grandiose Darsteller
  • Packende Geschichte mit vielen kleinen Höhepunkten
  • Imposant-interessantes Charakter-Aufgebot
  • Interaktion von verschiedenen Handlungssträngen
  • Großer Abwechslungsreichtum in allen Belangen
  • Ungeschönte, aber verträgliche Darstellung von Sex und Gewalt
NEUE POSITIVE Aspekte der Serie in der sechsten Staffel:
  • Einzelnen Geschichten und Schicksale erreichen neue Höhepunkte
  • Grandioses Staffelfinale
  • Uninteressantere / langatmige Nebengeschichten bleiben größtenteils aus
WEITERHIN NEGATIVE Aspekte der Serie in der sechsten Staffel:
  • /
ERSTMALS NEGATIVE Aspekte der Serie in der sechsten Staffel:
  • Die Geschichte von Bran Stark bleibt relativ uninteressant und wirkt unausgegoren

Game Of Thrones, Khaleesi, Dragon, Riding, Flying, Epic, Battle, Fight
Da ist eine aber gut zu Vögel… pardon: Drachen. Und los geht’s gen Westeros.

Fazit: Die mittlerweile sechste Staffel von GAME OF THRONES steht den vorangegangen in nichts nach, im Gegenteil – es scheint gar, als hätten sich alle Beteiligten noch einmal ein stückweit mehr ins zeug gelegt. Vielleicht ja auch, da das Ende der Serie nunmehr in Sicht ist; und man sie möglichst gelungen abschließen möchte ? In jedem Fall ist der Unterhaltungsfaktor hoch wie nie, die Geschichte wirkt lebendiger und greifbarer als jemals zuvor – während sich die einzelnen Höhepunkte immer mehr verdichten und insbesondere das Staffel-Finale mit den Episoden 9 und 10 in der TV-Serienlandschaft seinesgleichen sucht. Nicht nur, da die investierten Mittel rekordverdächtig sind – sondern auch, da man in Bezug auf die Schwerpunktgewichtung und Inszenierung so gut wie alles richtig gemacht hat. In Bezug auf potentielle Durststrecken kann ebenfalls Entwarnung gegeben werden. Wirklich langatmig wird es in der sechsten Staffel nicht, nur ein oder zwei Nebengeschichten wirken etwas deplatziert – wie die spätere von einem plötzlich Holztürme errichtenden Bluthund; sowie die noch stark gestückelte und weitestgehend unspektakuläre Geschichte von Bran, dem dreiäugigen Raben und allen dazugehörigen Mysterien. Immerhin gibt es genug andere Aspekte, die dies wieder wettmachen. Und das ganz locker. Man darf gespannt sein auf die noch verbleibenden Staffeln respektive Episoden.

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„Die Qualität und Faszinationskraft von GAME OF THRONES nehmen nicht ab – sondern legen analog zum möglicherweise baldigen Serienende noch einmal deutlich zu.“

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