Metal-CD-Review: Terra Atlantica – Age Of Steam (2020)

Alben-Titel: Age Of Steam
Band: Terra Atlantica (mehr)
Veröffentlichung: 14. August 2020
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Pride & Joy Music

Lineup:

Nico Hauschildt – Drums, Vocals (backing)
Tristan Harders – Vocals, Guitars, Bass, Songwriting, Lyrics

Track-Liste:

1. Rebirth 1815 (01:30)
2. Across the Sea of Time (04:30)
3. Mermaids‘ Isle (04:38)
4. Age of Steam (04:56)
5. The Treachery of Mortheon (04:47)
6. Forces of the Oceans, Unite! (05:25)
7. Quest into the Sky (03:53)
8. Believe in the Dawn (05:50)
9. Gates of the Netherrealm (05:47)
10. Rage of the Atlantic War (06:04)
11. Until the Morning Sun Appears (08:06)

Mit Volldampf voraus.

Gute drei Jahre nach ihrem respektablen Debüt-Album A CITY ONCE DIVINE (2017, siehe Review) legen die deutschen Power Metaller von TERRA ATLANTICA bereits nach. Das nunmehr über PRIDE & JOY Records erscheinende Zweitwerk trägt den vielversprechenden Titel AGE OF STEAM, beinhaltet 11 brandneue Tracks – und scheint sich thematisch noch mehr auf das von der Band auserkorene; durchaus erfrischende Sujet irgendwo zwischen Geschichten der rauen Seefahrt, heroisch angehauchten Abenteuern und einer Priese Steampunk zu fokussieren. Tatsächlich fühlt sich diese Herangehensweise auch absolut richtig an, scheint sie doch schier perfekt zur Band zu passen – wobei; und das bleibt nicht lange ein Geheimnis – man im Vergleich mit dem Vorgänger noch einmal einen ordentlichen Schritt nach vorn macht. Der war zwar ebenfalls schon recht inspirierend (und kassierte dementsprechend auch eine Wertung von immerhin 7.5 von 10 Punkten), klang einstweilen aber noch so als wollte man sich in verschiedene Richtungen ausprobieren. Ganz anders nun AGE OF STEAM: bereits die ersten Klänge des Albums (die zugegebenermaßen nicht bombastischer hätten ausfallen können) zeigen auf, dass TERRA ATLANTICA sich und ihren Stil endgültig gefunden haben.

Und daran lassen sie die geneigte Hörerschaft natürlich gern teilhaben – wobei es sich um ein Angebot handelt, das man zweifelsohne annehmen sollte. Es scheint schließlich, als hätten TERRA ATLANTICA (und damit vornehmlich die beiden auf diesem Album hauptsächlich beteiligten Akteure Tristan Harders und Nico Hauschildt) nicht nur ein außerordentliches Talent – sondern stets auch die richtigen Vorbilder gehabt. Eines der offensichtlicheren davon war und ist TIMELESS MIRACLE – eine Band, die bis heute leider ein ein-Album-Wunder (INTO THE ENCHANTED CHAMBER von 2005, siehe Review) geblieben ist, die aber doch ein wenig in den Kompositionen von TERRA ATLANTICA weiterzuleben scheint. Und das auch ohne die Mitwirkung des hiesigen Frontmann Mikael Holst, der auf dem Vorgängeralbum einen markanten Gastauftritt hatte. Doch natürlich dürfte eine Band wie TIMELESS MIRACLE nur einer von vielen Einflüssen sein, aus denen TERRA ATLANTICA letztendlich etwas völlig eigenständiges gemacht haben. AGE OF STEAM ist so gesehen ein typisch europäisches Power Metal-Album, welches eine große Portion Spielfreude an den Tag legt – aber eben auch ein recht spezielles Werk, das mit vielen kreativen und vor allem schier perfekt umgesetzten Ideen auftrumpft.

Davon kann sich nunmehr ein jeder selbst überzeugen – wobei natürlich insbesondere Nummern wie der sagenhaft daher-galoppierende Opener ACROSS THE SEA OF TIME oder das feucht-fröhliche QUEST INTO THE SKY die Herzen all jener höher schlagen lassen werden; die ihren Power Metal gern schnell, melodisch und kraftvoll serviert bekommen möchten – und darüber hinaus auch wuchtigen Inszenierungen seitens des Keyboards und der in diesem Falle wahrlich grandiosen Background-Chöre nicht abgeneigt ist. Wer das Genre kennt weiß, dass derlei rasante Nummern immer auch einen Gegenpart brauchen – der im Falle von AGE OF STEAM eventuell mit dem balladesken BELIEVE IN THE DAWN; noch eher aber mit dem fulminanten Rausschmeißer UNTIL THE MORNING SUN APPEARS zelebriert wird. Das schöne dabei ist, dass es sich eher nicht um eine typische und damit vor Kitsch und Schmalz triefende Liebeserklärung handelt – sondern um ein wunderbar stimmiges, angenehm melancholisch angehauchtes und letztendlich perfekt von Leadsänger Harders vorgetragenes Stück Power Metal-Geschichte. Wobei man spätestens an dessen Ender eine wohlige Gänsehaut entwickeln wird – dem energischen Erzählpart (der im Intro noch vergleichsweise befremdlich wirkte, kurioserweise) und den epischen Chorgesängen sei Dank.

Diese drei glasklaren Highlights zu Beginn, zur Mitte und zum Ende des Albums markieren so gesehen die Grundpfeiler von AGE OF STEAM – doch natürlich gibt es auch dazwischen einiges zu entdecken. Wie etwa den als Videosingle ausgekoppelten Titeltrack, der sich als überaus angenehmer Stampfer mit allerlei quirligen Gitarren-Frickeleien sowie einem hypnotisch-einprägsamen Refrain entpuppt. Höchst interessant, und unter Umständen etwas anspruchsvoller wird es mit nicht ganz so eingängigen Titeln wie MERMAIDS ISLE – in denen es etwas ruhiger (und ausnahmsweise auch mit weiblichem Gastgesang) zugeht, dafür aber eine ordentliche Portion Atmosphäre aufgefahren wird. Ebenfalls stark, und gleich in mehrerlei Hinsicht für einen frischen Wind sorgend ist THE TREACHERY OF MORTHEON – das mit gleich zwei Features in Form von Oleg Rudych (MAGISTARIUM) und Gabriel Tuxen (SEVEN THORNS) daherkommt. Fest steht: auf der Suche nach auffallend schwächeren oder vielleicht nicht ganz so gut aufgehenden Titeln hat man es AGE OF STEAM vergleichsweise schwer. Wie sollte es auch anders sein, wenn sich selbst eine zunächst eher unspektakulär anfühlende Nummer wie FORCES OF THE OCEANS, UNITE spätestens nach drei oder vier Durchläufen zu einer den Nacken dauerbelastenden Hymne mit dem gewissen Etwas entwickelt ? Und was überhaupt ist in einer Nummer wie RAGE OF THE ATLANTIC WAR los… ? Diese Nummer klingt beinahe so, als hätten (die frühen !) RHAPSODY OF FIRE plötzlich ihre Liebe zur Seefahrt entdeckt – ein wahrlich gelungener Einschub, zugegeben.

Schlussendlich: mit ihrem Zweitwerk AGE OF STEAM ist TERRA ATLANTICA ein wahrer Geniestreich gelungen. Und das sicher auch, da das Album einerseits als musikalische Reminiszenz an die enorm blütenreichen 2000er Jahre des europäischen Power Metals fungiert; andererseits aber auch völlig eigenständige Wege geht – und den Hörer einfach kaum mehr loslässt. Und das nicht nur in den ohnehin unvergleichlich packenden, entsprechend temporeichen und melodiösen Momenten – sondern auch während der ruhigeren Passagen. AGE OF STEAM ist eben tatsächlich wie eine Seefahrt. Manchmal ist das Meer eher ruhig, manchmal aber tobt es gewaltig – wobei der grundsätzliche Nervenkitzel, das Gefühl des Abenteuers aber in jedem Moment vorhanden ist.

Anspieltipps: ACROSS THE SEA OF TIME, QUEST INTO THE SKY, UNTIL THE MORNING SUN APPEARS

„Wenn das die Steigerung vom Debütalbum ist, wo soll das noch hinführen ? Age Of Steam rockt, und zwar in jeder Hinsicht.“

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