Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Bring Mich Nach Hause“ (2021)

Filmtyp: Spielfilm / Fernsehproduktion
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Christiane Balthasar
Mit: Silke Bodenbender, Anneke Kim Sarnau, Hedi Kriegeskotte u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: nicht geprüft
Genre: Drama
Tags: Nahtod | Koma | Wachkoma | Sterbehilfe | Patientenwille

Gefangen zwischen Leben und Tod.

Inhalt: Nachdem Martina (Hedi Kriegeskotte) plötzlich in der Küche ohnmächtig wird, fällt sie in ein tiefes Koma. Ihre Tochter Ulrike (Silke Bodenbender) ist verzweifelt: was könnte nur der Grund für ihren Zustand sein, und vor allem: wird sie jemals wieder aufwachen ? Unglücklicherweise bessert sich der Zustand von Martina nicht, auch nachdem sich vermeintliche Erfolge zeigen – fortan befindet sie sich im Zustand des Wachkomas. Die Ärzte geben zu Bedenken, dass die Schäden am Gehirn der Patientin irreparabel seien – und man sich Gedanken machen müsste, wie man weiter fortfahren würde. Doch eine Patientenverfügung hat Martina nie aufgesetzt, und vor allem ihre zweite Tochter Sandra (Anneke Kim Sarnau) scheint aus ihrer wissenschaftlichen Sicht heraus auf eine schnelle Entscheidung zu plädieren. Die folgenden Ereignisse stellen die gesamte Familie auf eine so noch nie dagewesene Probe.

Kritik: Ohne die gewissermaßen einiges vorwegnehmenden Einstiegsszenen zu Beginn hätte man im Falle von BRING MICH NACH HAUSE, einem für das ZDF produzierten Fernsehfilm von Rowboat tatsächlich vor allem eines denken können: warum muss schon wieder eine von den typisch-seichten 08/15 TV-Dramödien des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks – wie sie mithilfe der guten alten GEZ-Gebühren nun einmal gerne produziert werden – derart groß angekündigt werden ? Eben solchen, bei denen wunderbar unspektakuläre (und damit erst Recht nachvollziehbare) Familien- und Beziehungsprobleme im Fokus stehen – aber am Ende doch noch alles gut wird ? Glücklicherweise handelt es sich in diesem Fall – und so gesehen – um eine der eher seltenen Ausnahmen. Denn: BRING MICH NACH HAUSE beschäftigt sich eben doch nicht mit einem alltäglichen, gefühlt zuhauf angesprochenen Thema – ganz im Gegenteil. Doch nicht nur das – auch als Gesamtpaket bewegt man sich mit dieser Produktion klar über dem gewohnten (Qualitäts-)Durchschnitt. Ob Hopfen und Malz damit – und im Hinblick auf die deutsche Filmproduktion – doch noch nicht verloren sind ist eine ganz andere Frage, fest steht aber: man kann und sollte einmal mehr eine Empfehlung für einen zunächst unscheinbaren TV-Film aussprechen.

Schließlich beinhaltet oder eher bewirkt die emotionale Kernfrage des Films, dass man sich auch als Zuschauer mit einigen eher unbequemen Fragen auseinandersetzen wird. Sein hauptsächliches Ziel, nämlich einen Denkanstoß zu geben – glücklicherweise ohne dass dabei ein moralischer Zeigefinger in die ein oder andere Richtung erhoben wird – verfehlt BRING MICH NACH HAUSE damit schon einmal nicht. Während vor allem das Schauspiel überzeugt, vornehmlich das der Titel-gebenden Darstellerin Hedi Kriegeskotte in einer aus handwerklicher Sicht doch eher ungewöhnlichen Rolle; sind es auch die beklemmend inszenierten zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen, aufgrund derer man als Zuschauer eigentlich gar nicht anders kann als sich in die unbequeme Szenerie hineinzuversetzen. Wenn, ja wenn man sich entsprechend treiben lässt – und nicht zu viele Fragen stellt.

Denn eine große Schwierigkeit, die hat BRING MICH NACH HAUSE dann doch nicht vollständig geschweige denn meisterhaft überwunden: eine nachvollziehbare Position als Werk irgendwo zwischen einer aufklärend-realitätsnahen Dokumentation und einem fiktionalen Spielfilm zu finden. Letztendlich, und das muss sich der Film gefallen lassen; ist er schließlich doch noch ein wenig von beidem geworden. Immerhin, daraus machen auch die Verantwortlichen keinen großen Hehl: zwar hätte durchaus ein realer Fall als Vorbild fungiert – jedoch hätte man vieles in Richtung einer möglichst unterhaltsamen Darstellung angepasst respektive hinzugefügt. So finden sich schlussendlich doch noch einige Szenen im Film, die weitaus weniger glaubhaft wirken als andere – wobei auch die (An-)Wandlungen einiger Charaktere einstweilen etwas zu rasant vonstatten gehen.

Und auch den Abspann hätte man mit einer noch wirkungsvolleren Lösung versehen müssen. Einer solchen, die die Zuschauer noch mehr für das Thema hätten sensibilisieren oder vielleicht auch zu eigenen Nachforschungen hätten antreiben können. Doch offenbar wollte man sich auf lediglich ein Resümee beschränken – Stichwort Patientenverfügung. Eine schlichte wissenschaftliche Quote bezüglich der Rehabilitationszahlen von Patienten mit einem vergleichbaren Schicksal hätte dagegen eine ganz andere, vielleicht noch intensivere Wirkung hinterlassen. Dennoch: die Auseinandersetzung mit dem Thema ist insgesamt gelungen. Über die Ausführung im Detail lässt sich dagegen – und wie so oft – streiten.


Bilder / Promofotos / Screenshots: © Hannes Hubach, ZDF

border_01

„Eine teils überspitzte und nicht ohne Schwächen auskommende, insgesamt aber sehenswerte TV-Produktion.“

filmkritikborder

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.