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Filmkritik: „Evangelion 3.0 + 1.0: Thrice Upon A Time“ (2021)

Filmtyp: Animationsfilm
Basierend Auf: TV-Serie
Regie: Hideaki Anno
Mit: /
Land: Japan
Laufzeit: ca. 155 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Sci-Fi / Drama / Action
Tags: Evangelion | Rebuild | EoE | Neon Genesis | Sequel | Finale

Bye Bye All Of Evangelion.

Endlich, ja endlich ist es soweit – nach unzähligen Jahren des Wartens ist der neue und letzte Teil der großen EVANGELION-Rebuild-Filmreihe endlich verfügbar. Und das in recht ungewohnter Form, muss man sagen – schließlich handelt es sich erstmals in der Geschichte des Franchise um ein reines VOD-Release, welches weltweit über die berühmt-berüchtigte Amazon Prime-Plattform angeboten wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: es ging so gesehen doch recht schnell mit dem internationalen Release (hier ist der Zeitraum zwischen der japanischen Uraufführung und dem internationalen Start gemeint), es sind direkt alle Sprachen sowie alle erdenklichen Untertitel verfügbar (und das in mehr als annehmbarer Qualität) – und das ewig lange Warten auf ein potentielles Disk-Release erübrigt sich. Zumindest theoretisch, denn: so schön diese neue Strategie auch ist, für Fans sollte ein zusätzlicher physischer Release weiterhin unabdingbar sein – in dieser Hinsicht sollte also unbedingt noch etwas folgen. Wenn nicht, wäre das zutiefst schade – zumal die hauseigene EVANGELION-Sammlung somit auf ewig unvollständig bliebe.

Sei es drum, an dieser Stelle sollten die Umstände und das Format des Release ohnehin eine eher untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr geht es um den so sehnsüchtig erwarteten Inhalt, wobei man bereits an dieser Stelle eine Warnung aussprechen muss: der folgende Text könnte ein wenig länger, komplexer; ja vielleicht auch etwas konfuser ausfallen als alle bisherigen, die bereits zum Thema verfasst wurden (diese findet man übrigens über das EVANGELION-TAG). Schließlich erlebt man es nur einmal, dass ein derart heiß geliebtes Franchise – welches nicht nur mich selbst über Jahrzehnte begleitet hat – endet, respektive ein hoffentlich würdiges Finale findet. Übrigens: wie final das Ganze tatsächlich ist, soll an dieser Stelle einmal ausgeklammert werden bzw. ebenfalls keine großartige Rolle spielen. Denn für mich – und ich glaube respektive hoffe auch für Hideaki Anno – ist das Kapitel EVANGELION mit dem neuen und letzten REBUILD-Teil abgeschlossen. Abgeschlossen im Sinne von neuem In- und Output, versteht sich – das Beschäftigen mit der Materie, die allgemeine Faszination und das ständige erneute Sichten des bekannten Materials werden mich selbstverständlich weiter begleiten, und zwar bis an mein Lebensende. We all know it: it’s the curse of the EVA’s.

Da haben sich noch einmal alle versammelt, um Abschied zu nehmen.

Doch wie soll(te) man – die eben geschriebene, so sicher nicht gewöhnliche Einleitung im Kopf – überhaupt an eine Anime- und Filmrezension wie diese herangehen ? Richtig, auf diese Frage gibt es keine wirkliche Antwort – weshalb das Ganze wohl keine klassische Filmkritik werden wird, sondern eher eine emotionale Auseinandersetzung. Wobei das auch adäquat erscheint, gewissermaßen – denn wer (der in einer ähnlichen Lage ist) könnte es sich schon vorstellen, eine herkömmliche und auf zwei bis drei Absätze heruntergebrochene Filmrezension zum finalen EVANGELION-Teil zu lesen; geschweige denn zu verfassen ? Das hätte das Franchise einfach – und gelinde gesagt – nicht verdient. Wobei im Grunde noch nicht einmal das gesamte Franchise gemeint ist, schließlich gab und gibt es noch so viel mehr zum Thema EVANGELION zu entdecken als die REBUILD-Filme. Doch wer den Blog kennt weiß, dass es auf diesem Blog vorrangig um die filmischen Erzeugnisse zum Thema gehen sollte und soll – und nicht etwa um den (ebenfalls großartigen) Manga oder die eher „internen“ Videospiele und Dinge, die ausschließlich in Japan veröffentlicht werden. Legen wir es also darauf an und versuchen es. Dabei gilt selbstverständlich der folgende Warnhinweis: ACHTUNG, SPOILER !

Zuallererst, und das bezieht sich noch nicht zwangsläufig auf die Qualität und den Eindruck des letzten Films; ist in Anbetracht eines Werkes wie THRICE UPON A TIME eines zu sagen: es fühlt sich verdammt gut an, ihn endlich sehen zu können respektive gesehen zu haben. Schließlich war die Wartezeit inklusive der zahlreichen Verschiebungen nach dem letztaktuellen dritten REBUILD-Film lang – und die, man nenne sie Gier nach dem die Geschichte hoffentlich abrundenden letzten Teil enorm groß. Insofern ist es schon einmal schwierig, den Film möglichst treffend (das heißt, unvoreingenommen und neutral) zu analysieren und zu bewerten. Anders gesagt: das Gefühl, Teil einer großen Saga gewesen zu sein – die nunmehr ihr Ende findet – steht über allem, und sorgt erst Recht dafür dass man Freud und Leid kaum noch voneinander unterscheiden kann. Was in diesem Falle helfen kann, liegt auf der Hand: der Versuch einer möglichst nüchternen Betrachtung des neuen EVANGELION-Films als Startpunkt der Rezension. Ähnlich wie schon bei der Analyse zu EVANGELION 3.33 wird diese Rezension also in drei aufeinander folgende, gedankliche Kategorien respektive Betrachtungsweisen aufgeteilt sein, und zwar die folgenden:

1. Es wird das bewertet, was man sehen kann

2. Es wird das bewertet, was man verstehen kann

3. Es wird das bewertet, was man fühlen kann.

Die Stimmung ist einstweilen desolat… doch es gibt auch Lichtblicke.

Beginnen wir also mit dem offensichtlichen, das heißt etwa dem allgemeinen Ersteindruck, dem Look und der Ausführung des Films. Tatsächlich ist es so, und das war seitens Hideaki Anno auch genau so beabsichtigt; dass es einen herben Stilbruch innerhalb der REBUILD-Reihe gab. Einen Stilbruch, der sich nicht nur auf inhaltliche Aspekte bezog – sondern auch auf etwas vermeintlich banales wie die optische Gestaltung. Man kann sich erinnern: bereits EVANGELION 3.33 sah deutlich anders aus als seine Vorgänger, wobei es dafür nicht von allen Seiten Lobes-Hymnen hagelte. Und das ist auch zu verstehen, denn: im direkten Vergleich sah EVANGELION 3.33 wesentlich kraftloser, weniger akzentuiert, man will nicht sagen verwaschener aus als alles, was man bisher von EVANGELION gewöhnt war. Und, als besonderen Zusatz mit einem Widerspruch in sich: er war einerseits simpler gestaltet, andererseits aber wesentlich technischer in der Ausführung (Beispiel: die 3D-Innenansichten der AAA-Wunder). Dieses Konzept findet sich nun auch in THRICE UPON A TIME wieder, was keine große Überraschung ist – wobei zumindest der zweite Teil des Films (man bezeichne ihn der Einfachheit halber als „Shinjis Ankunft im Dorf“) den Kreis zur ursprünglichen Gestaltung aus den ersten Teilen gewissermaßen schließt. Danach allerdings geht es wieder vermehrt in Richtung der in 3.33 eingeführten Optik, irgendwo zwischen herkömmlicher 2D-Animation und hochstilisiert-technischer CGI-Einschübe. Das hat einige Vorteile – wie etwa den, dass es fast unmöglich gewesen wäre die turbulenten Ereignisse überhaupt anders darzustellen – aber eben auch einen gravierenden Nachteil. Und der liegt schlicht darin begründet, dass gerade die Kämpfe (oder aber einfache Ansichten wie etwa der mächtigen AAA-Wunder) zu kleinen, nun; Wimmelbildchen avancieren können. Wimmelbildchen, auf denen man unglaublich viel sieht – aber eben nicht das große Ganze, und schon gar keine Details. Von der allgemeinen Übersicht braucht man diesbezüglich gar nicht erst zu sprechen – wo hier oben und unten ist oder wie viele und welche Objekte sich gerade tatsächlich auf dem Bildschirm befinden ist stellenweise nur zu erahnen. Diese, man kann sie durchaus als Probleme bezeichnen finden sich indes auch in Bezug auf die kleineren respektive stilleren Dinge wieder – etwa in Bezug auf die Charakterzeichnung. Die scheint ebenfalls um einiges minimalistischer ausgefallen zu sein als jemals zuvor; gerade was die Ansichten von Gesichtern sowie die Darstellung von Mimik und Gestik angeht. Dass das schade ist – gerade in Bezug auf die teils immensen Schritte, die der Film in Sachen Charakterentwicklung macht – versteht sich von selbst.

Immerhin – selbst über diese Dinge könnte man als Fan und Freund des Franchise noch halbwegs hinwegsehen. Erst Recht natürlich wenn man davon ausgeht, dass unter der Mitwirkung von Hideaki Anno nichts zufällig geschieht – und selbst banal erscheinende Stilmittel oder sogar als solche zu erkennende „Fehler“ ganz absichtlich so dargestellt werden. In THRICE UPON A TIME bleiben aber selbst unter dieser Prämisse noch immer zwei Dinge übrig, die sich selbst bei bestem Willen nicht rechtfertigen lassen – schlicht, da sie den Zuschauer zu sehr aus dem intensiven Film-Erlebnis herauszerren. Zum einen ist hier die leider schmerzlich misslungene Darstellung der, man nenne sie der Einfachheit halber großen Rei gemeint (die so ähnlich auch schon in END OF EVANGELION zu sehen war) – welche mithilfe neuester 3D-Technik verwirklicht wurde, und dabei einen etwas merkwürdig erscheinenden, pseudo-realistischen Anstrich erhalten hat. Das mag gut gemeint gewesen sein, im Ergebnis aber wirkt es einfach nur befremdlich. Das mittlerweile einige Jährchen ältere END OF EVANGELION hat es doch selbst vorgemacht, oder anders gesagt: hier wäre man mit der guten alten 2D-Technik wesentlich besser gefahren. Zum anderen sind die teils doch dezent überakzentuiert wirkenden Technik- Spiele gemeint, die wohl ein wenig vom fragwürdigen Charme der ursprünglichen Episoden 25 und 26 der TV-Serie einfangen sollten. In THRICE UPON A TIME kommen diese in Form von abrupten Schnitten, der Einstreuung bereits bekannter Szenen aus den anderen Rebuild-Teilen, der Erwähnung und gewissermaßen auch Erklärung des Titels NEON GENESIS EVANGELION selbst sowie einem völlig gewagten Wechsel hin zu einer farblosen Comic-Optik gegen Ende vor. Sicher, dies mögen nachvollziehbare stilistisch Entscheidungen gewesen sein, die in Bezug auf den Inhalt sogar Sinn ergeben (Stichwort Anti-Universum) – und doch hinterlassen sie aufgrund ihrer Darstellung einen eher faden Beigeschmack. Analog zu den gerade in den hektischen Kampfszenen nicht immer flüssig wirkenden Bildern entsteht so der Eindruck, als würden zumindest die optischen Aspekte dem großen Finale nicht wirklich gerecht werden – was einmal mehr die Frage aufwirft, warum der letzte Film überhaupt so lange entwickelt respektive vielleicht auch absichtlich zurückgehalten wurde.

Das Leben könnte so schön sein… es könnte.

Zu diesem Stichwort gilt es dann leider auch, noch etwas nicht ganz so gelungenes festzuhalten. Gemeint ist, und das ist wahrlich kaum zu glauben; nicht weniger als der Soundtrack des neuen Films. Unglaublich ist es deshalb, weil die Zusammenarbeit von Hideaki Anno und Shiro Sagisu seit jeher etwas ganz besonderes war – und stets zu ganz und gar besonderen Ergebnissen führte. Die Soundtracks der bisherigen REBUILD-Filme gehören jedenfalls – und da lässt sich eigentlich kaum drüber streiten – zum besten, was der Genre der Filmmusik jemals hervorgebracht hat, speziell natürlich im Bereich des Animationsfilms. Auch oder gerade, da einzelne Stücke eine durchaus verstörende Wirkung entfaltet haben – oder es Momente gab, in denen das Bild und der Ton zunächst nicht wirklich zu harmonieren schienen (etwa: die Musik bei Shinjis „ungewolltem“ Angriff auf Einheit 02). In THRICE UPON A TIME indes scheint dieses Phänomen noch weiter ad absurdum geführt worden zu sein, oder anders gesagt: nicht nur, dass die Musik an vielen Stellen unpassend erscheint; die Stücke sind einzeln und für sich genommen auch nichts allzu besonderes. Das mag oberflächlich klingen, doch im direkten Vergleich mit den bisherigen Soundtracks (mit dem von EVANGELION 2.22 an der unangefochtenen Spitze) kann man dies ruhig einmal so behaupten. Klar, es gibt Ausnahmen – aber eben nur zwei oder drei, und nicht mehr wie zuvor alle. Immerhin: die Soundeffekte sowie die Vertonung der Figuren sind wie immer gelungen, mehr noch: gemachte Fehler aus 3.33 (wie etwa die Neubesetzung der Sprechrolle des Kaworu) wurden behoben. Dies gilt natürlich nur für die deutsche Fassung, wobei dieser Fakt auch nicht in die Bewertung einfließt; verständlicherweise.

Kommen wir nun also zu dem, was man nicht direkt sehen oder hören; sondern stattdessen verstehen kann. Hier wäre natürlich – und vordergründig – der allgemeine Handlungsverlauf inklusive der Charakterentwicklungen zu nennen. Hier macht THRICE UPON A TIME dann auch tatsächlich einen riesengroßen Sprung, gerade im Vergleich mit 3.33 – und das nicht nur, da die Handlung eben nicht erneut von einer zeitlichen, für allerlei ratlose Gesichter sorgenden Unterbrechung (wir erinnern uns: zwischen dem Ende von 2.22 und dem Beginn von 3.33 sind 14 Jahre vergangen, ohne das jemals wirklich wieder auf diese Zeitspanne Bezug genommen wurde) gekennzeichnet ist. Nein, und so unangebracht diese Formulierung in Anbetracht des desolaten Zustands von Shinji zu Beginn des Films auch erscheinen mag: es ist tatsächlich wieder ordentlich Leben in das EVANGELION-Universum gekommen. Alle Charaktere (das heißt, wirklich alle) haben nachvollziehbare Sorgen, Nöte und Motivationen; das Hinarbeiten auf das Unausweichliche (einfach ausgedrückt: die Herbeiführen eines weiteren Impacts) wird stückweise präsentiert und kann Schritt für Schritt nachvollzogen werden. Sehr schön ist auch, dass einige Konflikte auf eine glaubhafte Art und Weise gelöst werden – wie etwa der zwischen Shinji und Misato, der zwischen Shinji und Asuka, und ja natürlich: der zwischen Shinji und seinem Vater. Als kleine Highlights fungieren diesbezüglich dann aber doch zwei eher ungeahnte Dinge: zum einen die, man nenne sie Menschwerdung des aktuellen Rei-Klons, welche äußerst behutsam und emotional dargestellt wird – und zum anderen die Entwicklung der einst bei vielen Fans eher verhassten Figur von Mari. Diese hält wohl auch eine der größeren Überraschungen bereit – wenn, ja wenn man denn nach wie vor bereit ist; sich über den Kontext des Films hinaus mit der Materie respektive den Gedanken von Hideaki Anno zu beschäftigen. Denn, und das gilt auch für TRICE UPON A TIME, der erstmals wieder einiges erklärt und im Grunde genommen weniger neue Fragen aufwirft als zuvor: nicht alles ist offensichtlich oder direkt nachzuvollziehen, dem Zuschauer bleibt einiges selbst überlassen. Aber gerade das macht ja – unter anderem – auch die Faszination von EVANGELION aus.

Zugegeben: was genau auf dem Bildschirm passiert, ist nicht immer direkt zu erkennen und zu verstehen.

Bei einem Punkt hat man es diesbezüglich aber erneut leicht übertrieben, denn: so gewagt die Einstreuung des „echten“ Namens von Mari auch war, sie hat funktioniert. Bei einigen anderen Dingen, etwa dem höchst ominösen Schlüssel des Nebukadnezar, dem bisher noch nicht wirklich erwähnten Golgotha-Objekt oder dem wahren Wirrwarr an verschiedenen Lanzen inklusive der nötigen „Voraussetzungen“ für den ein oder anderen Impact (First, Second, Near Third, Third, Near Fourth, Fourth, Another Impact) stellt man sich unweigerlich die Frage, ob es derlei Elemente wirklich noch gebraucht hätte. Schließlich ist das EVA-Universum auch so schon groß (und eben auch: teils unverständlich) genug – hier hätte man vielleicht eher noch mehr auf Klärung denn auf das Einstreuen immer neuer Begriffe setzen sollen. Erst Recht natürlich wenn man bedenkt, dass Elemente wie der schwarze Mond (inklusive Lilith) oder die Kammer von Guf (wie selbige dargestellt wird ist noch immer ein waschechtes Highlight) auch so schon genug Faszinationskraft auslösen und Spielraum für Interpretationen zulassen. In THRICE UPON A TIME lenkt man nun aber eher wieder von zuvor bereits halbwegs zufriedenstellend interpretierten Dingen ab – und erlaubt eine weitere Sichtweise auf für das Franchise eigentliche essentielle, aber eben nie wirklich behandelte Dinge wie etwa die Existenz der sogenannten „FAR“ respektive Götterwesen. In wie weit diese mit den bisherigen Erkenntnissen harmonieren oder auch nicht, muss ein jeder für sich selbst herausfinden. Wie immer, könnte man sagen – aber da das Kapitel EVANGELION nun abgeschlossen scheint und wir als Zuschauer keine zufriedenstellenden Antworten mehr auf Dinge erwarten können die einer unbedingten Klärung bedürft hätten, wird es schwierig. Wie etwa in Bezug auf den kritischen 14-jährigen Zeitraum zwischen 2.22 und 3.33, zu dessen Beginn sich ein Ereignis wie das des Third Impacts ereignete (der am Ende von 2.22 war bekanntlich und lediglich der Near Third Impact) – von dem wir allerdings kaum wissen wie er ausgesehen haben könnte, oder was genau er bedeutet respektive nach sich gezogen hat. Unter anderem deshalb wäre es wohl auch zu verstehen, wenn einige nicht mehr ganz so tief in die Materie einsteigen wollen. Schließlich gibt es nun nicht mehr viel neues zu holen – alles, was jetzt noch folgt; dürften zahlreiche Interpretationsversuche seitens der Fangemeinschaft sein. Selbige haben zwar auch einen gewissen Reiz – aber sie können eben auch enorm anstrengend sein.

Die Szenen mit Gendo Ikari (dem „König der Lilim“) gehören eindeutig zu den Highlights des Films. Und überhaupt: wer braucht schon ein (physisches) Gehirn…

Das gilt übrigens und gewissermaßen auch für das eigentliche Ende des Films – das für Fans des Franchise ungewohnt, wie soll man es sagen; freudig daherkommen könnte. Eventuell auch etwas zu freudig – denn so groß der Wunsch, dass möglichst alle Charaktere halbwegs glücklich aus der Erzählung hervorgehen sollten auch ist; so merkwürdig ist es ein, man darf es ruhig sagen; episches Werk wie EVANGELION mit Szenen beendet zu wissen, die an einen beliebigen Highschool-Anime erinnern. Und wenn diese Highschool-Szenen dann auch noch einige seitens der Fangemeinschaft eher unerwünschte Paarungen zeigen (nicht unmögliche, aber eben doch solche, die auf eine eher merkwürdige Art verblüffend sind); dürfte die Enttäuschung quasi vorprogrammiert sein. Das mag etwas hart klingen, zumal der Sinn dahinter zu jedem Zeitpunkt nachzuvollziehen ist – aber dennoch. Ein wenig anders, ein wenig spannender, ein wenig offener hätte das Ende ruhig ausfallen können. Zumal es – trotz aller Schönheit und gefühlten Richtigkeit – einen unangenehmen Beigeschmack in der Hinsicht hinterlässt, dass es als allzu offensichtliches Statement von Hideaki Anno selbst fungiert, endlich mit der Materie abschließen zu können. Anders gesagt: das Ende relativiert gewissermaßen vieles, was bisher in EVANGELION passiert ist – und misst jenen Begebenheiten plötzlich enorm wenig Bedeutung zu. Ein Universum, in dem es EVANGELIONS gibt ist demnach vergleichbar mit der Hölle – und die normale, unsere Welt im Grunde genommen ein Paradies. Immerhin ist es beruhigend zu wissen, dass Hideaki Anno nun doch etwas optimistischere Töne anschlägt – der Film selbst aber verliert dadurch an (künstlerischem) Wert, und macht schlussendlich vieles von dem zunichte, was zuvor mühsam aufgebaut wurde. Das gilt auch für kleinere Dinge, die im Film eher als Randnotiz vorkommen – wie etwa der Wandlung Shinji’s. Nicht nur, dass sie viel zu schnell von statten geht – einzelne Elemente und Aussagen sind derart verquer und mit der Holzhammer-Methode in eine positive Richtung gedrückt, dass sie nur noch wenig vom einstigen Charme des Franchise transportieren können. Wie sonst ließe es sich erklären, dass Shinji im Gespräch mit Kaworu offenbart; er wolle nie wieder weinen – weil dies ohnehin niemandem hilft ? Derart unpassende, absolut fragwürdige Aussagen (sowohl in Bezug auf Shinji’s Charakter als natürlich auch die Realität) vermögen es eben auch, den Zuschauer aus der Immersion herauszureißen – und sich zu fragen, ob Hideaki Anno im Laufe der Jahre nicht doch ein wenig von seiner Weisheit eingebüßt hat.

Gänsehaut ist bei allen Dingen, die sich in irgendeiner Form mit den Impacts beschäftigen, vorprogrammiert.

Es ist eben doch alles ein bisschen schöner und vielleicht auch glattgebügelter in THRICE UPON A TIME. Jene, die den düsteren Unterton der TV-Serie geliebt haben, werden also vermutlich eher enttäuscht werden (auch wenn der neue EVANGELION-Film beileibe kein Feel-Good-Movie ist) – und jene, die END OF EVANGELION als das wahre Meisterwerk ansehen, werden wohl auch genau dabei bleiben. Denn um diesen Film noch zu übertreffen, dazu hat THRICE UPON A TIME zweifelsohne nicht das Zeug – leider. Da der Film aber dennoch weit mehr als ein typischer oder durchschnittlicher Anime ist; fällt es umso schwerer eine finale Wertungsentscheidung zu fällen. Wie so oft sollte dies nur gelingen, indem man den Film im Kontext betrachtet. Und der ist nun einmal das bisherige EVANGELION-Universum, das einiges an sehenswertem Material hervorgebracht hat. Über die ursprüngliche TV-Serie (ob in der originalen oder einer der überarbeiteten Fassungen spielt keine Rolle) oder aber END OF EVANGELION zu reden, sollte sich dabei erübrigen – da es sich relativ unbestritten um in Stein gemeißelte, schier unantastbare Meisterwerke der Anime-Geschichte handelt. Etwas spannender sollte es da schon innerhalb der Bewertungen der REBUILD-Filme zugehen, die auf diesem Blog wie folgt aussieht (über die Suche gelangt man bei Bedarf zu den jeweiligen Komplett-Reviews):

EVANGELION 1.11 – 10/10 Punkten

EVANGELION 2.22 – 10/10 Punkten

EVANGELION 3.33 – 8/10 Punkten

Und THRICE UPON A TIME ? Da er in vielen Belangen enorme Fortschritte gegenüber seinem direkten Vorgänger gemacht hat, sollte man durchaus auch eine leicht höhere Wertung anberaumen. Schließlich hat der Film auch seine guten Seiten – die in dieser Rezension möglicherweise etwas kurz gekommen sind. Der Grund dafür ist aber offensichtlich: in Anbetracht der Qualität des bisherigen Materials ist man als Zuschauer einfach, nun; verwöhnt – und hat gewisse Mindesterwartungen, in Anbetracht derer etwaige Fehler oder Unstimmigkeiten umso mehr auffallen. Für THRICE UPON  A TIME kann man dennoch – und reinen Gewissens – gut gemeinte 8.5/10 Punkten veranschlagen. Die höchst spannenden Kampfszenen, die Aktionen von Gendo, die Transformation von Askua (bzw. ihrem EVANGELION), die finale Mission von Misato – das alles sind Momente, in denen das gute alte EVANGELION-Gefühl wieder aufkeimt, und das nicht zu knapp. Die vielen kleineren Ungereimtheiten verhindern allerdings und schlussendlich, dass sich THRICE UPON A TIME in eine Reihe mit EVANGELION 2.22 stellen kann – dem in vielerlei Hinsicht besten Teil der REBUILD-Reihe. Sei es drum, es gilt, noch einiges aufzuholen. Denn eines steht fest, und das ist beileibe keine EVANGELION-Neuheit: einen Film wie diesen nur einmal anzuschauen, reicht einfach nicht aus.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Khara / Amazon

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„Ein nicht perfekter, aber doch würdiger Abschluss der REBUILD-Reihe. Farewell, Evangelion.“

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