Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Space Ninjas From Hell (2020)

Alben-Titel: Space Ninjas From Hell
Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichung: 17. Januar 2020
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Frank Koppe – Drums
Florian Zack – Guitars
Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals

Track-Liste:

1. Tale of the Sunbladers (04:18)
2. Ninjas Unite (04:35)
3. Super Sonic Samurai (04:02)
4. Evil Wizard WuShu Master (03:51)
5. Nippon Knights (03:28)
6. Shuriken Showdown (03:34)
7. Wasabi Warmachine (04:34)
8. Wrath of the Dragongod (03:32)
9. Astral Assassin Shark Attack (03:46)
10. Space Ninjas from Hell (03:15)
11. Cosmic Space Commando Base (04:19)
12. Shinobi Strike 3000 (02:23)

Wenn man zum lachen wirklich in den Keller gehen muss – oder sollte.

Mittlerweile gibt es sie immer zahlreicher: Power Metal-Bands, die nicht einfach nur Musik machen – sondern dabei auch auf ein ganz bestimmtes Image setzen. Und damit im besten Fall auch auf einen besonderen Wiedererkennungswert, der damit längst nicht mehr nur aus dem letztendlich an den Tag gelegten Handwerk resultiert. Oftmals mit im Gepäck dieser Band ist auch ein gewisser Spaßfaktor – der ebenfalls nicht allein aus der Musik resultiert, sondern mitunter abenteuerliche Ausmaße annehmen kann. Seien es also die Jungs von GLORYHAMMER mit ihrem gleich mehrere Jahrhunderte abdeckenden (und sich bis in kosmische Gefilde erstreckenden) Helden-Epos, die Recken von ALESTORM mit ihrem unwiderstehlichen Piraten-Flair oder die tollkühnen BROTHERS OF METAL mit ihren Gesangsgeschichten über den kriegerischen Odin und den Konsum von reichlich Met – von einer direkt wiederzuerkennenden Spielart über herrlich abstruse Musikvideos und Kostüme bis hin zu fulminanten Live-Auftritten haben sich diese Bands jeweils einiges aufgebaut, geht es um ihre (ur-)eigenen Identitäten. Wie VICTORIUS nun diesbezüglich ins Bild passen, ist noch nicht vollends geklärt – fest steht nur, dass die 2004 gegründete und von Leadsänger David Baßin geführte Band sich mittlerweile ebenfalls einer eher spaßigen Auslegung des übergeordneten Power Metal-Genres verschrieben hat. Die 2008 erschienene, dezent an den Stil des Indie-Kurzstreifens KUNG FURY erinnernde EP DINOSAUR WARFARE (siehe Review) jedenfalls sprach entsprechende Bände – und auch mit dem vorliegenden SPACE NINJAS FROM HELL schreitet man in eine ganz ähnliche Richtung.

Das bedeutet vornehmlich eines: dass die insgesamt 12 Titel des Albums mit einem immensen Spaßfaktor einhergehen. Zumindest in der Theorie, und wenn man so will – schließlich gibt es auch einige Anhaltspunkte, die eher gegen den neuerlichen Werdegang von VICTORIUS sprechen. Da wäre zum einen die Tatsache, dass SPACE NINJAS FROM HELL vieles ist – nur kein anspruchsvolles Album. Und das fällt selbst dann auf, wenn man sich im voraus auf ein eher seichtes und Spaß-orientiertes Album eingestellt hat – sowie hie und da ein gewisses, hier unbedingt nötiges Augenzwinkern walten lässt. Eines, dass bei den meisten anderen Bands einer ähnlichen Spielart kleinere Schwächen oder einfach zu kitschige Elemente und Momente verzeihen lässt – nicht aber bei VICTORIUS, die es im Hinblick auf ihr neues Album vielleicht doch etwas übertrieben haben. Denn: derart einfach gestrickt ging es schon lange nicht mehr auf einem Power Metal-Album zu – ganz unabhängig davon, wie groß der Spaßfaktor auch war. Das betrifft vor allem die Struktur des Albums und der einzelnen Titel – die letztendlich so leicht und eingängig daherkommen, dass man sie gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Von den besungenen Inhalten, der Gestaltung der einzelnen Textzeilen sowie der entsprechend unbekümmerten Herangehensweise von Leadsänger David Baßin gar nicht erst zu sprechen. Es mag kurios erscheinen, aber: das hier gebotene ist selbst für ein wie auch immer geartetes Spaßalbum zu viel, oder eben zu wenig. Und das in einem solchen Maße, dass einem das Lachen – im schlimmsten Fall – im Halse stecken bleiben könnte.

Sicher, grundsätzlich verstehen VICTORIUS ihr Handwerk. Das haben sie bereits mit ihren früheren Alben bewiesen, und auch SPACE NINJAS FROM HELL hat – speziell bezüglich der Instrumenten-Front – einiges anzubieten. Theoretisch könnte die Band damit also durchaus mit ihren potentiellen Konkurrenten a’la GLORYHAMMER oder vielleicht auch DRAGONY mithalten. Theoretisch – doch wenn sich eine Band tatsächlich dafür entscheidet einen Titel wie das zwar gut gemeinte, letztendlich aber nur noch zum Fremdschämen einladende NIPPON KNIGHTS zu produzieren; hört es ganz schnell wieder auf. Und das gilt – leider – für einen Großteil der auf dem Album enthaltenen Titel, die meist genau das bieten was die kruden Bezeichnungen (noch nie eine ASTRAL ASSASSSIN SHARK ATTACK gehört ?) versprechen. Und das geht schlicht auf keine Kuhhaut – zumindest keine nüchterne. Während die letzte EP – die unter anderem mit Laser-schießenden Dinosauriern aufwartete – also noch als nette Abwechslung oder Gimmick verstanden werden konnte, sieht es in Bezug auf SPACE NINJAS FROM HELL (und damit gleich ein komplettes Album im peinlich-einfachen Spaßgewand) schon deutlich anders aus. Es ist schade – doch in dieser Form sollten VICTORIUS keinen Erfolg haben. Zumindest keinen, auf den man auch im hohen Alter noch stolz sein kann…

Anspieltipps: TALE OF THE SUNBLADERS


„Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher.“

Diese Wertung sorgt für einen Abstieg von VICTORIUS in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.