Filmkritik: „Ilsa – She Wolf Of The SS“ (1975)

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Aka: Die Hündin Von Liebeslager 7
Regie: Don Edmonds
Mit: Dyanne Thorne, Gregory Knoph, Maria Marx u.a.
Land: Kanada
Laufzeit: ca. 96 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Horror, Komödie
Tags: Zweiter Weltkrieg | Konzentrationslager | Experimente | SS | Gräueltaten

Stöhn für mich, Ilsa.

Kurzinhalt: Die tyrannische Ilsa (Dyanne Thorne) ist während des Zweiten Weltkriegs Aufseherin in einem kleinen Konzentrationslager für Kriegsgefangene. Im Gegensatz zu vielen anderen Lagern jedoch spielt die Zwangsarbeit nur eine untergeordnete Rolle – stattdessen sind grausame medizinische Experimente an der Tagesordnung. Die betreffen vor allem die weiblichen Gefangenen und sollen dazu dienen, dem Dritten Reich selbst in schlimmsten Kriegszeiten aus der Patsche zu helfen. Dazu forschen Ilsa und ihre Untergebenen an Möglichkeiten, als Mensch möglichst viel Schmerz verkraften zu können und somit beinahe unbesiegbar zu werden. Gleichzeitig ist Ilsa aber auch auf der Suche nach der ultimativen sexuellen Erfahrung, die ihr so viele Männer bisher nicht geben konnten – mit Ausnahme von Wolfe, einem der neuen Kriegsgefangenen. Offenbar ist er der einzige, der die begierige Kommandeurin zufriedenstellen kann – sodass er diese Tatsache bald zu seinem Vorteil ausnutzt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wer oder was ist ILSA, und was hat sie mit der Waffen-SS am Hut ? Schon in Anbetracht des ungewöhnlichen, in jedem Fall aus der Masse der B-Movies hervorstechenden Filmtitels  sollte man wohl alles erwarten – nur kein historisch akkurates Kriegsdrama. Tatsächlich begab sich der bis 1975 völlig unbekannte kanadische Regisseur Don Edmonds mit seinem Erstwerk auf das Terrain des sogenannten Naziploitation-Films – ein Genre, welches mit des öfteren mit gängigen Konventionen bricht und seine europäische Blütezeit vor allem in den späten 60er und 70er Jahren hatte. Ganz im Sinne einer sicherlich diskutablen Ausbeutung oder auch Verwertung (denn für nichts anderes steht der Begriff Exploitation) wird entsprechenden Filmen ein großes, zumeist auch problematisches Thema zugrunde gelegt – wie in diesem Fall etwa der Zweite Weltkrieg. Doch nicht nur das, schließlich ist das Genre auch dafür bekannt tatsächliche Gegebenheiten noch zu überzeichnen – und historische Fakten je nach Ausrichtung des Films in eine entsprechende Richtung zu interpretieren. Im Vordergrund stehen dabei aber nicht etwa Moral oder eine Form der Aufarbeitung – sondern vielmehr eine spezielle Form der Unterhaltung, die am ehesten im Bereich eine bitterbösen Satire zu verorten wäre. Und eine, die sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen wird.

Im Falle von ILSA – SHE WOLF OF THE SS sind die Fakten somit relativ schnell klar: die Geschichte stützt sich entfernt auf tatsächliche Ereignisse in Konzentrationslagern, und spitzt sich mit dem Porträt einer besonders perfiden, höchst sadistisch veranlagten und psychisch mindestens vorbelasteten Lager-Kommandeurin zu. Dabei gibt sich der Film weder besonders prüde noch zimperlich: es gibt den ein oder anderen entblößten Körper zusehen, etwaige körperliche und seelische Misshandlungen werden teils explizit gezeigt. Gerade das führt zu einer mitunter höchst gewöhnungsbedürftigen Film-Atmosphäre: einerseits ist man geneigt aufgrund des überspitzten, nicht selten absichtlich hohlen Nazi-Stumpfsinns inklusive einschlägiger Parolen zu schmunzeln; schließlich soll der Film den Nationalsozialismus auch vorführen – doch andererseits sind die Grausamkeiten ungewöhnlich explizit und in gewisser Weise glaubhaft dargestellt. Denn eines ist klar: so abstrus das hier gezeigte auch anmuten mag, es steckt mindestens ein Fünkchen Wahrheit darin. Und im Falle des Nationalsozialismus ist schon das ein Fünkchen zu viel.

ILSA – SHE WOLF OF THE SS begeht so einen denkwürdigen Spagat zwischen einer platten, aberwitzig überspitzten Parodie – und einem alles andere als witzigen, dem Zuschauer immer wieder die tatsächlichen Schrecken der Vergangenheit vorführenden Filmanteil. Das ist mindestens interessant – wenngleich man nicht davon ausgehen sollte, dass hier eine nennenswerte Filmkunst betrieben wurde. Schließlich bleibt es hauptsächlich an der Idee und den teils wahnsinnigen Einfällen der Macher, für einen entsprechend kritischen Unterhaltungswert zu sorgen. Die Ausführung selbst ist eher hanebüchen: der Schauplatz ist übersichtlich, die Kulissen und Kostüme wirken billig, das Gebaren der Darsteller unfreiwillig komisch, die Dialoge unterirdisch. Dabei fällt es nicht ganz leicht festzuhalten, was für den Film als Low-Budget-Produktion mit einem bestimmten Zielpublikum noch zuträglich ist – und wo man tatsächlich etwas zu sehr geschlampt hat. Überdies gilt es speziell in Anbetracht der deutschen Synchronisation vorsichtig zu sein – denn die ist wahrlich unter aller Kanone, was hier aber nicht mit in die Wertung einfließt.

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Fazit: Nein, ILSA – SHE WOLF OF THE SS ist kein gewöhnlicher Film – und lässt sich wohl auch nicht mit herkömmlichen Maßstäben messen. Aber selbst innerhalb des Genres der Naziploitation bewegt er sich so gesehen jenseits von gut und böse. Immer im Raum steht die in diesem Falle gleichwertige Verquickung von stumpf-parodistischen, sexistischen, perversen und durchaus realitätsnahen Elementen; die gerade in Anbetracht des problematischen historischen Hintergrunds zu einem fragwürdigen Gesamtbild führen. Und das hinterlässt allemal einen faden Beigeschmack. Hätte man den Fokus mehr auf die eine oder andere Gangart gelegt, dem Film einen künstlerisch-inszenatorischen Anstrich verpasst der über das bloße zur-Schau-stellen hinausgeht – dann hätte vielleicht mehr aus diesem Projekt werden können. So bleibt es bei einer entsprechend eingeschränkten Empfehlung für alle, die mal wieder einen Tag Auszeit von Hollywood & Co nehmen wollen.

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„Nur für eingefleischte Filmfans mit einer ordentlichen Portion Geduld – und starken Nerven.“

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