Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Juan Of The Dead“ (2011)

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Originaltitel: Juan De Los Muertos
Regie: Alejandro Brugués
Mit: Alexis Díaz De Villegas, Jorge Molina, Andrea Duro u.a.
Land: Spanien, Kuba
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Komödie
Tags: Kuba | Karibik | Sommer | Zombies | Untote

Kuba ist bekannt für seine Zigarren… aber nicht nur.

Kurzinhalt: Als im von Krisen ohnehin geplagten Kuba eine Art Zombie-Epidemie ausbricht, versuchen die Regierung und die Medien alles auf politische Gegner des Landes zurückzuführen. Doch als selbst die Reporter vor laufender Kamera bei lebendigem Leibe gefressen werden, scheint es bereits zu spät – das Land steht vor einer Bedrohung, die es so zuvor noch nie gesehen hat. Der Kubaner Juan (Alexis Díaz de Villegas) sieht das Ganze aber eher entspannt – und bietet den Bürgern sogar seine Dienstleistung als Beseitiger von nunmehr unliebsamen Familienmitgliedern an. Gemeinsam mit seinem besten Kumpel und weiteren Bekannten zieht er los, um das beste aus der Katastrophe zu machen – um sein Überleben, aber vor allem das seiner mittlerweile erwachsenen Tochter zu sichern.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Filme, die sich in irgendeiner Art und Weise mit Untoten respektive fleischfressenden Zombies beschäftigen; gibt es wie Sand am Meer. Während viele jener Werke – die sich in einem durchaus traditionsreichen Sub-Genre des Horrorfilms zuhause fühlen – mit einem ersten Hintergrund aufwarten oder zumindest auf eine ernsthafte Wirkung im Sinne einer schaurigen Filmerfahrung abzielen; gibt es mindestens ebenso viele Zombiefilme die eher dem Genre der Horrorkomödie zuzuordnen wären. Und diese haben oftmals – und trotz der unterschiedlichen, mal mehr und mal weniger trashigen Herangehensweisen – eines gemeinsam: sie strapazieren eher die Lachmuskeln der (abgebrühten) Zuschauer, als dass sie Angst und Schrecken verbreiten. Im besten Fall, und um den Bogen zu den eigentlichen Zombiefilmen zu schlagen; beinhalten sie dann auch noch das ein oder andere Quäntchen Gesellschaftskritik.

Sicher wären hier einige Paradebeispiele anzuberaumen; vor allem wohl solche, die speziell in den turbulent-bunten 80er Jahren entstanden sind. Doch da JUAN OF THE DEAD bereits mit seinem Filmtitel allein auf einen weitaus jüngeren quasi-Zombiefilm aus England anspielt, sollten die Parallelen zu Edgar Wright’s SHAUN OF THE DEAD (Review) tatsächlich die offensichtlichsten sein. Hierbei handelt es sich um eine schwarzhumorige Zombiekomödie, in der die beiden britischen Kult-Darsteller Simon Pegg und Nick Frost ein wahres Gagfeuerwerk ablieferten – und um einen Film, in dem die wandelnden Untoten so gesehen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Insbesondere, da man einen starken Wert auf die Charakterporträts legte, so abstrus und zugespitzt sie erscheinen mögen – sodass nun auch JUAN OF THE DEAD versucht, in eine ganz ähnliche Kerbe zu schlagen. Das Problem: JUAN OF THE DEAD mangelt es einerseits genau daran – an starken, angenehm eigentümlichen und bestenfalls unverwechselbaren Charakterporträts – und letztendlich auch an jener Prise eines britischen Humors, der das ‚Original‘ so einzigartig machte.

Andererseits könnte man diese Aspekte nur allzu schnell wieder hinsichtlich ihrer Bedeutsamkeit schmälern. Schließlich verstehen sich die Macher von JUAN OF THE DEAD zwar gut mit Titelspielereien und etwaigen Andeutungen – doch wollten sie SHAUN OF THE DEAD letztendlich nicht bloß kopieren respektive auf einen neuen Schauplatz übertragen. Im Gegenteil, grundsätzlich bietet der Film genügend neue Elemente, um sich als eigenständiger Zombiefilm zu profilieren. Zumindest theoretisch – in der Praxis schöpft man jene potentiellen Vorteile leider kaum aus. Beispielsweise wäre da der Schauplatz, beziehungsweise die gesamte eher sommerliche Kulisse zu nennen – durch den das Gefühl aufkommen sollte, dass man die Schwüle des kubanischen Sommers auch als bloßer Zuschauer spüren könnte. Das ist allerdings nur  bedingt der Fall – schlussendlich entscheidet sich JUAN OF THE DEAD in optischer Hinsicht weniger von vergleichbaren Zombie-Komödien, als man es zunächst gedacht hätte.

Sicher, statt etwaiger dunkler Szenen dienen hier vermehrt satt ausgeleuchtete Sets oder gleich der strahlende, wolkenlose Naturhimmel als Grundlage für einen vergleichsweise sommerlich-hellen Zombiefilm – doch reicht das allein nicht aus, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Denn ausgerechnet bei den Kostümen und der Arbeit der Maskenbildner hat man (wohl auch aufgrund des Mini-Budgets) geschlampt – und das in einem eher negativen, denn in einem angenehm-trashigen Sinne. Auch hätte man das Meer bzw. das Element des Wassers ruhig mehr einbeziehen können – abgesehen von der (dezent unglaubwürdigen) Auftaktszene und einer an LAND OF THE DEAD erinnernden Unterwasser-Aufnahme gibt es diesbezüglich nichts zu sehen. Mit vielen Szenen bewegt man stilistisch eben doch auf einem sicheren, unspektakulären Terrain – was auch auf die anderen technischen Aspekte (wie Schnitt und Kameraführung) und auch den unspektakulären Soundtrack zu übertragen ist.

Das eigentliche Problem von JUAN OF THE DEAD liegt aber ohnehin in einem gänzlich anderen, sicherlich gewichtigeren Bereich begründet. Bei diesem dreht es sich um nicht weniger als den eigentlichen Kernaspekt des Films, beziehungsweise die letztendliche Genre-Ausrichtung und inhaltliche Gestaltung. Dafür, dass der Film als kubanisches Pendant zu SHAUN OF THE DEAD und auch davon unabhängig als besonders furioser, witziger und unterhaltsame Zombie-Komödie angepriesen wird; vermag er es beispielsweise verdächtig wenige Lacher zu generieren. Zwar ist es gut, dass man nur selten auf allzu platte Gag-Elemente setzt; doch ein paar gelungenere Pointen oder ein wenig mehr Situationskomik hätten dem Film sicherlich gut getan. Im Zusammenspiel mit dem alles andere als erfrischenden Plot entsteht so schließlich nicht selten das Gefühl, als würde der Film nicht wenige Durststrecken bereithalten. Die wenigen kurioseren Aha-Momente (beispielsweise die Szene, in der Juan von seinem besten Freund gebeten wird sich oral befriedigen zu lassen) sind dann leider viel zu schnell wieder vergessen.

Ein weiterer Knackpunkt könnte bereits dann ersichtlich werden, wenn man die FSK-Freigabe betrachtet: JUAN OF THE DEAD ist ab 16 freigegeben. Dafür bietet der Film zwar hie und da doch noch das ein oder andere heftige Splatter-Element – doch gerade eingefleischte Genrefans können diesen wenigen actionreicheren Szenen nur ein müdes Lächeln entgegenbringen. Noch gravierender wird es, wenn man ein weiteres tragendes Element des Films besieht – die Riege der Charaktere. Insbesondere der Hauptdarsteller des Juan, Alexis Díaz de Villegas kann kaum überzeugen und wirkt einstweilen sogar regelrecht unsympathisch – ob man seine Darbietung nun mit dem charmanten Spiel seiner britischen Kollegen von SHAUN OF DEAD vergleicht oder nicht. Mit seinem besten Kumpel Lazaro, der von Jorge Molina gespielt wird; macht man es schon etwas besser – beispielsweise mit einigen eigentümlichen Charaktereigenschaften, die sich bestens für einen Film wie diesen eignen. Auch wenn hier das ein oder andere platte Klischee bedient wird, wie in den ermüdenden Momenten als er einer erretteten Maid zu keinem Zeitpunkt in die Augen, sondern nur auf den Busen starrt.

Fazit: JUAN OF THE DEAD strotzt vor mal mehr, mal weniger offensichtlichen Schwächen, und könnte unter gewissen Umständen durchaus als Totalausfall angesehen werden. Was ihm bleibt ist letztendlich nur ein eher streitbarer Aspekt, an dem sich die Geister der Rezensenten und Zuschauer scheiden werden. Anders gesagt: entweder, man erlebt den Film allein unter den oben angegebenen Gesichtspunkten und befindet ihn für eine ideenlose, langatmige und verdächtig witzlose (und wenn überhaupt alberne) Interpretation altehrwürdiger Klassiker oder eines jüngeren Vorzeigebeispiels a’la SHAUN OF THE DEAD – oder aber, man berücksichtigt auch die hie und da angedeutete Sub-Ebene des Films. Doch gibt es auch hier nicht unwesentliche Probleme: die Zombie-Horden als Sinnbild für etwaige Gesellschaftsschichten oder politische Gruppierungen zu verwenden, ist spätestens seit den frühen Werken von George A. Romero keine Seltenheit mehr – und JUAN OF THE DEAD bietet bis auf wenige zusammenhanglos in den Raum geworfene Stichworte einfach kaum Anhaltspunkte, die die Lust auf eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Land und seiner Geschichte fördern würden. Ganz im Gegenteil, speziell das befremdliche Element einer Verkaufsidee (Juan und seine Freunde bieten Bürgern an, gegen ein Entgelt ihre ehemaligen Angehörigen zu entsorgen) und das mit ganz ähnlichen Botschaften ausgestattete Ende hinterlassen einen reichlich unangenehmen Beigeschmack. Dass das Ganze mitunter auch als explizite Kritik am Kuba-Regime unter Fidel Castro einerseits, und als Hommage an die trotz allem lebensfrohen Kubaner andererseits angesehen werden könnte ist zwar schön und gut – doch macht es den Film als solches nicht besser oder sehenswerter. Und schon gar nicht spannender oder unterhaltsamer.

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„Eine reichlich langatmige, ideenlose und inhaltlich fragliche Zombiefilm-Komödie; bei der einem vieles verdächtig bekannt vorkommen sollte – mit Ausnahme des Schauplatzes.“

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