Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Lucy“ (2014)

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Originaltitel: Lucy
Regie: Luc Besson
Mit: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-sik u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 89 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Droge | Schmuggel | Gehirn | Superkräfte | Verfolgung

Leg Dich nicht mit Zo… LUCY an.

Kurzinhalt: Nachdem die junge US-Studentin Lucy (Scarlett Johansson) von ihrem Freund Richard (Pilou Asbaek) auf eine besonders perfide Art und Weise dazu angehalten wird, einen ominösen Koffer bei einem gewissen Mr. Chang (Choi Min-sik) abzuliefern; kann sie kaum fassen wie ihr geschieht. Kurzerhand wird sie von Mr. Chang’s Schergen gefangengenommen und gezwungen, den Koffer zu öffnen – enthalten ist eine neuartige Droge, von der man kaum weiß wie sie wirken würde. Doch damit nicht genug – denn Lucy wird neben drei anderen Personen als Drogenkurierin auserkoren. Dabei ist die Art des Schmuggels eine besonders inhumane: die Drogen werden den Opfern unter die Haut implantiert, auf dass sie nach dem Grenzübergang wieder entnommen werden könnten. Im weiteren Verlauf ihrer Gefangenschaft ist Lucy aber einem weiteren Peiniger ausgesetzt, der sie  schwer verletzt – und damit auch das in ihrem Bauch enthaltene Päckchen beschädigt. Die Inhaltsstoffe strömen nunmehr in ihren Körper – und richten dabei unvorhergesehenes an. Zunächst scheinen jedoch die positiven Wirkungen zu überwiegen… Lucy scheint fitter, stärker und auch gewiefter als je zuvor; und kann sich schnell aus ihrer misslichen Lage befreien. Doch wohin sollte sie nun gehen ? Sie entscheidet sich zunächst, ein Krankenhaus aufzusuchen um die restlichen Drogen in ihrem Bauchbereich entfernen zu lassen – und mehr über die möglichen Folge eines derart übermäßigen Konsums in Erfahrung zu bringen. Dabei gerät sie jedoch immer wieder in Bedrängnis – Mr. Chang’s Schergen haben es längst wieder auf sie abgesehen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! LUCY ist der neueste Streich des bekannten französischen Regisseurs und Drehbuchautors Luc Besson, der sich nach vielen eher gradlinig angehauchten Mainstream-Werken offenbar wieder zu einer etwas ungewöhnlicheren Kost hinreißen ließ. Ungewöhnlich bedeutet in diesem Fall noch nicht bahnbrechend – doch fühlt es sich gut an zu wissen, dass auch längst etablierte und große Regisseure die Plattform des Kinos nutzen, um sich neben all den auf größtmögliche kommerzielle Erfolge ausgelegten Werken auch immer wieder einer einstweilen vergessenen Form der Filmkunst anzunehmen und etwas mehr zu wagen. So weit die Theorie – und tatsächlich scheint LUCY nicht nur eine interessante Genre-Mixtur anzuberaumen und mit spektakulären Bildern zu glänzen, sondern auch eine grundsätzlich faszinierende Grundidee zu bedienen. Eine, die zwar nicht gänzlich neu ist – doch bisher weniger in Filmen für ein großes Publikum; als vielmehr in verschiedenen TV-Serien und Fernost-Produktionen Verwendung fand.

Die Rede ist natürlich von der wissenschaftlich heiß diskutierten These, dass Menschen nur einen Bruchteil der ihnen theoretisch zur Verfügung stehenden Kapazität des Gehirns nutzen – und somit zu weitaus weniger in der Lage sind, als man es sich im Sinne einer utopischen – oder aber bitterbösen – Zukunftsvision ausmalen könnte. Allein auf eine Idee wie diese einzugehen verspricht potentiell großes; sowohl im fantastischen (und damit bestenfalls für das Format der Leinwand geeigneten) Sinne; als auch in einem philosophischen Kontext. Die Crux liegt letztendlich nur darin begraben wie man sich dem Thema nähert, in welchem erzählerischen Rahmen man es verpackt – und welche Fragen man dabei aufwirft.

Die Wahl, die Luc Besson mit und in LUCY getroffen hat; wirkt dann jedoch relativ schnell ernüchternd. Schließlich verzichtet er darauf den Film mit einer größeren, wie auch immer gearteten metaphorische Ebene zu versehen – und setzt auf ein Konstrukt; dass sich viel eher auf das Genre des Actionthrillers stützt. Das klingt zunächst noch interessant und sorgt zumindest für einen gradlinigen, den Zuschauer sofort einbeziehenden Start – doch alsbald macht sich bemerkbar, dass ein Großteil des Potentials verschenkt wurde. Anders gesagt: LUCY stellt sich nicht als innovativer oder gewagter Science Fiction-Film heraus; sondern schlicht als schmackiger Actionthriller mit einem für das Genre fremdartigen inhaltlichen Element. Ein recht typischer Thriller obendrein, der mit seiner Story um eine besonders dreiste Art des Drogenschmuggels und den extrem flachen Charakteren nur für wenig Aufsehen gesorgt hätte. Genau hier kommt dann auch das Element der Art der Droge ins Spiel. Ein Element, welches gar nicht mal im Mittelpunkt der Story steht – und zudem nicht ganz ohne Zwang in den Zusammenhang hineingepropft wurde.

Wohl schlicht, da es bereits hinreichend Filme gibt in denen ein Drogenschmuggel auf irgendeine Art und Weise gehörig schiefgeht – und Luc Besson dem Ganzen eine neue Seite abgewinnen wollte. Aber: so ehrenwert diese Ambition auch sein mag, sie wirkt in diesem Fall nicht besonders ehrlich. Sei es, dass man so gut wie gar nicht auf die Droge als solches eingeht, geschweige denn ihre Wirkungsmechanismen veranschaulicht (außer man zählt die hübsch animierten, aber völlig sinnlosen Bilder der Aufnahme in den Blutkreiskauf hinzu) oder sei es, dass Besson den wohl ärgerlichsten Fehler des Films begeht und mit einem den actionreichen Szenen zur Seite stehenden Pseudo-Wissenschaftspart (verkörpert durch Morgan Freeman) versucht, den Film mit einer zusätzliche Bedeutungsschwere zu versehen – das Ergebnis wirkt zu keinem Zeitpunkt wirklich zufriedenstellend. Folglich sind auch die Fragen, die der Film letztendlich aufwirft; weniger auf die Faszination der Droge als vielmehr auf die ureigene Logik des Films zu beziehen.

Spätestens als die Hauptdarstellerin zum ersten Male und im wahrsten Sinne des Wortes an die Decke geht, ist es schließlich aus mit der die Intelligenz des Zuschauers ohnehin dezent beleidigenden Pseudo-Wissenschaft. Wenn, ja wenn es denn nicht schon die zuvor anberaumten Bilder der Tierwelt waren, die für ein dezentes Kopfschütteln sorgten. Man sollte sich schon genau überlegen, wie weit man mit einer Darstellung wie dieser gehen würde; und wie derlei Elemente in einem auf Blockbuster getrimmten Spektakel aufgefasst werden würden. Das hier gezeigte jedoch taugt am ehesten für eine abgedrehte Parodie – und hat in keinem ernst gemeinten Film etwas zu suchen. Vieles von dem was danach folgt, reiht sich dann auch nahtlos in die Reihe der mit LUCY offerierten Peinlichkeiten ein – und wird spätestens mit dem arg zurechtgebogenen Paradoxon gegen Ende (in dem Besson nicht weniger als die Entstehung des Universums auf seine eigene Weise interpretiert) und mit der Erschaffung eines USB-Sticks den theoretisch kein Computer der Welt lesen könnte; besiegelt. Szenen wie die, in der ein Lichtstrahl aus dem Mund der Hauptprotagonistin fährt; sowie ihr generell etwas merkwürdiges Verhalten (welches ebenfalls nicht so recht mit der These zusammenpassen will, dass sie nun über mehr Wissen und Fähigkeiten verfügt) runden die Sache nach unten hin ab. Und hinterlassen ein ganz großes Fragezeichen – und das nicht aufgrund eines fehlenden inhaltlichen Verständnis.

Rein technisch ist das Projekt dagegen durchaus als solide zu bezeichnen. Die gezeigten Bilder sind nett, gerade wenn es um die nunmehr ‚freigeschalteten‘ Fähigkeiten des weiblichen Hauptcharakters geht – doch wird einen auch hier nicht das Gefühl loslassen, das noch viel mehr drin gewesen wäre. Am interessantesten ist aber noch immer die bunte Darsteller-Riege, die zumindest in der Theorie enorm zu einem atmosphärisch-experimentellen Sci-Fi-Genrefilm hätte beitragen können. Und so spielen alle Beteiligten so gut sie eben können – das maue Drehbuch und die zugeschriebenen, mehr als halbgaren Charakterporträts verhindern alles weitere.

Fazit: LUCY mag ein halbwegs ambitioniertes Filmprojekt eines alteingesessenen Regisseurs sein – und doch mündet der Film in einer waschechten Enttäuschung. Eben weil Luc Besson die Pfade des Mainstream doch nicht vollständig verlassen wollte, auf viele altbekannte und abgedroschene Zutaten setzt – und der Film so über weite Strecken recht unentschlossen und vor allem verdammt hanebüchen wirkt. LUCY hat trotz der vielversprechenden Prämisse verdächtig viel von einem Trashfilm, wird aber zu keinem Zeitpunkt als solcher inszeniert – und wirkt gerade deshalb unfreiwillig komisch. Woran es auch immer liegen mag, dass LUCY so unausgegoren wirkt – die vielversprechende Grundidee wird somit vollständig ad absurdum geführt. Es scheint fast, als hätte Besson zunächst einen handelsüblichen Thriller konzipiert – und wäre erst dann auf die krampfhaft umgesetzte Idee mit der neuartigen Droge gekommen; entsprechende und nur vermeintlich spektakuläre Bezüge a’la Terrence Malick (die Dinosaurier lassen grüßen) oder Christopher Nolan (Hallo Zeitparadoxon) inklusive. Was ist nur aus dem einst talentierten Regisseur geworden ?

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„Das müde zusammengeklaubte Konzept ist nicht aufgegangen.“

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