Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Die Beste Mutter / Äideistä Parhain“ (2005)

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Originaltitel: Äideistä Parhain
Regie: Klaus Härö
Mit: Topi Majaniemi, Mikael Nyqvist, Maria Lundqvist u.a.
Land: Finnland
Laufzeit: ca. 96 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Kriegskinder | Flucht | Versteck | Familie

Die Flucht vor den Schrecken des Krieges.

Kurzinhalt: Während des sich immer weiter zuspitzenden Zweiten Weltkrieges beschließen viele Eltern, ihre Kinder an einen potentiell sichereren Ort zu bringen. So soll auch der junge Eero (Topi Majeniemi) von Finnland nach Schweden evakuiert und in die Hände einer unbekannten Pflegefamilie gegeben werden. Damit ist er nicht alleine – auf seiner Reise, die von einem Sozialdienst organisiert wird; begleiten ihn viele andere Kinder aller Altersgruppen. Trotz des großen Trennungsschmerzes versucht Eero nach vorne zu blicken – was ihm allerdings ungleich schwerer fällt, als er bei seiner vorübergehenden Familie ankommt. Denn die hatte eigentlich ein Mädchen erwartet, was besonders im Fall der Pflegemutter für eine heftige Abneigungsreaktion sorgt. Nur der Familienvater scheint sich gut damit arrangieren zu können – ihm ist es egal, wen er aufnimmt; solange er nur helfen kann. Doch auch wenn die ungewöhnliche Reise etwas abenteuerliches hat, beginnt Eero die Tage zu zählen – auf dass er schnellstmöglich wieder zu seiner Mutter nach Finnland zurückkehren kann.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! DIE BESTE MUTTER befasst sich mit dem Schicksal eines Jungen; welches stellvertretend für zahlreiche, in Kriegszeiten von ihren Eltern getrennten Kinder steht. Wie es der Filmtitel bereits impliziert, steht dabei auch die Frage nach dem Erleben der schrecklichen Ereignisse aus Kindersicht in einem zentralen Fokus. Wie sehen es junge Kinder wie Eero, wenn sie aus ihrem familiären Umfeld herausgerissen und zumindest temporär in die Obhut Fremder übergeben werden ? Würden sie in ihrem Schmerz eines Tages ihre Eltern dafür zur Verantwortung ziehen – oder werden sie die Trennung rückblickend als notwendige Maßnahme betrachten und ihnen dankbar sein ? In geradezu malerischen Bildern wird der Zuschauer dazu angehalten, genau diese Frage zu beantworten – für den damals 9-jährigen Hauptprotagonisten (der das Ganze in einer Art Rückblende erzählt), aber sicher auch ein stückweit für sich selbst.

Dabei schafft der Film gleich zweierlei: zum einen befasst er sich historisch akkurat mit einem wichtigen, oftmals vernachlässigten Aspekt des Zweiten Weltkriegs, transportiert dabei essentielle Botschaften – und zum anderen generiert er auch eher nüchtern und Themen-unabhängig betrachtet eine beeindruckende, zum Schneiden dichte Atmosphäre. Eine, die für reichlich Spannung sorgt; wobei man jedoch keinesfalls von schnellen Handlungsabfolgen ausgehen sollte – vielmehr geht es um zwischenmenschliche Spannungen und das Aufeinandertreffen von verschiedenen Weltbildern. Ein entsprechendes Augenmerk gilt daher auch vornehmlich den beteiligten Charakteren, die auf verschiedenste Art und Weise miteinander interagieren. Die Darstellung jener für den Film wichtigen Kernaspekte gelingt Regisseur Klaus Härö verdächtig gut – eben weil er eine gewisse Form der Poesie in seinen Bildern mitschwingen lässt, dem Zuschauer entsprechende Freiheiten zugesteht.

Ebenfalls sehr sehenswert sind so gut wie alle technischen und handwerklichen Aspekte des Films. Angefangen beim Stilmittel der Schwarz-Weiss Optik in der heutigen Zeit (die unterstreichen, dass die Erinnerungen noch immer äußerst lebendig sind) über die opulenten Landschaftsaufnahmen bis hin zur den Leistungen der Darsteller; vor allem in Bezug auf die erschreckende Glaubwürdigkeit des Porträts der Pflegefamilie – die investierten Mühen haben sich in diesem Fall definitiv ausgezahlt. Nicht zuletzt dem Soundtrack sollte eine gesonderte Erwähnung vorbehalten werden – der sich eher stiller und emotionaler Elemente bedient, und das Geschehen akkurat unterstreicht. Ein sehr gutes Zeichen ist sicher auch, wenn man geneigt ist der Filmmusik bis zum Ende des Abspanns zu lauschen; wofür sich hier eine perfekte Gelegenheit bietet.

Fazit: DIE BESTE MUTTER ist nicht nur ein Kriegs-Drama, sondern auch eine Filmperle die es in sich hat – eben weil man eher behutsam vorgeht und das Geschehen umso greifbarer erscheinen lässt. Sicher sind Filme über den Zweiten Weltkrieg immer etwas besonderes und entziehen sich zumindest teilweise einer Bewertung, nicht zuletzt als Versatzstücke einer allgemeinen Aufarbeitung – und doch kann man sich durchaus vergreifen; inhaltlich wie stilistisch. In diesem Fall jedoch stehen die Zeichen klar auf grün – dieses gleichermaßen nostalgische wie zeitlose Kleinod sollte man gesehen haben. Erst Recht wenn man Wert auf ausgefeilte Charakterporträts mit entsprechenden darstellerischen Leistungen legt, und auf eine gewisse inhaltliche Schwere aus ist.

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„Eine etwas andere, wichtige Ansicht auf die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges.“

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