Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Insidious – Chapter 2“ (2013)

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Originaltitel: Insidious – Chapter 2
Regie: James Wan
Mit: Patrick Wilson, Rose Byrne, Barbara Hershey u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 106 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Insidious | Insidious 2 | Kind | Junge | Vater | Bessessen | Dämon

Der letzte Horror-Ausflug von James Wan.

Kurzinhalt: Nachdem Josh es mithilfe des Mediums Elise (Lin Shaye) geschafft hat, seinen Sohn Dalton (Ty Simpkins) sowohl aus den Fängen eines Dämons als auch einer Art Schattenwelt zu befreien, wiegt sich die Familie vorerst in Sicherheit – auch wenn Elise bei der obskuren Rettungsaktion ihr Leben verloren hat. Da aber auch die Polizei an den Geschehnissen im Haus der Lamberts interessiert ist, muss die Familie für die Zeit der Untersuchungen ausziehen. Und so werden die fünf vorübergehend von Josh’s Mutter Lorraine (Barbare Hershey) aufgenommen – die der Familie in den schweren Zeiten gerne zur Seite steht. Doch es scheint, als hätten sich die Probleme noch längst nicht in Luft aufgelöst: auch in der neuen Umgebungen scheint die Familie eine dämonische Präsenz heimzusuchen. Besonders Dalton ist abermals enorm empfänglich für die ersten Anzeichen, doch ist es diesmal sein Vater Josh mit dem etwas nicht zu stimmen scheint. Nicht nur, dass es ihm körperlich immer schlechter geht – auch sein seelischer Zustand bereit seiner Frau Sorgen, und macht nicht zuletzt den Kindern Angst. Was auch immer in der Schattenwelt passiert ist – es ist noch nicht vorbei

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Nach dem durchschlagenden Überraschungserfolg in Form des Verkaufsschlagers INSIDIOUS (2010, Review) und der von vielen hochgelobten Schauer-Mär THE CONJURING (2013, Review) holt James Wan, seines Zeichens der eigentliche Schöpfer der SAW-Reihe; erneut zum Horror-Rundumschlag aus. Tatsächlich scheinen viele der Projekte, derer sich der 37-jährige Amerikaner annimmt; von einem gewissen Erfolg gekrönt zu sein. Sowohl der Faktor der Produktionskosten im Vergleich zu den Einspielergebnissen als auch die Reaktionen der Kritiker und Zuschauer sprechen hier schließlich fast ausnahmslos für sich. Und auch wenn er das Genre dabei nicht gänzlich neu erfindet, scheint er schlicht einen bestimmten Nerv getroffen; in letzter Zeit eher vernachlässigte Wünsche der Zuschauer erhört zu haben. Sowohl der erste Teil des SAW-Franchise, als auch INSIDIOUS und THE CONURING sind schließlich keine Horrorfilme, die man heutzutage noch als typisch bezeichnen könnte. Weder fließt literweise Kunstblut, noch gibt man sich in schier voyeuristischer Manier der Qual und Pein der Protagonisten hin – vielmehr gelten die Prinzipien der guten alten Horror-Schule, die zu einem großen Teil auf eine möglichst dichte Atmosphäre setzt. Eine Atmosphäre, die einerseits zum Schneiden dicht ist und dem Zuschauer das Fürchten lehrt – die andererseits aber aus vergleichsweise geringen Mitteln und mit kleinen, dafür umso geschickteren Kniffen generiert wurde.

Und so war und ist auch INSIDIOUS ein solches, man nenne es klassisch inspiriertes Horrorwerk – eines, das aus gut platzierten Schockmomenten, einer intensiven Geräuschkulisse und allerlei für das Genre altehrwürdigen Maßnahmen besteht. Mal knarrt eine Tür hier, mal erklingen Töne dort wo sie nicht erklingen sollten, mal huscht etwas unbekanntes durch das Bild –  allein durch den gelungenen Einsatz dieser Elemente setzte James Wan Maßstäbe; oder erweckte sie besser gesagt wieder zum Leben. Doch nicht nur die gelungene handwerkliche Arbeit war es, die INSIDIOUS so auszeichnete. Auch die zunächst altbacken wirkende Grundidee mitsamt Besitz-ergreifender Dämonen und einer mysteriösen Geister- respektive Zwischenwelt sorgte durch die gelungene und nicht zuletzt mit einer eigenen Identität versehene Inszenierung für ein Aufhorchen. Dass ein zweiter Teil folgen würde, war somit eigentlich abzusehen – sowie sicherlich auch, dass eben diese Tatsache für die gemischten Gefühle verantwortlich ist, die nun bei der Verköstigung von INSIDIOUS 2 auftreten könnten.

Schließlich ist zu befürchten, dass das Franchise auch in Zukunft noch weiter ausgeschlachtet werden wird – ähnlich wie bei SAW auf dem Rücken eines qualitativ guten bis überragenden ersten Teils, dessen Nachfolger sich entweder nur noch wiederholen oder immer abstruser werden. Und tatsächlich: einer dritter INSIDIOUS-Teil ist bereits angekündigt, der diese Parallelen nur noch bestätigt – James Wan selbst wird hier nämlich nicht mehr mit von der Partie sein. Mehr noch, er scheint vorerst genug zu haben vom Horrorgenre – sodass er vor allem mit dem vorliegenden INSIDIOUS 2 in Erinnerung bleiben wird. Welcher Qualität diese Erinnerung sein werden, das steht zur Diskussion – schließlich schnitt INSIDIOUS 2 hinsichtlich seiner Beliebtheit bei den Zuschauern schon wesentlich zwiespältiger ab.

Das wiederum dürfte hauptsächlich daran liegen, dass INSIDIOUS 2 je nach Facón sowohl als direkt an den ersten Teil anschließender Nachfolger, als auch als regelrechte Kopie des Originals betrachtet werden kann. Tatsächlich lässt sich im Endeffekt und bei näherer Betrachtung auch keine der beiden Möglichkeiten aus dem Weg räumen. Die im ersten Teil begonnene Handlung geht weiter, wird sogar um eine umfassende Entstehungsgeschichte erweitert – aber dennoch fühlt es sich nicht so an, als würde der Film einen völlig neuen Abschnitt behandeln. Zumal sich viele Elemente wiederholen: wieder geht es um zwielichtige Dämonen die mit aller Macht Besitz von Menschen ergreifen wollen, wieder bewegt man sich in der Schattenwelt (und muss aus dieser gerettet werden), wieder ist es ein Team von des öfteren albern witzelnden Übersinnlichkeits-Experten die die Szenerie auflockern. Die einzigen Unterschiede finden sich mitunter in Bezug auf die beteiligten Personen – so ist dieses Mal nicht der Sohn, sondern der Vater in der wohl misslichsten aller Lagen – und die inhaltlichen Auswüchse der Geschichte. So wird in INSIDIOUS 2 auch nicht an Erklärungen gespart – vieles wird aufgelöst, nur wenig bleibt unklar oder im Film-Sinne ein Mysterium. Auch diese Herangehensweise offenbart sowohl deutliche Vor- als auch Nachteile: es ist gut, dass sich James Wan Gedanken über sein Franchise-exklusives Handlungsuniversum macht und den Zuschauer auch mit allerlei Fakten versorgt. Andererseits geht so ein Teil der potentiellen Faszination verloren – wie so oft, wenn zu viele Fragen innerhalb von wenigen Minuten direkt beantwortet werden.

Überhaupt legt INSIDIOUS 2 ein recht rasches Tempo vor – wobei es dieses Mal klar die Nachteile sind, die überwiegen. Allein der Auftakt des Films wirkt trotz der Rückblenden (die auch Nicht-Kenner des ersten Teils bestens abholen) regelrecht hektisch und überhastet; wenn man nur aufmerksam genug zuschaut könnte man die eigentliche inhaltliche Offenbarung des Films nach einigen wenigen Minuten erahnen. Besonders im Mittelteil sind es dann aber doch wieder allerlei eher gestreckt wirkende Szenen, die die Szenerie dominieren – oftmals auch solche, die eher unnötig erscheinen und alles andere als originell wirken. Was James Wan im ersten Teil noch voll auskosten durfte – die Rückbesinnung auf frühere Tage des Horror-Genres – wirkt im direkten Nachfolger schon wieder deutlich abgenutzter. Wenn die Charaktere ständig Geräuschen hinterher jagen nur um danach wieder ihrem täglichen Handwerk nachzugehen, wenn schon wieder ein knisterndes Baby-Phone zum Einsatz kommt, wenn die dämonischen Präsenzen offenbar immer so vorgehen dass alle wichtigen beteiligten Haupt-Charaktere lange am Leben bleiben – dann merkt man, dass INSIDIOUS 2 einen Großteil seiner potentiellen Wirkungskraft einbüßt. Das größte Ärgernis des Films ist dann aber nicht einmal das Auftreten der witzelnden Experten (kurios: Ideengeber und Drehbuchautor Leigh Whannell spielt hier die Rolle des Specks); sondern vielmehr die erneute Reise in die Zwischenwelt.

Spätestens hier scheint sich James Wan deutlich verzettelt; respektive eher schlechten Ideen hingegeben zu haben. Das, was als großes, kaum greifbares Mysterium porträtiert werden sollte, verkommt hier zu einem merkwürdigen Rummelplatz für allerlei unentschlossene oder aus anderen Gründen festgehaltenen Seelen – eine Welt, in die man offenbar nach Belieben reisen kann wenn man nur ausreichend begabt ist. Sowohl die Übergänge von der realen in diese Seelenwelt wirken nun wesentlich weniger stimmig, als auch die Gestaltung an sich. Nicht zuletzt die ureigene und dezent abstruse Logik dieser Welt gibt dem Zuschauer schließlich reichlich Rätsel auf: wenn man als, man nenne es Zwischenseele derart leicht mit der realen Welt interagieren kann, müsste dann nicht so gut wie jeder von Geistern heimgesucht werden ? Jeder der stirbt, durchschreitet auf seinem Weg ins Jenseits diese Welt – und kann, wenn er sich dazu entscheidet; noch länger in ihr Verweilen ? Warum ist es möglich in der Zwischenwelt getötetet zu werden (auch noch unter Zuhilfenahme eher irdischer Methoden, wie im Falle des eigentlichen Dämons von INSIDIOUS 2) ? Kurzum: vieles wirkt hier etwas beliebig und wenig durchdacht – und sorgt für ein mindestens ebenso großes Fragezeichen wie die makabere Zeitreise des Hauptprotagonisten, der sich über die Schattenwelt selbst als Kind besucht. Sicher, das Interesse ist in Anbetracht solcher Elemente geweckt; doch letztlich gibt man dem Zuschauer entweder gar keine Anhaltspunkte (wie im Falle des zeitlichen Faktors), oder nur allerlei abstruse – sodass einem die Interpretationsfreude schnell wieder vergeht.

Was bleibt, sind die handwerklichen Aspekte des Films – die nach wie vor solide, aber schlussendlich deutlich verbrauchter wirken als noch im ersten Teil. Insbesondere die für das Genre typischen Elemente schneiden hier schlecht ab – viele der Schockmomente wirken aufgesetzt und sind teilweise direkt vorherzusehen. Was auch am Soundtrack liegt, der grundsätzlich als stimmig zu bezeichnen ist; aber stets auf die nächste Überraschung hinweist. Optische Raffinessen gibt es keine, aber immerhin sind Kameraführung und Schnitt gelungen – eben weil man sich eher bodenständig gibt. Das hat aber auch zur Folge, dass die Szenerie überschaubar bleibt – und einstweilen auch etwas steril wirkt, besonders in Bezug auf die Zwischenwelt. Lediglich die Leistungen der Darsteller kann man ausnahmslos loben. Hier gibt sich niemand die Blöße, und mit Ausnahme der Ehefrau des Hauptcharakters Josh (gespielt von Rose Byrne) haben alle ihre Momente und entwickeln einen gewissen Charme.

Fazit: INSIDIOUS 2 ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein verdammt zweischneidiges Schwert. Einige Ideen sind gut und sinnig, andere dagegen überhaupt nicht; während auf der technisch-handwerklichen Seite die allgemeine Bodenständigkeit auf der einen, und die schiere Wiederholung von Genre-typischen Elementen auf der anderen Seite für gemischte Gefühle sorgen. Anders gesagt: alle Vorteile des Films lassen sich schnell durch einen damit zusammenhängenden Nachteil schmälern. Beispiele dafür gibt es zuhauf, wie in Bezug auf die inhaltlichen Erläuterungen und Ausführungen. Sie sorgen zunächst dafür, dass man nur noch tiefer in den Kosmos von INSIDIOUS eintauchen kann und will; doch später und mit der stark entmystifizierten Darstellung der Seelenwelt verkehren sich diese Elemente wieder ins Gegenteil. Nicht zuletzt die Erweiterung der Geschichte (um eine Vergangenheit und wie im Finale angedeutet auch Zukunft) ist mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu betrachten: es ist schön, dass man dem Zuschauer auch gewisse Hintergründe näher bringt, auch wenn sie nicht immer Sinn ergeben. Immerhin zeigt es, dass man sich entsprechende Gedanken gemacht hat. Es ist aber bedenklich, wenn man sich schon wieder so weit aus dem Fenster lehnt dass so gut wie alles möglich – in Bezug auf potentielle Sequels, Prequels und vielleicht auch Spin-Offs versteht sich. Vielleicht hat James Wan also genau die richtige Entscheidung getroffen, indem er das sinkende Schiff rechtzeitig verlässt… Teil 2 des Franchise kann im großen und Ganzen noch überzeugen, ist aber längst nicht mehr so durchschlagend wie der erste INSIDIOUS.

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„Hoffentlich wird das kein Fall ins bodenlose.“

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