Filmkritik: „96 Hours 2“ (2012)

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Originaltitel: Taken 2
Regie: Olivier Megaton
Mit: Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 91 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Thriller
Tags: Istanbul | Verfolgungsjagd | Rache | Rächer | Familie | Entführung

Mit diesem Herrn sollte man sich besser nicht anlegen.

Kurzinhalt: Eigentlich hatte der frühere CIA-Topagent Bryan Mills (Liam Neeson) geglaubt, sich nach den dramatischen Ereignissen um die Entführung seiner Tochter Kim (Maggie Grace) mal ein wenig zurücklehnen zu können. Doch währt die Ruhe, die er als Leibwächter eines Scheichs aus Istanbul genießt; nicht lange – ein Vater eines damals von Bryan getöteten Entführers erscheint auf der Bildfläche um Rache für den Tod seines Sohnes zu nehmen. Kurzerhand plant er, die gesamte Familie von Bryan zu entführen und später zu töten – und somit nicht nur seine Tochter, sondern auch seine Frau Leonore (Famke Janssen) und ihn selbst. Glücklicherweise kann sich seine Tochter jedoch einer Gefangennahme entziehen – vorerst. Über ein verstecktes Mobiltelefon nimmt der nunmehr an ein altes Rohr gefesselte Bryan Kontakt mit seiner Tochter auf und lotst sie mit einigen Tricks zu dem Versteck der Entführer. Dadurch gelangt er an eine Waffe – und beschließt, den Spieß ganz schnell umzudrehen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Sie war ein echter Überraschungserfolg – jene actionreiche Entführungs-Story von Luc Besson, die im Jahre 2008 von Regisseur Pierre Morel auf die große Leinwand gebracht wurde. Die Rede ist natürlich von 96 HOURS, der sich als rasanter Action-Thriller insofern von der Konkurrenz abhob, als dass man mit Liam Neeson auf einen eher ungewöhnlichen Titelhelden setzte. Einen, dem man aufgrund seiner schieren Unbesiegbarkeit zwar ebenfalls einen gewissen Superhelden-Status unterstellen müsste, der aber dennoch nahbar wirkte und aus absolut nachvollziehbaren Motiven handelte.

Doch alsbald folgte die Überraschung: das Projekt 96 HOURS sollte plötzlich doch nicht mehr an dieser Stelle enden. So ist das eben, wenn sich etwas gut verkauft – scheinbar aus der Luft gegriffene Sequels sprießen immer dann aus dem Boden, wenn die Zuschauerzahlen und im besten Fall auch noch die Kritiken stimmen. Leider verschmäht man es dabei nur allzu oft genau hinzuschauen, ob sich das entsprechende Material auch tatsächlich für ein Sequel eignet – wie im Falle der vorliegenden Fortsetzung eines eigentlich abgeschlossenen Films wie 96 HOURS. Schließlich macht man mit dem Sequel, und das wird recht schnell offenbar; im Grunde nichts anderes als den Vorgänger zu kopieren. Sicher gibt es dezente Unterschiede in Bezug auf das Grundgerüst der Handlung – doch wenn man ehrlich ist, macht es eigentlich keinen allzu großen Unterschied wo das Ganze spielt, wer hier nun genau entführt wird und welche Kollateralschäden entstehen. Schließlich ist es auch dieses Mal allein an Ex-CIA-Agent Bryan Mills für eine Bereinigung der Situation zu sorgen; und das mit enorm blutigen – aber perfiderweise gerecht erscheinenden – Mitteln.

Möglich macht das vor allem die recht krude Auslegung von amerikanischen Wertvorstellungen: solange ein US-Bürger für sich und seine Familie einsteht, ist grundsätzlich alles erlaubt. So lässt 96 HOURS 2 auch kaum ein Klischee aus, neigt zur Verunglimpfung einzelner Volksgruppierungen – und fühlt sich im Endeffekt einfach nur verdammt stumpfsinnig an. Beinahe kurios erscheint dann, dass man offenbar gar nicht erst versucht über etwaige inhaltliche Schwächen hinwegzutäuschen oder den Zuschauer für andere potentielle Stärken des Films zu sensibilisieren – zahlreiche Logiklöcher, wenig geistreiche Einfälle ohne entsprechende Konsequenzen (wie etwa die Ortung anhand von in einer Stadt detonierenden Granaten) und eine schier schludrige handwerkliche Arbeit lassen kaum Zweifel aufkommen, dass man sich mit 96 HOURS 2 einer dreisten Ausschlachtungs-Strategie hingibt.

Ein weiterer dezenter Hinweis darauf ergibt sich aus der Neubesetzung des Regie-Postens: für Pierre Morel kam Olivier Megaton, der sich durch seine Arbeiten an Projekten wie HITMAN oder TRANSPORTER 3 offenbar perfekt für das Projekt 96 HOURS 2 zu eignen schien. Das Ergebnis ist ein entsprechendes: rasante Action-Sequenzen finden sich zwar zuhauf, doch ein Festmahl für die Augen sieht anders aus. Überbordernd hektische Schnittfolgen, unpassende Zooms und anstrengende Kamerafahrten berauben den Film schnell einer jeden nachhaltigen Ästhetik. Kurios: selbst der übereifrige, viel zu theatralische Soundtrack könnte eher für den ein oder anderen unfreiwilligen Lacher sorgen, als dass er das Gezeigte atmosphärisch untermauern würde. Somit bleibt es beinahe allein an den Darstellern zu retten, was zu retten ist – wobei aber nur Liam Neeson eine akzeptable Figur macht. Das liegt hauptsächlich daran, dass ihm ein gewisser Charme nicht abhanden kommt – und er seine quasi-Superheldenrolle gerade noch glaubwürdig genug verkörpert. Dementsprechend sehen so gut wie alle anderen Beteiligten relativ blass gegen ihn aus – was nicht zwangsläufig an den verpflichteten Darstellern, aber doch ihrer Rollenzuweisung und -Gestaltung liegt. Insbesondere die Gegenspieler sind hier nicht zu mehr imstande denn als plumpe Schiessbudenfiguren zu agieren.

Fazit: Dass ein Film wie 96 HOURS 2 überhaupt existiert, ist schade – und das nicht nur, da man damit den recht guten Eindruck des eigentlich abgeschlossen Vorgängers wieder schmälert. Besonders nachdenklich stimmt schließlich, dass ausgerechnet ein Name wie Luc Besson hinter einer Produktion wie dieser steht – was sicher zu einem größeren kommerziellen Erfolg führt, sich aber nicht allzu positiv auf dessen Ansehen als Drehbuchautor und Filmemacher auswirken sollte. Zu Recht – denn wie es scheint ist bereits ein weiterer Nachfolger geplant; was mehr sagt als tausend Worte. Spätestens 2015 wird man also schon über 96 HOURS 3 freuen können – und danach… ? Wer weiß das schon. Klar ist nur, dass bereits HOURS 2 ein filmisches Fiasko ist. Wer auf pure Haudrauf-Action mit einer automatisch mitgelieferten Rechtfertigung (im Sinne des perfekten, für seine Familie einstehenden US-Bürgers) aus ist, ein erhöhtes Maß an Hektik verkraftet und sich nicht an geradezu trashig anmutenden Ideen in einem auf bierernst getrimmten Film stört – der könnte mit 96 HOURS 2 gerade noch so seine kurzweilige Freude haben.

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„Die absehbare Folge einer immer gravierenderen Sequel-Flut.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „96 Hours 2“ (2012)

  1. Prometheus 15 Okt 2014 / 04:17

    Ich finde es schade, dass man so einen Film zu einem Franchise ausbaut und es soweit ausmelkt, bis es seinen Reiz verliert, unnötig peinlich wird und keinen mehr interessiert, dabei fand ich den ersten Film ganz gut.

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