Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: ALBERTO RIONDA’S ALQUIMIA – ALQUIMIA (2013)

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Alben-Titel: Alquimia
Künstler / Band: Roberto Rionda’s Alquimia (mehr)
Land: Spanien
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Mutus Liber

Alben-Lineup:

Rubén Lanuza – Bass
Leo Duarte – Drums
Alberto Rionda – Guitars
Chez García – Keyboards
Israel Ramos – Vocals

Track-Liste:

1. Mutus Liber (01:40)
2. El Lobo y el Arca (07:25)
3. Dama Oscura (05:43)
4. La Cuna de Arce (06:09)
5. La Penitencia del Noble (05:19)
6. Divina Providencia (05:36)
7. Claro de Luna (07:11)
8. Lagunas de Sal (05:21)
9. Aliento (04:41)
10. La Fuente Dorada (06:26)
11. Sacrificio (04:56)
12. La Morada del Alquimista (07:19)
13. Cábala XIII (02:41)

Von jetzt an gibt es nur noch eine wichtige Band mit dem Namen ALQUIMIA.

Es war einmal eine Band, die auf den Namen ALQUIMIA hörte… eine (noch) schwammige Aussage, gibt es aktuell zumindest vier Bands, die sich diesen Namen teilen. Und so scheint es mehr als schlüssig, dass sich der Gründer jener heute behandelten Band zwecks ausreichender Unterscheidungsmöglichkeiten im Bandnamen verewigt hat. Alberto Rionda heißt der gute Mann und Gitarrenspieler, der sich bis dato vor allem durch seine Mitarbeit in der traditionellen Metal-Band AVALANCH einen Namen machte. Die gilt jedoch als so gut wie aufgelöst, sodass er sich seinen Kollegen Chez García (Keyboard) schnappte und eine neue Band gründete. Eine Möglichkeit offenbar auch für zwei Mitglieder der ebenfalls pausierenden Band AMADEÜS, Israel Ramos (Leadgesang) und Rubén Lanuza (Bass) – der Neuzugang Leo Duarte komplettiert das Quintett durch seine Position am Schlagzeug. Obwohl die Band erst im Jahre 2013 gegründet wurde, folgte das vorliegende Erstwerk ALQUIMIA bereits kurze Zeit später – offenbar scharrten alle Beteiligten schon mit den Hufen, und wollten so schnell wie möglich wieder der von ihnen geliebten Musik widmen, wenn auch unter anderer Flagge. Und: auch wenn man zumindest in Bezug auf den Albentitel etwas mehr Fantasie hätte spielen lassen können, so beweisen ALBERTO RIONDA’S ALQUIMIA schnell, dass die schnelle Veröffentlichung des Albums die absolut richtige Entscheidung war.

Schließlich klingt das Album nach allem, nur nicht nach Belanglosigkeiten oder schnell herunterproduziertem Material. Im Gegenteil, das Debüt tönt überraschend aussagekräftig und wirkt daher auch ein wenig wie eine Kampfansage; mindestens aber wie ein energischer Vorstellungsgruß an alle etablierten Genrebands. Frei nach dem Motto schaut her, uns gibt es nicht nur; wir können auch locker mit euch mithalten wird ein explosives Genrefeuerwerk abgeliefert, welches vor allem Fans eines melodischen Power Metals zufriedenstellen sollte. Bereits das klassisch aufgemachte, Soundtrack-artige Intro lässt vermuten, dass hier etwas großes auf den Hörer zukommen könnte – und tatsächlich, auch im folgenden wissen sich ALQUIMIA schnell zu profilieren. Vor allem aber scheinen sie gezielt ihre Stärken auszuspielen; sodass vor allem Alberto Rionda’s hervorragende Arbeit an der Gitarre zur Geltung kommt. Doch brauchen sich die anderen Mitglieder kaum hinter ihrer Galionsfigur verstecken – vor allem Leadsänger Israel Ramos hinterlässt einen sehr guten Eindruck. Einen äußerst energischen noch dazu – man merkt einfach sofort, dass er eine große Portion Herzblut in seine Darbietung hineinbringt. Von der ultraklaren Aussprache über das perfekte Timing bis hin zur angenehmen Intonation, stimmt hier einfach alles.

Ein potentieller Knackpunkt des Albums ist jedoch dessen recht lange Spielzeit. Zieht man das Intro und Outro ab, so bleiben noch immer knapp 65 Minuten reines Material, recht gleichmäßig auf 11 Titel verteilt. Man könnte zumindest vermuten, dass sich hier an der ein oder anderen Stelle ein wenig Gleichförmigkeit eingeschlichen hat – doch das ist im Grunde nicht der Fall. Denn immer wenn das Album droht gefühlt etwas abzusacken, serviert man dem Hörer eine mehr als zufriedenstellende Hymne – wie zu Beginn etwa LA CUNA DE ARCE. Die legt dann die Messlatte wieder etwas höher; doch auch die folgenden Nummern können durchweg begeistern, wie etwa das kraftvolle LA PENITENCIA DE NOBLE. Ganze allgemein beweisen ALQUIMIA, dass sie in vielerlei Hinsicht ein Händchen haben – sei es für überaus wirksame, fesselnde und unverbraucht klingende Refrains; für die Implementierung kongenialer Soli, für lebendige Stimmungs- und Atmosphärenwechsel, für ein Höchstmaß an Abwechslung bei gleichbleibender Stilsicherheit. Ebenfalls erwähnenswert erscheint die allgemein reich ausstaffierte Instrumentalkulisse, die eben nicht nur aus den typischen Metal-Elementen besteht. ALQUIMIA setzen vermehrt auf den Einsatz des Keyboards – was aber nicht stört, im Gegenteil.

Und so wird selbst aus stark balladesk angehauchten Nummern wie DIVINA PROVIDENCIA oder CLARO DE LUNA ein waschechtes, emotionale Schau- bzw. Hörspiel. Man weiss nicht, in wie weit das gerne erwähnte spanische Feuer hier eine Rolle spielt – doch wirken diese dezent auf Herzschmerz abzielende Balladen hier wesentlich effektiver als bei vielen anderen (englischsprachigen) Kollegen; auch wenn man sich die Mühe macht und die Texte übersetzt. Speziell gegen Ende des Albums wird dann noch einmal richtig aufgedreht – hier reiht sich die eine Hymne an die nächste. Der absolute Höhepunkt wird dann vermutlich mit dem Über-Titel LA MORADA DEL ALQUIMISTA – eine Hommage an den europäischen Power Metal und noch so viel mehr – erreicht.

Fazit: Mit fremdsprachigen Alben und damit einhergehenden potentiellen Sprachbarrieren ist es ja immer so eine Sache. Ist es ? Manchmal vielleicht – doch die von Alberto Rionda gegründete Band ALQUIMIA vermag es schnell, etwaige dahingehende Zweifel zu beseitigen. Einmal mehr zeigt sich, dass der Heavy Metal eines der universellsten Musikgenres überhaupt ist; und es nicht immer eines wortgenauen lyrischen Verständnisses bedarf, um ein Album in seiner Gesamtheit zu begreifen. Was für ein Schlachtruf, was für ein Album – in der Geschichte des Power Metals wurde selten ein so überzeugendes Debüt abgeliefert. Gut, das ist vielleicht nicht ganz fair, schließlich konnten die Mitglieder (fast) alle auf eine recht ansehnliche Erfahrung zurückgreifen – aber dennoch. Eine absolute Empfehlung.

Anspieltipps: LA CUNA DE ARCE, LA FUENTA  DORADA, LA MORADA DEL ALQUIMISTA

Vergleichsbands: DARK MOOR | DRAGONFLY | DIGNITY

90button

„Wenn dieses Album nicht das berühmt-berüchtigte spanische Feuer beschreibt, welches dann ?“

3 replies »

  1. Ja, das 2. Album kenne ich selbstverständlich auch schon, immerhin hatte ich dem ein ganzes Jahr entgegengefiebert 😉 Allerdings kann mich das als Ganzes nicht so fesseln wie das erste Album. Eine Hälfte ist sehr stark geworden und übertrifft teilweise das erste Album, die andere Hälfte finde ich leider nur mäßig, weshalb es im Gesamtergebnis hinter dem ersten zurückbleibt. Aber das ist ja oft so, dass das erste Album, mit welchem man die Band kennen- und lieben lernt und es zudem noch sehr stark ist, sich schwer toppen lässt, weil der erste Eindruck einen so dermaßen hinhaut.

    Wer sich mit den spanischen Bands auskennt, für den ist es empfehlenswert, wer die alten Avalanch-Sachen und deren Ableger Warcry mag. Oder anders gesagt: Wer diese Scheibe liebt und auf spanischen Power Metal abfährt, dem seien einige Avalanch und Warcry Alben nahegelegt. Die Bands verhalten sich zueinander wie etwa Helloween, Gamma Ray und deren Ableger.

    Gefällt 1 Person

  2. Super! Ich dachte, ich wäre der einzige in Deutschland, der diese Scheibe kennt. Eine der besten Power-Metal-Alben der letzten Jahre! Schade, dass diese Band hier kaum bekannt ist… Sie könnte hier viel erreichen…

    Gefällt 1 Person

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