Filmkritik: „Kabluey“ (2007)

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Originaltitel: Kabluey
Regie: Scott Prendergast
MitScott Prendergast, Lisa Kudrow, Teri Garr u.a.
Land: USA
Laufzeit: 86 Minuten
FSK: Noch nicht geprüft
Genre: Drama / Komödie
Tags: Nanny | Familie | Alleinerziehend | Schräg | Vaterfigur | Söhne | Mutter

Da sieht einer blau.

Kurzinhalt: Leslie (Lisa Kudrow) hat es als Mutter ihrer beiden quirligen Kinder Cameron (Cameron Wofford) und Lincoln (Landon Henninger) nicht leicht. Ihr Mann ist Soldat und über längere Zeit im Irak stationiert, sodass sie alle im Alltag auftretenden Probleme allein bewältigen muss. Obwohl sie eine starke Frau ist, fällt ihr das immer schwerer – sodass eine Notlösung in Form einer Nanny in Betracht zieht. Doch wie sollte sie eine solche bezahlen ? Eines Tages jedoch erhält sie einen Wink des Schicksals – personifiziert durch den kauzigen Bruder ihres Mannes, Salman (Scott Prendergast). Sie entschließt sich, ihn als Nanny zu beschäftigen – doch hat einige Zweifel, da Salman nicht gerade mit beiden Beinen im Leben steht. Doch nach und nach entwickelt sich ein gegenseitiges Vertrauen… und Salman scheint die Aufgabe doch besser zu meistern als anfangs gedacht. Wie passend, dass er dann auch gleich noch einen weiteren Job findet – als seltsam anmutendes Firmenmaskottchen einer noch seltsameren Firma.

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Das Leben kann verdammt hart sein…

Kritik: KABLUEY ist alles – nur kein gewöhnlicher Film. In Anbetracht der eher simplen Grundidee und den teilweise nur schleppend vorankommenden, verdächtig unspektakulären Szenen könnte man zunächst schlimmes befürchten – doch es gilt, sich voll und ganz auf das unkonventionelle Werk von Scott Prendergast einzulassen. So wird man schnell gefangengenommen von einem eigentümlichen, aber doch angenehmen Unterton – der die volle emotionale Bandbreite eines Familiendramas mit der Lockerheit einer Komödie verbindet. KABLUEY ist demnach am ehesten als Tragikkomödie zu bezeichnen – eine, der ein Blick für das Besondere, Ungewöhnliche; letztendlich aber irgendwie doch vollkommen normale nicht abhanden kommt und den Zuschauer mit ihrem ungeheuren Charme in den Bann zieht. Es macht schlicht einen Heidenspaß, den schrägen Salman auf seiner Suche nach einem Arbeitsplatz zu begleiten – und ihn schon bald darauf in einer eher merkwürdig anmutenden Anstellung in Aktion zu sehen. Dass der Titel-gebende Antiheld in ein seltsames Kostüm schlüpfen muss und stets an einer einsamen Landstraße herausgelassen wird um seine Werbezettel zu verteilen, sind dabei nur zwei der geschickt inszenierten Merkwürdigkeiten im Film. Merkwürdigkeiten, die letztendlich alle einen unterschwelligen Sinn ergeben und im ganz eigenen Filmkontext ihre volle Wirkung entfalten können.

Das ist gleichzeitig auch der Clou des Films: er wirkt wie auf die Leinwand gebannte Poesie. Unterhaltsame, belustigende Poesie; die gleichermaßen schräg wie inhaltlich nachvollziehbar umgesetzt wird. Wenn Salman also einsam an der Straße steht; wegen des unbequemen Kostüms nicht einmal seine Flyer festhalten kann – weiß man als Zuschauer nicht so recht, ob man nun lachen oder weinen soll. Zu absurd wirkt die Lage, in der er sich befindet – beziehungsweise sich immer wieder selbst hineinbugsiert. Doch auch die Wandlung der einsamen, blauen Firmenfigur ohne Identität hin zum angeheiterten Familien-Clown auf einer Kinderparty und als geheimer Rächer stellt Scott Prendergast stets nachvollziehbar dar – ohne sich dabei jemals stilistisch zu vergreifen. Das schöne oder auch markante ist, dass jener Scott Prendergast in diesem Fall nicht nur die Regie führte – sondern auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernahm – und seine Fähigkeiten als filmisches Allround-Talent so bestens unter Beweis stellen konnte. Auch die anderen Darsteller, allen voran Lisa Kudrow als verzweifelte Mutter, liefern hier durchweg überdurchschnittliche Leistungen ab. Eine positive Bemerkung müssen dann auch noch die gut ausgewählten, stimmig inszenierten Schauplätze und Kulissen erhalten – beispielsweise das furchteinflössende Gebäude der Firma. Gepaart mit den Kleinstadtaufnahmen, der soliden Kameraführung und dem unspektakulären, aber doch zweckdienlichen Soundtrack ergibt sich so ein technisch rundum zufriedenstellendes Gesamtbild.

Fazit: KABLUEY ist ein überraschend solide, substanzielle Tragikkomödie über einen etwas anderen jungen Mann, der sich als temporärer Schutzengel und Begleiter für eine Kleinfamilie einsetzt. Überraschende Wendungen, kleinere Nebenstorys mit hohem Unterhaltungswert (der Job, die Geburtstagsparty, das Fremdgehen), tolle Darsteller und ein rundum gelungenes technisch Gesamtbild machen diese US-Amerikanische Low-Buget Produktion zu einem echten Geheimtipp – die einzig mit einem eher schwachen Ende enttäuscht. Für Fans und Freunde des unkonventionellen, schrägen – aber keinesfalls gehaltlosen. Weniger ist manchmal eben mehr.

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„Familiendrama mal anders“

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