Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Paranormal Activity 4“ (2012)

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Originaltitel: Paranormal Activity 4
Regie: Henry Joost, Ariel Schulman
MitKatie Featherston, Kathryn Newton, Spraque Grayden u.a.
Land: USA
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: Ab 16
Genre: Horror
Tags: Paranormales | Dämonen | Besessen | Kinder | Hunter | Junge

Da fühlen sich selbst die Dämonen gelangweilt.

Kurzinhalt: Nachdem die offenbar besessene Katie (Katie Featherston) die Familie des kleinen Hunter restlos ausgelöscht und selbigen entführt hat, ist sie für einige Jahre von der Bildfläche verschwunden. Doch nun setzt sich der Spuk in einer auf den ersten Blick unbeteiligten, 5-köpfigen Familie fort – einer Familie, wie sie im US-Amerikanischen Bilderbuch steht. Vor allem die Tochter der Familie, die 15-jährige Alice (Kathryn Newton) sowie ihr Freund Alex (Matt Shively) bemerken, dass seit dem Einzug einer neuen Nachbarin allerlei merkwürdiges um sie herum passiert. Die Lage spitzt sich erstmals zu, als der sich seltsam verhaltende Nachbarsohn Robbie (Brady Allen) für einige Tage in die Obhut der Familie gegeben wird – da die Mutter angeblich für einige Tage ins Krankenhaus muss. Robbie freundet sich schnell mit dem gleichaltrigen Wyatt (Aiden Lovekamp) an, was besonders die Eltern freut – doch Alice weiß, dass hinter all dem mehr stecken muss. Nur was, das können weder sie noch ihr Freund benennen. Und so installieren sie einige versteckte Kameras, um vielleicht doch noch einen Beweis für das übernatürliche Treiben zu erhalten.

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Kritik: Auf geht’s in die nächste Runde der in Filmform festgehaltenen paranormalen Aktivitäten. Der mittlerweile vierte Teil des 2007 durch Regisseur und Drehbuchautor Oren Peli bekannt gewordenen Franchise führt die Erzählung um einen seltsamen Dämonen-Kult fort – und beleuchtet abermals das Privatleben einer nach außen hin perfekt funktionierenden Familie, die auf mysteriöse Weise mit einem Fluch und / oder Kult in Verbindung gebracht wird. Der vierte Teil schließt dabei jedoch nicht an den dritten an, der als Rückblick auf noch frühere Ereignisse ausgelegt war – sondern an den zweiten, der mit der Entführung des kleinen Hunter endete. Wer indes glaubt, eine nahtlose Erzählung serviert zu bekommen, der wird enttäuscht: zwischen den beiden Filmen liegen inhaltlich fünf Jahre; sodass abermals enorme erzählerische Lücken entstehen und viele Fragen unbeantwortet bleiben.

Genau das ist auch das Problem, denn grundsätzlich scheinen sich die Macher hinter PARANORMAL ACTIVITY eine halbwegs interessante Story erdacht zu haben. Einer Story, von der man bis heute allerdings noch nicht viel zu Gesicht bekommen hat – schließlich streckt man die Handlung bewusst auf mehrere Teile, ohne dabei spezifischer zu werden. Der Zuschauer wird in Bezug auf etwaige Enthüllungen also immer wieder vertröstet – und letztendlich nur durch den bereits mit dem ersten Teil etablierten Suspense-Horror unterhalten. Das Niveau desselben flachte aber bereits mit dem zweiten Teil ab, zumal man die für das Franchise typischen Schock-Elemente schon bald im voraus erahnen konnte. Auch PARANORMAL ACTIVITY 4 gestaltet sich in dieser Hinsicht arg vorhersehbar – und fällt auch sonst vergleichsweise unspektakulär aus. Jene markanten Überraschungseffekte, die beim anfänglichen Ausspähen der stillen Szenenbilder durch die installierten Standkameras einst für Spannung sorgten, sind längst verpufft – da hilft es auch nicht, dass man den Zuschauer hier und da in die irre führt und etwaige Stillleben mal nicht mit einem großen Knall enden lässt. Das ist beileibe keine Re-Innovation des Suspense-Genres – sondern nur ein verzweifelter Versuch, dem Zuschauer überhaupt noch Überraschungen zu bieten.

Einzig die (neue) Idee mit den nur bei Inforatlicht sichtbaren Lichtpunkten einer Spielkonsole scheint in dieser Hinsicht (trotz Product Placement) gelungen – alles andere hat man so, oder zumindest in verdächtig ähnlicher Version bereits in den Vorgängerteilen gesehen. Mit dem kleinen, feinen und vielleicht auch ausschlaggebenden Unterschied dass jene Filme so gesehen unverbrauchter erschienen – und gleichzeitig eine dichtere Atmosphäre etablieren konnten. Spätestens im nunmehr vorliegenden PARANORMAL ACTIVITY 4 herrscht absoluter Franchise-Alltag, was entsprechende Ermüdungserscheinungen nach sich zieht. Doch während man bereits in Bezug auf die kaum ausgeführte Story, die altbekannten Grusel-Elemente und die immer gleiche Mechanik enttäuscht wird, scheinen sich die Macher selbst bei den wenigen verbleibenden Elementen verhaspelt zu haben. Besonders auffällig wird das, wenn es um die interne Film-Logik geht – die die meisten stupiden Hollywood-Actioner geradezu anspruchsvoll erscheinen lässt. Beispielsweise bleibt es absolut schleierhaft, warum die Teenager Alice und ihr offenbar Technik-begeisterter Freund Alex überhaupt Überwachungsvideos aufzeichnen – wenn sie die Aufnahmen ohnehin nur spärlich sichten, und sich mit niemanden darüber austauschen. Diese Merkwürdigkeit, und zahlreiche weitere nicht allein durch den ‚Fluch‘ zu rechtfertigende Verhaltensweisen der Charaktere lassen einen des öfteren die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Die teils heftigen und abrupten Schnitte dagegen sorgen für Frust – eine wohl beabsichtigte Maßnahme der Macher, deren Sinn sich allerdings nicht gänzlich erschließt. Anders gesagt: PARANORMAL ACTIVITY 4 gerät in vielerlei Hinsicht zu einem echten Ärgernis.

Fazit: Das war wohl nichts – dem PARANORMAL ACTIVITY-Franchise droht spätestens jetzt ein qualitativer Fall ins absolut bodenlose. Immerhin: die Reihe steht mit diesem Schicksal nicht alleine da; kann man derlei Entwicklungen häufiger bei Projekten beobachten, die auf drei oder mehr Teile ausgelegt sind. Man kennt es nur zu gut: einerseits streckt man die Handlung und bauscht sie künstlich auf (beispielsweise durch Rückblicke, denen gleich ganze Teile gewidmet sind) – doch andererseits kommt man inhaltlich einfach nicht voran; geschweige denn zum Kern des Ganzen. Natürlich immer gesetzt dem Fall, es ist überhaupt einer vorhanden – doch in diesem Fall wäre es den Machern gerade noch zuzutrauen. Leider besinnt man sich aber nicht auf potentiell gute und ausbaufähige Ideen, sondern setzt auf die immer gleichen, plumpen Schock-Effekte in bester Holzhammer-Manier. Das nervt verständlicherweise eher, als dass eine stimmige Grusel-Atmosphäre etabliert werden könnte. Besonders markant ist das, wenn man bereits die anderen Teile des Franchise kennt – doch selbst wenn nicht, kann PARANORMAL ACTIVITY 4 nicht einmal mehr als durchschnittlicher Horrorfilm bezeichnet werden. Ob man dabei die originale Kinofassung, oder aber die auf der Heimkino-Versionen enthaltene Unrated-Version ansieht, spielt dabei übrigens keine Rolle.

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„Ein fünfter und sechster Teil sind schon in Planung… Glück auf“

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