Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: AQUARIA – Luxaeterna (2005)

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Alben-Titel: Luxaeterna
Künstler / Band: Aquaria (mehr)
Land: Brasilien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Scarhorow

Alben-Lineup:

Fernando Giovannetti – Bass
Alberto Kury – Keyboards
Bruno W. Agra – Drums
Leandro Gomes (R.I.P. 2010) – Guitars
Rick Mour – Guitars
Vitor Veiga – Vocals

Track-Liste:

1. Aeternalux 02:30
2. And Let the Show Begin 07:30
3. Here Comes the Life 09:24
4. Spirits of Light 05:38
5. Humanity 08:08
6. Whispers and Pain of Mother Nature 06:30
7. Choice Time 06:45
8. Judgement Day 10:31
9. Your Majesty Gaia 07:03
10. Luxaeterna 04:06

Genau so muss die Entstehung des Universums geklungen haben.

Es war einmal im Jahre 2005… als eine bis dato relativ unbekannte brasilianische Bandcombo zum großen Schlag ausholte und ein höchst überraschendes Debütalbum das Licht der Welt erblickte. Ausgerechnet diese Formulierung könnte treffender nicht sein – schließlich geht es auf AQUARIA’s LUXAETERNA um nicht weniger als die Entstehung des Kosmos, der Erde und dem, was noch folgen sollte. Das klingt erst einmal nach viel Kitsch – doch hat die Band, die sich bis kurz vor der Veröffentlichung des Debütalbums UIRAPURU nannte, weit mehr erschaffen als ein vorschnell abzustempelndes Werk. 

Denn tatsächlich ist LUXAETERNA ein kleines Epos geworden, das viele markante Stärken offenbart. Jene finden sich bereits in Bezug auf die Produktionsqualität, die für ein Debüt überraschend satt und rundum wohlklingend ausfällt – was dem Album sehr zugute kommt. Schließlich kann man sich so – und wie es beabsichtigt war – voll und ganz auf die musikalische Reise einlassen, ohne etwaige störende Einflüsse wahrzunehmen. Viele andere Alben, die von Symphonic Power Metal-Bands stammen, bringen derlei Eigenschaften zumeist erst im späteren Release-Verlauf (und mit einem gestiegenen Bekanntheitsgrad) mit sich. Das heißt: entweder haben AQUARIA diesbezüglich wirklich alle Hebel in Gang gesetzt (und so lange gewerkelt und werkeln lassen bis alles perfekt klang), oder schlicht etwas Glück gehabt. Das alles wäre jedoch nur halb so schön, wenn das Album nicht noch mehr zu bieten hätte – und das hat es.

Denn eine weitere große Stärke der Band offenbart sich sogleich – das heißt, mit dem pompösen Opener AND LET THE SHOW BEGIN. Hier wird schnell deutlich, dass die einzelnen Mitglieder ihr jeweiliges Handwerk verstehen. Doch woher kommt das ? 4 der 6 Mitglieder scheint vorher tatsächlich nur in UIPARURU tätig gewesen zu sein, einer hatte gar keine derartige Vorbildung, Leadsänger Vittor Veiga war zumindest in der ebenfalls brasilianischen Combo ENDLESS tätig. In Anbetracht dessen muss man sich schon sehr wundern über die hier dargebotenen Leistungen – im positivsten Sinne, versteht sich. Eine Möglichkeit der Analyse besteht darin, den betrachtet den Zeitraum der letzten UIPARURU-Demo und LUXAETERNA zu betrachten. So kann man feststellen, dass zwischenzeitlich 3 Jahre vergangen waren – Zeit, die die Mitglieder offenbar eifrig genutzt haben, um weiter an ihren Fähigkeiten zu feilen. Das Ergebnis lässt sich dementsprechend mehr als hören: AQUARIA zeigen auf, wie gut ein Debütalbum klingen kann wenn man nur nichts überhastet und wirklich eine Menge Herzblut investiert.

Doch eine professionelle Produktion und handwerklich begabte Musiker sind eben nicht alles, wenn es um die Erschaffung eines großartigen Albums geht. Glücklicherweise beweisen AQUARIA aber auch in Sachen Songwriting ein außergewöhnliches Händchen, und gestalten die 10 vertretenen Titel (eigentlich 8, abzüglich Intro und Outro) zu einer wahren Entdeckungsreise. Die Kompositionen sind nicht nur vielschichtig, sondern auch abwechslungsreich – von der markanten Überhymne über die Entstehung der Erde (AND LET THE SHOW BEGIN) über eine naturbezogene, fast schon zu kitschige Ballade (WHISPERS AND PAIN OF MOTHER NATURE) bis hin zu eher apokalyptischen und vor Kraft strotzenden Brechern (CHOICE TIME) ist alles vertreten. Das besondere: AQUARIA gestalten ihren Symphonic Power Metal eher untypisch und alles andere als vorhersehbar. Es gibt zahlreiche Brüche und Breaks, etablierte Stimmungen und Geschwindigkeiten befinden sich in einem steten Wandel, man bewegt sich geschickt im Wechselspiel aus der geballten Kraft des Metal (Drums, Gitarren, Riffs) und eher symphonisch-opernartigen Passagen. Die Folge: so gut wie alle Titel wirken vergleichsweise pompös und mannigfaltig in ihrer Wirkungskraft.

Wirkungskraft – genau das ist auch das Stichwort, um auf die letztendliche Qualität des Albums zu schließen. LUXAETERNA ist endlich einmal wieder ein Album, welches den Hörer kaum kalt lassen wird – auch oder gerade wenn er schon (Hör-)Erfahrung im Bereich des Symphonic Power Metals gemacht hat. Ob man sich dabei im Detail auf die Lyrics einlassen wird, bleibt jedem selbst überlassen – sicher, einstweilen wirken sie etwas weit hergeholt, beziehungsweise so gestaltet, dass man gar nicht anders kann als Kitsch! zu schreien. Doch man kommt einfach nicht umher, AQUARIA das abzukaufen, was sie da machen – ob nun als aufstrebende Metal-Band aus Brasilien oder als Botschafter einer wie auch immer gearteten Entstehungsgeschichte. Eine Geschichte, die sich zwar grob am Christentum orientiert, aber textlich doch alles andere als aufdringlich daherkommt.

In Bezug auf die 8 vollwertigen Titel gibt es jedenfalls keine Ausfälle – mit Ausnahme der bereits erwähnten Ballade vielleicht; die dann doch etwas zu sehr auf die Tränendrüse drückt. Auch Sänger Vitor Veiga kratzt diesbezüglich schon hart an der Grenze des erträglichen; umso mehr freut man sich wenn er kurz darauf wieder zu voller Stärke findet. Das er etwas gefühlvollere Lagen dennoch beherrscht, kann man im Outro LUXAETERNA feststellen – welches nicht weniger als eines der besten Outros aller Zeiten ist (Einschränkung: in Bezug auf Symphonic Power Metal-Releases). Eine fabelhafte, verträumte Instrumentierung und die gute Idee mit der sich immer wiederholenden markanten Phrase (die übrigens auch auf der CD selbst zu finden ist, als netter Schriftzug der quasi in der ‚Unendlichkeit‘ verschwindet) sorgen für reichlich Gänsehaut. Man könnte noch so viel mehr hervorheben – wie etwa die markante, feucht-fröhliche Komposition aus YOUR MAJESTY GAIA – doch es gilt, sich selbst ein Bild von diesem zweifelsohne großartigen Release zu machen.

Fazit: LUXAETERNA ist ein kleines Kunstwerk geworden dem man nur allzu gerne lauscht; und das auch noch nach Jahren. Gesetzt dem Fall, man bringt eine gewisse Vorliebe für das Obergenre des Symphonic Power Metals mit – und hat keine Probleme mit einer zusätzlichen Priese Bombast und vielleicht auch Fröhlichkeit. Denn so ernst die behandelten Themen einstweilen sind – LUXAETERNA ist insgesamt ein eher beschwingtes, verträumtes, aufmunterndes Album. Ein technisch perfektes, inhaltlich ansprechendes, und verdammt ausdrucksstarkes noch dazu. Wer hier nicht zuschlägt, hat selbst Schuld.

Anspieltipps: AND LET THE SHOW BEGIN, CHOICE TIME, YOUR MAJESTY GAIA, LUXAETERNA

Vergleichbands: ANGRA | SYMFONIA

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„Schöpfungsgeschichte mal anders“

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