Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: CARDIANT – Verge (2013)

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Alben-Titel: Verge
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inverse Records

Alben-Lineup:

Erik Karhatsu – Vocals
Outi Jokinen – Vocals
Antti Hänninen – Guitar
Mikko Mänttäri – Bass & vocals
Marko Lindroos – Keyboards
Lauri Hänninen – Drums

Track-Liste:

1. Justice Turns into Revenge
2. Thought’s Inception
3. Heaven’s Calling
4. Ever Since
5. Believe
6. Beat of Heart
7. Love’s Not on My Way
8. Stranger in Me
9. Break Your Mind
10. While the Ice Is Cold

Viel, viel ruhiger als gedacht…

Aber auch unspektakulärer ? Doch beginnen wir vorne. Vorne heisst in diesem Falle in der früheren Bandgeschichte der Finnen – die ihre Bandgründung im Jahre 2000 zelebrierten. Der Grundstein ward gelegt – was folgte, waren 4 Demos; die die Fähigkeiten der talentierten Musiker erstmals aufzeigten. Erst 2005 folgte dann das erste offizielle Studioalbum der Band, MIDDAY MOON (Review) – jedoch nicht wie geplant mit Tuomas Helander als Sänger. Der hatte die Band zwischenzeitlich aus gesundheitlichen Gründen verlassen – sodass ein Session-Vocalist namens Janne Saksa für ihn übernahm. Die große Überraschung: das Album avancierte gerade dadurch zu einem echten Geheimtipp. Dann ging es weiter mit den etwas undurchsichtigen Besetzungswechseln: für die Promo 2006 holte man sich Sänger Tommi Salmela ins Boot, der sich auch mit der nächsten Promo aus dem Jahre 2007 quasi Hand in Hand mit Janne Saksa abwechselte. Das Problem: noch immer hatte man keinen festen Sänger – bei einer grundsätzlich starken und hoffnungsvollen Band wie CARDIANT ein echtes Problem. Selbiges löste sich erst 2008, als man den aufstrebenden Sänger Erik Karhatsu engagierte – der zuvor bei einer finnischen Version von American Idol mitmischte. Endlich hatten CARDIANT einen festen Sänger – der kurz darauf das zweite Studioalbum TOMORROW’S DAYLIGHT mit dem Rest der Band eingesungen hat. Nur: das Album war um Längen nicht so gut wie sein Vorgänger; ausgerechnet jenem Album, welches mit einem (temporären) Session-Musiker entstand.

Es vergingen wiederum 2 Jahre, bis sich CARDIANT mit der Single RAPTURE IN TIME zurückmeldeten – das war 2011. Die Nummer war nicht schlecht, auch wenn sie instrumentell stark an das Schaffen der ebenfalls aus Finnland stammenden CELESTY erinnerte. Gut also, dass man zusätzlich ein halbwegs gelungenes Musikvideo (Link) dazu drehte und etwas Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Es sollten wieder knapp 2 Jahre vergehen, bis VERGE erschien – das aktuelle, heiß erwartete und nunmehr dritte Studioalbum von CARDIANT. Dieses beinhaltet übersichtliche 10 Titel mit einer Gesamtspielzeit von knapp 47 Minuten – auf ein klassisches Intro und Outro wurde verzichtet. Dass die Finnen das unausgegorene Vorgängeralbum TOMORROW’S DAYLIGHT toppen könnten, war allemal abzusehen – doch mit der vor kurzem veröffentlichten Videosingle zu HEAVEN’S CALLING (Link) wurden die Erwartungen noch einmal um ein vielfaches hochgeschraubt. Eine derartige… Hymne hat es im Power-Metal-Jahr 2013 wahrlich gebraucht. Wenn auch nicht gänzlich neu, ist die Mischung aus klassischen Piano-Klängen und der voranpreschenden Kraft des Power Metal hier über viele Maßen beeindruckend ausgefallen. Überaus markant ist auch die Gegenüberstellung des dezenten weiblichen Gastgesangs und der schieren Urkraft von einem zu Höchstformen auflaufenden Erik Karhatsu – im Zusammenspiel mit der abwechslungsreichen Instrumentierung (mal etwas düsterer und a’la SHADOWS PAST, mal luftig-locker) entsteht so eine der poetisch gewaltigsten, aussagekräftigsten Power Metal-Titel des Jahres 2013.

HEAVEN’S CALLING ist daher auch nicht ohne Grund die erste markante Anlaufstelle des neuen Albums. Doch kommt die Nummer erst an dritter Stelle – zuvor soll der Hörer mit dem Opener JUSTICE TURNS INTO REVENGE und THOUGHT’S INCEPTION auf das Album vorbereitet werden. Das gelingt auch recht gut – wenngleich man sich gerade im Opener in vielerlei Hinsicht zurückhält. Bis auf die kurze, atmosphärische Instrumentalpassage und das grundsätzlich gelungene Riffing gibt es hier nicht wirklich etwas zu holen. Dieser etwas verhaltene Eindruck zieht sich auch durch den zweiten Titel – auch wenn das, was CARDIANT da machen, technisch längst perfekt ist. Aber eben auch etwas glattgeschliffen und – böse ausgedrückt – weichgespült. Eben jene Feststellung stellt sich im Endeffekt auch als Haupt-Knackpunkt des Albums heraus: auf ein bissiges Uptempo setzt man nur selten, oder genauer gesagt nur ein einziges Mal. Richtig, bei HEAVEN’S CALLING, der Videosingle. Aber: sollte eine Videosingle nicht immer auch ein wenig ‚Teaser‘ sein, und einen Eindruck vom zu erwartenden Alben-Inhalt geben ? Genau das ist HEAVEN’S CALLING aber nicht, wie manche zu ihrem Leidwesen feststellen werden. Alle anderen auf VERGE enthaltenen Nummern sind nicht nur deutlich langsamer, sondern auch wortwörtlich langatmiger und mit einem nicht immer erträglichen Herzschmerz ausgestattet. Die Kraft, die man sich von oder auf VERGE wünscht, gibt es nicht in Form von ausschweifendem Gesang, Tempo oder Druck serviert – sondern in Form einer verstärkten Emotionalität und Poesie.

Diese ist teilweise auch ergreifend und wirksam – doch wenn sich der eine wehleidige Titel an den nächsten reiht, kann das zu einem echten Problem werden. Seien es EVER SINCE, BELIVE oder BEAT OF HEART – stets wird ein reichlich balladesker Ton angeschlagen, der sich vor allem in den gesanglichen Darbietungen niederschlägt. Für ein wenig Härte sorgen lediglich die Gitarren – während ein allgemein anspruchsvoller, aber viel zu gleichförmiger Gesamteindruck vorherrscht. Richtig nervig wird es aber erst, wenn auf etwaige Halb-Balladen richtige Balladen folgen – wie LOVE’S NOT ON MY WAY. So glaubwürdig all der Herzschmerz auch klingen mag, so ergreifend er dargeboten wird – er ist nicht unterhaltsam und vielseitig genug, um über die Länge eines komplettes Album wirksam zu sein. Potentiell interessantere Nummern wie STRANGER IN ME zeigen auf, dass CARDIANT ruhig etwas vielseitiger agieren könnten – andererseits werden gerade hier Erinnerungen an das ebenfalls kürzlich erschienene DREAMTALE-Album wach, das qualitativ in einer ganz anderen Liga spielt. BREAK YOUR MIND ist dann glücklicherweise wieder deutlich eigenständiger, frischer; und sogar etwas beherzter in seiner Grundstimmung. Warum nicht gleich so ? Der Ausklang erfolgt dann mithilfe einer weiteren Ballade, WHILE THE ICE IS COLD – die insofern punktet, als dass eine weibliche Gastsängerin erstmals komplett übernimmt und alles andere als schlecht performt. Dennoch: bis auf den recht gelungenen Refrain ist das einfach zu wenig.

Fazit: Das war wohl nichts – beziehungsweise nicht das, was man erwartet hätte. Dass VERGE eher ein ruhiges, bedächtiges, auf zwischenmenschliche Herzschmerztöne ausgelegtes Album werden würde, hat man sich zwar vage ausmalen können – doch gerade die Videosingle HEAVEN’S CALLING und die musikalische Vergangenheit der Band ließen allgemein auf mehr hoffen. Sicher sind die Geschmäcker verschieden, und stilistische Weiterentwicklungen im Band-Sinne immer ehrenwert – gefährlich wird es nur, wenn man sich zu sehr in eine einzige Richtung verbeisst. Genau das scheint auch auf VERGE geschehen zu sein – einem Album, dem es vor allem an Abwechslung mangelt. Wer sich musikalisch nach den Anfangszeiten der Band (MIDDAY MOON) zurücksehnt, wird in jedem Fall enttäuscht – auch wenn CARDIANT technisch mittlerweile über alle Zweifel erhaben sind. Doch was hilft das, wenn der Gesamteindruck dadurch nur noch gleichförmiger und unspektakulärer gerät ? Immerhin: man erhält nicht sofort einen Zugang zu VERGE und seinen Inhalten, sodass nach einer gewissen Eingewöhnungszeit und mehreren Durchläufen Besserung in Sicht ist. Aber eben auch nur leichte. Allgemein: ein Album mit einer ganz ähnlichen Thematik, aber einer weitaus markanteren poetischen Durchschlagskraft ist PERFECT CHAPTER von SHADOWS PAST (Review); wer Emotionalität mit einer deutlicheren Hymnenhaftigkeit, Melodiösität und aufregenderen Kompositionen verbunden wissen möchte, der greift zu DREAMTALE’s WORLD CHANGED FOREVER (Review). 

Anspieltipps: HEAVEN’S CALLING, BREAK YOUR MIND

Vergleichsbands: CAINS OFFERING | FALCONER


55oo10

„Die Single ist überzeugend, der Rest eher flach“

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