Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Hellraiser 2 – Hellbound“ (UNCUT, 1988)

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Originaltitel: Hellbound: Hellraiser II
Regie: Tony Randel
Mit: Claire Higgins, Ashley Laurence, Kenneth Cranham u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: 99 Minuten (variiert aufgrund von Schnittfassungen)
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Hellraiser 2 | Hellbound | Hölle | Pinhead | Leviathan | Würfel | Makaber

Die Pforten zur Hölle öffnen sich ein weiteres Mal.

Inhalt: Nachdem dem dämonischen Treiben im Haus der Eltern von Kirsty (Ashley Laurence) vorerst ein Ende gesetzt wurde, konnte offenbar nur sie sich retten. Sie erwacht kurze Zeit später in einer psychiatrischen Klinik, die von Dr. Philip Channard (Kenneth Cranham) geleitet wird. Dort erzählt sie ihre Version der Geschichte einem Ermittler – der jedoch abwinkt und davon überzeugt ist, Kirsty an der richtigen Adresse abgeliefert zu haben. Schließlich deuten die Leichen und Blutspuren im Haus ihrer Eltern eindeutig auf ein Verbrechen hin – nur wohl eher keines in der von der verstörten Kirsty geschilderten Form. Oder vielleicht doch ? Denn offenbar scheint besonders Chefarzt Channard mehr zu wissen als er vorgibt. Tatsächlich beschäftigt er sich schon seit langem mit der Erforschung des menschlichen Körpers, der menschlichen Psyche – aber überraschenderweise auch mit den Geheimnissen eines mysteriösen Würfels, der eng mit Kirsty’s Fall verbunden zu sein scheint. Bald darauf lässt er sich eine blutverschmierte Matratze aus dem Haus der Eltern bringen – und erweckt damit die Totgeglaubte Julia (Clare Higgins), Kirsty’s Stiefmutter, wieder zum Leben. Es beginnt ein verstörendes Spiel um Leben und Tod – welches bis in die hintersten Ecken der Hölle reicht.

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Kritik: Nach dem erfolgreichen ersten HELLRAISER-Teil aus dem Jahr 1987 (Review) erschien bereits ein knappes Jahr später das Sequel – HELLRAISER II – HELLBOUND. Regie führte diesmal Tony Randel, also nicht der eigentliche Schöpfer Clive Barker – denn der hatte die Rechte hinsichtlich möglicher Fortsetzungen bereits an seine Produktionsfirma abgegeben. Dennoch hatte er erneut seine Finger mit im Spiel – neben der nunmehr etablierten Originalidee – und damit der eigentlichen Basis für das HELLRAISER-Franchise – war im zweiten Teil als Co-Autor und Koproduzent beteiligt; während das Drehbuch von einem seiner Freunde und Kollegen (Peter Atkin) stammte. Eine hochexplosive und hochkarätige Mischung, wie sich zeigte – denn HELLRAISER 2 ist alles andere als ein gewöhnliches Sequel.

Natürlich stellt sich bei einer Fortsetzung wie dieser immer die Frage, ob sie dem Original gerecht werden würde; beziehungsweise sinnig auf diesem aufbaut. Und in dieser Hinsicht kann man bei HELLRAISER II eigentlich nur geteilter Meinung sein. Einerseits wird die schaurige, mit einer ordentlichen Prise Mystik gespickte Erzählweise beibehalten, auch einen Großteil der Gesichter aus dem ersten Teil sieht man wieder – aber andererseits hievt HELLRAISER II die Erzählung um Höllenfürsten, seltsamen Zwischenwelten und den Schmerz als menschliche Erfahrung auf das nächste Level. In erster Linie auf ein expliziteres, dass nun eindeutigere Ausführungen möglich macht und deutlichere inhaltliche Anhaltspunkte vorgibt – und somit vielleicht doch den Geist und die Machart des Originals verrät ?

Nun – wo im ersten Teil der Zuschauer gefordert war, sich die Welten jenseits des Würfels auszumalen; bekommt er sie nun direkt und ausführlich präsentiert. Doch wider erwarten erweist sich diese Vorgehensweise nicht als Negativkriterium. Einige der in Teil 2 auftretenden Charaktere dringen hier aus unterschiedlichen Beweggründen in das Innenleben des Würfels (und damit je nach Interpretation in die Hölle oder in… andere Bereiche) vor, und sehen sich dort nicht nur mit den aus dem ersten Teil bekannten Zenobiten konfrontiert – sondern auch mit bisher unbekannten, größeren und geheimnisvolleren Mächten. Genau dieser Fakt erlaubt es dem Zuschauer, auch weiterhin eine ähnlich makabere Faszination für das HELLRAISER-Universum zu entwickeln als im ersten Teil. Die Originalidee wird längst nicht völlig aufgelöst, die auftretenden Fragen lediglich verschoben. So geht es beispielsweise nicht mehr vordergründig darum, wer die Zenobiten sind und was sie da tun – sondern stattdessen um jene Entität, die selbige Zenobiten unter ihre Kontrolle gebracht hat und nun für ihre eigenen Zwecke missbraucht. Dabei bleibt es natürlich trotzdem nicht aus, dass besonders der Auftritt der Zenobiten ein wohliges Schauergefühl entstehen lässt, und deren Sprüche verdientermaßen in die Geschichte des Horrorfilms eingegangen sind.

Doch nicht nur das: gerade das Zusammenspiel des Settings in der diesseitigen Welt (eine Psychiatrie) und das der jenseitigen (ein riesiges, verwinkeltes Labyrinth) erlaubt zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten, und bietet (inhaltlich) faszinierend-morbiden Horrorstoff der Extraklasse. Es macht schier einen Heidenspaß, sich auf diese unwirklich erscheinende Reise einzulassen und zu spekulieren – sei es anhand der relativ auffällig eingestreuten Hinweise (der Chefarzt, der in der angeblichen ‚Krankheit‘ der Patienten mehr sieht als andere), oder schlicht anhand der düsteren, fantasievollen Bilder. Sicher muss man hier in Anbetracht des Produktionszeitraums wie auch schon beim ersten Teil kleinere Abstriche hinsichtlich der technischen Umsetzung und Gesamtwirkung machen – doch wirkt allein das Konzept und die Darstellung des Labyrinths allein schon deutlich zeitloser als beispielsweise die bunt-grellen Lichteffekte aus Teil 1. Dies lässt einen weiteren, allgemein eher seltenen Schluss zu: in Teil 2 steckt tatsächlich noch eine Prise mehr Aufwand und Herzblut (und nicht nur das…) als in Teil 1.

Denn natürlich werden auch beinharte Gore-Fans nicht enttäuscht. Auch wenn die schockierende Wirkung nicht mehr so eindringlich ausfällt – schließlich weichen die herrlich ekligen Manifestations-Szenen nun eher gradlinigen-brutalen Exzessen. Beinahe ebenso markant wie im ersten Teil sind aber die HELLRAISER-typischen,  ‚hautlosen‘ Körper: hier arbeitete man nun noch etwas detailreicher und ‚echter‘. In jedem Fall zeigt dies auf, wie viel man mit guter Handarbeit leisten kann, wo heutzutage (teurere, aber eben einfacher zu realisierende) Computereffekte herhalten müssen. Doch auch sonst wirkt HELLRAISER II gerade in handwerklichen Belangen absolut versiert (und teilweise dem Alter entsprechend, ohne dies negativ werten zu wollen): der Soundtrack wirkt kultig und keinesfalls aufdringlich, die Szenenaufbauten und Kostüme sind grandios, die Darsteller hinterlassen wie schon im ersten Teil einen ehrlichen und authentischen Eindruck.

Fazit: HELLRAISER II ist tatsächlich ein würdiger Nachfolger des ein Jahr älteren Originalfilms geworden – auch wenn er in eine etwas andere Richtung steuert. Eine weniger subtile – dafür aber ausufernd fantasievolle, morbide, letztendlich angenehm abgedrehte. Im Endeffekt ging man diesbezüglich vielleicht sogar einen Schritt zu weit – denn gerade die zweite Hälfte des Films kann einstweilen etwas konfus und überhastet erscheinen, während es in der ersten vergleichsweise behäbig zugeht. Aber: wenn man sich auf das Genie (oder den Wahnsinn) des Ideengebers einlässt, kann HELLRAISER II eine ebenso eindringliche Wirkung entfalten wie der Originalfilm – und dank der expliziteren Anhaltspunkte noch mehr Raum für Interpretationen bieten. Lediglich zwei Singe sollte man in Bezug auf den zweiten, aber auch den ersten Teil beachten: HELLRAISER ist kein Film über den oft zitierten und auf jedem Cover vertretenen ‚Pinhead‘, sondern weit mehr als ein eingeschränkt-einseitiges Porträt eines einzelnen Folterknechtes. Und: Filme wie dieser sind ausschließlich (!) in einer ungeschnittenen Fassung zu verköstigen – und im besten Fall noch in der Original-Sprachfassung. 

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