Metal-CD-Review: HEAVENLY – Virus (2006)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: AFM

Lineup:

Ben Sotto – Gesang
Charly Corbiaux – Gitarre
Olivier Lapauze – Gitarre
Matthieu Plana – Bass
Thomas Das Neves – Schlagzeug

01. The Dark Memories
02. Spill Blood On Fire
03. Virus
04. The Power & Fury
05. Wasted Time
06. Bravery In The Field
07. Liberty
08. When The Rain Begins To Fall
09. The Prince Of The World

Auf, auf zum vierten Streich.

Vorwort: Nach einem vielversprechenden Debütalbum (Review) und zwei schieren Meisterwerken, die bis heute ihresgleichen suchen (SIGN OF THE WINNER, DUST TO DUST) schickte sich die französische Combo HEAVENLY 2006 an, das nächste Meisterstück zu kredenzen. Doch dieses Mal waren einige Änderungen zu verzeichnen: nicht nur das Label wurde gewechselt, sondern teilweise auch die Besetzung. Olivier Lapauze sprang für Frédéric Leclercq an der Gitarre ein, Thomas Das Neves übernahm Maxence Pilo’s Rolle als Drummer, und Pierre-Emmanuel Pélisson wurde durch Matthieu Plana am Bass ersetzt. Demnach blieben der Band also nur zwei der alten Bandmitglieder: Ben Sotto (gewiss, ohne ihn wäre HEAVENLY nicht mehr HEAVENLY) und Charly Corbiaux an der Gitarre. Wie aber würden sich diese Tatsachen auf den Sound von HEAVENLY auswirken, der im Laufe der Jahre immer mehr an Bekanntheit und Beliebtheit zugenommen hat ? Würden sie es vollbringen, den meisterlichen Vorgänger (bis heute eines der besten Power Metal-Alben überhaupt) nochmals zu toppen und Fans aller Herren Länder zufriedenzustellen ? Die Antwort liegt im folgenden verborgen.

Kritik: Dieses Mal investiert man keine Zeit in ein Intro – sodass HEAVENLY mit dem Opener THE DARK MEMORIES sofort voll durchstarten können. Eines fällt im Vergleich zum Vorgänger sofort auf: die fulminante Kraft, die enorm antreibende Wirkung der Band hat es auch auf den Nachfolger geschafft – wenn auch in einer etwas anderen Form als gedacht. So ist der Sound nunmehr als deutlich härter und vielleicht auch gradliniger zu bezeichnen – während man nach wie vor ein großes Augenmerk auf die schon immer vorhandenen Stärken der Band legt. Diese liegen, und das ist kein Geheimnis; eindeutig im markanten Leadesang und dem fulminanten Gitarrenspiel im Rhythmus- und Solibereich. Analog zum abermals etwas erwachseneren, teils auch düsteren und getrageneren Sound der Band zünden einige der Titel nicht mehr sofort – sondern erst nach mehreren Durchlaufen. SPILL BLOOD ON FIRE etwa markiert ein eben solches Beispiel – braucht es durchaus etwas Zeit, sich in den Gehörgängen festzusetzen. Das macht allerdings nichts – zeigt es einmal mehr auf, dass der Sound respektive die Entwicklung des Sounds von HEAVENLY niemals stillzustehen scheint, und man als Hörer mit jedem neuen Album auch eine neue Reise beginnt. Eine Reise mit alten Weggefährten, versteht sich – aber zu jeweils neuen Orten.

Es folgt der Titeltrack VIRUS, der abermals HEAVENLY’s musikalische Entwicklung deutlich macht. Ein zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftiger Auftakt mündet in einem enorm wandelbaren musikalischen Stück voller Kraft und Ausdruck – bei dem alles vorherrscht, nur keine Langeweile. Im Gegenteil, gerade dadurch dass Leadsänger Ben Sotto nun auch öfter in tieferen Lagen unterwegs ist; kommt man nicht umher eine gewisse emotionale Bindung aufzubauen, ja regelrecht jedes seiner gesungenen Worte mitzufühlen – und sich so noch mehr in die Kompositionen der Band zu verlieben. Auch die teils etwas weniger spektakulären Passagen stören hier nicht, oder anders gesagt: das Gesamtbild stimmt noch immer, auch wenn es sich leicht verändert hat. Aber auch Freunde des früheren HEAVENLY-Sounds sollen auf diesem Album zufriedengestellt werden – etwa mit dem markanten THE POWER AND FURY, welches hinsichtlich der an den Tag gelegten Kraft und Spielfreude kaum zu überbieten ist. Und wie sieht es mit WASTED TIME aus ? In der Tat erinnern bereits die ersten Töne an vorangegangene musikalische Taten – genauer gesagt wird hier am ehesten das legendäre Debütalbum heraufbeschworen. Danach, und sobald die volle Instrumentation einsetzt und auch noch ein gewisser Toni Kakko hinzustößt um einige gut gelaunte Gast-Vocals abzuliefern; steht es alsbald fest: HEAVENLY haben sich wieder einmal selbst übertroffen. Hier stimmt wirklich alles, ein etwas gemäßigterer Anspruch wird mit kraftvollen Elementen und einer großen Portion Melodie vermengt.

Mit dem brachialen BRAVERY IN THE FIELD folgt dann abermals eine der Nummern, die direkt ins Ohr geht und dort für eine lange Zeit verweilt. Und das nicht zuletzt durch den kongenialen Refrain und die immer wieder markante Wechselwirkung aus eingängigen und etwas technischeren Passagen. LIBERTY ist ein weiterer Anwärter auf eine der potentiellen Alben-Hymnen – doch kann dieses Ziel nicht wirklich erreicht werden, dafür bleibt es dann doch etwas zu unspektakulär. Als recht diskutabel erweist sich dann auch die Cover-Version zu WHEN THE RAIN BEGINS THE FALL. Hier muss man selbst entscheiden, wie man zu den erstmals spürbar überzogenen Keyboardklängen, dem zusätzlichen weiblichen Gastgesang (mit relativem, man muss es leider sagen; Schnulzencharakter) und dem nicht unbedingt grandios klingenden Refrain steht. Auf der regulären Version des Albums bleibt Fans der Combo damit nur noch der Rausschmeißer THE PRINCE OF THE WORLD – in dem Ben Sotto erneut seine mannigfaltige Stimmkraft unter Beweis stellen kann. Ist man in Japan zuhause oder hat sich die entsprechende Version gesichert, kommt man noch in den Genuss von zwei weiteren Titeln: THE JOKER und SPILL BLOOD ON FIRE in einer japanischen Fassung. Ersterer Titel überzeugt als enorm Metal-lastige Nummer mit einem starken Gastgesang und dominanten Riffs, zweiterer dagegen kann relativ einwandfrei als überflüssig abgestempelt werden. HEAVENLY auf japanisch klingen eben nicht mehr ganz so gut – und ganz so sehr muss man es den Fans im Osten nun auch nicht wieder Recht machen.

Fazit: Mit VIRUS haben HEAVENLY zweifelsohne ein weiteres Meisterstück in ihrer Diskografie abgeliefert. Vielleicht kein gänzlich unantastbares und zeitloses wie der Vorgänger – aber dennoch. Die gesteigerten progressiven Anleihen, die noch technischeren Soli und die teils etwas düstereren Stimmungen gesellen sich perfekt zu den alten Stärken der Band; und münden in einem abermals enorm abenteuerlichen, überraschenden, musikalisch absolut überzeugenden Album mit einem der außergewöhnlichsten Leadsänger nicht nur des Genres – sondern überhaupt. Was, ja was soll aus dieser Band noch werden – wenn nicht eine der besten Power Metal-Combos aller Zeiten ? Man darf gespannt sein.

Anspieltipps: THE POWER AND FURY, WASTED TIME, BRAVERY IN THE FIELD, THE PRINCE OF THE WORLD

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