Metal-CD-Review: HEAVENLY – Coming From The Sky (2000)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Noise Records

Lineup:

Ben – Gesang
Max – Drums
Laurent – Bass
Chris – Gitarre

1. Coming from the Sky
2. Carry your Heart
3. Riding through Hell
4. Time Machine
5. Number One
6. Our only Chance
7. Fairytale
8. My Turn will come
9. Until I Die
10. Million Ways

Zeitloser Oldschool Power Metal aus Frankreich.

Vorwort: HEAVENLY – das ist eine Band, mit der man rechnen muss wenn es um gut gemachten Power Metal der traditionellen Spielart geht. Nach einer Demo (1998) und einer Single (2000) war es für die bereits 1994 gegründete Band alsbald soweit, das erste Studioalbum auf den internationalen Markt zu werfen. COMING FROM THE SKY heißt das gute Stück, welches zumindest in der Standard-Version 10 Titel beinhaltet – und mit einem ungewöhnlichen, nicht unbedingt direkt ansprechenden Cover-Artwork ausgestattet ist. Zumindest lässt selbiges sowie natürlich auch der Bandname an sich eine Frage entstehen: würde die Musik von HEAVENLY tatsächlich so himmlisch sein wie angedeutet ? Heute (2012) und nach insgesamt 5 Studioalben weiß man: in der Tat handelte sich nicht bloß um ein leeres Versprechen. So könnte man durchaus behaupten, dass die Kompositionen von HEAVENLY tatsächlich aus höheren Sphären stammen – was auch immer das bedeuten mag. Fest steht: wer nichts gegen eine gehörige Portion Kitsch (je nach Standpunkt und Geschmack) und einen Leadsänger der eher besonderen Art einzuwenden hat; sollte mindestens mal in eine HEAVENLY-CD reinhören. Schließlich singt Benjamin ‚Ben‘ Sotto in einer außergewöhnlichen hohen Stimmlage, und entwickelt gerade dadurch einen enorm hohen Wiedererkennungswert.

Kritik: Los geht es mit einem Intro, der gleichzeitig als Titeltrack fungiert – COMING FROM THE SKY. Bereits hier muss man sagen: nicht schlecht, Herr Specht; beziehungsweise nicht übel, HEAVENLY. Ein symphonisches Intermezzo, perfekt mit einigen Gitarren abgemischt; sorgt für einen geradezu filmreifen Auftakt und eine riesige Portion Atmosphäre. Ein Knall markiert den Übergang zum eigentlichen Opener CARRY YOUR HEART – in dem sich der Sound der Franzosen erstmals vollständig offenbart. HEAVENLY spielen einen Power Metal der guten alten Schule, also etwa im Stile der früheren HELLOWEEN-Scheiben – doch agieren sie keinesfalls als bloße Kopie. Man braucht dem Sound schließlich nicht allzu lange lauschen um festzustellen, dass sie definitiv einen ganz eigenen Stil an den Tag legen – einen wenn man so ureigenen Stil und einen Sound, der sofort ins Ohr geht. Markant ist die zutiefst melodische Struktur, der versierte Gitarreneinsatz, der angenehme Gesang – und der absolute gute-Laune-Refrain, der Kritikern mit Leichtigkeit klar macht: Metal muss nicht immer ‚böse‘ klingen. RIDING THROUGH HELL ist die nächste Nummer, die abermals vom starken Leadgesang lebt, sonst aber dezent hinter dem Opener anstehen muss. Die Chorgesänge wirken nett, doch ein richtiger Drive mag trotz der flotten Instrumentation nicht entstehen. Immerhin fällt der Soli-Part gelungen aus, wie auch die markante Zwischenpassage gegen Mitte respektive Ende. 

Doch nun ist es an der Zeit für einen Titel, der prägnanter nicht hätte ausfallen können. TIME MACHINE ist das absolute Aushängeschild des Debütalbums – und in jeder Hinsicht ein starkes Stück. Es kommt nicht von ungefähr, dass Piet Sielck und Kai Hansen als Gäste auftreten – doch auch ohne sie wäre dieses Teil eine zeitlose Hymne von enormen Wert und enormer Qualität geworden. Ein flott-antreibender Drumming-Part, fetzige Riffs und der perfekt arrangierte Gesang lassen schnell eine regelrechte Gänsehaut-Atmosphäre entstehen, die nur noch vom schmetternden Refrain getoppt werden kann. Aber auch das folgende NUMBER ONE ist alles andere als ein Aus- oder Reinfall. Sofort wird man von den treibenden Beats in den Bann gezogen, es braucht gar keine weiteren Spielereien – auch wenn die dezenten Keyboard-Elemente durchaus zünden. Der erneut epische Refrain mit dem markanten Chorgesang der Marke HEAVENLY, sowie ein herausragender Benjamin Sotto als Leadstimme lassen nur einen Schluss zu: das ist Power Metal in seiner Perfektion. Auffällig auch, dass die einzelnen Titel eine jeweils recht lange Spieldauer aufweisen – das folgende OUR ONLY CHANCE bringt es ebenfalls auf gute 7 Minuten. Hier werden deutlichere Parallelen zu Bands wie HELLOWEEN offensichtlich – doch bei einem derart unverwechselbaren Gesang kann man nur von einem neuen, inspirierenden Werk sprechen. Ein weiterer Mitsing-Refrain und geradezu surreal anmutende Gesangspassagen in den höchsten Tönen machen Laune, lediglich die Instrumentation der Strophen wirkt etwas langatmig. Dafür gibt es zum Ausgleich aber einen deutlich schnelleren Uptempo-Part gegen Mitte serviert, der – wieder einmal – zeitloser nicht hätte ausfallen können.

Eine kleine Überraschung bietet das nun folgende FAIRYTALE – es handelt sich lediglich um ein kurzes Interlude von gerade einmal 32 Sekunden Dauer. Viel lässt sich darüber nicht sagen – teilweise wirkt es etwas fehl am Platze beziehungsweise fügt sich nicht perfekt in den Kontext der Titel ein – andererseits lädt es zum kurzweiligen Träumen ein und erzeugt eine bemerkenswerte Stimmung. MY TURN WILL COME bietet dann einen weiteren kultverdächtigen Refrain als Highlight an, und ist auch sonst ausnahmslos gut gestrickt. Langeweile kommt keine auf – HEAVENLY halten die Flagge des Power Metals hoch, und marschieren  munter voran, auch gegen Ende des Albums. So ist auch UNTIL I DIE eine gelungene Nummer mit typischen HELLOWEEN-Qualitäten, doch die äußerst gefühlvollen Refrains und geradezu festlichen Passagen machen aus diesem Titel noch viel, viel mehr. Es lohnt sich, auf Entdeckungsreise zu gehen. Das abschließende MILLION WAYS bietet zwar nicht mehr viel neues, trägt aber doch einiges zu einem knackigen Finale bei. Dieses findet indes noch nicht statt, ist man in Besitz der Bonus-Edition des Albums, welches noch mit 2 zusätzlichen Titeln ausgestattet ist – das witzig-unterhaltsame / absichtlich übertriebene DEFENDER und die wunderschöne Halb-Ballade PROMISED LAND. Welcher von beiden nun gelungener ausgefallen ist, ist schwer zu sagen – eher sind es beide. Sieht man sie als Teil des Albums, fungieren sie gar als die stärksten, direkt nach Brechern wie TIME MACHINE.

Fazit: Ein Klassiker – HEAVENLY’s COMING FROM THE SKY sollte in keiner gut geordneten Metal-Sammlung fehlen. Minimal störend ist die noch nicht perfekt ausgereifte Produktionsqualität, die sich einerseits in einem etwas schwachbrüstigen Sound und stellenweise übertriebene Halleffekten im Gesang widerspiegelt – andererseits aber für einen gewissen Retro-Charme sorgt. Ansonsten gilt: hier stimmt einfach alles, von den Instrumenten über die Inhalte bis hin zum Gesang. Wenn man schon ein Album mit dem Prädikat zeitlos attribuieren wollte, dann doch dieses – gleich nach den früheren Kult-Klassikern von HELLOWEEN oder GAMMA RAY. Denn genau in diesen Pfaden bewegen sich auch HEAVENLY – doch erfinden sie dabei das Rad tatsächlich neu (!) und bieten alles andere als schon tausendmal gehörte Kost. Große Emotionen treffen auf perfekte Arrangements und eine außergewöhnliche Singstimme – HEAVENLY machen einfach alles richtig. Dass sie dabei ‚Vorbilder‘ wie Kai Hansen unterstützen,  macht die Sache nur noch spannender. Das absolute Highlight TIME MACHINE wird so auf ewig von diesen guten alten Metal-Zeiten berichten und (hoffentlich) lange nachwirken. Und auch wenn Subjektivität oftmals wehtut: wer sagt, dass dieses Album zu weichgespült daherkommt oder der Sound von HEAVENLY nur für Weicheier bestimmt sei – der sollte sich besser in einem anderen Genre umsehen.

Anspieltipps: CARRY YOUR HEART, TIME MACHINE, MY TURN WILL COME, UNTIL I DIE, DEFENDER

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