Rezensionen: Filme

Filmkritik: „A Nightmare On Elm Street“ (2010)

Filmtitel: A Nightmare On Elm Street
Regie: Samuel Bayer
Mit: Jackie Earle Haley, Kyle Gallner, Rooney Mara u.a.
Laufzeit: 95 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Horror

Wie wäre es denn mal wieder mit einem schönen Remake… ?

Inhalt: Irgendwo in einem US-Dorf namens Springwood… auch Nachts geht hier alles seinen gewöhnlichen Gang, beispielsweise wenn man sich mit einigen Freunden in einem Dinner trifft. Doch irgendetwas undefinierbares, aber sicher nichts Gutes liegt bereits in der Luft. Ein Jugendlicher, Dean (Kellan Lutz), schlitzt sich plötzlich selbst die Kehle auf, nachdem er seiner Freundin Kris (Katie Cassidy) von seltsamen Träumen berichtet hatte. Es vergeht nicht viel Zeit bis klar wird, dass es sich hier nicht um einen Selbstmord handelt – denn auch Kris und ihre Freunde haben bereits derartige Alpträume gehabt.  In denen erscheint ihnen allen ein furchteinflössender, von Narben übersäter Mann; Freddy (Jackie Earle Haley) – der die Jugendlichen offenbar quälen und letztendlich im Traum töten will, was zur unumgänglichen Folge hat, dass sie auch in der Realität versterben. Handelt es sich hier also um einen undurchschaubaren Dämon, der sich am Leid seiner Opfer ergötzt – oder steckt hinter der Sache doch mehr, als es den Anschein hat ? Immerhin scheinen gerade die Eltern der Teenager mehr zu wissen, als sie ihren Kindern immer wieder preisgeben. Fortan kann es nur eine Devise geben: es gilt, nicht mehr einzuschlafen, bis die Jugendlichen einen Weg gefunden haben ihren ominösen Peiniger bekämpfen zu können.

Kritik: Moment, woher kommt einem diese Zusammenfassung bloss bekannt vor… gewiss braucht man nicht allzu lange darüber nachzudenken, denn der nur in Träumen mordende Freddy Krüger ist ein schiere Kultfigur und ein etabliertes Markenzeichen des Horrorfilm-Genres. Kult-Regisseur Wes Craven liefert mit NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME (so lautet der deutsche Titel) einen der bedeutendsten Horrorfilme der 80er Jahre ab, und sicherte sich so einen schier ewiglichen Kultstatus in einer Reihe mit anderen Einzelfiguren des Genres, etwa Jason (FREITAG DER 13.) oder Michael Myers (HALLOWEEN). Ganz unabhängig von der Qualität des jeweiligen Originals erscheint es gerade im Falle solcher Einzelfilme oder ganzer Filmreihen beinahe unausweichlich, dass man sich in Hollywood früher oder später einer entsprechenden Neuverfilmung annimmt. So ist A NIGHTMARE ON ELM STREET gewiss nicht der erste Klassiker, den es trifft – es kürzlich veröffentliche man eine Neuauflage von FREITAG DER 13. unter der Regie von Marcus Nispel. Interessanterweise hat besagtes Remake auch direkt etwas mit dem nun vorliegenden zu tun, etwas; dass man sich kaum traut auszusprechen. Denn: in beiden Fällen hat niemand geringeres als Michael Bay seine Finger im Spiel, beziehungsweise seine zu Recht umstrittene Produktionsfirma Platinium Dunes. Die machen quasi ein schnelles Geschäft mit verschiedenen Neuauflagen von etwaigen Kultklassikern, und das ohne viel Aufwand, Liebe zum Detail oder mit dem Gespür, den jeweiligen Vorlagen gerecht zu werden.

Michael Bay, der USA-fanatische Materialschlachtexperte (siehe Transformers) und A NIGHTMARE ON ELM STREET ? In der Tat handelt es sich hier um eine äusserst perfide Mischung, die den geneigten Zuschauer schlicht viel zu sehr verärgert, als dass er sich noch näher mit dem vorliegenden Werk befassen möchte. Gerade, wenn er den Originalfilm kennt – und tatsächlich ist die Neuverfilmung absolut nicht für alteingesessene Fans der ersten Stunde gedacht. Diese sollten unbedingt einen riesigen Bogen um diese, und gleichzeitig auch alle anderen Neuverfilmungen dieser Art machen – eine Feststellung, die sich abermals bestätigt. Man schafft es einfach nicht, auch nur ansatzweise an den Charme und die Atmosphäre des Originals heranzukommen – stattdessen trimmt man die Geschichte wortwörtlich auf ‚modern‘, und entzieht sie so einer jeglichen Faszination und Zeitlosigkeit. Seien es die glatt geschliffenen und stets (übertrieben) in Schale geworfenen Darsteller, die mehr als hölzern agieren; ihre plumpen Charaktere oder die neumodische Szenerie inklusive einiger übertriebener Special Effects – das Land, aus dem die jeweiligen Kultfilme stammen, lehrt uns abermals wie man besser nicht mit zugrundeliegenden Originalen umgehen sollte. Auch der Einwand, dass man diese ‚alten‘ Filme einem neuen, jüngeren Publikum zugänglich machen will zündet da nicht wirklich: warum den Film noch einmal drehen, anstatt auf das (gute) Original zu verweisen ? Natürlich liegt die Antwort auf der Hand: das jeweilige Franchise soll nicht brachliegen, es soll – auf Teufel komm raus – weiter Geld abwerfen. In Hollywood braucht eben immer seltener eigene Ideen, um Erfolg zu haben.

Vielleicht wäre all das nur halb so schlimm, würde man sich wie schon ein gewisser Quentin Tarantino lediglich auf die Vorlage beziehen, indem man sich die Grundidee zunutze macht – aber gleichzeitig auch selbst reichlich Hirnschmalz investiert. Das Remake INGLORIOUS BASTERDS (Review) ist so ein positives Beispiel – es entstand ein komplett eigenständiges Werk, welches sich als ebenso lohnenswert zu betrachten herausstellte wie das zugrundeliegende Original. So, und nicht anders schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: man erschafft ein ‚Remake‘, welches in sich stimmig ist und den Zuschauer im besten Fall neugierig auf das Original macht – ein Original, welches überraschenderweise weniger mit der Neuverfilmung zu tun hat als gedacht. Heraus kommen folglich zwei unterschiedliche Werke und zwei Film-Momente, die einerseits voneinander unabhängig, andererseits aber doch entsprechend ‚vernetzt‘ sind. A NIGHTMARE ON ELM STREET aber vermeidet diesen Weg, und orientiert sich zumeist streng an der Vorlage – und ‚verschlimmbessert‘ entsprechend einen Großteil der enthaltenen Elemente (wie Freddy plötzlich explizit als Kinderschänder darzustellen). Hierbei handelt es sich eben noch immer um den leichtesten – aber eben auch ärgerlichsten und schlicht überflüssigsten – Weg, ein älteres Original mit Brachialgewalt in die Neuzeit zu holen.

Fazit: Eigentlich braucht man gar nicht weiter auf den Inhalt des vorliegenden Remakes einzugehen – es erübrigt sich, kennt man den Originalfillm. Der war indes alles andere als ’schlecht‘, oder liegt auffällig weit zurück – sodass man sich zusätzlich fragt, warum man immer wieder derartige Film-Frevel begehen kann. Jedoch scheint dies kein Problem, horcht man auf den Namen Michael Bay… doch auch jene, die das Original nicht kennen (und sei es, dass sie aus einer anderen Generation stammen) sollten lieber einen Bogen um die Neuverfilmung machen, die einfach keinen Sinn ergibt ausser dass man mit einer alten Idee erneut Geld scheffeln möchte. Stilistisch ist die vorliegenden Version verständlicherweise über viele Zweifel erhaben – die rundum gelungene Hochglanz-Optik überzeugt (auch wenn sie wenig Ecken und Kanten aufweist), die Überblendungs-Szenen vom Traum in die Realität gar ausserordentlich gut gelungen. Auch der Soundtrack ist entsprechend fulminant – nur die Darsteller und die überraschend hässlich-laienhafte Maske von Freddy verdienen wahrlich keine Medaille. Eigentlich verwunderlich, dass es noch keine 3D-Version gibt… aber warten wir mal ab.

5 replies »

  1. Aus Neugier musste ich mir den Film doch mal antun, auch um hier tatsächlich mitreden zu können…da fällt mir gleich auf: der Film ist – im Gegensatz zum Original – erschreckend eindimensional und ermüdend langweilig geworden. Ich würde gar nicht mal sagen cinematographisch schlecht, aber die Inszenierung an sich und die schauspielerische Leistung ist schlecht.

    Lieblos heruntergekurbelt werden ein paar altbekannte Szenen aus dem Original in einer Eigeninterpretation kopiert und in den Film wie bei einem Versatzstück einfach in den restlichen Film integriert. Immer an den Stellen an denen etwas bekanntes eingefügt wurde wirkt der Film einfach nur lächerlich, weil bewusst versucht wird an die „epische Bandbreite“ des Originals anzuknüpfen, aber es funktioniert nicht. Einige Szene wirken gar wie alberne Parodien á la Scary Movie (deutlich wird das vor allem beim ersten Mord an Tina). Der Rest wirkt belanglos, langweilig, nervig, uninspiriert, denn weder die Darsteller, noch der Film, selbst Freddy Krüger wissen zu überzeugen, ihnen mangelt es stark an Überzeugungskraft und Charisma. Der Film ist strunzlangweilig und überfrachtet mit nervigen „Schockmomenten“, bedrohlich oder gruselig wirkt der Film an keiner Stelle…im Gegenteil…man versucht die Geschichte um Freddy Krüger fast schon „realistisch“ wie in einem Drama aufzuziehen. Die Schauspieler wirken wie leere Schablonen, leblos, müde, vielleicht ihrer Rolle entsprechend, das mag sein, aber sie sind schlicht langweilig, uninteressant und austauschbar und scheinen auch untereinander nie eine Art von überzeugender Beziehung aufzubauen – ja fast wie Fremde agieren hier alle.

    Freddy Krüger mag zwar nun realistischere Verbrennungen haben, aber ihm fehlt dadurch die Prägnanz des Originals…wie Niki Lauda sieht er jetzt aus oder wie ein verbranntes Nagetier oder was auch immer. Ihm fehlt jegliches Charisma und Esprit und wird dem Franchise (das es nunmal ist) nicht gerecht. Da wo es dem Film im Original an Grusel gefehlt hat, gab es zumindest zynischen Humor. Neuerdings beschränkt sich sein „humoristisches Reportoire“ fast ausschließlich auf unsympathische sexuelle Anspielungen. Überhaupt wird der Charakter zu sehr auf die Rolle des Kinderschänders reduziert, was im Original NIE so deutlich herausgestellt wurde (zumindest nicht im ersten Teil). Das wurde eigentlich mehr oder weniger der Fantasie des Zuschauers überlassen. Wenn man schon versucht Freddy Krüger nur oberflächlich als Arschloch zu skizzieren, dann müssen zumindest die Darsteller der Opferrollen überzeugen, was ich da gesehen habe sind übernächtigte und großteils einfach nur unsympathische Kids ohne Ausstrahlung in einem Film der einen VÖLLIG kalt lässt.

    Der ganze Schluss des Filmes ist eine totale Katastrophe! Es gibt keinen Showdown vergleichbar mit dem ersten Teil, nachdem Nancy Freddy in die Realität gezogen hat und es scheint den Machern schlicht die (eigenen?) Ideen am Schluss ausgegangen zu sein. Bei der Transition zwischen Realität und Traum fehlt mir die Ambivalenz des Originals, die Übergänge sind nicht mehr fließend, sondern hart und eindeutig. Die Schlusspointe ist eine Frechheit…*BUMM* Film aus. Super. Irgendwo steckt man zwischen Kopie und Neuinterpretation, aber so richtig Mut eigene Wege zu gehen hatte man nicht. Am Schluss bleibt nur das Gefühl übrig, alles schon einmal weitaus besser gesehen zu haben und ob der Film tatsächlich ernst gemeint sein soll.

    In der Schule würde man dem Macher dieses Versatzstückes den Stift und Zettel wegnehmen und ihm die Note 6 wegen Abschreibens verpassen. Am Anfang dachte ich mir noch, ob deine Wertung nicht zu hart ist, andererseits kann ich diesem Film wirklich keine höhere Note geben. Dieser Film ist langweilig, sinnlos, überflüssig, NERVIG (!) und entmystifiziert den Charakter Freddy Krüger auf eine, wie ich finde, miese Art. Es wäre Potential dagewesen, wenn man einen völlig neuen Weg eingeschlagen hätte, aber man hat sich dann doch dafür entschieden am Original „kleben“ zu bleiben…im Vergleich zum Original kann der Film aber nur verlieren.

    Wertung: 2,5/10

    PS: Dein Review hab ich mir übrigens im Anschluss meines Kommentars nochmal durchgelesen. Erschreckend ähnliche Auffassung. ^^

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    • Hab noch was vergessen: was mir auffiel sind zwei Szenen die ich schon mal woanders gesehen habe…1.) die Szene im Schrank: High Tension, 2.) die Szene mit der Epinephrin/Adrenalin Spritze erinnerte mich frappierend an Pulp Fiction. 🙂

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      • Oder man erinnere sich nur an Michael Bays „The Rock“ und Nicolas Cage mit seiner Erfahrung mit der Nadel am Schluss. Scheint wohl ein beliebtes Motiv zu sein. ^^ Mir fällt da aber immer Pulp Fiction dazu ein.

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    • PS: Dein Review hab ich mir übrigens im Anschluss meines Kommentars nochmal durchgelesen. Erschreckend ähnliche Auffassung. ^^

      Soll ja hin und wieder mal vorkommen, hehe.

      Ansonsten absolute Zustimmung, nette Ergänzung bzw. Bestätigung 🙂

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  2. Beim Namen „Michael Bay“ muss ich mittlerweile konsequent mit den Augen rollen, ein Mensch der mittlerweile fast komplett an meinem Filmgeschmack vorbei produziert, aber ich kann auch nichts dafür…ist leider so. ^^

    Was Marcus Nispel angeht…das Texas Chainsaw Massacre Remake war OK, soweit ich mich erinnern kann allerdings auch kein wirklich guter Film. Freitag der 13. hat für mich auf kompletter Linie versagt. Die Darsteller nerven…kein überzeugender Jason Vorhees….der Humor ist extrem nervig und darüber hinaus ist der Film teilweise viel zu dunkel ausgeleuchtet. Ich mein „Stimmung“ OK, aber waren zu dem Zeitpunkt alle Schweinwerfer kaputt oder was? ^^
    Rob Zombies Remake der Halloween Filme gefallen mir auch nicht, da hat mir der erste schon gereicht, den zweiten will ich gar nicht mehr sehen.

    Zu „Inglorious Basterds“….waaaaay beyond hype, my friend. 🙂 Der Mann wollte sogar nen Oscar für den Film..no Chance. xD Christoph Waltz war halt ein verdammt gutes Arschloch in seiner Rolle, dass er den einzigen geholt hat. ^^ „The Hurt Locker“ der die Oscarverleihung 2010 abgeräumt hatte ist übrigens auch way beyond hype…no good movie, weiß nicht was Leute an dem Film sehen, da schau ich mir lieber gleich zwei mal Hintereinander Inglorious Basterds an. xD Avatar war nett…aber hier auch wieder: „style over substance“…you know. 🙂

    Was A Nightmare on Elm Street angeht…ich werde mir dieses Remake nicht mehr antun…gebranntes Kind scheut das Feuer. ^^ Ideologische Wertung: 1/10

    Da schau ich mir lieber demnächst die komplette Blu-Ray Collection an…apropos…braucht jemand die DVD-Box? O.O 🙂

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