Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Mo“ (2007)

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Originaltitel: Mo Regie: Brian Scott Lederman Mit: Erik Per Sullivan, Margo Martindale, Adam LeFevre u.a. Laufzeit: 105 Minuten Land: USA FSK: / Genre: Drama

Das Leben ist eine Wucht, auch wenn du anders bist !

Inhalt: Mo (Erik Per Sullivan) ist 17 Jahre alt und mit Sicherheit kein gewöhnlicher Teenager. Seit seiner Geburt leidet er an einer schlimmen Krankheit, dem Marfan-Syndrom – welches sich im Alltag vor allem durch plötzlich auftretende Ohnmachtsanfälle bemerkbar macht. Und auch die Lebenserwartung ist bei erkrankten alles andere als hoch – so lauert die Gefahr und die Angst, dass eines Tages etwas schlimmeres passieren könnte, stets bedrohlich im Hintergrund. Doch von alledem lässt sich Mo nicht entmutigen – er ist ein echter Kämpfertyp. Nachdem die Ärzte diagnostizierten, dass er nie wieder normal gehen könne, schaffte er es dennoch – nicht zuletzt dank der Unterstützung seiner Familie. Sein älterer Bruder und seine Eltern geben ihm den nötigen Rückhalt im Leben – wie auch seine Freunde. Gerade die sind es, die ihm trotz Krankheit unzählige glückliche Momente in seinem Dasein als ganz gewöhnlicher Teenager bescheren – Momente, die er soweit wie nur irgend möglich auskostet. Doch natürlich befindet er sich weiterhin in einer strengen Reihe von Untersuchungen, in denen alsbald etwas gravierendes festgestellt wird. Und so wird eine wichtige, größere Operation geplant… Kritik: Eigentlich ist MO einer der wenigen Filme, die mehr als eine übliche Filmrezension verdienen, und sich folglich auch einer typischen Film-Bewertung entziehen. Vielmehr fungiert MO als höchst authentisches, filmisches Denkmal für einen Menschen, der viel zu früh aus dem Leben geschieden ist. Denn den Hauptcharakter MO, der hier von Erik Per Sullivan (einigen sicherlich noch als ‚Dewey‘ aus MALCOM MITTENDRIN bekannt) gespielt wird, gab es wirklich. Sein richtiger und vollständiger Name lautet Matthew Benjamin Lederman, welcher beim Lesen des Namens des Regisseurs von MO einen weiteren Schluss zulässt – in der Tat, es handelt sich hier um seinen Bruder. Somit ist MO kaum als ‚typisches‘ Drama mit allerlei Kitsch und Hollywood-Herzschmerz zu bezeichnen, denn es handelt sich zweifelsohne um eine wahre Geschichte aus dem wahren Leben – viel mehr, als dies sonst der Fall ist (wenn ein Film angeblich auf ‚wahren Begebenheiten‘ beruht). Eine offizielle Seite zum Film gibt weiteren Aufschluss über den Entstehungsprozess, und einen Einblick in das Gedenken an den verstorbenen Teenager. MO versteht es dabei, dem Zuschauer ein gleichermaßen bewegendes wie aufschlussreiches Porträt zu offerieren. Schließlich wird es eine Vielzahl von Zuschauern geben, die bisher noch nichts mit dem Begriff Marfan-Syndrom anfangen konnten – hier werden sie behutsam an die Krankheit herangeführt, und finden in MO eine Identifikationsfigur, die unglaublich sympathisch ist. Man kann also gar nicht anders, als ein erhebliches Maß an Empathie zu entwickeln – was, wohlgemerkt, aber sicher nicht die Haupt-Intention des Filmes ist. Die liegt schließlich daran begründet, dass ein Familienmitglied seinem verstorbenen Bruder ein Denkmal setzen möchte – auf dass sein Name und sein Schicksal nicht in Vergessenheit gerät. Dieser Fakt ist zusätzlich bewegend und sorgt, sofern man als Zuschauer darum weiss, für einen ganz anderen Blickwinkel auf den Film. Einen mitfühlenden, teilweise mitleidenden – und teilweise auch verstörenden. Schließlich ist man als Zuschauer absolut machtlos, so wie es MO’s Familie letztendlich auch in Hinblick auf eine ‚Heilung‘ war – und kann möglicherweise Bezüge zu seinem jeweiligen Umfeld herstellen, in dem es ähnliche Schicksale gibt. Die technische Herangehensweise an das schwierige Thema und das eindringliche Porträt fällt ebenfalls überaus stimmig aus. Weder wird hier auf allzu ‚protzige‘ oder unpassende Methoden gesetzt, noch finden sich störende Elemente. Bereits die allgemeine Optik und der Schnitt zeugen von einer gewissen Ruhe, von einer größtmöglichen Authentizität ohne zusätzlichen, unnötigen Extras. Besonders markant ist auch der Soundtrack, der einige der wichtigsten Szenen trägt und überaus passend untermalt – und das Niveau der ohnehin schon omnipräsenten, ehrlichen Emotionalität zusätzlich steigern kann. Ja, darf man einen solchen Film überhaupt mit einem Soundtrack ausstaffieren ? In der Tat, man darf und sollte – schließlich ist aus MO ein Film geworden, und keine Dokumentation. Auch wenn er gewiss gehörige Anteile aus diesem Genre in sich trägt, letztendlich völlig darauf aufbaut. Ein großes Lob sollte auch an die Darsteller und die Crew ausgesprochen werden, allen voran Erik Per Sullivan. Denn der spielt den MO unglaublich intensiv und glaubwürdig – eine fantastische Leistung. Aber auch der restliche Cast sollte nicht unerwähnt bleiben, zumal hier weitere Familienmitglieder und Freunde von Matthew Benjamin Lederman auftauchen, die ihm die letzte Ehre erweisen. Fazit: Mo ist grundsätzlich ein Film der gar keiner ist – da die dokumentarischen Anteile und Fakten klar überwiegen. Zusätzlich verzichtet man auf eine übertriebene Hochstilisierung der einzelnen Elemente im Sinne der sonst typischen Vorgehensweise – jeder weiss um Filme, die zwar ebenso ernste, wahre Begebenheiten aufgreifen aber mit unglaublich viel Kitsch, Pomp und Pathos aufgeladen wurden um sie dem Zuschauer ’schmackhafter‘ zu machen. Dies ist hier jedoch nicht der Fall – weshalb eine unbedingte Empfehlung ausgesprochen werden muss. Ein ehrliches, intensives, bewegendes Stück Film.

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