Metal-CD-Review: HEAVENLY – Carpe Diem (2009)

Land: Frankreich – Genre: Power Metal

1.    Carpe Diem
2.    Lost In Your Eyes
3.    Farewell
4.    Fullmoon
5.    A Better Me
6.    Ashen Paradise
7.    The Face Of The Truth
8.    Ode To Joy
9.    Save Our Souls

„Trust in me my brother… and hear the Ode To Joy !“

HEAVENLY – was ist nur geschehen ? Wer die bisherigen Alben der Franzosen kennt, dem wird auf Carpe Diem so einiges bekannt; vieles aber auch wieder gänzlich… anders vorkommen. Glücklicherweise wird man aber feststellen können, dass es sich bei derlei Entwicklungen um einen musikalischen Reifeprozess handelt, der hier auf eine rundum gelungene neue HEAVENLY-CD gepresst und verewigt wurde. Zumal, und dies erscheint wichtig; die Jungs weder ihre Wurzeln verleugnen noch plötzlich käsige Popmusik fabrizieren würden. Wobei, vielleicht könnten manche genau das behaupten; speziell nachdem sie diese CD hier verköstigt haben. Mit einer Sache muss man sich schließlich arrangieren: die Zeit der „alten“ HEAVENLY ist vorüber – es leben die neuen, beziehungsweise eine gänzlich neue musikalische Schaffensperiode. Eine, die ihre Anleihen nicht mehr nur im Bereich des klassischen Power Metals findet – sondern eher im Repertoire von Künstlern wie QUEEN sowie im Klassik-Bereich. Was genau allerdings beim merkwürdigen Cover-Artwork der Scheibe geschehen ist, das vermag wohl niemand so genau zu sagen. Ist die abgebildete Szene im Sinne einer Emanzipationsaufforderung im Zusammenhang mit dem Leitspruch ‚Lebe den Tag‘ (jeder sollte den Tag genießen, unabhängig davon wer er ist und wie er fühlt) zu verstehen ? Oder ist des Rätsels Lösung doch eine reichlich plumpere, frei nach dem Motto: wir brauchen endlich mal einen echten ‚Scharfmacher‘ für die Hauptzielgruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach männlichen Geschlechts ist… ? Nur eines ist dabei offensichtlich: dass das Cover dem musikalischen Inhalt kaum gerecht wird. Es gilt also die Devise: nicht abschrecken lassen, denn spätestens jetzt treten HEAVENLY langsam aber sicher in die Fußstapfen der Altmeister von QUEEN – auch wenn dieser Prozess noch ein paar weitere Tracks (und Tage) in Anspruch nehmen könnte.

Fans der Band werden schon bei den ersten Klängen des neuen Albums die unverwechselbare Stimme von Leadsänger Benjamin „Ben“ Sotto wiedererkennen, und sich im gleichen Atemzug bestätigt wissen: das hier ist ein Album von HEAVENLY, und von niemandem sonst. Schließlich gibt es bis dato so gut wie keine Vergleichsband. Sicher, es gibt Referenzen in Bezug auf die Spielart – aber die hier dargebrachte, äusserst variable Gesangsstimme ist schlicht einzigartig. Und das führt im Zusammenspiel mit einigen speziellen Samples, dem Klang der Instrumente und der beschworenen Melodien dazu, dass der typisch-markante Sound von HEAVENLY im Gesamtbild entsteht. Doch der Opener vermag es – leider – noch nicht wirklich, die Zuhörerschaft nachhaltig vom Hocker zu reißen. Und das trotz des Daseins als vermeintlich wuchtiger Titeltrack – Carpe Diem ist in jederlei Hinsicht dem gehobenen Mittelmaß, aber eben (noch) nicht der Spitzenklasse zuzuordnen. Ein paar nette Gesangseinlagen, ein paar nette Soli, ein wenig Abwechslung in Bezug auf die Instrumentalisierung… doch um eine Hymne handelt es sich zweifelsohne nicht. Und auch die Alleinstellungsmerkmale der Band treten hier noch nicht so gut in den Vordergrund – mit Ausnahme der Leadstimme natürlich (6/10). Das folgende Lost In Your Eyes beginnt da schon etwas fetziger und eingängiger, und vermag es fortan; ein nettes Zusammenspiel von Stimme und Metal-Elementen (vorrangig Drums und Gitarren, aber auch eine Art Synthie-Sound) zu gewährleisten. Mister Sotto darf hier schon ein wenig mehr aus dem Vollen schöpfen, und der Soli-Part gegen Mitte macht erst so richtig Laune. Und dennoch, ein wenig scheint auch dieser zweite Titel hinter den Erwartungen zurückzubleiben, wenn auch nur dezent (7/10).

Also gut, die Eingewöhnungszeit für die Hörerschaft, aber eben auch für die Band ist vorüber; und das ist auch gut so. Denn das was HEAVENLY da mit ihrem Farewell abliefern, grenzt schon fast an ein musikalisches Wunder. Und das nach dem vergleichsweise wenig spektakulären Start. Erstmals zeigt Mr. Sotto vollends, was in ihm steckt – und was für ein faszinierendes Organ er sein Eigen nennt. Von gemäßigten Tiefen bis in die unendlichsten Höhen, sein Spektrum ist wahrlich beeindruckend – und doch sind seine ‚Screams‘ keine wirklichen in dem Sinne. Vielmehr gehört dieser Extremgesang als Kunstform bei HEAVENLY einfach dazu. Aber nicht nur das – der gesamte Titel wirkt, als sei endlich ein würdiger Nachfolger für eine Band wie QUEEN gefunden. Hier findet sich einfach alles: verspielte Keyboard- und Gitarrenpassagen, leicht orchestral angehauchte Elemente, ein stimmiger Backgroundchor; unglaublich viele Variationen und Stimmungswechsel; und nicht zuletzt – ein gehörige Portion Emotionalität und Erhabenheit. Der Wahnsinn – man sollte sich unbedingt selbst Gehör verschaffen was das betrifft, auch wenn es sich sicher nicht um ein ‚konventionelles‘ Heavy Metal-Stück handelt (10/10). Fullmoon beginnt mit ein wenig Babygequake und daher leicht makaber, danach aber ‚rollt‘ sich der fluffige HEAVENLY-Instrumentalklang wieder großzügig aus und begeistert nachhaltig. Highlights bei diesem Titel sind der Refrain, sowie die darauf folgenden Passagen; während die Strophen im Vergleich schon beinahe ‚minimalistisch‘ gehalten sind (8/10). A Better Me ist dann wieder einer der ’neueren‘ HEAVENLY-Tracks, die einfach direkt zu Gefallen wissen. Ähnlich wie schon beim QUEEN-orientierten Farewell wird hier eine ähnliche Richtung eingeschlagen, doch das Tempo wird stellenweise noch etwas mehr angezogen. Ein satter Refrain, ansprechende Lyrics, eine Riesenportion Power und Innovation, ein wenig Verträumtheit hie und da – und ein sich verausgabender Sänger. Was will man mehr… (10/10).

Und wer denkt, dass die ‚alten Zeiten‘ generell vorbei sind, der hat sich ohnehin geschnitten. Denn das folgende Ashen Paradise ist ein waschechtes HEAVENLY-Brett, wie es im Buche steht. Für Fans und Neueinsteiger ist dieser Titel gleichermaßen empfehlenswert, denn dem unglaublichen Drive kann sich wohl so schnell niemand entziehen. Ein genialer Refrain und an das Vorgängeralbum Virus anschließende Klänge runden den Gesamteindruck perfekt ab (10/10). The Face Of Truth ist dann wieder einer der etwas bodenständigeren Titel, der mehr Kost für reine Metal-Heads bietet die mit den QUEEN-Passagen eventuell weniger anfangen können. Auch hier klingt die Band mehr als reif, versiert und stets auf dem Siedepunkt der Spielfreude (8/10). Und: muss man zum folgenden Ode To Joy tatsächlich noch etwas sagen ? Endlich einmal hat sich eine ernstzunehmende Power Metal-Band an diesem Beethoven-Stück versucht, und man muss doch wirklich sagen… das lässt sich hören. Mit einer großen Portion… genau, ‚Freude‘ sprengen HEAVENLY endgültig alle Genregrenzen und vergrätzen alle, die behaupten das Metal nicht ‚fröhlich‘ klingen darf. Pech gehabt, natürlich darf er das (10/10). Als Abschluss des relativ kurzen Albums dient dann nur noch Save Our Souls, ein Titel, der den anderen in nichts nachsteht (8/10).

HEAVENLY entwickeln sich weiter – ob das nun mit oder ohne expliziten Anleihen geschieht, es kann nur förderlich sein. Denn wer möchte schon auf der Stelle treten und ewig gleich klingen ? Exakt. Wer auf der Suche nach einem Power Metal der nicht nur außergewöhnlich guten, sondern auch außergewöhnlich avantgardistischen Art ist; der dürfte spätestens mit dem fünften Album der Franzosen von HEAVENLY fündig werden.

2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: HEAVENLY – Carpe Diem (2009)

  1. Anonymous 30 Jun 2015 / 04:39

    heavenly aus vrankreich (sorry mein ev ist devekt)
    sehr guter power metal,wie von helloween (kai hansen) seinerzeit.
    einvach spitze.

    mit vreundlichen grüßen
    jever918

    Gefällt 1 Person

    • Oliverdsw 1 Jul 2015 / 02:53

      Da kann ich nur zustimmen… man munkelt ja, dass ein neues Album in der Mache ist… definitiv eine meiner liebsten Genre-Bands !

      Gefällt mir

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