Rezensionen: Filme

Filmkritik: „The Legend Of Goemon“ (2009)

Originaltitel: Goemon
Regie:
Kazuaki Kiriya

Mit: /
Laufzeit:
128 Minuten
Land:
Japan
Genre:
Science Fiction

Inhalt: Wir schreiben das Jahr 1528. Der Titelheld mit dem Namen Goemon ist eine Art japanischer Robin Hood – nach aussen hin stets zu Scherzen aufgelegt und ein Freund der Menschen, verliert er dabei nie seine wahren Ziele aus den Augen. Vor einigen Jahren war er Lehrling am Hofe eines mächtigen japanischen Herrschers, doch im Zuge einer Rebellion wurde sein Meister getötet und seine ehemaligen Freunde in alle Richtungen verstreut. Diese Ereignisse der Vergangenheit beschäftigen ihn noch immer, und als er eines Tages eher zufällig an eine besonders einzigartige Schachtel gelangt, flammen alte Fehden und Herrschaftsansprüche wieder auf. Das Ganze Land befindet sich im Aufruhr, und gleich mehrere wollen die alleinige Macht für sich beanspruchen. Doch nicht alle Machtansprüche basieren auf einer legitimen Grundlage – so gibt es da ein gewisses altes Schriftstück, welches die Position des jetzigen Herrschers einigermaßen in Frage stellen könnte. Wird Goemon am Ende für Gerechtigkeit sorgen, und vielleicht sogar die ständigen Kriege ein für allemal beenden können ?

Kritik: Nun, und zuallererst: Goemon ist wahrlich ein Film der etwas anderen Art – an dieser Stelle noch wertungsfrei formuliert. Doch tatsächlich ist es so, dass man „hier im Westen“ seltener mit Machwerken dieser Art konfrontiert wird, es sei denn man ist in gewisser Weise auf Filme aus Fernost spezialisiert. Einige könnten aber dennoch mit ein wenig Vorwissen an die Sache gehen – gerade wenn man Fan von sogenannten Anime-zu-Live-Action Portierungen ist. Denn siehe da: auch Goemon stammt von Kazuaki Kiriya, dem Herrn, der auch Regie bei Casshern führte. Dies fällt einem zuerst natürlich in optischer Hinsicht auf – auch Goemon wirkt sehr bunt und wird in einem opulenten CGI-Stil präsentiert. Doch was ist mit der Story – fällt sie ebenso opulent und tiefsinnig aus ?

Nun, das tut sie leider nicht. Immerhin, und das muss man Kazuaki Kiriya durchaus zugestehen: er versucht sein bestes, eine möglichst imposante und nachhaltige Geschichte in opulenten Bildern zu erzählen. Doch genau das ist gleichzeitig auch das Problem: er versucht es einfach zu sehr. Bereits im optischen Sinne überzeichnet er Goemon nur allzu sehr, alles wirkt enorm bunt, gekünstelt und teilweise leider auch etwas billig und kitschig – besonders in Bezug auf die Animationen, die nicht immer auf der Höhe der Zeit zu sein scheinen. Sicherlich ist das auch eine Frage des Geschmacks, zumindest ist Goemon im optischen Sinne etwas neues und vielleicht auch erfrischendes – für Menschen, die nicht ständig Fantasystreifen aus Japan zu Gesicht bekommen. Auch sehen manche Szenen wirklich sehr gut und stimmig aus (die Landschaften, die Glühwürmchen-Szenen und viele mehr), doch im Gesamtkontext wirkt alles eher wie ein kruder Mix, der am Ende eine gewisse Disharmonie zum Ergebnis hat. Und das nur in Bezug auf die optischen Aspekte – denn zur Story geht es erst jetzt.

Frech könnte man fragen: worum geht es eigentlich in Goemon ? Sicherlich, keine leicht zu beantwortende Frage. Was an sich nichts schlechtes ist – schließlich sind komplexe Werke, bei denen es entgegen typischer US-Hollywoodfilme einfach nicht möglich ist, den Inhalt in wenigen Sätzen zu transportieren (den Anime Neon Genesis Evangelion als ein Beispiel), erfrischend. Doch in diesem Fall gerät es doch etwas zu sehr ausser Kontrolle, beziehungsweise aus einem jeglichen Verständnisbereich. Natürlich sind es auch die Namen, mit denen wir Zuschauer aus dem Westen Probleme haben könnten – das geht sicherlich vielen so. So kann man sich wohl kaum einen der (auch nicht sonderlich einprägsamen) Charakternamen merken, ausser natürlich den von Goemon selbst – und den eines gewissen Schwertkämpfers der auch schon in Kill Bill eine Erwähnung gefunden hat. Zum einen scheint es Kazuaki Kiriya hier wie schon in Sachen Optik arg zu übertreiben. Er überfrachtet Goemon mit unendlich viel Symbolik (der man nicht immer folgen kann), Motiven und Nebengeschichten. Auch Zeitsprünge sind keine Seltenheit – die völlig abrupt geschehen und ebenso abrupt wieder „beendet“ werden. Sicherlich geht es um einiges: in erster Linie um die verwirrende Herrschaftssituation im feudalen Japan im Jahre 1528 (und drumherum), alles gespickt mit einigen Fatasy-Elementen und teilweise vielschichtigen Charakterporträts. Was war damals geschehen, warum herrscht nicht mehr Person X, und wie verhält es sich mit Person Y, und überhaupt; wollen alle nicht immer nur auf eines hinaus, nämlich auf Krieg ? Obwohl sie selbstverständlich das Gegenteil versprechen. Und was ist mit Goemon selbst, was sind seine Ziele ? Und was ist mit seiner alten Liebe, die bis heute anzudauern scheint ? Und was ist mit seinem Partner, der etwas dümmlich wirkt aber auch langsam seine Zweifel an Goemon und seiner Mission zu hegen beginnt ? Und was ist mit dem kleinen Jungen, den Goemon rettete – und von nun an seiner Seite mitmarschiert ?

Goemon - Fantasyaction fernab vom Mainstream, oder überdrehtes Spektakel ?

Und natürlich ebenfalls ausführlich behandelt: das Verhältnis von Goemon und seinen alten Freunden und Feinden, die mal hier und mal da auftauchen, sich mal so und mal so verhalten. Man läuft Gefahr, stellenweise den Überblick zu verlieren ob dieser… „opulenten“ Darstellungsweise. Und am Ende stellt sich dann irgendwie doch heraus, dass der eigentliche Kern der Story gar kein so besonderer war. Ein Gefühl von viel Lärm um nichts stellt sich ein. Eines ist klar: Goemon ist viel zu überfrachtet, das Hauptaugenmerk wurde auf das wie (den Stil) gelegt, und nicht auf das was (die Substanz). Beispielsweise wurde völlig auf eine (eventuell auch witzige Art der) Erklärung verzichtet, warum Goemon und die anderen Ninjas solche gar übernatürlichen Kräfte besaßen – es ist einfach selbstverständlich. Wie auch viele andere Dinge, bei denen man sich als Zuschauer aber erstmal fragt: hoppla, was war denn das jetzt ? Denn somit wird auch das Genre nicht immer ganz offensichtlich: eigentlich ist es Actionfilm, bei dem man das Zusatzwort Fantasy oftmals zu vergessen droht. Verständlich, immerhin sind diese Aspekte dünn gesät, die übernatürlichen Kräfte und die überzeichneten Charaktere gehören wohl mit dazu. Andererseits ist es natürlich auch ein Drama, beziehungsweise eher ein Historien-Drama. Was denn nun… ?

Fazit: Positiv anzumerken sind mit Sicherheit das generell recht flotte Tempo des Films, die stellenweise überzeugenden Actionszenen, sowie der Soundtrack. Auch einige der Szenenaufbauten gemischt mit der CGI-Optik ergaben einen stimmigen Eindruck – wenngleich man sich diesen eher in einem Musikvideo oder in einer Videospielsequenz vorstellen könnte als in einem Film. Auch in Bezug auf die stellenweise leicht selbstironische Darstellung (besonders zu Anfang des Films) kann man nicht klagen. Goemon fängt an wie ein Film im Stil von Kung Fu Hustle, ein Film der verspricht Spaß zu machen und mit flotten Actionszenen zu glänzen. Doch er verstrickt sich immer mehr in der krude präsentierten Story und den optischen Aspekten, sowie der zunehmenden Ernsthaftigkeit. Das völlig überzogene Finale des Films vermag diesen Eindruck noch einmal zu unterstreichen. Schlussendlich: Goemon ist mit Sicherheit ein etwas anderer Film, aber keiner, den man jedem ohne Bedenken ans Herz legen sollte.

2 replies »

  1. Ich denke besser hätte man es einfach nicht ausdrücken können. Aber ich denke wenn man mal eine Zeit lang in Japan war, versteht man zumindest warum die Geschichten hier nie ein wirkliches Ende haben. Freundschaften, Feinschaften, Liebe und Hass alles soll sich bis in die Unendlichkeit ausdehnen und ewig wären (also wirklich auf lange Sicht!, nichts ist kurzfristig was alles wieder sehr anstrengend macht) denn das ist es wohl worum es hier geht: Eine kurzer Einblick in eine viel zu komplexe Langzeitbeziehung zwischen den Charakteren dieses Films… und das ganze noch in bunt und verrückt! xD

    Ich denke wenn man den Film mit „westlichen“ Augen betrachtet fällt das Ergebnis immer anders aus. Aber ich denke meine japanischen Kollegen über ihn auch als verrückt bezeichnen^^

    Gefällt 1 Person

    • Guter Punkt !

      Eigentlich beschreibst Du damit auch genau das, was ich an fernöstlichen bzw. speziell japanischen Filmen so schätze. Auch wenn ich natürlich nicht ganz so tief in die jeweilige Materie einsteigen respektive alles akkurat nachvollziehen kann. Aber es reicht schon, das auch mal etwas weiter ausgeholt oder es dezent poetisch wird. Bei manchen Stories hat man einfach das Gefühl, als wären sie allumfassend und weitreichend – zumindest mehr als bei vielen westlichen Film-Kandidaten; die im Vergleich oftmals eher banal wirken.

      Wobei ich dies vornehmlich auf die Inhalte beziehe. Speziell in Bezug auf diesen Blog hier ist das aber natürlich nur die halbe Miete. Wenn die Präsentationsaspekte nicht mithalten können bzw. nicht ganz so elegant erscheinen, kann dies das Gesamtergebnis doch merklich schmälern. Wie sicher auch bei diesem kunterbunt-verrückten Werk hier… das ich ehrlich gesagt kaum noch in Erinnerung habe.

      Kannst ja auch nochmal einen Blick auf meine Filmlisten werfen (siehe Button Filme & Serien oben), müsste noch einiges aus Japan dabeisein.

      Cheers, Oliver

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