PC-Spieletest / Game-Review: FALLOUT 3 Inklusive Aller Addons (2008)

Veröffentlichungsdatum: 28.  Oktober 2008 (PC)
Entwickler: Bethesda
Publisher: Bethesda Softworks
USK: Ab 18 freigegeben
Genre: Action / Rollenspiel

Der nukleare FALLOUT ist (endlich ?) da.

Es war einmal vor einiger Zeit in den heimischen Multimedia-Geschäften… da war ein Spiel; dessen Vorgänger bereits einen gewissen Kultstatus besaßen, ganz frisch in die Regale gekommen – und wartete darauf, von Fans und Neulingen gleichermaßen entdeckt zu werden. Richtig, es handelte sich um das Spiel FALLOUT 3. Und: glücklicherweise hatte es einen gewissen Erfolg – der bis heute in der noch immer wachsenden Fanbase anhält. Nicht zu Unrecht, wie sich herausstellt – denn tatsächlich ist das Spiel in vielerlei Hinsicht besonders, und darüber hinaus auch über viele Zweifel erhaben.

Dabei ist Fallout 3 alles, nur kein typisches Action- oder Rollenspiel. Vielmehr ist es das vollendete Produkt einer sinnigen Verknüpfung eben jener Genres – und ein Spiel, dem man die investierte Arbeit der Entwickler zu so gut wie jedem Zeitpunkt anmerkt. Jede Entscheidung, die man als Spieler in der Spielwelt von FALLOUT 3 trifft; hat ihre eigene Tragweite und unterschiedliche Folgen für den weiteren Spielverlauf. Man kann mit allerlei freundlichen oder feindlichen NPC’s diskutieren, Handel treiben, der Hauptquest folgen – und natürlich relativ frei die weitläufige Landschaft erkunden. Vornehmlich, um dabei praktische Schnellreise-Ziele freizuschalten sowie natürlich zusätzliche Erfahrungspunkte zu sammeln – von denen man eigentlich niemals genug bekommen kann. Der Grund: es gibt ein raffiniertes Level- und Skillpunktesystem in FALLOUT 3, welches den Spieler zusätzlich motiviert immer weiter voranzukommen. Hat man den nächsten Levelaufstieg geschafft, steht man vor einigen Entscheidungen: wie genau sollte ich meine gewonnen Erfahrungspunkte in meine Fähigkeiten (davon gibt es gar nicht mal so wenige) investieren, und welche Spezialfähigkeit entspricht wohl am ehesten meinem Spiel-Stil ? Aber auch die absoluten Grundwerte sind wichtig, die man zu Beginn des Spiels festlegt. Stichwort Beginn: selten ist ein Spiel-Start so atmosphärisch ausgefallen wie in FALLOUT 3 – man beginnt in einer sogenannten Vault, und das als Baby – bis man es über einige Etappen als Kind bis zum Erwachsenendasein schafft, und letztendlich die Vault auf der Suche nach dem eigenen Vater verlässt. Das große Abenteuer kann beginnen…

Tatsächlich weiß man ob der vielen Möglichkeiten dabei zunächst gar nicht genau, wohin man gehen soll. Doch das Spiel schafft es, dem Spieler ausreichend Hinweise zu geben – sodass er sich relativ sicher und ohne viel nachzudenken an den Haupt-Quests orientieren kann. Aber natürlich, und darin liegt der noch größere Spaßfaktor; ermutigt es den Spieler auch, mal etwas abseits der Hauptwege zu wandeln und dabei immer wieder neues zu entdecken. Seien es verschiedenste Gegenstände (die man eventuell noch für selbst gebaute Waffen braucht), Waffen (die sich in ihrer Wirkung tatsächlich stark unterscheiden), interessante NPC’s oder spannende Neben-Quests, ganze geheime Städte oder allerlei dunkle Geheimnisse – FALLOUT 3 hat eigentlich immer etwas zu erzählen. Doch natürlich dient die intensiv erzählte Hauptquest als Dreh- und Angelpunkt des Spiels – bei der es gilt, den verschwundenen Vater der Spielfigur wiederzufinden. Hierbei hat man stets die Wahl: entweder man versucht es auf eine eher vorsichtige und möglichst diplomatische Tour – oder aber man setzt alles ein, was man im „Wasteland“ so finden kann. Etwa, indem man sich eigene Waffen bastelt (Highlight unter anderem: der Rockit-Werfer, der alle möglichen Gegenstände verschießt), und versucht mit der guten alten Rambo-Manier ans Ziel zu kommen. Unter anderem wegen dieser Entscheidungsfreiheit und der nicht gerade unzimperlichen Gewaltdarstellungen ist das Spiel auch erst ab 18 empfohlen – was analog zu den dezent übertriebenen Gore-Effekten (in der empfehlenswerten ungeschnittenen Version) für einen zusätzlichen Fun-Faktor sorgt. Hier spielt auch das sogenannte V.A.T.S.-System eine große Rolle – eine per Tastendruck aktivierbare Option, welche die Zeit für einen Moment anhält und es dem Spieler ermöglicht, Gegner bzw. einzelne Körperteile exakt anzuvisieren. Gerade dabei entstehen oft absolut Kino-reife Szenen, die sich nachhaltig einprägen.

Und die Spielwelt… diese ist in FALLOUT 3 tatsächlich riesig. Riesiger, als man es zunächst annehmen möchte – vor allem, wenn man nur den Hauptquests folgt. Doch was passiert wenn man mal ein wenig herumstöbert, mal woanders hingeht als eigentlich vorgeschrieben – ist einzigartig, und mündet in einem größtmöglichen Gefühl einer spielerischen Freiheit. Wer Wert darauf legt, die gesamte Karte des Hauptspiels zu erkunden, der wird – je nach Geschwindigkeit – durchaus seine 50-70 Stunden unterwegs sein. Sollte man darüber hinaus alle 5 offiziellen Addons besitzen, könnte die Gesamtspielzeit auch gerne 80-100 (+) Stunden in Anspruch nehmen. Das ist gut, und enorm. Denn: die Zeit wird nicht sinnlos verdaddelt, die Welt von FALLOUT 3 ist einfach stimmig und glaubhaft. Mehr noch: das Ganze spielt sich einstweilen wie ein gut gemachter Film, in dem man selbst die Hauptrolle übernimmt. Trotz der relativ langen Spielzeit gibt es also absolut keine Anzeichen von Langeweile. Aber auch so ist das Spiel einfach rundum gelungen – und der Wiederspielwert ist ebenfalls enorm. Nicht zuletzt aufgrund der verschiedenen Entscheidungen und Dialogoptionen, die zu einem guten oder einem bösen Karma führen – was unter anderem verschieden Begleitertypen ermöglicht. Die sind dann auch überaus hilfreich, geht es in die gefährlicheren Ecken der Spielwelt – wo man einen guten Partner immer gebrauchen kann. Überhaupt ist der allgemeine Spaß-Faktor des Spiel größer, als man es zunächst vermuten würde – trotz der relativen Ernsthaftigkeit des Szenarios haben die Entwickler unendlich viele Gimmicks und Seitenhiebe eingebaut, die einem immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Bei einem derart umfangreichen Spiel wie diesem bietet es sich natürlich an, auf eine möglichst vollständige Aufstellung aller möglichen Positiv- und Negativaspekte zu setzen – die man der folgenden Tabelle entnehmen kann.

Die riesige (Spiel-)Welt von Fallout 3
Handlung und Präsentation
  • Ansprechendes, intensives, glaubhaftes Endzeit-Szenario
  • Einzigartiger Spiel-Beginn (Aufwachsen in der Vault)
  • Unzählige spannende Nebengeschichten und -Charaktere
  • Unzählbare atmosphärische Details & Gimmicks
  • Hervorragende Haupt-Quest
  • Stimmiges Intro, passendes Outro

10/10

Grafik und Design
  • Riesige, hübsche Spielwelt mit Möglichkeiten zum Erkunden und Austoben
  • Viele verschiedene Gegnertypen
  • Zahlreiche verschiedene Objekte und Waffen
  • Hübsche Explosionen und Effekte
  • Dynamischer Tag- und Nachtwechsel
  • Weitläufige Außenareale, stimmige Innenbereiche
  • Tolles Creature-Design
  • Teils karge Texturen
  • NPC-Designs wiederholen sich auffällig („Klone“)
  • Keine wirklichen Wettereffekte
  • Teils merkwürdige „grüne“ Lichtstimmung
  • Nicht allzu viele Möglichkeiten bei der Charakter-Erstellung
  • Gras und Büsche („Fauna“) eher bescheiden

8.0/10

Sound
  • Hervorragend vertonte Figuren
  • Lebendige Umgebungsgeräusche
  • Viele kleinere, stimmige Soundelemente
  • Bombastische Explosionen
  • Knackiger Waffensound
  • Guter, passiger Soundtrack
  • Wählbare Radio-Stationen
  • Herzschlag-Sound bei niedriger Gesundheit

10/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Grundsätzliches Gefühl von Freiheit und Spielraum
  • Grundsätzlich mehrere Herangehensweise (Schleichen, Action, Vermeidung)
  • Spannende Haupt-Quests, interessante Neben-Quests und -Charaktere
  • Komplexes Itemsystem mit hunderten verschiedenster Objekte, davon ein Großteil mit Nutzen
  • Verschiedene wählbare Begleiter (abhängig vom Karma)
  • Spezielle nicht menschliche Begleiter wie der Hund oder der Roboter
  • Gutes Dialogsystem mit speziellen Optionen (und Folgen)
  • Ein „eigenes Haus“ mit einer eigenen Inneneinrichtung (möglich)
  • Ladensystem (+ Feilschen, An- und Verkauf)
  • Spezielle Orte und Charaktere, die in Erinnerung bleiben
  • Wenig nachhaltig wirksame, einprägsame Szenen (wie z.B. die Situation in Megaton, der erste Behemot oder der finale Angriff mit Liberty Prime) und keine wirklichen Boss-Monster
  • Die Hauptquest ist eher einfach gestrickt, viel zu kurz und auf kleine Bereiche der Karte reduziert

9.5/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Grundsätzlich hervorragende Technik (Grafik in Bezug zu Mindestanforderungen)
  • Zumeist faire automatische Speicherpunkte, Schnellspeichern möglich
  • Intuitive, unkomplizierte Steuerung
  • Geniales V.A.T.S.-System
  • Wählbare Schwierigkeitsgrade
  • Wechsel von der Ego in die 3rd-Person-Perspektive jederzeit möglich
  • Einfache Implementation von Mods oder neuem Content möglich
  • Ohne ein Addon endet das Spiel strikt nach der letzten Mission (egal, wie viel man bereits erkundet hat)
  • Nicht komplett bug- und fehlerfrei (Clipping, Spawning, Abstürze)
  • Keinerlei Fahrzeuge oder schnelleres Vorankommen möglich
  • Das Maximallevel ist 20, oder maximal 30 (mit “Broken Steel”)
  • Das zu tragende Maximalgewicht ist viel zu niedrig (vermeintlich „realistisch“, in Anbetracht der Item-Vielfalt aber nervig)

7.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 40-90

Fazit: Insgesamt betrachtet handelt es sich bei FALLOUT 3 nicht nur um ein sehr gutes Spiel – sondern vielleicht sogar um eines der besten Spiele aller Zeiten. Sei es die einzigartige Atmosphäre irgendwo zwischen Beklemmung (Stichwort Apokalypse) und einem Heidenspaß (Stichwort Spielwitz), die nette Grafik, die hervorragenden Soundeffekte, die unzähligen Möglichkeiten inklusive eines immensen Wiederspielwerts – man kommt einfach nicht umher das Spiel selbst einmal zu spielen, will man wissen woher die allgemeine Faszination für das Franchise kommt. Die folgende Wertung wird also eine vergleichsweise hohe sein – wobei ein letzter kleiner Wermutstropfen bleibt. Schließlich hat das Spiel einige kleinere; nun, Unzulänglichkeiten – die man immerhin mithilfe von Mods abstellen kann. An dieser Stelle gilt es, an großes Dankeschön an die Fallout 3 Community zu richten – und natürlich auch an Bethesda, die es den Fans der Reihe vergleichsweise einfach machen, neuen oder angepassten Content zu liefern. Warum man aber nicht gleich eher einfache Dinge wie etwa ein Sprint-System (über die Aktionspunkte), eine Anpassung des tragbaren Gewichts (so ist es realistischer, aber eben auch unvergleichlich frustrierender), ein besseres Schadenssystem (im späteren Verlauf sind gerade menschliche Gegner sehr stark und nicht einmal mit mehreren Kopfschüssen umzulegen) oder Möglichkeiten zur Anpassung weiterer kleinerer Dinge ins Spiel hat implementieren können, bleibt ein Rätsel – und wird mit einem entsprechenden, kleinen Punkteabzug bestraft. Doch auch so bleibt FALLOUT 3 eines der Spiele, die einen aufgrund ihrer Qualität und nachhaltigen Wirkung ein ganzes Leben lang begleiten werden. Anders gesagt: das Spiel ist ein MUSS, ob jetzt oder erst in den nachfolgenden Jahrzehnten.


„Nicht weniger als eines der besten Spiele aller Zeiten – herzlichen Glückwunsch.“


Natürlich – und glücklicherweise – gibt es mittlerweile auch einige offizielle Erweiterungen zum Spiel, deren Vor- und Nachteile man in der folgenden Aufstellung begutachten kann (fließt nicht in die Wertung des eigentlichen Hauptspiels mit ein):

Fallout 3 – Broken Steel

  • + Neues Maximallevel: 30 (sehr nützlich)
  • + Neue Quests, gut ins Hauptspiel integriert
  • + Neue Gegenstände
  • – Eher kurz gehalten
  • – Eher langweilige Quests (durchlaufen und immer dieselben Gegner erledigen)

Addon-Wertung: 6/10

Fallout 3 – Point Lookout

  • + Eine komplett neue „Welt“ / Insel zu erforschen
  • + Nette Lösung der An- und Abreise
  • + Neue Gegnertypen
  • + Neue Gegenstände
  • + Gute Atmosphäre
  • + Gute Missionen mit einzigartigen NPC’s
  • + Zusätzlicher Witz (siehe eine der finalen Missionen)
  • + Tauchen nach Schätzen um die Insel herum
  • + Länge und Inhalt genau richtig für ein Addon
  • – keine Erhöhung des Maximallevels trotz recht großer neuer Welt (nur ein MOD schafft Abhilfe)
  • – ein bisschen „einsam“ – es gibt keine wirklich belebteren Orte auf der Insel, außer der Kirche

Addon-Wertung: 8/10

Fallout 3 – Operation Anchorage

  • + Fallout 3 mal anders (Schneelandschaft)
  • + Neue Waffen und Ausrüstung (ins Hauptspiel übertragbar)
  • – Nur eine Simulation
  • – Keine Atmosphäre
  • – Wenig Interaktionsmöglichkeiten
  • – Immer gleiche Gegner- und Munitionstypen
  • – Viel zu kurz und wenig umfangreich
  • – Eher Shooter als Rollenspiel

Addon-Wertung: 3/10

Fallout 3 – Mothership Zeta

  • + Überraschend, sprüht vor Witz und Ideen
  • + Neue Texturen, neue Umgebung
  • + Neue Waffen, neue Gegner, neue NPC’s und Begleiter
  • + Fühlt sich ein wenig wie ein „neues Spiel“ an
  • + Sehr stimmige Atmosphäre
  • + Sehr eindrucksvolle Levelpassagen (Weltraumspaziergang)
  • – Eher kurz und in sich geschlossen

Addon-Wertung: 9/10

Fallout 3 – The Pitt

  • + Sehr glaubhafte, irgendwie „schmutzig“ wirkende Spielwelt
  • + spannendes „Vorarbeiten“ bis hin zum Chef von „The Pitt“
  • + Atemberaubende Grafik (Industrieviertel + Türme)
  • + Spannende Story und Questmöglichkeiten (gut / böse, das Baby)
  • – nicht allzuviele neue Elemente

Addon-Wertung: 8/10

Ein Gedanke zu “PC-Spieletest / Game-Review: FALLOUT 3 Inklusive Aller Addons (2008)

  1. Oliverdsw 15 Dez 2021 / 20:34

    Nach so vielen Jahren endlich mal wieder durchgespielt, und ich muss sagen… die Wertung hat auch nach gut einem Jahrzehnt noch Bestand. Den Text habe ich allerdings ein wenig angepasst. Was für ein Spiel !

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